Kuh der Woche: Tyran­no Exxo­nus Rex

© Roland Gramling/WWF

Auch in der ulti­ma­tiv-sub­jek­ti­ven Pres­se­schau zur fünf­ten Kalen­der­wo­che kom­men wir an PEGIDA und der Lügen­pres­se nicht vor­bei. So mahnt etwa Hans-Mar­tin Til­lack  vom STERN zur media­len Selbst­kri­tik. Natür­lich sei es Quatsch, dass die deut­sche Pres­se mani­pu­liert oder gar CIA-gesteu­ert wer­de. Trotz­dem müss­ten sich die Leser wun­dern, „wenn die Ber­li­ner Haupt­stadt­kor­re­spon­den­ten (…) in kol­lek­ti­ver Besof­fen­heit einen Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg zum kom­men­den Kanz­ler hoch­schrei­ben. Bis sich der Mann — uups! — doch als Blen­der ent­puppt“ oder „ein gan­zer Chor von Kom­men­ta­to­ren Peer Stein­brück als alter­na­tiv­lo­sen SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten“ aus­ruft. Auch Auf­stieg und Fall des Ehe­paa­res Wulff oder das Hoch- und Nie­der­schrei­ben der Ener­gie­wen­de könn­te in die­se Auf­zäh­lung ein­ge­fügt wer­den. Natür­lich gibt es kei­ne sys­te­ma­tisch geplan­ten, Redak­ti­ons- oder gar Ver­lags­über­grei­fen­den Medi­en­kam­pa­gnen. Doch ein media­ler Her­den­trieb beför­dert mit­un­ter ful­mi­nan­te The­men- und Personenkarriere.

PEGIDA in Grün

Auch Joa­chim Mül­ler-Jung, Lei­ter der FAZ-Redak­ti­on „Natur und Wis­sen­schaft“, beschäf­tig­te sich mit PEGIDA. In sei­nem Kom­men­tar PEGIDA in Grün“ beur­teilt er das geplan­te Ver­bot von Gen­tech­nik auf deut­schen Äckern als „Kapi­tu­la­ti­on vor der Dem­ago­gie“. Die her­auf­be­schwo­re­nen Gefah­ren der Gen­tech­nik sei­en wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar. Und die Demons­tra­ti­on „Wir haben es satt“ sei ähn­lich wie PEGIDA von „Wut statt Ver­nunft“ geprägt. Lei­der lässt er ent­schei­den­de Punk­te der Gen­tech­nik-Pro­ble­ma­tik galant unter den Tisch plump­sen. Statt den Hun­ger in der Welt zu bekämp­fen, wer­den gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­zen als Tier­fut­ter genutzt, um den Bedarf an Bil­lig-Fleisch zu decken. Zudem ver­kau­fen die gro­ßen Her­stel­ler paten­tier­tes Saat­gut mit dazu­ge­hö­ri­gem Pflan­zen­schutz­mit­tel und ver­die­nen zusätz­lich an Lizenz­ge­büh­ren. Nicht zuletzt scheint Gen­tech­nik kei­nes­wegs den Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­teln zu redu­zie­ren. Vie­le Schäd­lin­ge sind robus­ter als erwartet.

Nütz­li­che Idioten

Einen gänz­lich ande­ren Bezug zwi­schen PEGIDA und „Wir haben es satt“ stellt Ingo Schul­ze in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG her. Die Dresd­ner Bewe­gung ist ihm zufol­ge eine Ansamm­lung von „Nütz­li­chen Idio­ten“ die mit inhalts­lee­ren und dump­fen Paro­len für die Bun­des­re­gie­rung ein beque­mes Reak­ti­ons-Ven­til dar­stell­ten. Die fünf­zig­tau­send Demons­tran­ten in Ber­lin, die fried­lich und mit Spaß demons­triert hät­ten, sei­en hin­ge­gen medi­al und poli­tisch viel zu wenig beach­tet wor­den. Einem Fazit, dem ich mich ger­ne anschließe.

Fla­tern­de Monarchen

Brei­te, media­le Wahr­neh­mung erfuhr die­se Woche hin­ge­gen eine ande­re, spek­ta­ku­lä­re Mas­sen­be­we­gung: Jahr für Jahr flat­tern Aber­mil­lio­nen Mon­arch­fal­ter über 4000 Kilo­me­ter von Kana­da und den USA nach Mexi­ko, um dort zu über­win­tern. Eine Rei­se, die meh­re­re Fal­ter-Gene­ra­tio­nen benö­tigt und von der DEUTSCHEN WELLEN mit der Kame­ra beglei­tet wur­de. Doch die Schmet­ter­lin­ge lei­den unter Nah­rungs­man­gel in den USA, Abhol­zung in Mexi­ko und dem Kli­ma­wan­del. Wie der WWF Mexi­ko mit­teil­te, bezo­gen die schwarz-gel­ben Fal­ter in die­sem Jahr auf einer Flä­che von knapp über einem Hekt­ar ihr Win­ter­quar­tier. Das war nach dem Rekord­tief in 2014 zwar ein Zuwachs von 69 Pro­zent, stellt aller­dings noch immer die zweit­kleins­te Flä­che seit rund 20 Jah­ren dar.

Pee­ling oder Schminke?

Wer von Natur aus kein reiz­vol­ler Schmet­ter­ling son­dern eher eine klei­ne Rau­pe ist und daher bei der äuße­ren Schön­heit nach­hilft, für den habe ich eine schlech­te Nach­richt: Mikro­plas­tik ist zu einem ernst zu neh­men­den Umwelt­pro­blem gewor­den. Die win­zi­gen Gra­nu­lat­kü­gel­chen, in vie­len Pee­lings und Cremes ent­hal­ten, sol­len zum Bei­spiel Haut­schüpp­chen bes­ser ent­fer­nen. Aller­dings lan­den die klei­nen Teil­chen über das Abwas­ser oft in Flüs­sen und Mee­ren; rei­chern sich in der Nah­rungs­ket­te an. Auf Antrag der Grü­nen hat der Bun­des­tag über das Pro­blem debat­tiert. Von einer gesetz­li­chen Rege­lung hält die Regie­rung nichts. Viel­mehr wird auf den frei­wil­li­ge Ver­zicht durch Unter­neh­men gesetzt. Kon­su­men­ten, die sich dar­auf nicht ver­las­sen wol­len, denen sei der ent­spre­chen­de BUND-Ein­kaufs­rat­ge­ber emp­foh­len. Wer jetzt aus öko­lo­gi­schen Grün­den auf sein täg­li­ches Plas­tik-Pee­ling ver­zich­ten will, dem bleibt der Griff zur Puder­do­se. In Zei­ten von hoch­auf­lö­sen­der Kame­ra­tech­nik soll­te es aber pro­fes­sio­nel­le HD-Schmin­ke sein. Nur so wird auf dem Fern­seh­bild­schirm aus einer klei­nen Haut­un­rein­heit kein Mond-Kra­ter. Ein Rat­schlag, den nicht nur Mode­ra­to­ren und Pres­se­spre­cher beher­zi­gen soll­ten, wie die­ses Schild beweist. Dank moderns­ter Über­wa­chungs­me­tho­den ist in Ber­lin Mit­te HD-Schmin­ke jeder­zeit angemessen.

Kuh der Woche: Exxon Mobil

Den Kuh der Woche lan­det (knapp) die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung von EXXON MOBIL. Die Social Media Man­ger woll­ten wohl beson­ders wit­zig und locker rüber­kom­men und las­sen auf Twit­ter noch bis kom­men­den Mon­tag nach einem Namen für ihren Dino­sau­ri­er des Jah­res suchen. Den Nega­tiv­preis haben die geschätz­ten NABU-Kol­le­gen im Dezem­ber 2014 an Ger­not Kalkof­fen, den Euro­pa­chef von EXXON MOBIL, für sei­ne Ver­harm­lo­sung des umstrit­te­nen Frack­ing-Ver­fah­rens und als Reprä­sen­tant einer rück­wärts­ge­wand­ten Ener­gie­po­li­tik ver­lie­hen. Mein Namens­vor­schlag lau­tet: Tyran­no Exxo­nus Rex – ein ani­ma­li­scher Kil­ler, der wegen eines plötz­li­chen Kli­ma­wan­dels aus­ge­stor­ben ist. Aber auch mit J.R. Exxon oder Schre­cken­s­exxe kann ich mich anfreun­den.

Und noch ’ne Geschlechts­krank­heit gra­tis obendrauf…

Ein hei­ßer Gegen­kan­di­dat für den Kuh der Woche war das Insti­tut für Zoo- und Wild­tier­for­schung (IZW) in Ber­lin. Die geschätz­ten Kol­le­gen gin­gen in der Pres­se­mit­tei­lung „Geschlechts­krank­hei­ten bei Wild­tie­ren“ der Fra­ge nach, ob sexu­el­le Frei­zü­gig­keit die Immun­kom­pe­tenz stärkt. Die Ergeb­nis­se die­ser Unter­su­chung dürf­ten wahr­schein­lich nicht nur chro­ni­schen Berg­hain-Besu­chern interessieren.

Roland Gramling ist Exil-Franke, Frankfurt-Fan und Berlin(West)-Bewohner. Nach dem Online-Journalismus-Studium in Darmstadt wechselte er auf die dunkle Seite der Macht und verkaufte seine Seele an die PR und Pressearbeit. Seit 2008 ist er Pressesprecher beim WWF Deutschland und seitdem auf der Suche nach dem Kuh des Lebens (oder zumindest der Woche). Er findet Pandas süß und Wölfe cool und hält Lady Gaga für die größte Poetin seit Oscar Wilde. Sonntags ist er stets am Tatort und damit grundsätzlich verdächtig. Kurzweilige Desorientierung ist mitunter beabsichtigt aber nie gewollt. Er kann nicht über sich selbst lachen und hält das auch noch für witzig. Fleisch kommt ihm nicht auf den Teller aber gerne mal unters Messer. Für ihn ist das Internet noch total Neuland-mäßig, aber die gedruckte Zeitung schon längst tot. In diesem Sinne: Muuuh!
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