Fünf Tipps, wenn Du eine ver­letz­te Schild­krö­te findest


Unter Wasser: Unechte Karett-Schildkröte (Caretta Caretta), gefangen in einer tödlichen Angelleine.
Schildkröte (Caretta Caretta), gefangen in einer tödlichen Angelleine. © Philipp Kanstinger / WWF

End­lich Urlaub und end­lich raus aus dem Ham­bur­ger Schmud­del­wet­ter. Vie­le von euch fah­ren in den nächs­ten Tagen und Wochen ans Meer, so wie ich sel­ber auch. So schön der Tape­ten­wech­sel in der Natur auch sein kann, man­ches Mal pas­sie­ren im Urlaub auch Din­ge, die man nicht so schnell wie­der ver­gisst. Bei mir war das so im ver­gan­ge­nen Jahr, als ich eine Schild­krö­te fand, die sich in einer Angel­lei­ne ver­fan­gen hat­te. Damit ihr wisst, wie ihr euch in einer sol­chen Situa­ti­on ver­hal­ten soll­tet, habe ich ein paar Tipps für euch.

Mee­res­schild­krö­ten in Not

Seit eini­gen Jah­ren ist das Gebiet in Grie­chen­land in das euro­päi­sche Natu­ra 2000 Schutz­ge­biets­netz­werk auf­ge­nom­men wor­den und der Bau von neu­en Feri­en­woh­nun­gen und die Jagd auf Vögel wur­de gestoppt.
Eine Beson­der­heit der Lagu­ne ist, dass dort die unech­ten Karett­schild­krö­ten (Caret­ta Caret­ta) jähr­lich zur Eiab­la­ge an Land kom­men. Lei­der habe ich seit 30 Jah­ren hier kei­ne leben­de Mee­res­schild­krö­te mehr gese­hen. Das ist nicht ver­wun­der­lich, da die Popu­la­tio­nen im Mit­tel­meer — wie auch welt­weit — sehr stark zurück­ge­gan­gen sind, und alle Mee­res­schild­krö­ten-Arten vom Aus­ster­ben bedroht sind.

Flatterband am Strand: Absperrung um ein Schildkrötennest
Absper­rung um ein Schild­krö­ten­nest © Phil­ipp Kan­stin­ger / WWF

Hil­fe für die Schildkröten

Hier vor Ort habe ich aber eine sehr posi­ti­ve Ver­än­de­rung fest­ge­stellt. Die Leu­te (Ein­hei­mi­sche als auch Tou­ris­ten) enga­gie­ren sich stark für den Schutz der Schild­krö­ten. Wird zum Bei­spiel ein Schild­krö­ten­nest gefun­den, wird es abge­sperrt und so vor streu­nen­den Hun­den, unvor­sich­ti­gen Tou­ris­ten und am Strand fah­ren­den Autos geschützt. In vie­len Gebie­ten bil­den sich Netz­wer­ke von Bür­gern und Behör­den, um das Über­le­ben der Tie­re zu sichern.

Auch Du kannst dich beteiligen!

Wenn Du in dei­nem Urlaub Schild­krö­ten­spu­ren und ein Nest fin­dest, dann gra­be bit­te die Eier nicht aus. Falls das Nest durch Strand­be­su­cher oder Fahr­zeug gefähr­det sein könn­te, dann baue aus Stö­cken und Schnur eine zwei Meter Umzäu­nung um das Nest.

Fünf Tipps, falls Du eine ver­letz­te Schild­krö­te findest:

  1. Brin­ge sie an einen siche­ren Ort, weit weg von Men­schen und Lärm. Wich­tig: Schild­krö­ten soll­ten immer am Pan­zer gehal­ten wer­den und nie am Kopf oder an den Flossen.
  2. In den hei­ßen Som­mer­mo­na­ten soll­te die ver­letz­te Stel­le mit einem feuch­ten Tuch bedeckt werden.
  3. Es ist nicht not­wen­dig, dass die Schild­krö­te in Was­ser gehal­ten wird. Vor allem dann nicht, wenn sie eine Kopf­ver­let­zung hat oder erschöpft ist, weil sie sonst ersti­cken oder ertrin­ken kann.
  4. Wenn die Schild­krö­te in einem Netz oder in Lei­nen ver­hed­dert ist, soll­te sie vor­sich­tig befreit wer­den. Falls sie aber einen Haken ver­schluckt hat und Angel­schnur aus dem Mund oder dem After her­aus­schaut, ver­su­che bit­te nicht, den Haken herauszuziehen!
    Hier­für brauchst du pro­fes­sio­nel­le Hilfe.
  5. Mel­de das ver­letz­te Tier bei der Küs­ten­wa­che oder der Poli­zei, sie wer­den dir wei­ter­hel­fen können.

 

Wie schon gesagt, es gibt inzwi­schen ein gro­ßes Schild­krö­ten-Hilfs­netz­werk um das Mittelmeer.
Infor­mie­re Dich an Dei­nem Urlaubs­ort, ob man dort Schild­krö­ten beob­ach­ten kann oder es eine loka­le Auf­zucht­sta­ti­on gibt.

Trau­ri­ger Fall und ganz viel Hoffnung

Vor einer Woche habe ich eine gro­ße Caret­ta im Was­ser gesich­tet. Als ich zu ihr hin­ge­schnor­chelt bin, muss­te ich aber lei­der fest­stel­len, dass sie bereits vor eini­ger Zeit an einer Angel­lei­ne gestor­ben ist.
Dafür habe ich am über­nächs­ten Tag fri­sche Spu­ren im Sand und ein Nest gefun­den. Es gibt sie noch und ich hof­fe stark, dass ich bald end­lich mal wie­der eine leben­di­ge Karett­schild­krö­te sehen werde.

Schildkröten-Spuren in Griechenland am Strand
Schild­krö­ten-Spu­ren © Phil­ipp Kan­stin­ger / WWF

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3 Kommentare

  1. Avatar
    Sarah
    7. November 2016
    Antworten

    Sehr inter­es­san­ter Beitrag

    Vie­le Leu­te wis­sen wirk­lich nicht, ganz anders zb. als bei Walen, was zu tun ist, wenn eine Schild­krö­te Hil­fe braucht. 

    Mit dem rich­ti­gen Wis­sen, und einem mini­ma­len Zeit­auf­wand von 5 min zum Lesen die­ses Arti­kels, kann so even­tu­ell einer Schild­krö­te das Leben geret­tet werden! 

    Vie­len Dank des­halb für den Artikel.

    Lie­be Grüsse
    Sarah von http://schildkroeten-terrarium.com/

  2. Avatar
    Irini Brauer
    4. August 2017
    Antworten

    Vie­len Dank für den Beitrag!
    Spe­zi­ell in Grie­chen­land sol­len die Tou­ris­ten die Orga­ni­sa­ti­on Arche­lon kon­tak­tie­ren. In Athen wird auch ein Res­cue Cen­ter für schwe­rer ver­wun­de­te Schild­krö­ten betrie­ben. Vor Ort ist Arche­lon auf Kre­ta, Zakyn­thos, Kefa­lo­nia, Kypa­ris­sia, Lako­ni­kos und Koroni.
    Not­fall Tel.: 210–8944444

  3. Avatar
    1. November 2017
    Antworten

    Vie­len Dank für den Beitrag.
    Ich bin der­zeit auf Bali. Hier ist die Müll­pro­ble­ma­tik auch sehr enorm.
    Trau­rig wenn man sich über­legt, dass es bis zum Jahr 2050 mehr Plas­tik als Fische in den Welt­mee­ren geben könnte.
    Hier auf Bali haben wir bereits an ein paar Beach Clean Ups teil­ge­nom­men und selbst orga­ni­siert. Echt trau­rig was man da so alles findet.

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