Indo­ne­si­en: „Wäl­der in Flammen“

Rauch über Indonesien © WWF Indonesien

Der Qualm hüllt den Süden Suma­tras und Kali­mant­ans ein, dem indo­ne­si­schen Teil von Bor­neo. Es ist nicht das ers­te Mal, aber 2015 ist die Luft­ver­schmut­zung durch die Wald­brän­de beson­ders schlimm. Und das seit Wochen. Kei­ne Bes­se­rung in Sicht. Man kann es sich kaum vorstellen.

Mei­ne Kol­le­gin aus Palag­ka­ra­ya berich­tet mir, dass sie seit Wochen gegen das Feu­er und den Qualm kämp­fen wür­den. Der Prä­si­dent hat inzwi­schen den Not­stand über meh­re­re Pro­vin­zen ver­hängt, ein­schließ­lich Zen­tral Kali­mant­an. Der jüngs­te Ver­schmut­zungs­in­dex in Palang­ka Raya erreich­te erst 1900 und fiel dann auf 1100. Der gesun­de Stan­dart­wert liegt bei 150. Könnt Ihr euch vor­stel­len, was es bedeu­tet in sol­chem Dunst zu leben, und so eine Luft zu atmen? Im WWF-Büro hat die Lei­tung beschlos­sen, Schwan­ge­re und Mit­ar­bei­ter mit klei­nen Kin­dern zu eva­ku­ie­ren. Die Schu­len sind für meh­re­re Wochen geschlos­sen, der Flug­ha­fen ist zu, es gibt kei­ne Flü­ge mehr raus aus Palang­ka­ra­ya. Der Rauch liegt wie ein Hand­tuch über dem Land. Und das wird min­des­tens bis Novem­ber so blei­ben. Weil 2015 ein El Niño-Jahr ist, wird die eigent­li­che Tro­cken­zeit über­haupt erst noch kom­men. Und Pro­gno­sen zu fol­ge könn­te es einer der stärks­ten El Niños der letz­ten fünf­zig Jah­re wer­den. Zwei Wochen ist er bereits der Ent­wick­lung des bis­her größ­ten El Niños im Jahr 1997/98 voraus….

Regen­wald in Flam­men © WWF Indonesien

Der Rauch kommt von den enor­men Wald­brän­den, die auf den gro­ßen Tro­pen­in­seln Indo­ne­si­ens gera­de über­all lodern. Nicht alle Feu­er, aber vie­le haben mit dem umstrit­te­nen Anbau bil­li­ger Roh­stof­fe wir Ölpal­men oder Zell­stoff­holz zu tun. Feu­er wird meist gezielt ein­ge­setzt, um die zuvor gero­de­ten Par­zel­len von Holz­res­ten und Vege­ta­ti­on zu befrei­en. Spe­zi­ell Torf­bo­den kann jah­re­lang bren­nen, die Men­ge der aus­ge­sto­ße­nen Treib­haus­ga­se ist gigantisch.

Wel­ches Aus­maß hier an Natur und Lebens­raum wie bei­spiels­wei­se für den Orang-Utan zer­stört wird mag man sich gar nicht vor­stel­len! Auch sind mei­ne Gedan­ken bei unse­ren Kol­le­gen und über­haupt allen Men­schen, die momen­tan in die­ser Höl­le leben müssen.

 

Als Forstwissenschaftlerin arbeite ich beim WWF an internationalen Wald-und Klimaschutzprojekten. Der Erhalt der Wälder liegt mir besonders am Herzen. Als artenreichster Lebensraum beherbergt er nicht nur zwei Drittel aller Tier-und Pflanzenarten und ist von entscheidender Bedeutung für das Klima – auch bildet er die Lebensgrundlage für weltweit ca. 1,6 Milliarden Menschen. Solange jedoch dem Wald nicht sein „wirklicher“ Wert beigemessen wird, ist er auch weiterhin Opfer von Raubbau und Entwaldung.
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