Was­ser­man­gel desta­bi­li­siert gan­ze Regio­nen


Wassermangel: Zwei Mädchen in Tansania mit Wasserkanistern
In vielen Weltgegenden spitzt sich die Wasserkrise zu © Brent Stirton / Getty Images / WWF UK

Wir in Mit­tel­eu­ro­pa sind es gewohnt Was­ser im Über­fluss zu haben. Wir spü­len unser Klo mit Trink­was­ser. Das sieht anders­wo auf der Welt völ­lig anders aus. Dort herrscht vie­ler­orts aku­ter Was­ser­man­gel. Krie­ge wegen Was­ser sind dort kei­ne über­trie­ben apo­ka­lyp­ti­sche Visi­on. Auf jeden Fall wird sich wis­sen­schaft­li­chen Berech­nun­gen zufol­ge bis 2030 die glo­ba­le Was­ser­kri­se wei­ter ver­schär­fen. Im 2015 ver­öf­fent­lich­ten Risi­ko­be­richt des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Davos steht die glo­ba­le Was­ser­kri­se auf dem ers­ten Platz der Wirt­schafts­ri­si­ken. Noch vor Ter­ro­ris­mus oder Arbeits­lo­sig­keit.

Das Was­ser wird dort knapp, wo die Bevöl­ke­rung ansteigt, die Wirt­schaft boomt und der Kli­ma­wan­del beson­ders hef­tig zuschlägt. Vor allem in Afri­ka, dem Nahen Osten, Nord­chi­na und dem indi­schen Sub­kon­ti­nent.

Mehr Men­schen – weni­ger Was­ser

Die Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­der ste­hen dabei vor einem dop­pel­ten Pro­blem:  Sie ver­än­dern sich rasend schnell, die loka­len Was­ser­res­sour­cen wer­den jedoch nicht mehr, son­dern immer weni­ger. Und schon heu­te wer­den die natür­li­chen Gren­zen über­all auf der Welt gesprengt, wie unse­re Stu­die zum Risi­ko der Was­ser­über­nut­zung zeigt.

Kon­flikt heißt Flucht

Der Was­ser­man­gel droht in naher Zukunft gan­ze Regio­nen zu desta­bi­li­sie­ren. Dabei ist die Wasserübernutzung/Wasserknappheit oft der Anfang einer Kas­ka­de: Kein Was­ser heißt kein Essen. Kein Essen heißt Insta­bi­li­tät. Insta­bi­li­tät heißt Kon­flikt. Kon­flikt heißt Flucht. So ein­fach die­se Kau­sal­ket­te auch klingt, so wahr ist ihr Bei­trag zu den Flucht­ur­sa­chen in vie­len Orten der Welt. Und wir in Mit­tel­eu­ro­pa sind spä­tes­tens dann betrof­fen, wenn die Flücht­lin­ge bei uns vor der Tür ste­hen.

Flucht­ur­sa­che Was­ser­man­gel

Wer Flucht­ur­sa­chen bekämp­fen will, kommt am The­ma Was­ser nicht vor­bei. Wir brau­chen Trink­was­ser, sau­be­re Ener­gie und genug Essen für alle Men­schen. Dafür müs­sen wir die vie­len loka­len Was­ser­kri­sen lösen. Was­ser­man­gel ist in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit aber ein ver­nach­läs­sig­tes The­ma. Bis­her flie­ßen  nur sechs Pro­zent der deut­schen Gel­der in den Sek­tor.

Auch inner­halb der Son­der­initia­ti­ve der Bun­des­re­gie­rung zur Bekämp­fung von Flucht­ur­sa­chen wird Was­ser nicht pro­mi­nent behan­delt.

 

Auf unse­rer Welt­kar­te zur Was­ser­kri­se ste­hen aber auch Süd­spa­ni­en, Tei­le der USA oder Aus­tra­li­en auf Alarm­stu­fe Rot. Auch dort wer­den die Was­ser­res­sour­cen Jahr für Jahr über­nutzt. Die Fol­gen: Dür­ren, Eng­päs­se in der Was­ser­ver­sor­gung wie in Kali­for­ni­en oder fal­len­de Grund­was­ser­spie­gel im süd­spa­ni­schen Alme­ria.  Unser „Gemü­se­gar­ten“ ist ein Para­de­bei­spiel für zer­stö­re­ri­sche Über­nut­zung.

Was­ser­spa­ren ist nicht die Lösung

Nur was ist die Lösung? Ein­fach weni­ger Was­ser ver­brau­chen? Nicht unbe­dingt! Für ein Kilo­gramm Toma­ten wer­den in Spa­ni­en im Schnitt 60 Liter Was­ser benö­tigt. Obwohl die Pro­duk­ti­ons­me­tho­den in Süd­spa­ni­en zu den effi­zi­en­tes­ten der Welt zäh­len sin­ken die Grund­was­ser­spei­cher — im Extrem­fall um bis zu zehn Meter pro Jahr. Das Pro­blem liegt schlicht dar­in, dass der Anbau die natür­li­chen Gren­zen sprengt. Egal wie was­ser­spa­rend bewäs­sert wird – es ist zu viel. Die Was­ser­be­hör­den haben mehr Was­ser­rech­te ver­teilt, als es eigent­lich geben dürf­te. Die Erklä­rung ist wie meis­tens eine wirt­schaft­li­che – die loka­le Land­wirt­schaft will halt wei­ter wach­sen.

Eine Über­nut­zung kann nur statt­fin­den, wenn der Mensch inner­halb eines Fluss­ge­bie­tes mehr ver­braucht als die Natur an erneu­er­ba­ren Res­sour­cen bereit­stellt. Ent­schei­dend ist, wie wir die Res­sour­ce Was­ser ver­tei­len. Regie­run­gen und Unter­neh­men sind in der Pflicht, das Was­ser gerecht und inner­halb der natür­li­chen Gren­zen auf­zu­tei­len.

Was uns vor der Was­ser­kri­se ret­tet

Es gibt vie­le Maß­nah­men die bei einer Regu­la­ti­on und Nut­zung der Was­ser­res­sour­cen grei­fen kön­nen. Neben guten Geset­zen und deren Kon­trol­le ist es ent­schei­dend  die Grund­la­gen zu erhal­ten: Unse­re Süß­was­ser­öko­sys­te­me – wie Feucht­ge­bie­te, Auen­wäl­der, Moo­re, was­ser­na­he Wäl­der und so wei­ter. In den ver­gan­ge­nen hun­dert Jah­ren sind welt­weit aber bereits mehr als die Hälf­te der Feucht­ge­bie­te ver­schwun­den.

Die­se sind jedoch die Grund­vor­aus­set­zung dafür, dass uns über­haupt sau­be­res Trink­was­ser zur Ver­fü­gung ste­hen kann. Sie zu schüt­zen, heißt uns alle vor der Was­ser­kri­se zu schüt­zen.

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Über mich
Philipp Wagnitz

Wir bestehen zu 80 Prozent aus Wasser, verbrauchen jeden Tag mehr als 5000 Liter durch unseren Konsum. Und das weltweit, jeder von uns. Ich finde das bemerkenswert. Durch meine Arbeit im Water Risk Management verstehe ich erst, dass das Thema sehr viel komplexer ist als ein schwieriger Algorithmus. Denn es geht um das Zusammenspiel von Menschen, Politik, Gesellschaft und Natur – innerhalb eines Flussgebietes! Und die Regeln in diesem Spiel sind von Fluss zu Fluss immer unterschiedlich. Spannend – finde ich!

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