Fle­der­maus gefun­den — Was tun? Mei­ne Tipps aus Erfahrung

Eine Fledermaus retten ist nicht einfach © eZeepics Studio iStock Getty-Images

Ein tie­ri­sches Wochen­en­de liegt hin­ter mir: Ich habe eine hilf­lo­se Fle­der­maus gefun­den. Wie die meis­ten bin auch ich nicht gera­de eine Fle­der­maus-Exper­tin und war dem­entspre­chend zunächst rat­los. Des­halb möch­te ich mei­ne Erfah­run­gen mit Euch tei­len und ein paar nütz­li­che Tipps geben.

Erst einen Vogel, dann eine Fle­der­maus gefunden

Eigent­lich fing alles damit an, dass ein Vogel gegen eines der Fens­ter mei­ner Sou­ter­rain-Woh­nung geflo­gen ist. Da saß er nun, der Klei­ne, zum Glück noch leben­dig. Ich woll­te ihn in einen Schuh­kar­ton packen, bis es ihm wie­der bes­ser geht. Aber als ich aus dem Fens­ter klet­ter­te, flog er weg. Dafür ent­deck­te ich, auf dem Beton­bo­den lie­gend, ein klei­nes brau­nes Fell­knäul: eine Zwerg­fle­der­maus.

Tipp: Hand­schu­he schüt­zen vor Bissen

Hier schon­mal der ers­te wich­ti­ge Tipp: Wenn Ihr eine Fle­der­maus anfasst, dann nur mit Hand­schu­hen! Denn Fle­der­mäu­se haben sehr spit­ze Zäh­ne und kön­nen kräf­tig zubei­ßen. Außer­dem ist es in sel­te­nen Fäl­len mög­lich, dass sie Krank­hei­ten über­tra­gen. Wenn Ihr gebis­sen wer­det, soll­tet Ihr euch also umge­hend an einen Arzt wenden.

Hilf­lo­se Fle­der­maus in Sicher­heit bringen

Den Kar­ton hat­te ich ja schon für den Vogel parat, also konn­te ich ihn nun für die Fle­der­maus neh­men. Dass die­ser völ­lig unge­eig­net für mei­nen Find­ling war, wuss­te ich zu dem Zeit­punkt noch nicht. Rich­tig war aber, die reg­lo­se Fle­der­maus in Sicher­heit vor Gefah­ren wie zum Bei­spiel Kat­zen zu brin­gen. Und ich hat­te Zeit, mich im Inter­net zu infor­mie­ren, was die nächs­ten Schrit­te sind.

Fle­der­maus gefun­den: Fach­kun­di­ge Hil­fe nötig!

“Mei­ne” Fle­der­maus beim erfolg­lo­sen Ver­such, sie aus­zu­wil­dern © Saman­tha Look, WWF

Eini­ge Tele­fon­num­mern von Bera­tungs­stel­len sind im Inter­net für Ber­lin zu fin­den. Und obwohl Sams­tag war, erreich­te ich jeman­den. Das Wich­tigs­te sei Was­ser, ein klei­ner, mit Küchen­rol­le aus­ge­klei­de­ter Kar­ton und Ruhe. Denn in einem gro­ßen Kar­ton kön­nen sich Fle­der­mäu­se ver­let­zen. Und sie sei­en super im Aus­bre­chen, so dass Luft­lö­cher mög­lichst klein sein soll­ten. Gegen Abend soll­te ich schau­en, ob sie fliegt. Wenn nicht, dann müss­te sie in den nächs­ten Tagen zu einer Pfle­ge­stel­le gebracht werden.

Vor­sicht: Eine Fle­der­maus rich­tig zu ver­sor­gen geht nicht ohne Fach­kennt­nis. Oft geht es den Tie­ren auch schlech­ter, als es auf den ers­ten Blick scheint. Soll­tet Ihr ein­mal in eine ähn­li­che Lage gera­ten, zögert nicht, sofort eine Pfle­ge­stel­le auf­zu­su­chen oder zumin­dest gleich mit Fach­leu­ten zu tele­fo­nie­ren!

Ess­stäb­chen tun’s auch

Streich­höl­zer wur­den mir emp­foh­len, um der Fle­der­maus Was­ser zu geben. Die­se hat­te ich nicht zuhau­se, dafür aber Ess­stäb­chen aus Holz. Mit denen funk­tio­nier­te das Trin­ken ein­wand­frei. Die Klei­ne schleck­te das Holz ab, wel­ches ich mit der Spit­ze in Was­ser getaucht hat­te. Wich­tig ist, das Stäb­chen seit­lich anzu­bie­ten, da die Nasen­lö­cher sehr nah am Mund sind. Wenn Was­ser in die Nase der Fle­der­maus kommt, kann das zum Ersti­cken führen.

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Auf in die Frei­heit, klei­ne Fledermaus!

Vol­ler Begeis­te­rung, die Klei­ne wie­der in die Natur zu ent­las­sen, mach­te ich mich auf in ein benach­bar­tes Wald­stück und such­te einen pas­sen­den Ast. Die Fle­der­maus klet­ter­te aus dem Kar­ton, schau­te sich um, krab­bel­te etwas umher. Doch auch nach gut zwei Stun­den mach­te sie kei­ne Anstal­ten, zu flie­gen. Mitt­ler­wei­le war es fast 22 Uhr, also nahm ich sie wie­der mit.

Zwei­ter Ver­such © Saman­tha Look, WWF

Neu­er Tag, neu­es Glück?

Die Fle­der­maus schien am nächs­ten Tag deut­lich fit­ter zu sein und krab­bel­te eif­rig auf mei­nem Küchen­tisch her­um. Nach Rück­spra­che mit einer nahen Fle­der­maus-Pfle­ge­stel­le soll­te ich die­sen Abend noch­mal einen Flug­ver­such unter­neh­men und sie sonst am Mon­tag vor­bei­brin­gen. Dies­mal nahm ich eine Kuschel­so­cke mit, um sie über einen Ast zu stül­pen. Dies ähnelt dem Turm, den man für gefun­de­ne Baby-Fle­der­mäu­se baut. Lei­der blieb auch die­ser Ver­such erfolglos.

Auf zur Pflegestelle

Der Fle­der­maus­kel­ler der Zita­del­le Span­dau nimmt zu jeder Zeit Tie­re in Not an. Die Mitarbeiter:innen sind sehr freund­lich und mir wur­de noch eini­ges Inter­es­san­tes erklärt.
So war mein Find­ling ein Weib­chen und allein in die­sem Jahr schon die ein­und­acht­zigs­te abge­ge­be­ne Fle­der­maus dort.

Nach einer kur­zen Unter­su­chung wur­de mir gesagt, dass sie fit aus­sieht und äußer­lich kei­ne Ver­let­zun­gen zu erken­nen sind. Mög­lich ist, dass sie etwas an den Schul­tern oder den Bän­dern hat, was sie vom Flie­gen abhält. Das Wich­tigs­te war für mich, dass sie jetzt in guten Hän­den ist und ich hof­fe, dass sie ihren Weg zurück in die Natur schafft.

Fle­der­maus gefun­den? Die wich­tigs­ten Tipps auf einen Blick

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Ein Leben ohne die Natur kann und möchte ich mir nicht vorstellen. Daher fokussiere ich mich in meinem Master-Studium auf Biodiversität, Ökologie und Evolution. Ansonsten verbringe ich meine Zeit am liebsten draußen, ob mit oder ohne Kamera und mal über oder unter Wasser.

Kommentare (2)

  • Schöner Artikel, kelien Vögel haben wir schon oft gefunden. Eine kleine Fledermaus aber noch nicht. Aber so weiß man jetzt was zu tun ist, falls der Fall einmal eintritt.

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