Ghostbuster erleben ja einiges an Abenteuern, aber auch die Jagd nach Geisternetzen ist spannend, das ist mir seit unserer Bergungsfahrt vor Rügen klar.
Wir testen erstmals eine neue Methode: Statt mit Tauchern mühsam Netzteile von Wracks zu losschneiden, wollen wir mit einer Spezialkonstruktion — im hausgemachten Fachjargon: Netzharke – herrenlose Fischernetze vom Meeresboden angeln. Unser wichtigster Verbündeter dabei ist ausgerechnet ein Fischer: Kalle Neumann mit seinem Kutter „Heimat“.
1,5 Tonnen Geisternetze
Zur Premiere wagen wir uns gleich an einen dicken Brocken: In 16 Metern Tiefe liegt ein langer Netzwulst. Will man das hochhieven, braucht es eine starke Winde. Aber Fischkutter ziehen ja auch tonnenweise Fisch aus dem Meer. Um sicherzugehen, dass unsere Netzharke den Meeresboden nicht schädigt, wenn man damit großflächig nach Netzen sucht, vermessen und filmen Taucher die Schleppspur der Netzharke im Geschirr. Wir werden noch extra froh sein, die Taucher dabeizuhaben.
Wird unser Plan aufgehen?
Es herrscht erwartungsvolle Spannung an Bord, als Kapitän Kalle mit der Netzharke im Schlepptau das Netz ansteuert. Und tatsächlich: Sie hat eingehakt! Die Winde rattert, als sie Meter für Meter das nasse Tau aufrollt. Und rattert. Und ächtzt. Und blockiert! Ist das Netz zu schwer? Plötzlich qualmt es so heftig, als würde der Kutter brennen! Nach Schrecksekunden ist klar, es brennt nix, aber der Windenmotor hat sich unsere Bergung ausgesucht, um altersschwach in Schall und Rauch aufzugehen.
Ein tonnenschweres Beifang-Problem
Was haben wir überhaupt im Schlepp? Während wir die ganze Zeit dachten, es wäre das schwere Geisternetz, berichtet unser Taucher schließlich: Es ist ein Betonklotz, der einst als Ankerstein diente. Die Bolzen der Netzharke haben sich nicht in den Netzmaschen verhakt, sondern in der einzigen einbetonierten Metallöse weit und breit! Und wir werden das Riesending nicht los. Erst als wir den Stein im Schneckentempo in flacheres Wasser geschleppt haben und er wieder Grund berührt, gelingt es dem Taucher, uns loszueisen. Mit langen Gesichtern und ohne Fang laufen wir wieder im Sassnitzer Hafen ein.
Return of the Ghostnet-Busters
Doch so leicht geben wir nicht auf, jetzt ist es persönlich: dieses Geisternetz muss aus der Ostsee verschwinden! Zwei Wochen später ist die Winde der „Heimat“ repariert und das Wetter gut genug für einen erneuten Bergungsversuch. Diesmal haben wir Erfolg! Wir gabeln das Netz auf und hieven unseren Netzkoloss an Deck: etwa 1,5 Tonnen nasses Geisternetz auf einen Schlag. Dickes Schleppnetz ebenso wie feines Stellnetz – Plastikmüll, der im Meer nichts verloren hat. Der wird sortenrein getrennt werden müssen fürs Recycling, aber das ist ein neues Kapitel unseres Geisternetz-Projektes. Zunächst haben wir unter Beweis gestellt: Die Netzharke funktioniert. Deshalb ist Fischer Kalle Neumann längst wieder auf der Ostsee unterwegs, um im Auftrag des Pandas nach Geisternetzen zu fischen.