Welt­bie­nen­tag: Was summt denn da?


© Spiegel Online
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In der ver­gan­ge­nen Woche brumm­te es durch die Medi­en: denn es war wie­der ein­mal der Welt­bie­nen­tag. Auch wir von der WWF-Pres­se­stel­le waren flei­ßig (e Bien­chen), um anläss­lich die­ses Tages auf die stark bedroh­te Art hin­zu­wei­sen. Was prompt in einem Arti­kel bei Spie­gel Online Nie­der­schlag fand. Nur etwas anders, als wir gedacht hät­ten. Denn er griff weni­ger den Inhalt als viel­mehr die Über­schrift unse­rer Pres­se­mit­tei­lung auf: „Ret­tung für Bie­ne Maja” lau­te­te der Titel.

Die Jour­na­lis­tin Julia Mer­lot emp­fand die Zei­le irre­füh­rend und miss­ver­ständ­lich. Sie kri­ti­sier­te, dass Honig­bie­nen als klas­si­sche Nutz­tie­re, gar nicht bedroht sind (obgleich es durch­aus bedroh­te Nutz­tier­ras­sen gibt). Stell­ver­tre­tend für ande­re Umwelt­ver­bän­de wur­de der WWF erwähnt; wir wären für ein gro­ßes Miss­ver­ständ­nis ver­ant­wort­lich. Der Text führ­te dazu, dass ich eini­ge böse Mails bekam, in denen ich des „Popu­lis­mus’“ bezich­tigt und beschimpft wur­de. Soweit, lei­der so all­täg­lich. Nur: Die Kri­tik geht am Ziel vor­bei, sowohl natur­schutz­fach­lich, als auch aus kom­mu­ni­ka­ti­ver Sicht

Ein­satz von Insek­ten­schutz­mit­tel

Der Rück­gang wild­le­ben­der Insek­ten hat dra­ma­ti­sche Aus­ma­ße ange­nom­men. Vie­le von ihnen erfül­len in der Natur – wie die Honig­bie­ne – eine wich­ti­ge Funk­ti­on als “Bestäu­ber”. Schon allein aus die­sem Grund braucht es drin­gend ein Umsteu­ern in unse­rer hei­mi­schen Land­wirt­schaft. Der mas­sen­haf­te Ein­satz von Insek­ten­schutz­mit­teln aus der Grup­pe der Neo­ni­ko­tino­ide ist für die­sen Rück­gang mit­ver­ant­wort­lich. Die­se scha­den aber natür­lich nicht nur wild­le­ben­de Insek­ten, son­dern auch den Honig­bie­nen. Gift­stof­fe unter­schei­den eben nicht zwi­schen Bie­ne Maja und einer dicken Hum­mel.

Auch der Ein­satz von Gly­pho­sat ist, anders als in dem Arti­kel dar­ge­stellt, ein Pro­blem für Insek­ten. Her­bi­zi­de töten „nur Unkräu­ter“ ab, um die Kon­kur­renz mit dem vom Land­wirt aus­ge­sä­ten Wei­zen oder Raps zu ver­mei­den. Gly­pho­sat geht da einen Schritt wei­ter und tötet alle grü­nen Pflan­zen ab. Das Mit­tel berei­tet damit ein kli­nisch sau­be­res Feld vor – und Insek­ten fin­den dar­in kaum noch Nah­rung. Wer also dafür sorgt, dass unse­re Kul­tur­land­schaft Honig­bie­nen-freund­li­cher wird, der hilft zugleich deren wild­le­ben­den Ver­wand­ten.

Welt­bie­nen­tag und der Kampf um Auf­merk­sam­keit

Kom­men wir zur kom­mu­ni­ka­ti­ven Sicht auf Bie­ne Maja. In Deutsch­land wer­den jeden Tag zig­tau­sen­de Pres­se­mit­tei­lun­gen ver­sen­det. Unzäh­li­ge Orga­ni­sa­tio­nen, Par­tei­en und Unter­neh­men rin­gen auf dem hart umkämpf­ten Markt der media­len Sicht­bar­keit dar­um, ihre The­men zu plat­zie­ren. Wir vom WWF bil­den hier kei­ne Aus­nah­me. Mit unse­ren Über­schrif­ten wol­len wir Neu­gier des Emp­fän­gers (also der Jour­na­lis­ten) wecken und aus der Mit­tei­lungs­flut her­aus­ste­chen. Im Ide­al­fall wird zugleich das The­ma umris­sen und ein ers­tes „Aus­ru­fe­zei­chen“ gesetzt.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben wir bei­spiels­wei­se Jesus Bio kau­fen las­sen oder ver­don­ner­ten ein dreibei­ni­ges Nas­horn im Ber­lus­co­ni-Sprech zu Bun­ga-Bun­ga. Und erst kürz­lich rie­ten die geschätz­ten Kol­le­gen der NABU-Pres­se­stel­le die Zeit von Vater- bis Mut­ter­tag mit Vögeln zu ver­brin­gen.

Bie­nen­ak­ti­ons­tag

Inhalt­lich falsch darf eine Über­schrift bei aller Krea­ti­vi­tät natür­lich nicht sein. Tat­säch­lich ging es in der von Mer­lot kri­ti­sier­ten Pres­se­mit­tei­lung um einen Bie­nen­ak­ti­ons­tag des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums. Auf der Ver­an­stal­tung  stan­den expli­zit nicht nur Wild- son­dern aus klas­si­sche Honig­bie­nen im Fokus. Also ganz vie­le klei­ne Bie­ne Majas. Dar­über hin­aus unter­schei­det der WWF  in sei­ner gesam­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on  zwi­schen wild­le­ben­den Bestäu­bern einer­seits und Honig­bie­nen ande­rer­seits.

All das lässt sich schnell her­aus­fin­den, indem man  außer der Über­schrift auch noch den eigent­li­chen Text der Pres­se­mit­tei­lung liest. Auch in Zei­ten von schnel­len Klicks und media­ler Dau­er­be­rie­se­lung im Sekun­den­takt ist es rat­sam, einen tie­fer­ge­hen­den Blick zu ris­kie­ren, bevor man Kri­tik äußert. Oder, um den Spieß umzu­dre­hen: Wer nur die Über­schrift des SPON-Arti­kels liest, könn­te den Ein­druck gewin­nen, in unse­rer Land­wirt­schaft läuft alles „rund“ und das Pro­blem des „Bie­nenster­bens“ sei nur der Hys­te­rie eini­ger Umwelt­schüt­zer geschul­det.

Land­wirt­schaft für Arten­viel­falt

Eine Aus­sa­ge, die Julia Mer­lot glück­li­cher­wei­se in ihrem Arti­kel mit­nich­ten trifft – ganz anders als die Ver­fas­ser eini­ger Mails an mich. Wer übri­gens mehr über die WWF-Arbeit für Arten­viel­falt in der Land­wirt­schaft erfah­ren möch­te, dem sei unser ent­spre­chen­des Pro­jekt emp­foh­len, dass nicht nur Bie­ne Maja und ihren Freun­din­nen, son­dern auch allen ande­ren Tier- und Pflan­zen­ar­ten in unse­rer Kul­tur­land­schaft hel­fen soll – von der Korn­blu­me bis zur Feld­ler­che. Viel­leicht wäre die­ses Enga­ge­ment von zahl­rei­chen Land­wir­ten gemein­sam mit dem WWF und EDEKA ja auch mal eine SPON-Geschich­te wert. Ich wür­de mich freu­en. 😉

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