Tuvai­juit­tuq: Das letz­te Eis


Neues Arktis-Schutzgebiet Tuvaijuittuq
Neues Arktis-Schutzgebiet: Zuflucht für Narwale, Eisbären & Co. © Paul Nicklen-National Geographic Stock-WWF-Canada

Tuvai­juit­tuq bedeu­tet so viel wie „wo das Eis nie­mals schmilzt“. Es ist eines der nörd­lichs­ten Gebie­te unse­rer Erde. Nur hier gibt es über­haupt noch mehr­jäh­ri­ges Eis. In die­sem Jahr erklär­te die kana­di­sche Regie­rung die wert­vol­le Mee­res­re­gi­on zu einem der größ­ten Schutz­ge­bie­te der Welt. Ein Erfolg, der mich auch per­sön­lich freut. Denn ich war vor 12 Jah­ren dabei, als der WWF mit den Anstoß dazu gege­ben hat.

Schutz­ge­biet im ewi­gen Eis

Mit rund 320.000 Qua­drat­ki­lo­me­tern ist das neue Ark­tis-Schutz­ge­biet fast so groß wie Deutsch­land. Es liegt im äußers­ten Nor­den Kana­das, an der nörd­li­chen Küs­te von Elles­me­re Island. Hier ist das Pack­eis noch meh­re­re Jah­re alt und oft über zwei Meter dick. Hier gibt es die letz­ten gro­ßen ark­ti­schen Eis­schelfs. Hier­her trei­ben die Eis­mas­sen vom Nord­pol. Es ist eine ein­zig­ar­ti­ge, noch unbe­rühr­te und öko­lo­gisch unglaub­lich wich­ti­ge Regi­on! Tuvai­juit­tuq ist eines der weni­gen mari­nen Schutz­ge­bie­te, das es in der Ark­tis bis­her über­haupt gibt. Hier leben Belugas, Grön­land­wa­le, Eis­bä­ren, Rob­ben und unzäh­li­ge Vogel­ar­ten noch unge­stört. Und das soll nun auch so blei­ben. Die kom­mer­zi­el­le Aus­beu­tung spe­zi­ell von Öl und Gas ist hier jetzt ver­bo­ten.

Ein Erfolg auch für die Inu­it

Last Ice Area — das Land des letz­ten Eises © Vicki Saha­na­ti­en / WWF

Tuvai­juit­tuq liegt extrem abge­schie­den und ist nur per Flug­zeug und manch­mal per Schiff zu errei­chen. Doch in den angren­zen­den Ark­tis­re­gio­nen leben Men­schen und lie­gen die Sied­lun­gen der Inu­it, der indi­ge­nen Volks­grup­pen Nord­ka­na­das. Sie gehör­ten zu den ers­ten, die sich für den Schutz Tuvai­juit­tu­qs und eini­ger ande­rer Ark­tis­re­gio­nen ein­setz­ten. Denn für sie ist die Ark­tis Lebens­grund­la­ge und eine gute Bezie­hung zur Natur über­le­bens­wich­tig.

Ich und der WWF gra­tu­lie­ren der Qiki­q­ta­ni Inu­it Asso­zia­ti­on ganz herz­lich zu ihrer Visi­on und Initia­ti­ve. Tuvai­juit­tuq ist jetzt eines der größ­ten Natur­schutz­ge­bie­te der Welt und gleich­zei­tig bie­tet es der loka­len Bevöl­ke­rung Ernäh­rungs­si­cher­heit in einer unsi­che­ren Zeit.

Natur­schutz braucht lan­gen Atem

Ich war dabei, als wir vom WWF gemein­sam mit den Inu­it vor inzwi­schen zwölf Jah­ren den Stein ins Rol­len brach­ten. Wir haben Schutz­plä­ne ent­wor­fen, Stu­di­en mit­fi­nan­ziert, um kri­ti­sche Lebens­räu­me von Koral­len, Mee­res­säu­ge­tie­ren und Fischen zu iden­ti­fi­zie­ren — und immer wie­der poli­ti­sche Über­zeu­gungs­ar­beit geleis­tet. Damals war das alles noch Theo­rie. Nun ist eines der größ­ten und wich­tigs­ten Schutz­ge­bie­te der Erde Wirk­lich­keit gewor­den. Das ist über­wäl­ti­gend und beweist wie­der ein­mal, dass es sich lohnt, am Ball zu blei­ben. Und dass man im Natur­schutz einen lan­gen Atem haben muss.

Letz­te Zuflucht in der Kli­ma­kri­se

Die Ark­tis erwärmt sich schnel­ler als der Rest unse­res Pla­ne­ten. © Eric Bac­ce­ga / natur­e­pl­com, WWF

Tuvai­juit­tuq ist das Land des letz­ten Eises. Es gibt wahr­schein­lich kei­nen bes­se­ren Ort, um die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels zu beob­ach­ten. Das nörd­lichs­te Gebiet Kana­das ist am unmit­tel­bars­ten vom Kli­ma­wan­del betrof­fen und doch wird hier ober­halb von Kana­da und Grön­land das Eis am längs­ten erhal­ten blei­ben. Auch wenn das som­mer­li­che Meer­eis im Nord­po­lar­meer schon inner­halb der nächs­ten Genera­ti­on weit­ge­hend ver­schwun­den sein wird. Für eis­ab­hän­gi­ge Arten kann dies zum letz­ten Zufluchts­ort wer­den, wenn alle ande­ren ver­schwun­den sind. Umso wich­ti­ger ist abge­se­hen von der Schutz­ar­beit vor Ort der welt­wei­te Kli­ma­schutz.

Denn wenn das Eis ein­mal gebro­chen ist, heilt es nie wie­der wirk­lich.

Wollt Ihr mehr wis­sen?

  • Hier seht Ihr die genaue Lage und erfahrt mehr zu den Hin­ter­grün­den des neu­en Schutz­ge­bie­tes
  • Hier ein tol­ler Natio­nal Geo­gra­phic Arti­kel über Tuvai­juit­tuq
  • Und hier noch ein­mal die Sei­te des WWF Ark­tis Pro­gramms – Tuvai­juit­tuq auf der Welt­ku­gel und vie­le wei­te­re Infor­ma­tio­nen

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Über mich
Sybille Klenzendorf

Ich bin Artenschutz-Expertin und seit 2002 beim WWF. Bären sind meine Leidenschaft. Beim WWF setze ich mich unter Anderem für den Schutz der Eisbären im Arktis-Programm ein. Bevor ich zum WWF kam studierte ich Schwarzbär-Ökologie an der Virginia Tech University.

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