Mäh­ro­bo­ter: Töd­li­che Gefahr für Igel

Igel mit Schnittverletzungen durch Mähroboter - ein zunehmendes Problem © Imago/Funke Foto Service/Volker-Herold

Rasen­ro­bo­ter boo­men. Ste­tig sind es mehr auto­ma­ti­sche Rasen­mä­her, die sich bei­na­he laut­los ihren Weg durch die Gär­ten bah­nen. Dabei wer­den die Mäh­ro­bo­ter zur Todes­fal­le für Igel. Die Zahl der ver­letz­ten und getö­te­ten Igel steigt dra­ma­tisch an. 

Das Pro­blem: Igel flie­hen nicht

Gera­de im Früh­jahr nach dem Win­ter­schlaf, aber auch im Som­mer und Früh­herbst sind Igel im Rasen­grün auf Fut­ter­su­che. Bemer­ken sie den Rasen­mä­her-Robo­ter, ist er meist schon sehr nah. Und dann wird den Tie­ren ihr Abwehr­ver­hal­ten zum Ver­häng­nis: Igel lau­fen bei Gefahr bekannt­lich nicht weg, son­dern rol­len sich zu einer Kugel zusam­men. Das hilft gegen tie­ri­sche Fein­de, aber nicht gegen die Mes­ser des Mähroboters.

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Beson­de­re Gefahr für Igeljunge

Im August und Anfang Sep­tem­ber ist Haupt­wurf­zeit für Igel. Zumeist in der Däm­me­rung unter­nimmt die Igel-Mama dann ers­te Aus­flü­ge mit ihren Jun­gen. Die klei­nen Igel sind beson­ders gefähr­det, weil sie auch unter extra fla­che, ver­meint­lich Igel-siche­re Mäh­ro­bo­ter gera­ten können.

Fast die Hälf­te der Igel über­lebt nicht

Rasen­ro­bo­ter fügen Igeln töd­li­che Ver­let­zun­gen zu © pic­tu­re alli­ance, dpa, Marius-Becker

Für die auto­no­men Rasen­mä­her sind Igel nur ein klei­nes Hin­der­nis wie Äpfel oder Bir­nen. Die Mäh­ro­bo­ter über­rol­len die Tie­re und ver­ur­sa­chen schlimms­te Ver­let­zun­gen: Die Mes­ser skal­pie­ren die Igel, tren­nen Glied­ma­ßen ab oder schnei­den ihre Schnau­zen. Am Leib­niz-Insti­tut für Zoo- und Wild­tier­for­schung (Leib­niz-IZW) wur­den 370 Fäl­le von Schnitt­ver­let­zun­gen durch Mäh­ro­bo­ter ana­ly­siert. Die meis­ten ver­letz­ten Igel wer­den dem­nach erst Tage oder sogar Wochen nach dem Unfall gefun­den. Auch die eher leich­ten Ver­let­zun­gen kön­nen spä­ter zu schwe­ren Ent­zün­dun­gen etwa durch Abla­ge von Flie­gen­ei­ern in den Wun­den und damit zum Tod füh­ren. Knapp die Hälf­te der auf­ge­fun­de­nen Igel über­leb­ten die Ver­let­zung nicht oder muss­ten ein­ge­schlä­fert werden.

Die Bestän­de des Igels sinken

Das ist inzwi­schen nicht mehr nur ein trau­ri­ges Tier­schutz­pro­blem: Der Bestand des Braun­brust­igels (Eri­nace­us euro­paeus) ist rück­läu­fig. 2020 wur­de der Igel auf die Vor­warn­lis­te der Roten Lis­te gesetzt. Die Grün­de sind natür­lich nicht nur Mäh­ro­bo­ter: Land- und Forst­wirt­schaft las­sen den natür­li­chen Lebens­raum des Igels schwin­den. Sehr vie­le Igel fal­len dem Stra­ßen­ver­kehr zum Opfer. Die Zahl sei­ner Fut­ter­tie­re sinkt. Und auf­ge­räum­te Gär­ten bie­ten wenig geeig­ne­te Nist- oder Überwinterungsmöglichkeiten.

Lösen bes­se­re Gerä­te und ein Nacht­be­triebs­ver­bot das Problem?

Es gibt aber auch gute Nach­rich­ten: Die inter­na­tio­na­len Forscher:innen um das IZW haben sich mit Part­nern aus der Indus­trie zusam­men­ge­tan, um igel­freund­li­che­re Robo­ter­ra­sen­mä­her zu ent­wi­ckeln. Tier­leid­freie Alter­na­ti­ven sei­en tech­nisch umsetz­bar, neue Stan­dards für die Gerä­te müs­sen nun aber noch euro­pä­isch ein­ge­führt wer­den. Zudem for­dern sie, dass poli­ti­sche Maß­nah­men wie ein Nacht­be­triebs­ver­bot für die Gerä­te umge­setzt werden. 

Was kannst Du tun, um Igel-sicher mit dem Mäh­ro­bo­ter zu mähen?

  • Igel sind däm­me­rungs- und nacht­ak­tiv. Mäh­ro­bo­ter — wenn über­haupt- am bes­ten um die Mit­tags­zeit ein­setz­ten, nie in der Däm­me­rung oder bei Nacht. Und immer unter Auf­sicht! Auch bei Tag lohnt es sich, den Rasen vor­her abzu­su­chen. Hung­ri­ge Igel hal­ten sich nicht an Uhrzeiten.
  • Lie­ber sel­te­ner mähen, denn: Ein kurz geschnit­te­ner Golf­ra­sen ist aus bio­lo­gi­scher Sicht wert­los. Mäh­ro­bo­ter sind auch gefähr­lich für ande­re Klein­tie­re wie Krö­ten, Insek­ten, Lar­ven und Würmer.
  • Häu­fi­ges und gründ­li­ches Mähen nimmt außer­dem Igeln und ande­ren Tie­ren ihre Nah­rungs­grund­la­ge, denn es schmä­lert die Arten­viel­falt des Gar­tens. Es feh­len Blü­ten und Kräu­ter – Nah­rung für Insek­ten, die wie­der­um die Nah­rung für Igel sind.
Was Igel wirk­lich hilft: ein natur­na­her Gar­ten © Imago/Panthermedia

Wirk­lich hilft ein igel­freund­li­cher Garten

Und wer dem Igel und der Natur gene­rell hel­fen möch­te: Ein igel­freund­li­cher Gar­ten ist mög­lichst natur­nah. Mit hei­mi­schen Pflan­zen­ar­ten, stel­len­wei­sem Wild­wuch­ses und mit einem Rasen, der nicht zu oft gemäht wird. Das freut nicht nur den Igel, son­dern auch Insek­ten, Vögel und ande­re Kleintiere.

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Schon als kleiner Junge in Nürnberg begeisterte ich mich für die Wunderwelt von Tieren und Pflanzen und wollte Biologe werden. Seit meiner Jugend arbeite ich ehrenamtlich in verschiedenen Naturschutzorganisationen. Nach dem Biologiestudium forschte ich einige Zeit zur Entwicklung von Naturwaldreservaten, arbeitete als freier Journalist zu Naturschutz- und Umweltthemen und leitete 13 Jahre lang die Bundesgeschäftsstelle der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Beim WWF setze ich mich seit 2014 dafür ein, die Naturschätze in Deutschland zu erhalten und den Verlust der Biodiversität zu stoppen.

Kommentare (9)

    • Und? - Setzt jeder Besitzer eines Mährobroters ihn richtig ein? Wohl kaum, sonst gäbe es nicht so viele Fälle verletzter oder getöteter Igel durch diese Geräte!

  • Vll so kleine piep signal Geräte besorgen und an den Mäher anbringen. Des kostet vll 10 euro und schreckt Tiere ab. So würden sie Abstand halten und die Mäher kommen hören. Ich würde gerne mit ihnen zusammen eine promo dafür starten Natur freundliche Menschen würden sicher zugreifen . Meine e-mail addy ist sarakurtum@gmail.com

  • Guter Artikel, dies als billige Polemik zu bewerten zeigt mal wieder die Ahnungslosigkeit der Besitzer der Mähroboter. Das sind meist die mit einem super aufgeräumten Garten und stolz sind das auf den paar Blümchen ein paar Bienen sitzen.

  • Bitte keine Mähroboter einsetzen, fast jeder zweite Igel wird Opfer des strassenverkehrs und jetzt kommt eine neue gravierende Gefahr dazu. MÄHROBOTOR BRAUCHT MAN NICHT UNBEDINGT! Bitte nicht benutzen, versetzt Euch in die Lage eines Igels!!

  • Ergänzung. EINE Bekannte arbeitet beim Igelschutz. Seit Mährobotor im Einsatz sind explodieren die Fallzahlen von schwerverletzten oder getötet en Igeln durch Mähmaschinen. Einmal war ich bei ihr auf der Igel-Station. Einer hatte ein Bein und das Gesicht weggefetzt, kann kein normales Leben mehr führen. Es ist schrecklich. Und es ist ein absoluter Irrtum, dass eine Wiese derart unnatürlich von solchen Mährobotorn bearbeitet werden soll. SCHÖN IST ES NICHT UND DIE NATUR LEIDET! Liebe Menschen, auf diese Erfindung kann man wirklich verzichten!

  • Gibt es zu dem Thema evtl. einen Aushang zum Downloaden, den man z.B. im Schaukasten der Gemeinde aushängen kann?

    In unserem Dorf werden die Mähroboter immer zahlreicher, aber Gedanken macht sich kaum einer um die Folgen. Ich habe neulich selber erst einen Igel zur Igelhilfe gebracht, der eine Schnittverletzung vom Nachbarn hatte. Er hat zum Glück überlebt und konnte in unserem Garten wieder ausgewildert werden.

  • Wie absurd, einen Mähroboter nachts einzusetzen!!! Wenn schon ein solches Igel zerstörerisches und lebensbedrohliches Instrument eingesetzt wird, dann wenigstens nicht auch noch nachts. Schlimm ist, dass Igel nicht nur unter ihrem immer weiter schrumpfenden Lebensraum, dem Straßenverkehr und sonstigen "tödlichen Fallen" bedroht sind, dann auch Mähroboter, die nachts, wenn die Igel unterwegs sind, eingesetzt werden! Wir Menschen schaffen es, eine seit Jahrtausende bestehende
    Tierpopulation zur Strecke zu bringen!

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