Wild­kräu­ter sam­meln Geheim­tipps: Gun­der­mann, Schlan­gen­knö­te­rich & Co


Ein Strauß Wildkräuter © Gesa Koch-Weser / WWF
Frisch gepflückt © Gesa Koch-Weser / WWF

Wild­kräu­ter sam­meln für Pro­fis: Heu­te prä­sen­tie­ren wir euch vier ech­te Geheim­pflan­zen aus dem Wild­kräu­ter­land. Wer sich noch nicht für den Fort­ge­schrit­te­nen­kurs gewapp­net fühlt, möge bit­te noch ein­mal die Wild­kräu­ter für Anfän­ger und die Wild­kräu­ter und ihre gif­ti­gen Dop­pel­gän­ger stu­die­ren. Und dann hin­aus mit euch in die wun­der­ba­re Welt der Wäl­der, Wie­sen und Wild­kräu­ter.

Dis­c­lai­mer: Wie immer gilt: Alle Anga­ben ohne Gewähr! Für falsch bestimm­te Pflan­zen und ihre Fol­gen wird kei­ne Haf­tung über­nom­men. Im Zwei­fel gilt sowie­so immer: Wenn ihr euch nicht hun­dert­pro­zen­tig sicher seid, dass ihr es mit einer ess­ba­ren Pflan­ze zu tun habt, lasst sie ste­hen!

Wil­de Hop­fen­spros­sen

Anfang Mai ist die idea­le Zeit, um wil­de Hop­fen­spros­sen (Humu­lus Lupu­lus) zu sam­meln. Die­se Deli­ka­tes­se ist kaum bekannt, dabei sind vie­le Laub­wäl­der voll von den jun­gen Ran­ken­pflan­zen. Als Kind lieb­te ich es, gemein­sam mit mei­ner Mut­ter – die als Bio­lo­gin und Pflan­zen­ken­ne­rin den umstrit­te­nen Titel der Wild­kräu­ter-Köni­gin übri­gens mehr als ver­dient hat und der ich all mein Wis­sen über Wild­kräu­ter ver­dan­ke – auf die Suche nach „Wild­spar­gel“ zu gehen.

Rankende Hopfensprossen - und dann geerntet. © Sylvia Koch-Weser
Von der Ran­ke auf den Tisch — Hop­fen­spros­sen. © Syl­via Koch-Weser

Wie sehen Hop­fen­spros­sen aus?

Die ess­ba­ren Hop­fen­spros­sen sind die Trieb­spit­zen des wil­den Hop­fens. Die Pflan­ze ist im Früh­jahr etwa ein bis zwei Meter hoch und rankt sich an ande­ren Pflan­zen hin­auf. Zum Ern­ten wer­den die obe­ren zehn bis 15 Zen­ti­me­ter der jun­gen Trie­be abge­bro­chen. Die Ern­te ist nur in einem kur­zen Zeit­fens­ter von weni­gen Wochen (ca. Ende April bis Mit­te Mai) mög­lich, denn spä­ter im Jahr wer­den die Trie­be hol­zig und unge­nieß­bar.

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Wo fin­de ich Hop­fen­spros­sen?

Der wil­de Hop­fen wächst in Wäl­dern mit über­wie­gend Laub­bäu­men, an Zäu­nen, Hecken oder Wald­rän­dern und beson­ders häu­fig in der Nähe von Flüs­sen und Bächen.

Und was kann man mit Hop­fen­spros­sen machen?

Ganz, ganz köst­li­che Din­ge. Ein­fach ein paar Hop­fen­spros­sen mit Bind­fa­den zusam­men­bin­den (sonst schwim­men sie kreuz und quer im Topf her­um und es ist schwie­rig, sie her­aus­zu­fi­schen) und etwa drei Minu­ten blan­chie­ren. Oder man brät die Hop­fen­spros­sen mit etwas Öl kurz an. Dann zum Bei­spiel unter Pas­ta mischen und nur mit Salz und Pfef­fer wür­zen. Oder aber die Spros­sen mit etwas Öl, Salz, Pfef­fer und einem Schuss Zitro­nen­saft ganz allein als war­men oder kal­ten Salat genie­ßen. Sie schme­cken ein biss­chen nach Spi­nat, erin­nern aber auch an Spar­gel.

Wilder Hopfen im Wald am Fluss © Sylvia Koch-Weser
Der wil­de Hop­fen wächst am liebs­ten in Was­ser­nä­he. © Syl­via Koch-Weser

Schlan­gen­knö­te­rich

Der Schlan­gen­knö­te­rich (bis­tor­ta offi­ci­na­lis) wird auch Wie­sen­knö­te­rich genannt und gehört – welch Über­ra­schung – zur Fami­lie der Knö­te­rich­ge­wäch­se, die alle­samt an den Kno­ten in ihren Stän­geln zu erken­nen sind.

Wie sieht Schlan­gen­knö­te­rich aus?

Der Schlan­gen­knö­te­rich sieht eigen aus: Die Blät­ter sind läng­lich, eiför­mig und bis 20 Zen­ti­me­ter lang. Die Grund­blät­ter sind lang gesti­elt, die Stän­gel­blät­ter etwas kür­zer gesti­elt. Etwa von Mai bis Juli reckt der Schlan­gen­knö­te­rich sei­ne zart­ro­sa, kol­ben­för­mi­gen Blü­ten in die Höhe. Sein Stän­gel ist auf­recht und nicht ver­zweigt, der Wur­zel­stock ist S‑förmig gedreht, was dem Schlan­gen­knö­te­rich sei­nen Namen ver­schaff­te.

Schlangenknöterich © iStock / getty images
Links: Schlan­gen­knö­te­rich, noch nicht in der Blü­te. Rechts: Das ist sie, die Hüb­sche. © iStock / get­ty images

Wo fin­det man Schlan­gen­knö­te­rich?

Der Schlan­gen­knö­te­rich fin­det man vor allem auf Feucht­wie­sen, an Teichu­fern und auf nähr­stoff­rei­chen Böden. Oft wächst er in Nes­tern. In Süd­deutsch­land scheint er häu­fi­ger ver­brei­tet zu sein als im Nor­den, zumin­dest lässt das die­se Ver­brei­tungs­kar­te ver­mu­ten.

Und was kann ich mit Schlan­gen­knö­te­rich machen?

Jun­ge Blät­ter und Stän­gel kann man im Früh­jahr wie Spi­nat blan­chie­ren und zu Gemü­se­ge­rich­ten rei­chen oder als Zutat für Auf­läu­fe ver­wen­den. Auch macht er sich gehackt als Bei­ga­be für Sup­pen gut und ist wegen sei­nes hohen Eisen­ge­halts in den Blät­tern zudem sehr gesund. Sei­ne Wur­zel kann von Sep­tem­ber bis in den Win­ter hin­ein geern­tet wer­den. Wegen ihres hohen Stär­ke­gehalts eig­net sie sich super als Zutat für Brat­lin­ge. Auch gerös­tet ist sie sehr fein.

Gun­der­mann

Der klei­ne Gun­der­mann (Glecho­ma heder­acea) ist mit sei­nen lila Blü­ten nicht nur ein hüb­sches Kerl­chen, son­dern auch eine ech­te Berei­che­rung für die Küche. Auf­grund sei­ner Wür­ze ist er auch unter dem Namen Sol­da­ten­pe­ter­si­lie bekannt.

Ein beliebtes Wildkraut: Der Gundermann © iStock / getty images
Gun­der­mann oder auch das net­te Gun­der­männ­chen © iStock / get­ty images

Wie sieht Gun­der­mann aus?

Die Pflan­ze ist 10 bis 40 Zen­ti­me­ter hoch und trägt nie­ren­för­mi­ge oder rund­lich-herz­för­mi­ge Blät­ter mit Ein­ker­bun­gen an den Blatt­rän­dern. Von April bis Juni blüht er, dann sit­zen in den Blatt­ach­seln lila Blü­ten. Die Pflan­ze hat einen krie­chen­den Haupt­spross, von dem auf­rech­te Blü­ten­spros­se auf­stei­gen.

Wo fin­det man Gun­der­mann?

Gun­der­mann fin­det man ger­ne an schat­ti­gen Orten, oft in Laub­wäl­dern oder Gär­ten. Er liebt feuch­te und frucht­ba­re Böden, die nicht sau­er sind.

Und was kann man mit Gun­der­mann machen?

Mit Gun­der­mann kann man eine Men­ge machen: Das klei­ne Kraut ist sehr wür­zig und inten­siv, daher soll­te man es spar­sam ver­wen­den. Als Geheim­zu­tat zur „Unkräu­ter­but­ter“ (z.B. mit Giersch, Scharf­ga­be und Bär­lauch) macht er sich rich­tig gut, genau­so wie in gerin­ger Men­ge in Sala­ten.

Wei­ßer Gän­se­fuß

Der weiße Gänsefuß © links: iStock / getty images, rechts: cc Oona Rälsänen, http://bit.ly1q3sCcv
So sieht er aus in Blatt und Blü­te. © links: iStock / get­ty images, rechts: cc Oona Räl­sä­nen, http://bit.ly1q3sCcv

Der Wei­ße Gän­se­fuß (Cheno­po­di­um album) ist auch unter dem Namen Acker­mel­de bekannt. Obwohl er frü­her als Gemü­se ange­baut wur­de und so gut wie jeder Teil von ihm ess­bar ist, weiß kaum jemand etwas mit ihm anzu­fan­gen.

Wie sieht Gän­se­fuß aus?

Die Pflan­ze wird bis zu drei Meter hoch, der Stän­gel wächst auf­recht und ist nicht sel­ten stark ver­zweigt. Die obe­ren Blät­ter sind oft lan­zett­lich geformt, die Blät­ter im unte­ren Bereich haben gesäg­te Rän­der, alle Blät­ter haben Stie­le. Die Blät­ter sind etwas bestäubt – wenn ihr ein Blatt zwi­schen den Fin­gern durch­zieht, füh­len sich eure Fin­ger meh­lig an. In der Blü­te­zeit trägt er weiß­li­che, läng­lich-knub­be­li­ge Blü­ten.

Vor­sicht, bit­te! Ein naher Ver­wand­ter des wei­ßen Gän­se­fu­ßes, der Gute Hein­rich, ist vom Aus­ster­ben bedroht und soll­te des­halb nicht gesam­melt wer­den! Sei­ne Blät­ter sind weni­ger bestäubt und nicht so gezackt, wie die des wei­ßen Gän­se­fu­ßes.

Wo fin­de ich Gän­se­fuß?

Den wei­ßen Gän­se­fuß fin­det man ger­ne in Sied­lun­gen an Weg­rän­dern, Zäu­nen und Mau­ern, in der Umge­bung von Vieh­stäl­len, Alp­hüt­ten oder Schup­pen. Er liebt nähr­stoff­rei­che Böden und ist ein soge­nann­ter Kul­tur­be­glei­ter, weil er ger­ne in der Nähe der Men­schen wächst.

Was kann man mit Gän­se­fuß machen?

Mit Gän­se­fuß kann man das glei­che machen wie mit Spi­nat. Die Blät­ter kön­nen auch wie sel­bi­ger zube­rei­tet wer­den. Die Trie­be kön­nen auch noch wäh­rend der Blü­te wie Spar­gel gekocht wer­den und sogar die Blü­ten kann man schmack­haft zube­rei­ten: Jun­ge Blü­ten­stän­de ein­fach wie Brok­ko­li düns­ten.

Was kann man mit Wild­kräu­tern sonst noch machen?

  • Raus­ge­hen, das Wet­ter genie­ßen und eif­rig Wild­kräu­ter suchen. Dabei gut auf­pas­sen und kei­ne gif­ti­gen Pflan­zen ein­sam­meln. Daher vor­her Wild­kräu­ter und ihre gif­ti­gen Dop­pel­gän­ger aus­wen­dig ler­nen!
  • Freu­en: Auf die nächs­te Run­de. Bald geht’s mun­ter wei­ter mit Unkräu­tern für Gar­ten­freun­de.
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Über mich
Gesa Labahn

Journalistin, Philosophin und nun Videoredakteurin beim WWF. Ich mag Essbares aus der Natur, Salat vom Großstadtbalkon und digitale Delikatessen. Außerdem glaube ich fest daran, dass wir alle gemeinsam mit nur wenig Mühe viel verbessern können.

7 Kommentare

  1. Dan­ke für die Wil­der­kräu­ter-Tipps. Ich ver­wen­de die “ein­fa­chen” (Bren­nes­sel, Löwen­zahn…) schon län­ger, was mir aber fehlt ist der Girsch oder Drei­blatt. Wächst über­all und schmeckt total lecker als Salat. Oder habe ich den Abschnitt über­le­sen?

  2. Sor­ry! Habe den Giersch gera­de in einer ande­ren Rubrik gefun­den.

  3. Avatar
    23. Mai 2018
    Antworten

    Hal­lo dan­ke für die schö­nen Bil­der.
    Giersch, Löwen­zahn, Bren­nes­sel erkennt man so leicht, bei den ande­ren fällt es mir noch sehr schwer zu unter­schei­den, wer­de ab jetzt nach dem Gun­der­mann aus­schau hal­ten, Peter­si­lie schmeckt mir sowie­so am bes­ten, und wenn die­ser so ähn­lich schme­cken soll dann ist es genau was für mich :).

    Lie­be Grü­ße
    Erdem

  4. Avatar
    4. Juni 2018
    Antworten

    Super Tipps. Ich muss ehr­lich sagen, dass ich die meis­ten in der Form nicht kann­te. Wer­de auf jeden Fall eini­ges aus­pro­bie­ren!

  5. Avatar
    Andreas
    9. August 2018
    Antworten

    Tja, man kennt so man­ches Kraut nicht und tötet es eher ab als sich damit zu beschäf­ti­gen. Wer mag schon Girsch im Rasen? Aber wenn man sich Zeit nimmt und es pro­biert, dann ist es ein Genuß. Wir sam­meln seit Jah­ren Bär­lauch und vie­le der zuvor ange­führ­ten Pflan­zen sind mir bei Spa­zier­gän­gen durch die Fel­der und an Wald­rän­dern schon begeg­net (Hei Kum­pel, woher ken­nen wir uns? Naja, bis dann). Da ich mir nicht sicher war habe ich sie lie­ber ste­hen gelas­sen.
    Aber fol­gen­des habe ich pro­biert. Wer hat schon ein­mal den Samen der Bren­nesel pro­biert? Es hat bei mir den Ein­druck nach Sesam­sa­men gemacht, Geschmack: nußig.
    Wenn Sträu­chen am Weg­rand ste­hen, ich bin jetzt über die Hop­fen­spros­sen gestol­pert, dann den­ke ich das “die­se” Hop­fen im “Herbst” klei­ne Dol­den aus­bil­den. Ich weiß nun nicht ob die­se bei­den beschrie­be­nen For­men zur sel­ben Pflan­ze gehö­ren, kann muß nicht sein. Wenn dem so wäre, könn­te man sie zum Craft­bier brau­en nut­zen? Der Zeit­punkt der Ern­te wäre dann sicher nicht wenn die Dol­den getrock­net sind. Viel­leicht weiß jemand hier­zu mehr. Sie wären viel­leicht als Aro­ma­trä­ger inter­es­sant, da es kei­ne Men­gen sind.

  6. Avatar
    13. August 2018
    Antworten

    Hal­lo, vie­len Dank für die wert­vol­len Tipps.
    Die “heil­sa­men” Kräf­te sol­cher Wild­kräu­ter sind nicht zu unter­schät­zen. Ich fin­de, jeder soll­te sich des­halb so viel Kräu­ter-Wis­sen wie mög­lich aneig­nen.

  7. Avatar
    26. September 2019
    Antworten

    Hal­lo,
    sind alles Wild­pflan­zen, die mein Kul­tur­ge­mü­se auf­wer­ten.
    Als Ergän­zung nen­ne ich noch die Vogel­mie­re. Wer einen Gar­ten hat, in dem auch Wil­des wach­sen darf, kennt sie bestimmt. Sie wächst aber auch wild. Sie schmeckt neu­tral und neigt zum Wuchern, so dass man immer was zu ern­ten hat.

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