Was Gar­ne­len mit dem Weltman­gro­vent­ag zu tun haben


Mangroven gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt © Adriano Gambarini / WWF
Mangroven gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt © Adriano Gambarini / WWF

Was ein Regen­wald ist, könn­ten wahr­schein­lich die meis­ten Leu­te beant­wor­ten. Auch, wo auf der Erde ech­ter Regen­wald zu fin­den ist. Oder war­um die­se Wäl­der so wich­tig sind. Aber mal Hand aufs Herz:  Was wisst ihr über Man­gro­ven­wäl­der? Wo gibt es sie über­haupt, was machen sie? Und wofür sind sie wich­tig? Jedem, der die­se Fra­gen nicht beant­wor­ten kann, sei gesagt: Heu­te ist der Weltman­gro­vent­ag, der per­fek­te Tag, um alles über die fas­zi­nie­ren­den salz­to­le­ran­ten Bäu­me zu ler­nen.

Was sind Man­gro­ven?

Als Man­gro­ven wer­den bestimm­te Baum- und Strauch­ar­ten bezeich­net, die alle gemein­sam haben, dass sie bes­tens mit Salz­was­ser zurecht­kom­men. Sie sind in tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Küs­ten­re­gio­nen zu fin­den und haben sich per­fekt an den Gezei­ten-Zyklus ange­passt.

Ver­bün­de von Man­gro­ven­pflan­zen bil­den ein ein­zig­ar­ti­ges Öko­sys­tem, eines der arten­reichs­ten, pro­duk­tivs­ten und kli­ma­re­sis­ten­tes­ten der Erde. Man­gro­ven bin­den drei bis fünf Mal so viel CO2 wie ter­res­tri­sche Wäl­der. Dar­über hin­aus haben Man­gro­ven zen­tra­le Bedeu­tung für die Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del: ihre Küs­ten­schutz­funk­ti­on wird ange­sichts des stei­gen­den Mee­res­spie­gels und zuneh­men­der Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se immer wich­ti­ger. Intak­te Man­gro­ven sind außer­dem Kin­der­stu­be und Lebens­raum für zahl­rei­che fische­rei­lich genutz­te Arten und sichern somit die Ein­kom­mens- und Ernäh­rungs­grund­la­ge von Mil­lio­nen Men­schen in Ent­wick­lungs­län­dern. Der Ver­lust der Man­gro­ven­wäl­der wäre dem­nach aus vie­ler­lei Hin­sicht dra­ma­tisch.

In 100 Jah­ren kei­ne Man­gro­ven mehr?

Der 26. Juli ist der Weltmangroventag © WWF / Valentin Hoff
Der 26. Juli ist der Weltman­gro­vent­ag © Valen­tin Hoff / WWF

Damit sind wir schon beim ent­schei­den­den Punkt: Man­gro­ven sind stark bedroht. Seit Mit­te des 20. Jahr­hun­dert ist gut die Hälf­te der Man­gro­ven­wäl­der der Erde ver­schwun­den – und die Abhol­zung geht wei­ter. Noch immer ist die Ver­lus­tra­te von Man­gro­ven bis zu fünf Mal höher als die ande­rer Wäl­der. Die Abhol­zung von Man­gro­ven ist für 10% der glo­ba­len Treib­haus­gas­emis­sio­nen, die durch Ent­wal­dung ent­ste­hen, ver­ant­wort­lich – ins­ge­samt 240 Mio. Ton­nen CO2 pro Jahr. Wenn wir nichts tun, könn­ten die Man­gro­ven in den nächs­ten 100 Jah­ren bis auf weni­ge Res­te ver­schwun­den sein.

Man­gro­ven-Rodung für Gar­ne­len­far­men, Reis und Palm­öl

Haupt­ur­sa­chen für die Zer­stö­rung und Abhol­zung von Man­gro­ven sind die Aus­wei­tung von Aqua­kul­tur­flä­chen und Land­wirt­schaft sowie die Nut­zung von Man­gro­ven­holz als Brenn- und Bau­ma­te­ri­al. Das Anle­gen von Gar­ne­len­zucht­far­men hat allein in den 1980er Jah­ren 38% der Man­gro­ven­flä­che zer­stört. Vor allem in Süd­ost­asi­en sind die Ver­lus­tra­ten erschre­ckend hoch: jedes Jahr wer­den dort 3,5% bis 8% der Man­gro­ven­wäl­der gero­det – für neue Aqua­kul­tu­ren, aber auch für die Aus­wei­tung von Reis­fel­dern und Palm­öl­plan­ta­gen oder den Bau von Häfen und Hotel­an­la­gen.

Die Aus­wir­kun­gen sind kata­stro­phal: Der Tsu­na­mi 2004 hat­te in Süd­ost­asi­en dort die ver­hee­rends­ten Aus­wir­kun­gen, wo der natür­li­che Man­gro­ven­be­stand zer­stört war.

Der Weltman­gro­vent­ag

Um stär­ker auf die aku­te Bedro­hung der Man­gro­ven hin­zu­wei­sen und die Welt­ge­mein­schaft auf die immense öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Bedeu­tung die­ses Öko­sys­tems auf­merk­sam zu machen, brau­chen wir einen Weltman­gro­vent­ag. Das hat im ver­gan­ge­nen Jahr auch die Gene­ral­kom­mis­si­on der UNESCO erkannt und den 26.07. zum Weltman­gro­vent­ag (offi­zi­ell: Inter­na­tio­na­ler Tag für den Erhalt des Man­gro­ven­öko­sys­tems) erklärt.

Was wir beim WWF tun

Als WWF-Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin für Man­gro­ven ver­su­che ich, die Abhol­zung von Man­gro­ven zu stop­pen. Das mache ich natür­lich nicht allei­ne. Gemein­sam mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) und der Welt­na­tur­schutz­uni­on (IUCN) haben wir die Initia­ti­ve „Save our man­gro­ves now!“ ins Leben geru­fen. Unser Ziel ist es, poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger auf die Bedeu­tung von Man­gro­ven auf­merk­sam machen und die inter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft dazu brin­gen, sich auf ein glo­ba­les Man­gro­ven­schutz­ziel zu eini­gen. Dafür haben wir uns schon in New York bei der UN Oce­an Con­fe­rence ein­ge­setzt. Auch auf der Our Oce­an Con­fe­rence auf Mal­ta im Okto­ber und bei der Kli­ma-COP in Bonn im Novem­ber wol­len wir bei Minis­tern und ande­ren Regie­rungs­ver­tre­tern von Man­gro­ven­län­dern und inter­na­tio­na­len Gebern mehr Bewusst­sein und Enga­ge­ment für den Man­gro­ven­schutz schaf­fen.

Mit Stu­di­en zu den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für Man­gro­ven­schutz in ver­schie­de­nen Län­dern, zur Nach­hal­tig­keit von Man­gro­ven­schutz­in­ves­ti­tio­nen und zu bewähr­ten Metho­den für den Erhalt von Man­gro­ven wol­len wir die Wis­sens­ba­sis für alle betei­lig­ten Akteu­re ver­brei­tern. Wir unter­stüt­zen den Auf­bau einer online-Platt­form, damit bestehen­de Initia­ti­ven und inter­es­sier­te zukünf­ti­ge Man­gro­ven­schüt­zer sich umfas­send über das Öko­sys­tem Man­gro­ven, lau­fen­de Schutz­pro­jek­te und Erfah­run­gen ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen infor­mie­ren kön­nen.

Im West­in­di­schen Oze­an wol­len wir ver­stärkt inno­va­ti­ve Man­gro­ven­schutz­pro­jek­te för­dern – von Auf­fors­tung und Schutz auf der loka­len Ebe­ne, über die Kar­tie­rung von Man­gro­ven­be­stän­den und die Erfas­sung ihrer CO2-Spei­cher­ka­pa­zi­tät bis hin zur Berück­sich­ti­gung von Man­gro­ven in den natio­na­len Kli­ma­schutz­bei­trä­gen unter dem Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men (NDCs).

WWF Deutsch­land unter­stützt die Pro­jekt­ar­beit vor Ort

In Mada­gas­kar unter­stützt WWF Deutsch­land seit 2014 ein Pro­jekt zum Erhalt der wert­vol­len Man­gro­ven­be­stän­de in der Amba­ro-Bucht im Nord­wes­ten der Insel. Dort liegt eines der wert­volls­ten Man­gro­ven­ge­bie­te des Lan­des. Das Gebiet ist die Kin­der­stu­be der Gar­ne­len, die von hier in die gan­ze Welt expor­tiert wer­den. Der Bestand ist schon dra­ma­tisch zurück­ge­gan­gen, sodass vie­le Gar­ne­len­fi­scher kein siche­res Aus­kom­men mehr haben. 30.000 ha Man­gro­ven wer­den durch das WWF Pro­jekt geschützt, ca. 1.000 ha wer­den auf­ge­fors­tet. Die Man­gro­ven bie­ten Schutz vor Stür­men und Über­flu­tun­gen und tra­gen zum Ein­kom­men der ca. 20.000 Men­schen bei, die in dem Gebie­te leben. Das Pro­jekt läuft vor­läu­fig bis 2020.

Von 2012 bis 2016 hat WWF Deutsch­land ein gro­ßes Man­gro­ven­schutz­pro­jekt im Sene­gal durch­ge­führt und erfolg­reich abge­schlos­sen:

  • Über 50.000 ha Man­gro­ven wer­den künf­tig nach­hal­tig von den loka­len Man­gro­ven­nut­zern in Zusam­men­ar­beit mit den zustän­di­gen Behör­den gema­nagt.
  • 460 ha Man­gro­ven wur­den auf­ge­fors­tet.
  • Erst­mals seit den 1980er Jah­ren ist es gelun­gen, den Man­gro­ven­ver­lust im der Pro­jekt­re­gi­on zu stop­pen. Am Ende des Pro­jek­tes konn­te anhand von Satel­li­ten­bil­dern ein Zuwachs an Man­gro­ven­flä­che bilan­ziert wer­den.
  • Im Pro­jekt­ge­biet wur­de ein neu­es Man­gro­ven­schutz­ge­biet von 16.000 ha offi­zi­ell aus­ge­wie­sen.
  • Über 10.000 frei­wil­li­ge Arbeits­ta­ge wur­den von den Dorf­ge­mein­schaf­ten geleis­tet, ins­be­son­de­re für die Auf­fors­tun­gen.

Die glo­ba­le Man­gro­ven-Alli­anz

Gemein­sam mit The Natu­re Con­ser­van­cy und Con­ser­va­ti­on Inter­na­tio­nal haben wir vom WWF außer­dem eine glo­ba­le Man­gro­ven-Alli­anz gegrün­det, mit der Ziel­set­zung die glo­ba­le Man­gro­ven­flä­che bis 2030 um 20% zu ver­grö­ßern. Heu­te am Weltman­gro­vent­ag wird die Mit­glied­schaft wei­te­rer Orga­ni­sa­tio­nen, wie der Welt­na­tur­schutz­uni­on (IUCN) und Wet­lands Inter­na­tio­nal bekannt gege­ben und die gemein­sa­me Stra­te­gie für mehr Zusam­men­ar­beit für den Man­gro­ven­schutz vor­ge­stellt. Mit unse­ren Koope­ra­tio­nen, Part­nern und Pro­jek­ten setz­ten wir uns für mehr Enga­ge­ment und mehr Anstren­gun­gen für den Schutz und die Auf­fors­tung von Man­gro­ven ein — die nötig sind, um die­ses ein­zig­ar­ti­ge Öko­sys­tem vor der Ver­nich­tung zu bewah­ren.

Und was kannst du tun?

  • Kau­fe Gar­ne­len und ande­re Aqua­kul­tur­pro­duk­te nur, wenn sie mit dem Bio- oder ASC-Sie­gel ver­se­hen sind. Damit unter­stützt du nach­hal­ti­ge Aqua­kul­tur.
  • Erkun­di­ge dich im nächs­ten Strand­ur­laub, ob es in dei­ner Nähe Man­gro­ven gibt – und stat­te Ihnen einen Besuch ab! Nimm an einer geführ­ten Boots­tour durch die Man­gro­ven teil. Ach­te dabei dar­auf, einen loka­len Anbie­ter aus­zu­wäh­len — so lernst du nicht nur Öko­sys­tem Man­gro­ven bes­ser ken­nen und ver­ste­hen son­dern trägst auch zu einer nach­hal­ti­gen Ein­kom­mens­grund­la­ge für die loka­le Bevöl­ke­rung bei.
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Julika Tribukait

Über mich
Julika Tribukait

Projektkoordinatorin für Mangroven, seit April beim WWF, seit etwas über einem Jahr im Meeresschutz aktiv. Davor: Entwicklungszusammenarbeit und Politikberatung im In- und Ausland zu verschiedenen Umweltthemen wie Wasser und Abfall. Als Geographin habe ich mit den Mangroven etwas wesentliches gemeinsam: immer an der Schnittstelle! In meinem Fall zwischen Natur- und Sozialwissenschaften, im Fall der Mangroven zwischen Wasser und Land – aber auch zwischen natürlichem Lebensraum und wirtschaftlicher Nutzung.

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