Kon­nek­ti­vi­tät: Wie wir Schutz­ge­bie­te ver­bin­den müssen


Konnektivität: Bewegung ist Leben Bueffelherde, Okavango
Bewegung ist Leben © Michael Poliza/WWF

Der Natur­schutz hat sich lan­ge auf Schutz­ge­bie­te kon­zen­triert. Jetzt ist es an der Zeit, die­se zu ver­bin­den. Metho­den und Momen­tum dafür sind da.

Wenn Sie an das Wort “Kon­nek­ti­vi­tät” den­ken, was kommt Ihnen als Ers­tes in den Sinn? Wahr­schein­lich die Mög­lich­keit, sich in das nächst­ge­le­ge­ne WIFI-Netz ein­zu­klin­ken. Aber es gibt noch eine ande­re Art von Ver­bin­dung, die für das Leben von grund­le­gen­der Bedeu­tung ist — die Kon­nek­ti­vi­tät der Natur, oder öko­lo­gi­sche Kon­nek­ti­vi­tät, wie Wis­sen­schaft­ler sie ger­ne nen­nen. Es ist die Fähig­keit von Tie­ren, sich zu bewe­gen und von Öko­sys­tem­pro­zes­sen, zu fließen.

Kon­nek­ti­vi­tät heißt Bewe­gung — und Bewe­gung heißt Leben

Kon­nek­ti­vi­tät ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung. Vie­le Tie­re müs­sen zwi­schen ver­schie­de­nen Gebie­ten hin- und her­wan­dern. Die Orte, an denen sie ihre Nah­rung fin­den, unter­schei­den sich oft von denen, wo sie sich zur Paa­rung oder zum Lai­chen ver­sam­meln. Die wei­chen wie­der­um von den Orten ab, an denen sie ihre Jun­gen auf­zie­hen oder an denen sie ver­läss­lich Was­ser fin­den kön­nen. Bäche müs­sen flie­ßen, damit das Was­ser dort­hin gelangt, wo es gebraucht wird. Mit dem Wech­sel der Jah­res­zei­ten ändern sich die Umwelt­be­din­gun­gen, was zu den gro­ßen Wan­de­run­gen von Vögeln, Säu­ge­tie­ren, Insek­ten und Fischen führt. Und jetzt in der Kli­ma­kri­se müs­sen die Tie­re in neue Gebie­te umzie­hen, da ihre bis­he­ri­gen Lebens­räu­me unge­eig­net werden.

Natur darf kei­ne Insel sein

Lei­der geht die Ver­net­zung der Natur immer mehr ver­lo­ren. Der Park in der Stadt ist höchst­wahr­schein­lich eine iso­lier­te grü­ne Insel in einem Meer aus von Men­schen geschaf­fe­ner Infra­struk­tur. Genau das pas­siert mit den ver­blie­be­nen Natur­räu­men. Immer mehr Flä­chen wer­den für die Land­wirt­schaft, die Gewin­nung von Roh­stof­fen und ande­re Zwe­cke umge­wan­delt. 90 Pro­zent der welt­wei­ten Schutz­ge­bie­te befin­den sich heu­te in einem vom Men­schen beherrsch­ten, frag­men­tier­ten Gebiet, das sich rasch ver­schlech­tert und das Über­le­ben der Tie­re gefährdet.

Die Ver­bin­dung der ver­blei­ben­den natür­li­chen Lebens­räu­me ist eine der gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit. Wir müs­sen sie bewäl­ti­gen, wenn wir einen kata­stro­pha­len Rück­gang der bio­lo­gi­schen Viel­falt ver­hin­dern wollen.

Genau jetzt gibt es die Chan­ce mehr Kon­nek­ti­vi­tät festzuschreiben

Die gute Nach­richt ist, dass wir genau jetzt die Mög­lich­keit haben, umwäl­zen­de Regie­rungs­ver­pflich­tun­gen zu errei­chen, um die Ver­net­zung der Natur anzu­ge­hen. 196 Regie­run­gen sind Ver­trags­par­tei­en des Über­ein­kom­mens über die bio­lo­gi­sche Viel­falt (CBD), das der­zeit mit sei­nem Glo­bal Bio­di­ver­si­ty Frame­work (GBF) die Agen­da für das nächs­te Jahr­zehnt festlegt.

Es gibt gute Fort­schrit­te, auf denen wir auf­bau­en kön­nen. 2021 ver­ab­schie­de­te die UN-Gene­ral­ver­samm­lung ihre ers­te Reso­lu­ti­on, die sich mit dem Ver­bund der Natur befasst. Das Über­ein­kom­men über wan­dern­de Arten nahm die Gan­dhina­gar-Erklä­rung an, in der gefor­dert wird, dass der öko­lo­gi­sche Ver­bund im GBF wirk­sam berück­sich­tigt wird.  Die ers­ten Anzei­chen sind gut — auch wenn es noch Aspek­te gibt, die gestärkt wer­den müs­sen. Der Gesamt­rah­men muss noch ver­ein­bart und ange­nom­men wer­den. Die Ver­net­zung ist vor­läu­fig in einem Ziel und vier der Ziel­vor­ga­ben des GBF ent­hal­ten. Im Fal­le einer Ver­ab­schie­dung wäre die Kon­nek­ti­vi­tät ein zen­tra­ler Bestand­teil in den Berei­chen Raum­pla­nung, Wie­der­her­stel­lung, geschütz­te und erhal­te­ne Gebie­te sowie Stadtplanung.

Konnektivität: Elefantenherde-Tierwanderung
Tie­re müs­sen wan­dern kön­nen © Don­na Archer

Doch es gibt eine Her­aus­for­de­rung. In der Ver­gan­gen­heit gab es auf der CBD Zie­le zur Ver­net­zung, die aber lei­der nicht erreicht wur­den. Die Umset­zung ist zu kurz gekom­men. Das Ziel 17 Pro­zent der Land­flä­che der Erde unter Schutz zu stel­len, haben wir fast erreicht. Weit­aus weni­ger Fort­schrit­te gab es bei der Sicher­stel­lung der Ver­net­zung die­ser Gebie­te unter­ein­an­der. Wie kön­nen wir das die­ses Mal ver­mei­den? Wir mei­nen, dass einer der Schlüs­sel in den rich­ti­gen Instru­men­ten zur Mes­sung der Kon­nek­ti­vi­tät liegt. Damit sind alle Akteu­re trans­pa­rent und rechen­schafts­pflich­tig, wenn es dar­um geht, die­se Zie­le zu erreichen.

Daher ist die heu­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung der welt­weit ers­ten Bewer­tung der ter­res­tri­schen funk­tio­na­len Kon­nek­ti­vi­tät in Sci­ence so bahn­bre­chend. Und er hät­te zu kei­ner bes­se­ren Zeit kom­men kön­nen. Damit kön­nen wir die Fähig­keit von Tie­ren, sich zwi­schen Schutz­ge­bie­ten zu bewe­gen, visua­li­sie­ren und mes­sen. Wir kön­nen sehen, wie die Län­der im Ver­gleich zu ihren Nach­barn abschnei­den. Und wir kön­nen die Fort­schrit­te verfolgen.

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In der heu­ti­gen Aus­ga­be von Sci­ence wird der Pro­tec­ted Area Iso­la­ti­on Index (PAI) vor­ge­stellt. Mit dem schät­zen wir, wie iso­liert die ein­zel­nen ter­res­tri­schen Schutz­ge­bie­te der Welt sind. Die­se Schät­zung basiert auf Daten, die zei­gen, dass Säu­ge­tie­re grö­ße­re Ent­fer­nun­gen in Gebie­ten zurück­zu­le­gen, die weni­ger von Men­schen beein­flusst wur­den. Durch die Kom­bi­na­ti­on die­ser Bezie­hung mit dem Human Foot­print Index und der Nut­zung eines aus­ge­klü­gel­ten Ansat­zes zur Mes­sung der Kon­nek­ti­vi­tät, der so genann­ten Schalt­kreis­theo­rie, kön­nen wir abschät­zen, wie ver­netzt das Schutz­ge­biets­sys­tem eines Lan­des ist. Wir kön­nen aber auch Prio­ri­tä­ten für Schutz­maß­nah­men in den welt­weit wich­tigs­ten Gebie­ten für die Kon­nek­ti­vi­tät festzulegen.

Das Ent­schei­den­de ist, dass wir ihn welt­weit ein­set­zen kön­nen, um die Fort­schrit­te der Regie­run­gen bei der Erfül­lung ihrer Zie­le zu ver­fol­gen. PAI könn­te aber auch auf Land­schafts­ebe­ne berech­net und ein­ge­setzt wer­den, um in Echt­zeit zu mes­sen, wie Maß­nah­men wie die Besei­ti­gung von Zäu­nen, der Bau von Unter- oder Über­füh­run­gen für Wild­tie­re und die Ver­bes­se­rung der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen für Wild­tie­re die Kon­nek­ti­vi­tät verbessern.

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Wir leben in span­nen­den Zei­ten. Ergän­zend zu den wis­sen­schaft­li­chen Fort­schrit­ten gibt es eine wach­sen­de Zahl von prak­ti­schen Maß­nah­men, bei denen Akteu­re aus den ver­schie­dens­ten Berei­chen für ein gemein­sa­mes Ziel zusam­men­ar­bei­ten. Gemein­den in der Kavan­go-Sam­be­si-Land­schaft im süd­li­chen Afri­ka bewirt­schaf­ten ihre Län­de­rei­en in Aus­brei­tungs­ge­bie­ten für Wild­tie­re, um die Bewe­gung von Wild­tie­ren zu unter­stüt­zen. Ein Plan­ta­gen­un­ter­neh­men in Bor­neo hat einen Kor­ri­dor für Wild­tie­re inner­halb sei­ner Kon­zes­si­on auf­ge­fors­tet, um die Bewe­gung von Wild­tie­ren zwi­schen ansons­ten iso­lier­ten Reser­va­ten zu ermög­li­chen. Die kana­di­sche Regie­rung hat gera­de 60 Mil­lio­nen Dol­lar für ein neu­es natio­na­les Pro­gramm für öko­lo­gi­sche Kor­ri­do­re bereit­ge­stellt. Baum­woll­bau­ern in Indi­en stel­len auf öko­lo­gi­sche Prak­ti­ken um. Sie unter­stüt­zen so die Bewe­gung von Tigern und ande­ren Wild­tie­ren durch ihre Farmen.

Wir haben also die wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen und wir haben die Ver­bin­dung vor Ort her­ge­stellt.  Jetzt brau­chen wir eine glo­ba­le poli­ti­sche Dyna­mik und eine Rei­he von Ver­pflich­tun­gen, um dies in die Tat umzu­set­zen. Die GBF des CBD bie­tet genau die­se Mög­lich­keit, WENN wir es rich­tig anpa­cken. Die wach­sen­de Dyna­mik zum Schutz und zur Erhal­tung von 30 Pro­zent des Pla­ne­ten bis 2030 — ein gro­ßer Schritt nach oben gegen­über dem bis­he­ri­gen Ziel von 17 Pro­zent — ist ermu­ti­gend. Wenn jedoch nicht eben­so viel Wert dar­auf gelegt wird, dass die­se 30 Pro­zent gut ver­netzt sind, wer­den wir die glei­chen Feh­ler der Ver­gan­gen­heit wie­der­ho­len. Dann wer­den wir es nicht schaf­fen, eine wider­stands­fä­hi­ge Zukunft für die Natur zu sichern.

Wir ermu­ti­gen daher alle Ver­trags­par­tei­en des CBD-Über­ein­kom­mens, die For­mu­lie­rung der Kon­nek­ti­vi­tät in den Zie­len und Vor­ga­ben wei­ter zu stär­ken und vor allem einen Leit­in­di­ka­tor für die Kon­nek­ti­vi­tät ein­zu­füh­ren, der dazu bei­trägt, dass die Kon­nek­ti­vi­täts­aspek­te tat­säch­lich umge­setzt werden.

Wenn uns dies gelingt, kön­nen wir uns auf einen ver­netz­ten, gesun­den Pla­ne­ten freu­en, der uns allen zugu­te kommt.

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