Dem Wald geht es noch schlech­ter als gedacht

Besonders Nadelbäume sind von den Waldschäden betroffen © Sonja Ritter/WWF

Neue Zah­len bele­gen es: Es geht dem deut­schen Wald noch schlech­ter als gedacht. Hoch­ge­rech­net sind es 285.000 Hekt­ar, die von Dür­re, Schäd­lin­gen und Stür­men mas­siv geschä­digt wur­den, wie aus dem Bericht des Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums her­vor­geht. Das ist mehr als die Flä­che des Saar­lan­des. Bis­her war die Bun­des­re­gie­rung von 245.000 Hekt­ar Wald­schä­den aus­ge­gan­gen.

Drei Som­mer mit Dür­re und Hit­ze nach­ein­an­der las­sen vie­le Bäu­me ster­ben, man­cher­orts gan­ze Wald­ge­bie­te. Beson­ders stark betrof­fen von den Wald­schä­den sind Nord­rhein-West­fa­len, Thü­rin­gen, Nie­der­sach­sen und Hes­sen. Die Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner ver­weist aber auch dar­auf, dass beson­ders Fich­ten abster­ben. Die­se Schä­den stel­len also auch ein rie­si­ges Poten­ti­al dar, den öko­lo­gisch drin­gend benö­tig­ten Wald­um­bau in Rich­tung Laub­wäl­der deut­lich vor­an­zu­brin­gen.

Die Dür­re im Boden

Die Spu­ren der Dür­re sind unüber­seh­bar, nicht nur an den Wäl­dern und auf den Fel­dern. Fast über­all fehlt Was­ser. Der Was­ser­pe­gel ist in vie­len Seen deut­lich abge­sun­ken und am Ran­de zei­gen sich brei­te Ufer­strei­fen. Doch der größ­te Scha­den bleibt unsicht­bar: Die Dür­re in Deutsch­land sitzt tief im Boden. Die meteo­ro­lo­gi­sche Dür­re hat sich zu einer hydro­lo­gi­schen aus­ge­wei­tet. Die Fol­gen für Pflan­zen, Pil­ze, Tie­re und Men­schen sind enorm – und abseh­bar. Zu den Wald­schä­den und Ern­te­ein­bu­ßen kom­men noch Wald­brän­de, Nied­rig­was­ser in den Flüs­sen, erhöh­te Schad­stoff­kon­zen­tra­ti­on in Gewäs­sern und Trink­was­ser­knapp­heit.

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Extre­me Tro­cken­hei­ten wer­den durch den Kli­ma­wan­del immer wahr­schein­li­cher. Wir müs­sen auch in Deutsch­land häu­fi­ger mit Dür­ren leben. Theo­re­tisch wis­sen wir, dass wir von unse­rer Umwelt abhän­gen. Aber jetzt spü­ren wir, wie schnell Wet­ter­ex­tre­me unse­re gän­gi­gen Hand­lungs­wei­sen in Fra­gen stel­len. Wir haben einen hohen Was­ser­ver­brauch, set­zen bei reich­hal­ti­gem Was­ser­an­ge­bot auf eine schnel­le Abfuhr mit hohen Dei­chen statt auf Reten­ti­ons­räu­me und Spei­che­rung des Was­sers im Boden. Wir brau­chen eine öko­lo­gisch Was­ser­wen­de! Das stellt uns vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen, für die wir uns end­lich wapp­nen müs­sen. Euro­pa, Deutsch­land, Wirt­schaft und wir alle müs­sen han­deln.

Der Wald lei­det unter Dür­re © Alex­an­der Paul Brandes/WWF

Was der Wald und wir jetzt brau­chen

Kurz­fris­tig müs­sen Hil­fen für die Land­wirt­schaft und Wald­ei­gen­tü­mer an sofor­ti­ge Umwelt-Maß­nah­men gekop­pelt sein. Ins­be­son­de­re Was­ser betref­fen­de Maß­nah­men müs­sen Vor­aus­set­zung für die För­de­rung sein. Und die Scha­dens­be­he­bung soll­te weder mit der Räu­mung der Flä­chen noch mit Boden­be­ar­bei­tung ein­her­ge­hen.

Der 10 Punk­te-Plan gegen die Dür­re

Wir haben daher einen 10-Punk­te Plan gegen die Dür­re aufgestellt.Die not­wen­digs­ten Schrit­te dar­aus:

  1. Sze­na­ri­en zur Ent­wick­lung des Was­ser­haus­halts in Deutsch­land erar­bei­ten und dar­auf auf­bau­end Manage­ment­plä­ne aus­ar­bei­ten
  2. Öffent­li­che För­der­mit­tel zum Wald­um­bau und zur Unter­stüt­zung der Forst­wirt­schaft an öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en kop­peln
  3. Die Schaf­fung neu­er Wäl­der und Agro­forst­wirt­schaft för­dern und aus­bau­en
  4. Bestehen­de Gra­ben­ent­wäs­se­rungs­sys­te­me umsteu­ern
  5. Frucht­bar­keit und Was­ser­in­fil­tra­ti­on von land­wirt­schaft­li­chen Böden wie­der­her­stel­len
  6. Der Boden­ver­sie­ge­lung ent­ge­gen­wir­ken
  7. Bewäs­se­rung mit Grund- und Trink­was­ser stren­ger regle­men­tie­ren
  8. In die Umset­zungs­maß­nah­men der Was­ser­rah­men­richt­li­nie inves­tie­ren
  9. Ein­hal­tung des Ver­schlech­te­rungs­ver­bots und der Ver­bes­se­rungs­pflicht der Was­ser­rah­men­richt­li­nie bei Nut­zungs­kon­flik­ten
  10. Kos­ten­de­ckungs­prin­zip kon­se­quent auf alle Was­ser­nut­zer anwen­den!

Und wir alle müs­sen laut wer­den! Setzt euch ein für eine kli­ma­schutz­ori­en­tier­te Poli­tik, die sich auch durch ein grund­le­gend nach­hal­ti­ges Was­ser­ma­nage­ment aus­zeich­net! Sonst dürf­te es unse­rem Wald bald noch viel schlech­ter gehen.

Programmleitung Wald im WWF Deutschland. Seit meinem Studium der Forstwissenschaften liegt mir der Erhalt des Waldes mit seiner beeindruckenden Vielfalt am Herzen. Viele Jahre habe ich an Universitäten geforscht, um herauszubekommen wie das Waldmanagement verbessert werden kann, um die biologische Vielfalt und Klimaschutzleistung des Waldes - auch im Wirtschaftswald zu erhalten. Mit diesem Wissen arbeite ich seit 2016 beim WWF und setze mich von der lokalen bis globalen Ebene für den Biodiversitätserhalt und Klimaschutz ein.
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