Fisch­stäb­chen: War­um Pflan­zen die bes­se­re Zutat sind

In Zukunft besser auf dem Teller: Pflanzliche Fischstäbchen © Anya Why / iStock / Getty Images

Über 74.000 Ton­nen Fisch­stäb­chen haben die Deut­schen im Jahr 2021 ver­zehrt. Der Alas­ka-See­lachs, Grund­zu­tat für die Fisch­stäb­chen hier­zu­lan­de, belegt damit Platz 2 der belieb­tes­ten Spei­se­fi­sche in Deutsch­land. Doch die Umwelt­aus­wir­kun­gen der Fisch­stäb­chen­pro­duk­ti­on sind enorm, pflanz­li­che Alter­na­ti­ven wer­den in Zukunft immer wichtiger.

Fan­gen wir aber von vor­ne an: Der Sie­ges­zug des Fisch­stäb­chens begann in den 1950er Jah­ren – eher aus einer Not her­aus. Die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung führ­te dazu, dass die immer grö­ßer wer­den­den Fang­schif­fe mehr Kabel­jau vor der Nord­ame­ri­ka­ni­schen Ost­küs­te fin­gen als je zuvor. Doch die in gro­ßen, unhand­li­chen Blö­cken gefro­re­nen Fische waren bei den Verbraucher:innen unbe­liebt. Denn Tief­kühl­kost hat­te einen ziem­lich schlech­ten Ruf. So blie­ben die Super­märk­te auf dem Fisch sit­zen. Erst als man anfing, die Blö­cke klei­ner zu schnei­den und im Teig­man­tel zu frit­tie­ren, kam der Erfolg.

Der welt­wei­te Sie­ges­zug der Fisch­stäb­chen war nicht mehr auf­zu­hal­ten © CC BY-NC 2.0 Jamie https://www.flickr.com/photos/jbcurio/

Rund ein Drit­tel der Erd­ober­flä­che von der Fische­rei genutzt

In den kom­men­den Deka­den führ­ten die ste­tig anwach­sen­den Fän­ge zu einer desas­trö­sen Über­fi­schung des Kabel­jaus in Nord­ame­ri­ka, von der sich die Bestän­de bis heu­te nicht erholt haben. Und nicht nur dem Kabel­jau geht es schlecht: Über­fi­schung, zer­stö­re­ri­sche Fang­tech­ni­ken wie die Grund­schlepp­netz­fi­sche­rei und Bei­f­än­ge bedro­hen die Mee­re rund um den Globus.

Rund ein Drit­tel der gesam­ten Erd­ober­flä­che wird von der Fische­rei genutzt. Die Zahl der über­fisch­ten Bestän­de liegt inzwi­schen bei 35,4 Pro­zent und steigt ste­tig wei­ter. Absur­der­wei­se zer­stört die Über­fi­schung die Exis­tenz­grund­la­ge der Fischer:innen. Aber auch das Gleich­ge­wicht des gesam­ten Öko­sys­tems Meer steht auf dem Spiel.

Über­fi­schung, Bei­fang und zer­stö­re­ri­sche Fang­me­tho­den bedro­hen die Mee­re © IMAGO/blickwinkel

Als Alter­na­ti­ve zum her­kömm­li­chen Fisch­stäb­chen haben sich in den letz­ten Jah­ren vega­ne Vari­an­ten in den Rega­len der Super­märk­te eta­bliert. In der Regel kom­men hier Wei­zen und Soja als Fischer­satz unter die Knus­per­pa­na­de. Deren Pro­duk­ti­on hat natür­lich auch einen Ein­fluss auf die Umwelt – zumal die meis­ten vega­nen Alter­na­ti­ven aus kon­ven­tio­nel­ler Pro­duk­ti­on stam­men. Ob die­se Pro­duk­te wirk­lich einen gerin­ge­ren öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck haben, hat der WWF Schweiz unter­su­chen lassen.

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Pflan­ze schlägt Fisch

Zum Ver­gleich der öko­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen der Fisch­stäb­chen haben die Schweizer:innen zehn kon­ven­tio­nel­le Fisch­stäb­chen, und sie­ben Pro­duk­te auf Pflan­zen­ba­sis unter die Lupe genom­men. Vie­le der Pro­duk­te sind in glei­cher oder ähn­li­cher Form auch auf dem deut­schen Markt verfügbar.

Die Ergeb­nis­se sind ein­deu­tig: Die pflanz­li­chen Stäb­chen schnei­den in allen Kate­go­rien deut­lich bes­ser ab. Die größ­ten Aus­wir­kun­gen ver­ur­sa­chen die Fisch­stäb­chen durch den Aus­stoß von Kli­ma­ga­sen und ande­ren Luft­schad­stof­fen. Das ist in ers­ter Linie auf die Emis­sio­nen wäh­rend des Fischens zurück­zu­füh­ren, denn das Schlep­pen der schwe­ren Net­ze erfor­dert viel Treib­stoff. Auch der Trans­port­weg ist wei­ter, da die pflanz­li­chen Roh­stof­fe für die vega­nen Stäb­chen in der Stu­die vor allem aus Euro­pa stamm­ten. Ins­ge­samt fällt der Trans­port aber bei allen Vari­an­ten deut­lich weni­ger stark ins Gewicht als die Pro­duk­ti­on und Verarbeitung.

Umwelt­aus­wir­kun­gen pflanz­li­cher (Wei­zen-/So­ja­ba­sis) und tie­ri­scher (Kabel­jau/Alas­ka-See­lachs) Fisch­stäb­chen im Ver­gleich © WWF Schweiz

Fisch ist gesün­der und nahr­haf­ter? Irrtum!

Fisch gilt als gesun­des und nahr­haf­tes Nah­rungs­mit­tel. In einer Umfra­ge die der WWF 2020 in Deutsch­land durch­ge­führt hat, gaben neun von zehn Befrag­ten dies als wich­ti­ges Argu­ment für die Kauf­ent­schei­dung an. In der Schwei­zer Stu­die wur­den daher auch die Nähr­wer­te ins Ver­hält­nis zum öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck gesetzt. Über­ra­schung: Auch hier schnit­ten die pflanz­li­chen Pro­duk­te deut­lich bes­ser ab. Aller­dings: Fisch­stäb­chen – mit oder ohne Fisch – sind hoch­gra­dig ver­ar­bei­te­te Fer­tig­pro­duk­te. Wer gro­ßen Wert auf gesun­de Ernäh­rung legt ist ohne­hin bei frisch zube­rei­te­tem Essen bes­ser aufgehoben.

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Und trotz­dem: Die wis­sen­schaft­li­chen Daten spre­chen im direk­ten Ver­gleich deut­lich für die vega­nen Stäb­chen. Wie die Eltern unter uns wis­sen, fin­det die ent­schei­den­de Abstim­mung aber oft am Mit­tags­tisch statt. Was die Kin­der von den Pflan­zen­stäb­chen hal­ten, haben unse­re Schwei­zer Kolleg:innen (zuge­ge­ben etwas weni­ger wis­sen­schaft­lich) eben­falls unter­sucht. Das Ergeb­nis: seht selbst.

Mein Tipp: Eine pflanz­li­che Ernäh­rung hat den gerin­ge­ren Fuß­ab­druck. Wer trotz­dem nicht auf Fisch ver­zich­ten möch­te, soll­te ihn als sel­te­ne Deli­ka­tes­se sehen. Unser Fisch­rat­ge­ber zeigt, wel­che Fische man ver­mei­den soll­te, und wel­che man bes­se­ren Gewis­sens essen kann.

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Den ersten Kontakt zum Naturschutz hatte ich im Zivildienst, als ich im Wattenmeer Vögel gezählt und Schulkinder durchs Watt geführt habe. Im Studium zum Master of Environmental Governance habe ich mich danach mit der Frage beschäftigt wie Akteure abseits vom klassischen Politikbetrieb etwas für Nachhaltigkeit erreichen können. Beim WWF arbeite ich nun daran, im Rahmen der EDEKA-Partnerschaft den Fisch im Einzelhandel nachhaltiger zu machen.
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