Natur­schutz und Men­schen­rech­te gehö­ren zusam­men


Naturschutz und Menschenrechte gehören zusammen. Frauen in Nepal Gorkha District
Naturschutz und Menschenrechte gehören zusammen © Karine Aigner/WWF-US

Wie geht der WWF mit Men­schen­rech­ten um? Mein Team und ich sind beauf­tragt genau das zu unter­su­chen. Wie gehen wir vor?

Wo Men­schen­rech­te vom Staat nicht geschützt wer­den, kön­nen Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen und huma­ni­tä­re Orga­ni­sa­tio­nen sta­bi­li­sie­ren­de Arbeit leis­ten. Natur­schutz in poli­tisch insta­bi­lem Kon­text bringt aber gro­ße Her­aus­for­de­run­gen mit sich. Zuge­spitzt for­mu­liert: Wie kann man selbst Men­schen­rech­te schüt­zen, wenn das poli­ti­sche Sys­tem die Men­schen­rech­te miss­ach­tet? Wie ist es mög­lich in einem kor­rup­ten oder unde­mo­kra­ti­schen Umfeld zu arbei­ten, ohne sich selbst zu kor­rum­pie­ren? Das ist ein stän­di­ges Dilem­ma für vie­le Orga­ni­sa­tio­nen, auch für den WWF. Es kann nicht die Auf­ga­be von Natur­schüt­zern sein, die Grund­ge­ge­ben­hei­ten in einem Land zu ändern. Aber man muss immer wie­der aufs Neue fra­gen: Wie kön­nen wir Men­schen­rech­te in der eige­nen Arbeit umset­zen?

In Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung liegt der Schutz der Men­schen­rech­te längst nicht allein beim Staat. Jede wirt­schaft­li­che, poli­ti­sche und sozia­le Orga­ni­sa­ti­on trägt Ver­ant­wor­tung für die Ach­tung der Men­schen­rech­te in ihrem Bereich. Auch Nicht-Regie­rungs-Orga­ni­sa­tio­nen müs­sen die Aus­wir­kun­gen ihrer Arbeit auf Men­schen­rech­te betrach­ten. Dafür sind kla­re inter­na­tio­na­le Richt­li­ni­en fest­ge­schrie­ben.

Es gel­ten die Prin­zi­pi­en der UN für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te

Seit 2011 gibt es mit den UN-Leit­prin­zi­pi­en für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te (United Nati­ons Gui­ding Princi­ples on Busi­ness and Human Rights, UNGPs) einen glo­ba­len Stan­dard für men­schen­recht­li­che Ver­ant­wor­tung. Inter­na­tio­nal täti­ge Orga­ni­sa­tio­nen müs­sen regel­mä­ßig die (poten­zi­el­len) Aus­wir­kun­gen ihrer Arbeit auf Men­schen­rech­te unter­su­chen und Pro­zes­se und Maß­nah­men eta­blie­ren, die zum Schutz der Men­schen­rech­te bei­tra­gen.

Die­se men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflicht gilt für Unter­neh­men, für UN-Unter­or­ga­ni­sa­tio­nen wie UNICEF und natür­lich auch für NGOs wie den WWF. Sie greift unab­hän­gig davon, ob Regie­run­gen in Pro­jekt­re­gio­nen ihrer men­schen­recht­li­chen Ver­ant­wor­tung nach­kom­men oder nicht.

Die UN-Prin­zi­pi­en legen auch klar fest, dass die Ver­ant­wor­tung für Men­schen­rech­te über die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on hin­aus­geht. Sie gilt eben nicht nur für das eige­ne Han­deln, son­dern auch für die Zusam­men­ar­beit mit Drit­ten. Bei Unter­neh­men sind das etwa Lie­fe­ran­ten. Beim WWF muss man die Koope­ra­ti­on mit Regie­run­gen und staat­li­chen Stel­len ein­be­zie­hen. Das wären zum Bei­spiel bei einem Pro­jekt in einem Natio­nal­park die Minis­te­ri­en oder Behör­den, die für den Natio­nal­park zustän­dig sind. Es muss daher auch in Ver­trä­gen mit Pro­jekt­part­nern glas­klar gemacht wer­den, dass die inter­na­tio­na­len Stan­dards nicht zur Debat­te ste­hen.

Wie gehen wir vor?

Mein Team und ich prü­fen der­zeit die Pro­zes­se und Struk­tu­ren des WWF Deutsch­lands zur Wah­rung der Men­schen­rech­te. Wir ori­en­tie­ren uns dabei an den Vor­ga­ben der UN. Dar­über hin­aus zie­hen wir aber auch die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te, Kern­ar­beits­nor­men der Inter­na­tio­na­le Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on (IAO), Leit­sät­ze für mul­ti­na­tio­na­le Unter­neh­men der OECD und den Akti­ons­plan für Wirt­schaft und Men­schen­rech­te der Bun­des­re­gie­rung ein. Als Pro­zess­stan­dards nut­zen wir unter ande­rem die Richt­li­ni­en des Danish Insti­tu­te for Human Rights, des UN Glo­bal Com­pact Netz­werks, sowie den Repor­ting Stan­dard der Glo­bal Repor­ting Initia­ti­ve (GRI).

Wir ana­ly­sie­ren zunächst vor allem die Arbeit des WWF in Natio­nal­parks. Aber auch die all­ge­mei­ne Arbeits­struk­tur des WWF Deutsch­land und die Zusam­men­ar­beit mit WWF Inter­na­tio­nal spie­len eine wich­ti­ge Rol­le. Unse­re Fra­gen sind zum Bei­spiel: Gibt es Grund­satz­er­klä­run­gen und Richt­li­ni­en zum Umgang mit Men­schen­rech­ten? Wel­che Ver­fah­ren gibt es zu poten­zi­ell nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen von WWF-Pro­jek­ten auf Men­schen­rech­te? Sind Maß­nah­men zur Prä­ven­ti­on und Abhil­fe vor­han­den? Wie ist die Umset­zung von Beschwer­de­me­cha­nis­men, etwa bei einem Kon­flikt zwi­schen Ran­gern und der loka­len Bevöl­ke­rung?

Ers­te Ergeb­nis­se Ende April

Ende April 2019 wer­den wir einen ers­ten Bericht über­ge­ben. Die­ser wird noch kei­ne fer­ti­gen Lösun­gen ent­hal­ten, son­dern ers­te Ergeb­nis­se. Wir emp­feh­len schon jetzt in einem zwei­ten Schritt wei­te­re Unter­su­chun­gen. Denn men­schen­recht­li­che Sorg­falts­pflicht ist ein ste­tig andau­ern­der Pro­zess. Grund­le­gend hier­für ist die kon­ti­nu­ier­li­che Kon­trol­le der eige­nen Arbeit. Nur so kann sich eine Struk­tur bil­den, die zum Schutz von Mensch und Natur führt.

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Markus Loening

Über mich
Markus Loening

2014 habe ich die Beratung Löning – Human Rights & Responsible Business gegründet, um gemeinsam mit meinem Team, den Schutz der Menschenrechte im wirtschaftlichen Kontext voranzutreiben. Wir sind eine Unternehmensberatung und globale Denkfabrik. Als internationales Team mit betriebswirtschaftlicher, juristischer, sozialwissenschaftlicher und menschenrechtlicher Erfahrung arbeiten wir daran, die Achtung der Menschenrechte in Managementprozessen zu stärken. Zuvor war ich Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung sowie von 2002 bis 2009 Mitglied des Bundestages mit den Schwerpunkten Europa- und Entwicklungspolitik.

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