Hun­ger: Der Boden ist die Lösung

800 Millionen Menschen hungern - Tendenz wieder steigend CC0 cloudvisual https://unsplash.com/photos/x5BnT74sQx4

Am heu­ti­gen Welt­ernäh­rungs­tag (16.10.) machen die Ver­ein­ten Natio­nen auf die unglei­che Ver­tei­lung von Nah­rungs­mit­teln auf der Welt auf­merk­sam. Immer noch müs­sen auf der Welt 800 Mil­lio­nen Men­schen hun­gern. Erst­mals seit Jah­ren steigt ihre Zahl wieder.

Krie­ge und Kli­ma las­sen mehr Men­schen hungern

Exper­ten sehen dafür Krie­ge und Kli­ma-Extre­me als die Grün­de an. Gera­de in Regio­nen mit sich häu­fen­den Dür­ren oder unre­gel­mä­ßi­gen Regen­zei­ten nimmt die Zahl der unter­ernähr­ten Men­schen wie­der zu. Betrof­fen sind vor allem Afri­ka sowie Süd- und Südostasien.

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Die UN hat sich das Nach­hal­tig­keits­ziel gesetzt, bis 2030 eine Welt ohne Hun­ger zu ver­wirk­li­chen. In ihr sol­len sich die Men­schen von nach­hal­tig erzeug­ten Pro­duk­ten aus­ge­wo­gen ernäh­ren kön­nen. Um das zu errei­chen, ist die Land­wirt­schaft gefragt. In Afri­ka und Asi­en sind es vor allem Klein­bau­ern, die für sich und ihre Regi­on Nah­rung pro­du­zie­ren. Ihre Erträ­ge machen dort 80 Pro­zent des gesam­ten Ver­brauchs aus.

Land­wirt­schaft braucht guten Boden CC0 Paul Mocan https://unsplash.com/photos/IY0oy3SS6jw

Klein­bau­ern brau­chen guten Boden

Damit Klein­bau­ern genug pro­du­zie­ren kön­nen, brau­chen sie frucht­ba­re und wider­stands­fä­hi­ge Böden. Doch die sind häu­fig Man­gel­wa­re. Zu inten­si­ve und ein­sei­ti­ge Nut­zung hat dem Boden vie­ler­orts Humus und Nähr­stof­fe ent­zo­gen. Der Boden lie­fert weni­ger Ertrag. Bereits ein Drit­tel der welt­wei­ten Acker­flä­che ist so degradiert.

Mit sol­chen Böden lässt sich die wach­sen­de Welt­be­völ­ke­rung nicht ernäh­ren. Und übri­gens auch kein Kli­ma­schutz betrei­ben. Aber man kann Boden­frucht­bar­keit erhal­ten oder auf­bau­en: mit mehr Zwi­schen­früch­ten als Gründün­ger, mehr Kom­post, mehr Stall­mist und dafür weni­ger mecha­ni­scher Boden­be­ar­bei­tung, weni­ger Pes­ti­zi­den und Chemiedünger.

Das Bei­spiel Sambia

Wir arbei­ten zum Bei­spiel in einem Pro­jekt mit Klein­bau­ern in Sam­bia, die boden­scho­nen­de Land­wirt­schaft prak­ti­zie­ren. Sie haben ihre Erträ­ge gestei­gert, sichern so die Ernäh­rung ihrer Fami­li­en und erzie­len extra Ein­kom­men. Die Bau­ern stel­len ihr eige­nes, robus­te­res Saat­gut her und ver­mark­ten es selbst.

Es fehlt also nicht an Inno­va­tio­nen, die erst noch ent­wi­ckelt wer­den müss­ten. Im Kampf gegen den Hun­ger liegt eine Lösung schon zu unse­ren Füßen: im Boden.

Ich leite den Fachbereich Landwirtschaft und Landnutzungswandel beim WWF. Zuvor war ich als Experte für tropische Landwirtschaft und Böden in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig. --- Rolf Sommer hat den WWF inzwischen verlassen ---

Kommentare (3)

  • Leider sind Sie nicht näher auf das Thema Kriege eingangen, obwohl es im Titel steht.
    Zerstörung einerseits, aber auch dauerhafte Schäden durch Bodenminen, die dauerhaft verhindern, dass ein Bauer seinen Acker bestellen kann.
    Emissionen, Schadstoffe, all diese Überbleibsel eines Konfliktes haben Sie leider nicht erwähnt, was aber dringend nötig wäre zu erfahren ...

  • Ich habe zu dem Thema eine Frage: ich habe bereits mehrfach gelesen, gesehen und gehört, dass eine Mischung aus kargen Böden mit Holzkohle, Fäkalien etc. zu unglaublichen Ergebnissen im Anbau von Gemüse geführt hat. Stichwort Terra Preta. Wissen Sie etwas darüber, ist die massenhafte Herstellung der Holz und Pflanzenkohle da das Problem oder bin ich einem unbegründeten Hype aufgesessen?
    Wäre ganz toll wenn mich da jemand aufklären könnte
    Vielen Dank!

  • Danke für das Interesse am Thema.
    Terra Pretas und Anreicherung von Böden mit Holzkohle (biochar im Englischen) kenne ich.
    Dass das möglich ist, ist unbestritten, aber oft ist der Aufwand enorm und die wichtigste Ressource, Holzkohle, nicht in ausreichenden Mengen vorhanden.

    Der WWF hat letztes Jahr ein Boden-Bulletin raus gegeben, wo wir kurz auf Biochar eingehen. Hier der Link:
    https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Studie-Boden-Bulletin-Klima-2018.pdf

    Mit freundlichen Grüßen,
    Rolf Sommer

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