Auf­ge­deckt: 3 popu­lä­re Irr­tü­mer zum Papier


Papier Recycling Altpapier geschreddert
Geschreddertes Altpapier für die Papierherstellung. © imago images / Jochen Eckel

Ist Papier umwelt­freund­lich? Gibt es Alter­na­ti­ven? Wie sinn­voll ist Papier­spa­ren? Immer und über­all prä­sent und doch kur­sie­ren noch so vie­le Mythen rund um das ‘wei­ße Blatt’. Wir klä­ren auf und infor­mie­ren über alles, rund um das The­ma Papier.

Irr­tum 1 – Papier ist per se umweltfreundlich

Falsch! Erst mal muss man ver­ste­hen, dass für die Papier­her­stel­lung vie­le Res­sour­cen wie Holz, Was­ser und vor allem auch Ener­gie ver­braucht wer­den. Rich­tig ist, dass Papier ein öko­lo­gi­sches Pro­dukt sein kann. Doch das gilt nur, wenn der Wald nach­hal­tig bewirt­schaf­tet und bei der Her­stel­lung rege­ne­ra­ti­ve Ener­gie sowie wenig Che­mi­ka­li­en ein­ge­setzt wur­den. Zudem muss es mög­lichst häu­fig recy­celt wor­den sein. Wer­be­fly­er, die nicht ein­mal gele­sen und nach dem Ent­neh­men aus dem Brief­kas­ten sofort ent­sorgt wer­den, sind dem­nach genau das Gegen­teil von umweltfreundlich.

Papier Papiertonne und Pappe
Der Papier­ver­brauch nimmt immer wei­ter zu und damit auch die Müll­ber­ge aus Papier und Pap­pe. © Alex­an­der Paul Bran­des / WWF

Heu­te wird fast jeder zwei­te indus­tri­ell gefäll­te Baum welt­weit zu Papier ver­ar­bei­tet – sei es in Form von Geschenk­pa­pier oder Taschen­tü­chern. Das Holz dafür stammt aus den Wäl­dern der gan­zen Welt, aus Plan­ta­gen und zum Teil aus ille­ga­lem Holz­ein­schlag oder Raub­bau. Die­se Tat­sa­che ist nichts Neu­es. Der Nut­zungs­druck auf die Wäl­der steigt aber ste­tig. Ob zum Hei­zen, Kochen, Bau­en, für Möbel oder zukünf­tig vor­aus­sicht­lich zuneh­mend auch für Tex­ti­li­en und Kunst­stof­fe, für alles ver­wen­den wir Holz. Auch der Papier­ver­brauch nimmt immer wei­ter zu; aktu­ell wer­den welt­weit rund 420 Mil­lio­nen Ton­nen pro­du­ziert. Das freut die Pro­du­zen­ten. So ver­mel­det die Bran­che einen Höchst­stand von 83 Mil­li­ar­den Euro Umsatz.

Irr­tum 2 – Es gibt kei­ne Papieralternativen

Falsch! Es gibt sehr wohl Alter­na­ti­ven zu Papier – die müs­sen aller­dings dif­fe­ren­ziert betrach­tet wer­den. Seit ein paar Jah­ren wer­den zum Bei­spiel Bam­bus- und Hanf­pa­pier ange­bo­ten. Doch auch hier gilt es, auf die Nach­hal­tig­keit zu ach­ten. Denn gera­de Bam­bus avan­ciert immer mehr zum Trend­ma­te­ri­al für vie­le Anwen­dun­gen. Daher wird es oft in gro­ßen Men­gen und güns­tig in Chi­na mit­hil­fe von Dün­ge­mit­teln und Che­mi­ka­li­en angebaut.

Rodung Wald für Paier
Der Nut­zungs­druck auf Wäl­der nimmt zu, da Holz- und Papier­ver­brauch ste­tig stei­gen. © ima­go images / Mari­us Schwarz

Als Alter­na­ti­ve wird Kon­su­men­ten mitt­ler­wei­le auch soge­nann­tes Stein­pa­pier ange­bo­ten. Das gibt es tat­säch­lich! Dabei besteht das Papier zu 80 Pro­zent aus Kalk­stein­mehl und zu 20 Pro­zent aus Kunst­stoff. Aber eigent­lich wol­len wir ja weg von Kunst­stof­fen selbst. Stein­pa­pier zer­setzt sich bio­lo­gisch nicht. Wenn jedoch die Kunst­stof­fe zer­fal­len, kön­nen Mikro­plas­tik-Par­ti­kel entstehen.

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Und noch ein wei­te­rer Roh­stoff eig­net sich für die Her­stel­lung von Papier: Gras. Aber auch Gras braucht Platz zum Wach­sen. Nur wenn das Gras aus exten­siv bewirt­schaf­te­ten Flä­chen stammt, ent­las­tet es die Natur. Meist wird das Pro­dukt für Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen ein­ge­setzt. Der redu­zier­te Ein­satz von Ener­gie und Was­ser macht das Pro­dukt eben­falls interessant.

Irr­tum 3 – Papier­spa­ren ist zwecklos

Falsch! Papier ganz zu ver­mei­den ist kaum mög­lich. Aber zumin­dest soll­te der Ver­brauch – ins­be­son­de­re bei uns in Deutsch­land – deut­lich redu­ziert wer­den. Denn im Ver­gleich zu ande­ren Län­dern ist der Pro-Kopf-Ver­brauch der Deut­schen extrem hoch. Das beginnt schon beim Schmier­zet­tel. Hier kön­nen bei­spiels­wei­se Fehl­dru­cke ver­wen­det und beim Aus­dru­cken immer Vor­der- sowie Rück­sei­te genutzt wer­den. Ein ande­re all­täg­li­che “Umwelt­sün­de” ist das Küchen­pa­pier. Die­ses kann ganz ein­fach durch ein altes T‑Shirt ersetzt wer­den. Oder schon mal über Recy­cling­pa­pier nach­ge­dacht? Qua­li­ta­tiv ist Recy­cling-Toi­let­ten­pa­pier heu­te nicht mehr von Frisch­fa­ser-Pro­duk­ten zu unter­schei­den. Wer einen Bei­trag zum Natur­schutz leis­ten will, redu­ziert den Papier­ver­brauch und nutzt kon­se­quent Recycling-Papierprodukte.

Gleich dop­pelt lohnt sich ein kri­ti­sches Hin­schau­en beim The­ma Online-Shop­ping. Wer hier auf die ein oder ande­re Bestel­lung ver­zich­tet oder mehr auf ein­mal bestellt, spart Ver­pa­ckungs­müll. Denn wegen des zuneh­men­den Online-Han­dels hat der Ver­brauch an (Papp-) Ver­pa­ckun­gen in Deutsch­land stark zuge­nom­men. Also bes­ser gleich lokal beim Händ­ler per­sön­lich vor Ort einkaufen.

Ein MUSS: Papier nicht in die Rest­müll­ton­ne wer­fen. Alt­pa­pier ist ein wert­vol­ler Roh­stoff, der in die (blaue) Papier­ton­ne gehört.

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Har­te Fakten:

  • Auf ein Blatt Recy­cling­pa­pier kom­men 4,6 Blät­ter Frischpapier.
  • 250 Kilo­gramm – so viel Papier ver­braucht der Durch­schnitts-Deut­sche im Jahr.
  • Nur 15 Pro­zent des Druck­pa­piers in Deutsch­land sind recycelt.

Tipps zum Papiersparen:

  • Spar­sam mit Papier umge­hen! So wäre es gut, uner­wünsch­te Wer­bung abzu­be­stel­len und Recy­cling­pa­pier zu kau­fen. Dies gilt ganz beson­ders bei Hygie­ne­pro­duk­ten wie Toilettenpapier.
  • Ver­brau­cher kön­nen sich beim Ein­kauf an Güte­sie­geln ori­en­tie­ren. Eine aktu­el­le Über­sicht gibt es hier. So exis­tiert bei Pro­duk­ten aus fri­schen Holz­fa­sern bei­spiels­wei­se das FSC-Logo.
  • Papier im Büro soll­te auf ein Mini­mum redu­ziert wer­den. Denn das schont den Wald, spart Ener­gie und Wasser.
  • Nur Papier aus­dru­cken, wenn unbe­dingt erfor­der­lich. Dann soll­ten in jedem Fall die Vor­der- sowie Rück­sei­te genutzt wer­den. In grö­ße­rer Schrift pas­sen teil­wei­se auch vier elek­tro­ni­sche Sei­ten auf ein Blatt Papier.
  • Küchen­rol­len und Toi­let­ten­pa­pier sind im Haus­halt ver­steck­te Umwelt­sün­den. Wer also schnell und effek­tiv den Wald scho­nen will, kann ein­fach Küchen­rol­len durch Lap­pen oder alte T‑Shirts erset­zen. Für Toi­let­ten­pa­pier emp­fiehlt sich in jedem Fall die aus­schließ­li­che Ver­wen­dung von Recy­cling­pro­duk­ten.
  • Auch ein Dau­er­bren­ner beim The­ma „Ver­pa­ckungs­müll“: Online-Shop­ping. Hier soll­ten Kon­su­men­ten defi­ni­tiv loka­len Han­del bevor­zu­gen und nach Läden Aus­schau hal­ten, die Pro­duk­te ohne Ver­pa­ckung anbie­ten. Eine deutsch­land­wei­te Über­sicht über “Zero-Was­te-Läden” gibt es hier.
  • Wer ger­ne Cof­fee to go trinkt, soll­te sich unbe­dingt einen eige­nen, immer wie­der nutz­ba­ren Thermo­be­cher für den lang­an­hal­ten­den Gebrauch besorgen.

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5 Kommentare

  1. Avatar
    Gisela Lampenscherf
    18. Dezember 2021
    Antworten

    Man bekommt mit jeder städ­ti­schen Wochen­zei­tung fast ein hal­bes Kilo Rekla­me bei­gepackt, teil­wei­se haben die Pro­spek­te (z.B. Aldi , Kauf­land) schon fast Katalogstärke.

    Könn­te man nicht mal eine Kam­pa­gne star­ten, wobei jede Fir­ma nur ein DIN A 4 Blatt bei­le­gen darf. Das wür­de unmen­gen an Papier einsparen.

    • Avatar
      Feirer
      18. Dezember 2021
      Antworten

      Ihre Mei­nung wird wohl von einem Groß­teil geteilt

  2. Avatar
    Feirer
    18. Dezember 2021
    Antworten

    Durch die Hin­ter­tür wird dem Papier­ab­fall Plas­tik bei­gemischt: jeder Haus­halt erhält Post in Papier­um­schlä­gen, bei denen das Adres­sa­ten­fens­ter aus har­tem Plas­tik besteht, das das alte Trans­pa­renz­pa­pier ersetzt hat. Kaum einer macht sich die Mühe, den Umschlag zu tren­nen in Plas­tik und Papier, bevor er das in die Alt­pa­pier­ton­ne wirft

    • Avatar
      Stephanie
      19. Dezember 2021
      Antworten

      Ich habe gele­sen, dass die Sor­tier­ma­schi­nen dies erken­nen und trennen.
      Wenn das Papier ein­ge­weicht wird oder davor.
      Eben­so kön­nen Metall­tei­le ent­fernt wer­den wie Heftklammern/Büroklammern.
      Weiß jemand genaue­res darüber?

      • Avatar
        Stephanie
        19. Dezember 2021
        Antworten

        Pro­ble­ma­ti­scher fin­de ich ves­teck­tes Plas­tik, also Papier, das mit einer dün­nen Plas­tik­schicht beschich­tet ist. Z.B. “Papier“tütchen von Puder­zu­cker, Kakao u.a. — im Zwei­fel den Reiß­test machen, da erkennt man, ob es “nur” Papier ist oder eine Plas­tik­schicht hat.
        Eben­so Ein­bän­de von Büchern, aber die wer­den mei­nes Wis­sens nach beim Recy­cling hän­disch ent­fernt (wur­de in einer Doku ein­mal so gezeigt).

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