Wild­pfer­de – Sie sind zurück!


Wie viele Wildpferde gibt es auf der Welt?
Wahre Wildpferde sind selten © IMAGO / Xinhua

Der Boden der Step­pe staubt unter Hufen fahl­gel­ber Pfer­de mit dunk­len Mäh­nen. Die Wei­te scheint unend­lich, nur in der Fer­ne gesäumt von Gebir­gen. Die Mon­go­lei ist hier fast men­schen­leer. Idea­les Ter­rain für die galop­pie­ren­den Herden.
Prze­wal­ski-Pfer­de sind die ein­zi­gen Wild­pfer­de, die wir noch auf unse­rer Erde haben. Denn Mus­tangs bei­spiels­wei­se und die bekann­ten Dül­me­ner Ponys sind kei­ne ech­ten Wild­pfer­de. Aber Prze­wal­ski-Pfer­de gibt es auch bei uns in Deutschland!

Prze­wal­ski-Pfer­de: So sehen Wild­pfer­de aus

Ihr Kopf wirkt groß im Ver­gleich zu ihrem Kör­per. Das Maul hat eine typi­sche hel­le Fär­bung, die als Mehl­maul bezeich­net wird: Prze­wal­ski-Pfer­de, auch Tha­kis genannt, sind die hei­li­gen Pfer­de der Mon­go­lei. Sie sind ver­gleichs­wei­se klein – bei einer Wider­rist­hö­he von um die 140 Zen­ti­me­ter, dafür aber kräf­tig. Ihren Rücken zeich­net häu­fig ein dunk­ler soge­nann­ter Aal­strich ent­lang der Wir­bel­säu­le, der in eine kur­ze Stehm­äh­ne und einen dunk­len Schweif über­geht. Die Wild­pfer­de sind sehr robust und kön­nen tage­lang ohne Was­ser und Nah­rung überleben.

Wie sehen Wildpferde aus?
Aal­strich und Stehm­äh­ne: Prze­wal­ski-Pfer­de © IMAGO / Anka Agen­cy International

Ihren Namen – sprich Psche­wal­ski – ver­dan­ken die schö­nen Wild­pfer­de übri­gens dem rus­si­schen For­scher Niko­lai Michailo­witsch Prz­he­valsky. Er ent­deck­te die weit­ge­hend unbe­kann­ten Pfer­de bei sei­nen Expe­di­tio­nen nach Zen­tral­asi­en Ende des 19. Jahr­hun­derts. Aber schon damals waren die Wild­pfer­de sel­ten gewor­den.

Ver­schwun­den und doch zurück

Wie sehen Przewalski-Pferde aus?
Die Fell­far­be vari­iert von grau­gelb bis rot­braun © IMAGO / Xinhua

Das letz­te frei­le­ben­de Prze­wal­ski-Pferd wur­de 1969 in der Mon­go­lei gesich­tet. Seit­her gal­ten die Tha­kis als in frei­er Wild­bahn aus­ge­stor­ben. Sie waren für ihr Fell und Fleisch bis zur Aus­rot­tung bejagt wor­den und ver­lo­ren ihren Lebens­raum an gra­sen­de Viehherden.

Das Über­le­ben der Prze­wal­ski-Pfer­de ist allein Zucht­pro­gram­men in Zoos und Zucht­zen­tren zu ver­dan­ken. Seit den 1990er Jah­ren wer­den die Pfer­de wie­der aus­ge­wil­dert – auch mit Unter­stüt­zung des WWF. Inzwi­schen galop­pie­ren meh­re­re hun­dert Prze­wal­ski-Pfer­de durch die gras­be­wach­se­nen Step­pen mon­go­li­scher Schutz­ge­bie­te. Die­se Nach­zuch­ten aus Zoos sind die letz­ten Wild­pfer­de, die bis heu­te exis­tie­ren. Sie gel­ten immer noch als stark gefährdet.

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Die Wild­pfer­de in Deutsch­land und Europa

Ja, auch bei uns gibt es eini­ge klei­ne Her­den zumin­dest halb­wil­der Prze­wal­ski-Pfer­de! Zum Bei­spiel im Natur­schutz­ge­biet Döbe­rit­zer Hei­de und im Wild­park Schorf­hei­de in Bran­den­burg. Hier wur­den sie ange­sie­delt, um weit­ge­hend unbe­ein­flusst vom Men­schen zu ihrem ursprüng­li­chen Ver­hal­ten zurück­zu­keh­ren. Ähn­lich in Schutz­ge­bie­ten in Frank­reich und Eng­land. Eine bedeu­ten­de Popu­la­ti­on lebt heu­te in der unga­ri­schen Step­pe im Hort­o­bá­gy-Natio­nal­park.

Aber sind Prze­wal­ski-Pfer­de über­haupt ech­te Wildpferde?

Wis­sen­schaft­ler sind sich nicht ganz einig, ob die Prze­wal­ski-Pfer­de tat­säch­lich rich­ti­ge Wild­pfer­de sind, also nie domes­ti­ziert wur­den. Eine gene­ti­sche Stu­die aus dem Jahr 2018 deu­tet dar­auf hin, dass die Pfer­de in der Mon­go­lei viel­leicht doch vor meh­re­ren tau­send Jah­ren domes­ti­ziert wur­den und erst anschlie­ßend wie­der ver­wil­der­ten. Eine spä­te­re Stu­die stützt wie­der­um die Hypo­the­se, dass es doch ech­te Wild­pfer­de sind.

Gibt es kei­ne wei­te­ren Wildpferde?

Abge­se­hen von mög­li­chen urzeit­li­chen Pfer­den, gab es in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit nur ein wei­te­res Wild­pferd in Eura­si­en: Den Tar­pan. Tar­pa­ne leb­ten west­lich des Urals haupt­säch­lich in Russ­land, der Ukrai­ne, in Polen und im Bal­ti­kum, wur­den aber im 18. und 19. Jahr­hun­dert ausgerottet.

Wie viele Wildpferde-Rassen gibt es?
Ein­zig exis­tie­ren­des Foto eines Tar­pans, der mög­li­cher­wei­se aber bereits gekreuzt war © gemeinfrei

Aus Haus­pfer­den wur­den spä­ter sozu­sa­gen Tar­pan-Loo­ka­li­kes rück­ge­züch­tet. Die­se wer­den manch­mal als Tar­pa­ne bezeich­net – die gene­ti­sche Infor­ma­ti­on der ursprüng­li­chen Tar­pan-Wild­pfer­de ist aber verloren.

Und was ist mit den Mus­tangs? Oder den Dül­me­ner Wildpferden?

Umgangs­sprach­lich wer­den auch Pfer­de­ras­sen wie die ame­ri­ka­ni­schen Mus­tangs, das aus­tra­li­sche Brum­by, die Exmoor-Ponys aus Eng­land und die Dül­me­ner Pfer­de aus dem Mer­fel­der Bruch in West­fa­len als Wild­pfer­de bezeich­net.

Doch Mus­tangs, Brum­bies und auch die bekann­ten Nami­bi­schen Wild­pfer­de oder Wüs­ten­pfer­de sind ver­wil­der­te Nach­kom­men ent­lau­fe­ner Haus­pfer­de.

Wildpferde in Deutschland: Dülmener Wildpferde und zum Beispiel auch Mustangs sind keine echten Wildpferde
Dül­me­ner Ponys sind kei­ne ech­ten Wild­pfer­de © IMAGO / blickwinkel

Die Dül­me­ner Pfer­de und die Exmoor-Ponys sol­len von den Tar­pa­nen abstam­men, haben sich jedoch selbst oder wur­den bewusst in der Ver­gan­gen­heit mit Haus­pfer­den gekreuzt. Es sind also kei­ne ech­ten Wild­pfer­de mehr. Beson­ders die Dül­me­ner Ponys leben auch nur halb­wild in ein­ge­zäun­tem Gelände.

Wie leben Wildpferde?

Wild­pfer­de leben und leb­ten in Her­den. Im Fal­le der Prze­wal­ski-Pfer­de sind das Fami­li­en­ver­bän­de aus Stu­ten und ihren Nach­kom­men sowie einem ein­zi­gen Hengst. Harems wer­den die­se Grup­pen auch genannt.

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Ihre Zunei­gung unter­ein­an­der drü­cken die Mit­glie­der in der gegen­sei­ti­gen Fell­pfle­ge aus. Das Fremd­put­zen (Allo­groo­m­ing) ist eine sozia­le Kör­per­pfle­ge, die man von vie­len Säu­ge­tie­ren und Vögeln kennt – wie zum Bei­spiel das Lau­sen der Affen. Es dient weni­ger der Rei­ni­gung, als viel­mehr der Fes­ti­gung von Beziehungen.

Wie und wo leben Wildpferde?
Allo­groo­m­ing: Sozia­le Kör­per­pfle­ge © IMAGO / Xinhua

Was machen Wild­pfer­de im Winter?

Im Win­ter sen­ken die robus­ten Pfer­de Stoff­wech­sel, Köper­tem­pe­ra­tur und Ener­gie­ver­brauch. Trotz­dem kann ein stren­ger Win­ter den gesam­ten Bestand gefähr­den, da es nur noch so weni­ge Exem­pla­re gibt.

Wild­heit braucht Weite

Wild­pfer­de sind tag- und teil­wei­se auch nacht­ak­tiv. Die meis­te Zeit davon ver­brin­gen sie mit Gra­sen. Die Her­den brau­chen gro­ße Revie­re in offe­nem Gras­land, in denen sie wan­dern kön­nen. Doch der­art wei­te, unbe­rühr­te Land­schaf­ten wer­den immer sel­te­ner. Wie in vie­len Regio­nen der Welt schützt der WWF auch in der Mon­go­lei wich­ti­ge Lebens­räu­me bedroh­ter Arten. Dazu gehö­ren neben den Prze­wal­ski-Pfer­den auch die Schnee­leo­par­den und Saiga-Antilopen.

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