Wäl­der, Moo­re, Wüs­ten und Wöl­fe — Natur­schutz-Trai­nee in der Lie­be­ro­ser Hei­de


Auch in Brandenburg gibt es echte Wildnis wie die Moore der Lieberoser Heide. © Florian Schmidt / WWF
Auch in Brandenburg gibt es echte Wildnis wie die Moore der Lieberoser Heide. © Florian Schmidt / WWF

Folgt uns durchs Trai­nee-Jahr!

Wer­det Natur­schutz­pro­fi“, kün­dig­ten der WWF Deutsch­land und die Alli­anz Umwelt­stif­tung in einer Stel­len­aus­schrei­bung für eine neue Aus­bil­dung im Natur­schutz an. Ein ein­jäh­ri­ges Pro­gramm soll Trai­nees deutsch­land­weit an Manage­ment­auf­ga­ben in Natur- und Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen her­an­füh­ren. Im Okto­ber 2017 sind wir gestar­tet. Wir, das sind Ari­te, Anne, Flo­ri­an, Nata­lie und Nina – ver­teilt auf fünf Ein­satz­stel­len von Rügen bis Weil­heim.

Damit Ihr über die Höhen und Tie­fen unse­rer Erfah­run­gen auf dem Lau­fen­den bleibt, mel­den wir uns jeden Monat bei Euch und berich­ten von unse­ren Pro­jek­ten. In unse­rem sechs­ten Blog­ein­trag, nimmt Euch Flo­ri­an mit in die Lie­be­ro­ser Hei­de in Bran­den­burg.  Wir hof­fen, Euch mit unse­rer Begeis­te­rung anste­cken zu kön­nen!

Auf nach Bran­den­burg – Von Rügen in die Lie­be­ro­ser Hei­de

Nach dem win­ter­li­chen Besuch der Krei­de­fel­sen mit Nata­lie geht es nun zu mei­ner Ein­satz­stel­le nach Lie­be­ro­se in Bran­den­burg. Dort arbei­te ich als Trai­nee bei der Stif­tung Natur­land­schaf­ten Bran­den­burg, einem Part­ner des WWF.  Mein Arbeits­platz befin­det sich direkt gegen­über dem baro­cken Schloss Lie­be­ro­se, wel­ches eine schö­ne Aus­sicht bie­tet. Die Klein­stadt Lie­be­ro­se mit cir­ca 1500 Ein­woh­nern liegt idyl­lisch inmit­ten der Natur.

Bran­den­bur­ger Wild­nis

Mei­ne Lei­den­schaft ist die wil­de Natur, die­se ist man­ches Mal weit weni­ger exo­tisch, als man annimmt, aber trotz­dem immer span­nend. Aus die­sem Grund hat­te ich mich für die Trai­nee-Stel­le in Bran­den­burg bewor­ben: Um Wild­nis zu erle­ben und für sie zu kämp­fen.

Wer die pure, wil­de Natur erle­ben will, der ist in der Lie­be­ro­ser Hei­de rich­tig. Denn Wild­nis bedeu­tet, die Natur sich selbst zu über­las­sen. Die Flo­ra und Fau­na kann sich ohne exter­ne Ein­flüs­se wei­ter­ent­wi­ckeln und leis­tet somit wich­ti­ge Dienst­leis­tun­gen für uns Men­schen. Moo­re und Auen­wäl­der bei­spiels­wei­se bin­den Koh­len­stoff­di­oxid und leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag gegen die Kli­ma­er­wär­mung.

Urwald­ähn­li­che Wild­nis

Wolfsspuren in der Lieberoser Wüste © Florian Schmidt / WWF
Wolfs­spu­ren in der Lie­be­ro­ser Wüs­te © Flo­ri­an Schmidt / WWF

Um eine opti­ma­le Ent­wick­lung der “Wild­nis” zu gewähr­leis­ten, benö­tigt es vor allem gro­ße Area­le. Zusam­men­hän­gen­de Flä­chen, in denen Tie­re und Pflan­zen sich natür­lich aus­brei­ten kön­nen. Um eine urwald­ähn­li­che Wild­nis zu “erschaf­fen” ist Zeit von­nö­ten. Eine sol­che Ent­wick­lung benö­tigt Jahr­zehn­te bis Jahr­hun­der­te.

Die Lie­be­ro­ser Hei­de ist für die­sen Pro­zess bes­tens geeig­net. Denn ein ehe­ma­li­ger Trup­pen­übungs­platz ver­fügt in der Regi­on über eine Wild­nis­flä­che von 24.500 Hekt­ar, der von der sowje­ti­schen Armee genutzt wur­de. Die­se Flä­che ent­spricht fast der Grö­ße von Mal­ta (31.600 Hekt­ar). Die Stif­tung Natur­land­schaf­ten Bran­den­burg besitzt davon über 3150 Hekt­ar. Der­art rie­si­ge Area­le eig­nen sich beson­ders gut für die Ent­wick­lung der Wild­nis, da die weit­läu­fi­gen Flä­chen zwar muni­ti­ons­be­las­tet sind, aber auf­grund des­sen nicht ander­wei­tig genutzt wer­den kön­nen.

Deutsch­lands größ­te Wüs­te

Die Lie­be­ro­ser Hei­de ist sehr viel­fäl­tig. Die Diver­si­tät des Gebiets äußert sich bei­spiels­wei­se in Moo­ren und Seen mit Bir­ken, Hei­de­flä­chen, Kie­fern­wäl­dern, aber auch einer 550 Hekt­ar gro­ßen Wüs­te. Die “Lie­be­ro­ser Wüs­te” ist sogar die größ­te offe­ne Sand­flä­che in ganz Deutsch­land. Unter ande­ren haben die mili­tä­ri­schen Übun­gen mit Pan­zern und ande­ren Gerä­ten, die­sen Ort mit­ge­formt. Aber ganz grund­sätz­lich sind die Böden in die­ser Regi­on eher nähr­stoff­arm.

Der weitläufige Blick in die Lieberoser Wüste © Florian Schmidt / WWF
Der weit­läu­fi­ge Blick in die Lie­be­ro­ser Wüs­te © Flo­ri­an Schmidt / WWF

Die Gege­ben­hei­ten der Lie­be­ro­ser Hei­de sind für Flo­ra und Fau­na von größ­ter Bedeu­tung und ermög­li­chen, dass vie­le ver­schie­de­ne Arten in die­sem Gebiet leben kön­nen. Zu die­sen gehö­ren unter ande­rem der See- und Fisch­ad­ler, Wie­de­hopf, Zie­gen­mel­ker, Sper­lings­kauz, Biber, Gro­ßes Maus­ohr und der Wolf. Gera­de die Wöl­fe bevor­zu­gen die Wüs­te als ihr Jagd­re­vier, da ande­re Arten, wie bei­spiels­wei­se Rehe, Schwie­rig­kei­ten mit den san­di­gen Bedin­gun­gen haben. Sie wer­den somit eine leich­te Beu­te für den Wolf.

Mei­ne Arbeit als Natur­schutz-Trai­nee in Lie­be­ro­se

Eine mei­ner ers­ten Auf­ga­ben als Trai­nee bestand in der Zuar­beit eines GAK Antra­ges (Gemein­schafts­auf­ga­be zur Ver­bes­se­rung der Agrar­struk­tur und des Küs­ten­schut­zes), wel­cher sich mit einer Nie­der­moor-Rena­tu­rie­rung befass­te. Wäh­rend die­ser Zeit hat­te ich viel Kon­takt mit der Inves­ti­ti­ons­bank des Lan­des Bran­den­burg. Des Wei­te­ren muss­ten recht­li­che Ange­le­gen­hei­ten abge­klärt wer­den. Ein wei­te­rer Antrag, an wel­chem ich momen­tan mit­wir­ke, ist der För­der­an­trag vom Bun­des­amt für Natur­schutz. Dafür ver­fass­te ich unter ande­rem einen Antrag zur Erhal­tung ver­schie­de­ner Fle­der­maus­bun­ker in der Regi­on Lie­be­ro­se.

Das Wan­der­we­ge­kon­zept

Mei­ne Haupt­auf­ga­be als Trai­nee gilt dem Wan­der­we­ge­kon­zept der Lie­be­ro­ser Hei­de. Im Jahr 2021 soll eine Inter­na­tio­na­le Natur­aus­stel­lung (I.N.A) in Lie­be­ro­se statt­fin­den. Dabei gilt es Wan­der­we­ge, bedacht durch die sen­si­ble Natur zu lei­ten. Ich lau­fe bereits vor­han­de­ne Wege ab und bewer­te sie anhand eines von mir ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en­ka­ta­lo­ges. Mit Hil­fe der aus­ge­wer­te­ten Kri­te­ri­en erstel­le ich ver­schie­de­ne Kar­ten mit dem Com­pu­ter­pro­gramm Quan­tum GIS. Die Kar­ten hal­ten fest, wie attrak­tiv Weg und des­sen Zustand sind. Zudem mache ich mir über die Beschil­de­rung der Wan­der­we­ge sowie über Rast­plät­ze Gedan­ken. Sol­che Vor­schlä­ge wer­den mit Hil­fe von Bil­dern doku­men­tiert und mit den Koor­di­na­ten fest­ge­hal­ten. Bei die­ser Auf­ga­be bin ich oft drau­ßen in der Wild­nis. Was gibt es schö­ne­res als ein Arbeits­platz in der Natur?

Vie­len Dank für euer Inter­es­se und ich hof­fe der klei­ne Aus­flug in die Wild­nis Bran­den­burgs hat euch gefal­len.

Das Natur­schutz-Trai­nee-Pro­gramm – ein Pro­jekt der Alli­anz Umwelt­stif­tung und des WWF Deutsch­land“

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