Jagua­re: 12 Fak­ten über die geheim­nis­vol­len Raubkatzen

Wie leben Jaguare? © Staffan Widstrand, WWF

Ihr Gebiss ist das kräf­tigs­te aller Raub­kat­zen. Sie jagen „im Flie­gen“, haben Angst vor Amei­sen­bä­ren und könn­ten aus­ster­ben, bevor man sie rich­tig kennt. Denn Jagua­re sind noch kaum erforscht.

Hüter vie­ler Geheimnisse

Jagua­re gehö­ren zu den geheim­nis­volls­ten und am wenigs­ten erforsch­ten Kat­zen der Welt. Die scheu­en Ein­zel­gän­ger leben zurück­ge­zo­gen und ver­streut in rie­si­gen, teil­wei­se schwer zugäng­li­chen Gebie­ten. Sie sind haupt­säch­lich nachts aktiv und der Mensch bekommt sie sel­ten zu Gesicht. Das ist auch gut so! Denn wagt sich ein Jagu­ar aus sei­ner Deckung, wird er meist sofort erschos­sen.

Jagua­re: Die größ­ten Kat­zen Amerikas

Jagua­re leben in Wäl­dern und Savan­nen Mit­tel- und Süd­ame­ri­kas, vor allem heu­te noch in den dich­ten Regen­wäl­dern des Ama­zo­nas­be­ckens. Es sind die ein­zi­gen Groß­kat­zen des ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nents. Welt­weit ist der Jagu­ar nach Löwen und Tigern die dritt­größ­te Raubkatze.

Die gefleck­ten Kat­zen sind kräf­tig gebaut, robust und mus­ku­lös mit gro­ßen Mus­kel­pa­ke­ten an Nacken und Schul­tern. Sie kön­nen um die 120 Kilo­gramm schwer, 70 Zen­ti­me­ter hoch und 1,70 Meter lang werden.

Jagua­re sind nicht was­ser­scheu © IMAGO / agefotostock

Jagu­ar — „der im Flie­gen jagt“

Der Jagu­ar spielt eine wich­ti­ge Rol­le in der Mytho­lo­gie und Kul­tur der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung Süd­ame­ri­kas. Er wur­de und wird als hei­lig ver­ehrt. Sein Name rührt von der indi­ge­nen Bezeich­nung „Jag War“ – über­setzt etwa „der im Flie­gen jagt“. Denn die Groß­kat­zen pir­schen sich von hin­ten an ihre Beu­te an und sprin­gen ihr dann auf den Rücken.

Kräf­ti­ges Gebiss

Jagua­re haben das stärks­te Gebiss aller Kat­zen und nach der Tüp­fel­hyä­ne die zweit­größ­te Beiß­kraft aller Land­raub­tie­re über­haupt. Sie kön­nen etwa dop­pelt so stark zubei­ßen wie Löwen und töten ihre Beu­te häu­fig durch einen Biss mit ihren lan­gen Eck­zäh­nen durch die Schä­del­de­cke. Das ist von kei­ner ande­ren Raub­kat­ze bekannt. Zum Nah­rungs­spek­trum der flie­gen­den Jäger gehö­ren Hir­sche, Büf­fel, Affen, Gür­tel­tie­re, Fische, Kai­ma­ne – und Land­schild­krö­ten, deren Pan­zer sie mit ihrem kräf­ti­gen Gebiss knacken.

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Jagua­re schwim­men gerne

Die meis­ten Kat­zen sind was­ser­scheu. Nicht so Jagua­re. Die Raub­kat­zen sind aus­ge­zeich­ne­te Schwim­mer, leben ger­ne in Ufer­nä­he, küh­len sich im Was­ser ab und ste­hen dafür manch­mal stun­den­lang brust­tief im Fluss. Noch unge­wöhn­li­cher: Sie jagen auch im Wasser.

Gejagt auch als Ersatz für Tiger © IMAGO / Natu­re Pic­tu­re Library

Ein­zi­ger Feind Mensch

Ver­mut­lich gibt es ins­ge­samt noch etwa 120.000 bis 170.000 Jagua­re. Das ist aller­dings nur eine gro­be Schät­zung, die zeigt, wie wenig über sie bekannt ist. Was wir wis­sen: Die letz­ten Jagua­re ver­tei­len sich auf 34 Unter­po­pu­la­tio­nen. Die bestehen teil­wei­se nur aus weni­gen Tie­ren und leben durch Stra­ßen, Fel­der und Sied­lun­gen weit von­ein­an­der abge­schnit­ten. Ledig­lich eine die­ser Popu­la­tio­nen ist noch nicht vom Aus­ster­ben bedroht! Ihr Rück­zugs­ge­biet ist der Amazonas.

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Der Mensch rückt dem Jagu­ar immer näher. In den letz­ten hun­dert Jah­ren haben die Raub­kat­zen die Hälf­te ihres Lebens­raums ver­lo­ren. Sie wer­den ille­gal gewil­dert. Meist als Ersatz für Tiger­tei­le, die als ver­meint­li­che Heil­mit­tel gefragt, aber dank guter Schutz­ar­beit immer schwie­ri­ger zu bekom­men sind. Und sie wer­den aus Angst und Ver­gel­tung gejagt, wenn heu­te Sied­lun­gen und Nutz­tier­her­den zuneh­mend dich­ter an ihre Revie­re gren­zen.

Schutz durch „Sel­fie“: Jagua­re auf Facebook

Ein wich­ti­ges Instru­ment zur Schutz­for­schung über die scheu­en Tie­re sind Kame­ra­fal­len. In den dich­ten Regen­wäl­dern Cos­ta Ricas hel­fen Gemein­de­mit­glie­der, die Daten aus den Kame­ra­fal­len zu sichern und ver­öf­fent­li­chen Fotos und Vide­os aus dem Dschun­gel im Inter­net. Das stei­gert die Wert­schät­zung einer intak­ten Natur und den Öko­tou­ris­mus als Ein­nah­me­quel­le und Alter­na­ti­ve zur Aus­beu­tung der Wälder.

Wie schla­fen Jaguare?

Jagua­re schla­fen einen Groß­teil des Tages. Um sich vor Son­ne und Fein­den zu schüt­zen, lie­gen sie ver­steckt in dich­tem Unter­holz, hohem Gras – oder hän­gen auf dem Ast eines Bau­mes! Denn sie sind sehr gute Kletterer.

So schla­fen Jagua­re © IMAGO / robertharding

Wie unter­schei­den sich Jagua­re und Leoparden?

Die in Asi­en und Afri­ka leben­den Leo­par­den sind mit den Jagua­ren eng ver­wandt und sehen ihnen in Mus­ter und Fell­far­be sehr ähn­lich. Doch Jagua­re wir­ken mas­si­ger, haben kür­ze­re Bei­ne, einen wesent­lich kür­ze­ren Schwanz und einen brei­te­ren, run­de­ren, kräf­ti­ge­ren Kopf. Und ihre Fell­fle­cken, die Roset­ten, haben in der Mit­te schwar­ze Tupfen.

Schwar­ze Pan­ther sind Jaguare

… Oder Leo­par­den. Bei bei­den Arten gibt es soge­nann­te Schwärz­lin­ge, die durch eine Über­pig­men­tie­rung dunk­les Fell haben. Die Fle­cken schim­mern aber noch durch. Pan­ther sind also kei­ne eige­ne Art.
Schwar­ze Jagua­re sind extrem sel­ten. Trotz­dem sind uns schon wel­che in unse­re Kame­ra­fal­len im Ama­zo­nas getappt!

Pan­ther in Kame­ra­fal­le im Ini­ri­da Ram­sar Schutz­ge­biet in Kolum­bi­en © Fund­a­ci­on Omacha / WWF 2016

Wehr­haf­ter Ameisenbär

Obwohl Jagua­re an der Spit­ze der Nah­rungs­ket­te ste­hen, erliegt ihnen nicht jede Beu­te wehr­los. Respekt müs­sen die Groß­kat­zen zum Bei­spiel vor den schar­fen Kral­len der Amei­sen­bä­ren haben, wie Ihr in die­sem Kame­ra­fal­len-Video sehen könnt.

Jagua­re sind wichtig

Jagua­re sind Top-Präd­a­to­ren. Die gro­ßen Beu­te­grei­fer kon­trol­lie­ren die Popu­la­tio­nen ande­rer Arten und erhal­ten das Gleich­ge­wicht der Natur. Sie benö­ti­gen gro­ße, gesun­de Lebens­räu­me mit aus­rei­chend Deckung und Beu­te­tie­ren. Indem wir die­se und die Raub­kat­zen schüt­zen, erhal­ten wir gan­ze Öko­sys­te­me und vie­le wei­te­re Arten.

Hil­fe für Jagu­ar & Co

Die drei am stärks­ten bedroh­ten Kat­zen der Welt ste­hen auf drei Kon­ti­nen­ten ähn­li­chen Gefah­ren gegen­über: Jagu­ar, Schnee­leo­pard und Gepard. Hier lest Ihr mehr über unse­re auf­wen­di­ge Schutz­ar­beit und wie Ihr hel­fen könnt.
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Ich bin promovierter Biologe und Südamerika Referent beim WWF Deutschland. Mein Fokus liegt auf dem Schutz der Habitate, insbesondere des Amazonas Regenwaldes. Hierbei geht es mir vor allem um die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, zumeist Indigene Völker. Wenn wir es schaffen, dass der Wald durch die nachhaltige Nutzung für diese Menschen mehr wert ist als durch andere extraktive Möglichkeiten (Bergbau, Öl; Rinderbeweidung usw.), dann können wir nicht nur den für die Menschheit und unser Klima so wichtigen Regenwald erhalten, sondern schaffen hoffentlich auch auf lange Sicht ein sicheres und würdiges Leben für die lokale Bevölkerung in ihrer angestammten Heimat. Die Schwerpunkte meiner Arbeit liegen bei der Zusammenarbeit mit den Indigenen des Amazonas, Schaffung von lokalen Einkommen durch nachhaltige Nutzung, Artenschutz, In-Wert-Setzung der Wälder (z.B: Indigener REDD+ Vorschlag), Umweltbildung und Ausweisung und Management von neuen Schutzgebieten und Indigenen Territorien.
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