Die wun­der­ba­re Welt der Wildbienen

Kuckuckshummel bei der Nahrungssuche © Florian Lauer / WWF

Bie­ne ist nicht gleich Bie­ne. Es gibt hun­der­te ver­schie­de­ne Arten, allei­ne in Deutsch­land. Das ist kom­pli­ziert. Und gut so.

Bie­nen sind in Deutsch­land unge­ahnt popu­lär gewor­den. Das freut mich natür­lich. Denn ohne Bie­nen geht es ein­fach nicht. Auch das hat sich rum­ge­spro­chen. Poli­tisch sinn­vol­les Han­deln ist dar­aus lei­der noch längst nicht über­all entstanden.

Mich freut aber auch, dass mitt­ler­wei­le auch die Wild­bie­nen bekann­ter gewor­den sind. Ja, es gibt neben der Honig­bie­ne noch viel, viel mehr Arten. Bis­her wur­den über 20.0000 Arten gezählt. Wir haben in Deutsch­land gan­ze 585 Wild­bie­nen­ar­ten, von denen jedoch gel­ten 39 als aus­ge­stor­ben. Mehr als 230 der deut­schen Wild­bie­nen ste­hen auf der Roten Lis­te gefähr­de­ter Arten. Vor allem die Inten­sivst-Land­wirt­schaft setzt dem Bie­nen­reich­tum schwer zu.

Bestäu­bung: Wil­de Bie­nen können‘s besser

Trotz der stei­gen­den Bekannt­heit der Wild­bie­nen, wer­den die­se aber immer noch unter­schätzt. Noch immer gilt die Honig­bie­ne als die wich­tigs­te Bestäu­be­rin. Neue­re Stu­di­en aus Groß­bri­tan­ni­en zei­gen jedoch, dass dem nicht so ist. Das For­schungs­team um Bree­ze hat gezeigt, dass die Honig­bie­ne selbst unter guten kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen für nur gut ein Drit­tel der Bestäu­bungs­leis­tung und damit der Erträ­ge ver­ant­wort­lich ist.

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Honig­bie­nen sind zwar für eine gro­ße Viel­falt an Nutz­pflan­zen mög­li­che Bestäu­ber, jedoch nicht unbe­dingt die Effi­zi­en­tes­ten. Bei Äpfeln ist die Gehörn­te Mau­er­bie­ne mehr als fünf­mal effi­zi­en­ter als die Honig­bie­ne. Es rei­chen im Schnitt 530 nis­ten­de Mau­er­bie­nen aus, um einen gan­zen Hekt­ar Apfel­plan­ta­ge zu bestäu­ben. Nor­ma­ler­wei­se wer­den ein oder gleich meh­re­re Honig­bie­nen­staa­ten pro Hekt­ar für die Bestäu­bung ein­ge­setzt. In einem ein­zi­gen Honig­bie­nen­staat aber sind gleich meh­re­re 10.000 Bienen.

Auch das gibt‘s: Fau­le Kuckucksbienen

Aber nicht alle Wild­bie­nen bestäu­ben mit dem sprich­wört­li­chen Bie­nen­fleiß. Ein Vier­tel aller Wild­bie­nen zählt zu den Kuckucks­bie­nen. Die­se legen, wie ihr Names­ge­ber aus der Vogel­welt, ihre Eier in das gemach­te Nest ande­rer Bie­nen­ar­ten. Da sie ihre Brut nicht mit Pol­len ver­sor­gen müs­sen haben sie auch kei­ne Sam­mel­ap­pe­ra­te für die­sen ent­wi­ckelt. Kuckucks­bie­nen tra­gen dadurch nur sehr bedingt oder eher zufäl­lig zu einer Bestäu­bung bei.

Tarn­kap­pe mit Duft

Das ist natür­lich längst nicht das ein­zi­ge Erstaun­li­che aus der Welt der Welt­bie­nen. Je mehr man sich damit beschäf­tigt, umso fas­zi­nie­ren­der wird es. Die Wes­pen­bie­nen etwa, die auch zu den Kuckucks­bie­nen zäh­len, haben eine ganz raf­fi­nier­te Metho­de um in die Nes­ter zu gelan­gen. Sie legen eine Tarn­kap­pe in Form eines Duf­tes an. So rie­chen sie wie eine Sand­bie­ne, die ihre Wir­te sind. Damit wird sie von die­sen so nicht als Bedro­hung wahr­ge­nom­men. Die­sen Duft bekom­men sie bei der Paa­rung vom Männ­chen übertragen.

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Auch bei den Blatt­schnei­der­bie­nen ist der Duft ent­schei­dend. Wenn der Ren­dez­vous­platz nicht gut riecht, dann kommt auch das Weib­chen nicht. Bei der Paa­rung ver­su­chen die Männ­chen die Anten­nen der Weib­chen mit Duft­drü­sen in ihren Vor­der­bei­nen in Kon­takt zu brin­gen. Hier­bei sieht es so aus als wür­den die Männ­chen den Weib­chen die Augen zuhalten.

Über Hum­mel gibt es vie­le Mythen © Flo­ri­an Lau­er / WWF

Und über­haupt, die Fort­pflan­zung: Alle Wild­bie­nen­weib­chen haben einen dop­pel­ten Chro­mo­so­men­satz wohin­ge­gen die Männ­chen nur einen Ein­fa­chen haben. Das heißt Weib­chen schlüp­fen aus befruch­te­ten, Männ­chen aus unbe­fruch­te­ten Eiern.

Klar ste­chen Hummeln

Die bekann­tes­te Wild­bie­ne ist natür­lich immer noch die Hum­mel. Oder sagen wir die Hum­meln, es sind auch mehr als 30 Arten. Und selbst über die dicken Brum­mer sind mehr Mythen als Wis­sen im Umlauf. Hum­mel ste­chen nicht? Falsch. Hum­meln kön­nen sehr wohl ste­chen. Nur ist dies die Aus­nah­me. Sie ste­chen nur wenn sie direkt bedroht, wer­den also gequetscht oder unvor­sich­tig auf die Hand genommen.

Natür­lich lie­gen mir die Bie­nen und der Bie­nen­schutz schwer am Her­zen. Und Euch wahr­schein­lich auch, wenn ihr die­sen Text bis hier gele­sen habt. Ich fin­de es auch super, dass sich immer mehr Men­schen enga­gie­ren und ihr Gar­ten oder Bal­kon bie­nen­freund­li­cher machen. Und viel­leicht noch wich­ti­ger, für eine bie­nen­freund­li­che, nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft einsetzen.

Bit­te nicht: Zuckerwasser

Gera­de dar­um möch­te ich euch aber bit­ten einen Feh­ler zu ver­mei­den: Wild­bie­nen und auch Honig­bie­nen nie­mals mit Honig­was­ser auf­päp­peln. Das kann für die Bie­nen gefähr­li­che und sogar töd­li­che Viren und Krank­hei­ten beinhal­ten. All­ge­mein rate ich eh davon ab Hum­meln und ande­re Wild­bie­nen mit­zu­neh­men und auf­zu­päp­peln. Am bes­ten die Tie­re auf eine nahe gele­ge­ne Blü­te set­zen. Wenn Wild­bie­nen sehr erschöpft wir­ken, ist dies bei kal­ten Tem­pe­ra­tu­ren dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass sie ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur der Umge­bungs­tem­pe­ra­tur anpas­sen und ein­fach erstarrt sind. Ein künst­li­ches Auf­wär­men bedeu­tet hier zumeist einen schäd­li­chen Ener­gie­ver­lust für die Biene.

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Ich bin seit Mitte 2020 beim WWF als Projektmanager im Insektenschutzprojekt BROMMI tätig. Vorher habe ich in unterschiedlichen Forschungsprojekten zur Bestäubungsleistung von Wildbienen und Insekten in der tropischen Agrarlandschaft mitgewirkt. Auch privat faszinieren mich Insekten und so bin ich an den Wochenenden oft mit meiner Kamera unterwegs, immer auf der Jagt nach schönen Bildern. Ansonsten sind meine Hobbies Wandern, Klettern und Kochen. Die Rettung der Insekten ist eine genau so wichtige Aufgabe wie das erreichen der Klimaziele. Denn ohne Insekten werden die Ökosysteme zusammenbrechen und damit das Fundament auf dem wir unsere Gesellschaft unsere Kultur und alles andere aufbauen.

Kommentare (2)

  • Hallo Herr Lauer,

    "dass die Honigbiene selbst unter guten klimatischen Bedingungen für nur gut ein Drittel der Bestäubungsleistung und damit der Erträge verantwortlich ist" entnehmen Sie mutmaßlich BREEZE, T.D. et. al.: "Pollination services in the UK: How important are honeybees?", August 2011, Science, Vol. 142, Issues 3-4, Pages 137-141.
    Daraus geht hervor, dass tatsächlich in Großbritannien 2007 nur noch 34,1% des Bedarfs an Bestäubungsleistung durch Honigbienen erbracht wurde, während es 1984 noch 70,1% waren. Im gleichen Zeitraum sind die Ernteerträge der Kulturen, die auf Bestäubung angewiesen sind, um 54% gestiegen.

    Ich finde es fatal, es an dieser Stelle als Tatsache hinzustellen, dass Honigbienen nur für ein Drittel der Bestäubung verantwortlich seien:
    1. Die Bestäubungsleistung ging zwischen 1984 und 2007 um mehr als 50% zurück, während auch die Zahl der Bienenvölker um einen ähnlichen Anteil zurückging und sich gleichzeitig, wie in Deutschland auch, die Struktur der Bienenhaltung von ehemals größeren Berufsimkereien mit vielen Bienenvölkern, die gezielt Obstplantagen und ackerbauliche Kulturen anwanderten, hin zu Hobbyimkereien mit wenig Bienenvölkern, die deutlich seltener mit ihren Bienen wandern, veränderte.
    2. An keiner Stelle findet in der Studie eine Feststellung dazu statt, ob denn tatsächlich der gesamte Bedarf an Bestäubungsleistung erfüllt wurde. Es ist keineswegs anzunehmen, dass der gesamte Rest der Bestäubung durch Wildbienen stattgefunden. Wenn nur z.B. zwei Drittel des potentiellen Bedarfs noch gedeckt wurden, läge die Bestäubungsleistung der Honigbienen beispielsweise bei 50%.
    3. Es wird in der Studie angenommen, dass die Ertragszunahme bei den insekten-bestäubten Früchten von 54% zwischen 1984 und 2007, die höher liegt als bei nicht-insekten-bestäubten Früchten im gleichen Zeitraum, durch die Wildbienenpopulation geleistet wurde und das möglicherweise(!) durch eine höhere Bedeutung der Wildbienen bei der Bestäubungsleistung möglich war.
    4. Die Autor*innen schreiben selbst, dass es etwas spekulativ sei, insbesondere auch weil die Effekte von der Intensivierung und zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft, von der Erhöhung der Obstbaumdichte und der Auswahl ertragreicherer Ackerkultursorten überdeckt werden könnten.
    5. Hinzu kommen weitere Aspekte, die nicht erfasst wurden, so etwa zu welchen Anteilen bestimmte Sorten bzw. generell auch bestimmte Ackerfrüchte Verwendung fanden. So wäre eine überdurchschnittliche Erhöhung der Erträge bei insekten-bestäubten Pflanzen gegenüber den Erträgen der nicht-insekten-bestäubten Pflanzen auch komplett ohne Honigbienen-Bestäubung zu beobachten, wenn 1984 zahlreiche Streuobstwiesen und Plantagen bestanden hätten, die 2007 zu größeren Teilen abgeholzt wären und gleichzeitig die Fläche des Rapsanbaus bedeutend zugenommen hätte. Während Rapssorten relativ bestäubungsunabhängig sind, sind Obstblüten deutlich stärker von der Bestäubung abhängig, wobei auch dieses sich je nach Obstart und -sorte wieder bedeutend unterscheidet.

    Schließlich gehen Sie nicht einmal darauf ein, inwieweit sich die Ergebnisse aus Großbritannien tatsächlich auf Deutschland oder anderswohin übertragen lassen. Klimatisch ist Deutschland bedeutend kontinental geprägt, dies kann deutliche Auswirkungen auf die Aktivitätszeiten aller Bienenarten in unterschiedlicher Ausprägung haben, sodass sich das Ergebnis in der einen wie auch der anderen Richtung verschieben könnte.

    Kurzum: ich wäre zukünftig für eine bedeutend differenzierendere Position Ihrerseits und die Berücksichtigung von Einschränkungen, insbesondere im Falle von derart eklatanten Unsicherheiten sehr dankbar.

    Viele Grüße aus dem schönen Fläming
    Friedrich Rosenthal

    P.S. Meine persönliche Auffassung, deren Validität ich zugegebenermaßen an dieser Stelle ebenfalls nicht belegen kann, ist, dass der Bestäubungsbedarf unseres Landes bei Weitem nicht erfüllt ist. Um dies zu ermöglichen, bedarf es der zahlreichen Wildbienenarten ebenso wie der Honigbienen. Dementsprechend sind Förderungen beider Bereiche angebracht. Bei den Honigbienen sind wir in verschiedenen Bundesländern Deutschlands dabei schon erfreulich voran gekommen, dieses muss nun auch für die Wildbienenpopulationen möglich sein. Lassen Sie uns daran gemeinsam arbeiten - aber bitte ohne den künstlichen Kampf zwischen Wildbienenbefürwortern auf der einen und Honigbienenbefürwortern auf der anderen Seite. Der Weg wird nur gemeinsam gelingen.

    • Lieber Herr Rosenthal,

      vielen Dank für den umfassenden und interessanten Kommentar.
      Die Thematik zu den Wild- und Honigbienen ist sehr komplex und vielschichtig. Daher ist es schwer in einem Blog alle von ihnen angesprochenen Aspekte in der nötigen Tiefe zu berücksichtigen.
      Auch Studien wie die von Breeze können immer nur ein Teil des Gesamtbildes darstellen. Jedoch sind die Zahlen sicherlich zu einem Teil auch auf Deutschland anwendbar. Es zeigt sich eindeutig, dass die Wildbienen und auch andere Bestäuber einen größeren Anteil an der Bestäubung haben als bis jetzt gedacht. Sie sprechen in Punkt 5 die unterschiedlichen Sorten an. Dies zu Berücksichtigen würde jede Forschung sprengen, wenn die vielen 100 wenn nicht 1000 Sorten detailliert auf die Effizienz einzelner Bestäuber / Blütenbesucher untersucht werden würden. Die von Ihnen ebenfalls angesprochene Übertragbarkeit ist sicher ein Thema und wird sehr oft diskutiert. Jedoch lassen sich grundsätzliche Begebenheiten schon übertragen. Viele Wildbienen sind in ihrem Sammelverhalten weniger vom Wetter abhängig und fliegen auch bei Wetterbedingungen, bei denen die Honigbienen ihren Flugverkehr einschränkt oder ganz einstellt haben. Dies ist insbesondere im Frühjahr, wenn unterschiedliche Obstbäume in Blüte sind, ein wichtiger Faktor.
      Die Imkerei ist ein sehr wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft und muss erhalten werden. Jedoch wie in so vielen Bereichen, wenn wir mit der Natur zusammenarbeiten: mit Bedacht und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit. Nur ein Erhalt von beidem, einer nachhaltig wirtschaftenden Imkerei und dem Erhalt von Wildbienenpopulationen sichert auch in Zukunft die Vielfalt unserer Nahrung und unserer Wildkräuter.

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