Indonesien: Sumatra-Nashörner stehen am Rande der Ausrottung


Sowohl die Java- als auch die Sumatra-Nashörner sind stark vom Aussterben bedroht © Stephen Belcher / WWF
Sowohl die Java- als auch die Sumatra-Nashörner sind stark vom Aussterben bedroht © Stephen Belcher / WWF

Unsere WWF-Kollegen in Südafrika hatten vor sieben Jahren den „World Rhino Day“ initiiert, um auf die extreme Situation der Nashörner weltweit aufmerksam zu machen. Bis heute, zum Jahr 2017 hat sich die Lage für Rhinos verschlechtert. Im schlimmsten Fall erleben wir nicht einmal zehn weitere Rhino Days, an denen wir noch alle fünf Nashornarten lebend feiern können. Vor allem um das Java-Nashorn ist so bedroht, dass eine einzige Umweltkatastrophe deren Aussterben besiegeln könnte.

Von der Zahl der Tiere her ist die Situation am dramatischsten für das Java-Nashorn: Maximal 68 Individuen zählt ihr Bestand – mehr nicht. Alle leben in einem einzigen Nationalpark im Westen von Java. Zwar ist ihr Bestand stabil, aber eine so kleine und einzigartige Population ist allein dadurch hochgradig bedroht, dass eine einzige Katastrophe ausreicht und sie verschwinden für immer. Und ausgerechnet ein paar Kilometer entfernt vom Ujung Kulon Nationalpark befindet sich der aktive Krakatau-Vulkan, der 1883 der Ort des tödlichsten und zerstörerischsten Vulkanausbruchs in menschlicher Geschichtsschreibung war.

Nur ein Umzug kann die Java-Nashörner retten

Aus diesem Grund suchen Wissenschaftler schon seit einiger Zeit nach einem neuen Habitat für die Java-Nashörner. Denn es ist schlicht zu gefährlich, alle noch lebenden Exemplare in diesem einem Nationalpark zu lassen. Nun hat sich die Regierung Indonesiens in die Habitatssuche eingeschaltet. Sobald dieser Ort gefunden ist, werden wohl schon bald die ersten Java-Nashörner umziehen – in der Hoffnung, dass die Zukunft durch das „Sicherheitsnetz“ der zweiten Population gesichert ist. Außerdem gibt es aktuelle Fotofallenbilder, auf denen Jungtiere zu sehen sind. Das freut uns natürlich besonders bei dieser prekären Situation.

Von den Sumatra-Nashörnern gibt es zwar noch etwas mehr Tiere, aber eigentlich geht es ihnen noch schlechter den Java-Nashörnern. Denn ihre Anzahl ist nicht etwa stabil, sondern wir haben über 80 Prozent innerhalb von nur 60 Jahren verloren – vor allem aufgrund von Wilderei und Lebensraumverlusten. Heute wird Ihr Bestand auf etwa 70-100 Exemplare geschätzt. Die Tiere sind allerdings über mehrere Schutzgebiete und Flächen verteilt, und die allermeisten dieser Teilbestände sind leider zu klein, um eigenständig überleben zu können.

Die schwierige Fortpflanzung der Nashörner

Verbreitung der Nashörner © WWF
Verbreitung der Nashörner © WWF

Nach derzeitigem Stand ist die einzige Möglichkeit, diese Tiere vor dem Aussterben zu schützen, sie einzufangen und in bewachte Schutzzentren (sogenannte „Sanctuaries“ ) zu überstellen. So traurig das klingt, so unausweichlich ist diese Lösung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Erstens können die Nashörner so rund um die Uhr bewacht werden. Zweitens gewinnen wir Zeit, um die Lebensräume zu schützen wiederherzustellen oder mit entsprechenden Managementplänen zu versehen, um vor einer stetig wachsenden Ressourcennutzung zu bewahren. Und drittens besteht die Möglichkeit die Fortpflanzung zu kontrollieren.

Das fängt damit an, dass die wenigen verbliebenen Exemplare einfach nicht zueinander finden. Die ursprünglichen Lebensräume sind zerstückelt und dort leben meist nur noch wenig Tiere, sodass die Paarung extrem erschwert wird. Außerdem zeigen Untersuchungen zeigen, dass Weibchen vermehrt unter Zysten in der Gebärmutter leiden, wenn sie sich über längere Zeiträume nicht erfolgreich paaren. Wenn ein Nashorn-Weibchen also kein passendes Männchen findet über längere Zeit, droht ihr dauerhafte Unfruchtbarkeit, was eine Katastrophe bedeutet. Demnach kann fast nur eine veterinärmedizinische Betreuung die Art sichern.

WWF-Notfall-Plan für Sumatra-Nashörner

Wir vom WWF haben uns mit die wichtigsten nationalen und internationalen Naturschutzorganisationen in Indonesien zusammengetan, um einen Notfall-Plan für die Nashörner zu entwickeln – dazu gehören auch Maßnahmen, wie die Etablierung von weiteren Schutzzentren, eine verstärkte Antiwilderei-Arbeit, die Zusammenarbeit mit Regierung und auch großen Unternehmen, die Einfluss auf Landnutzungen in Sumatra und Borneo haben, und auch die Zuhilfenahme veterinärmedizinischer Notfallprogramme zur Förderung der Nashorn-Fortpflanzung.

Die Hoffnung ist groß, dass wir spätestens im kommenden Jahr einen wesentlichen Schritt weiter sein werden.

Nashorn-Lebensraum schrumpft für unseren Konsum

Allerdings leben in Indonesien etwa 255 Millionen Menschen und die Gebiete, die für die Rhinos interessant wären, sind gleichzeitig potenzielle Anbauflächen für Kaffee, Kakao, Kautschuk, Ölpalmen und Akazien für die Papierindustrie. Und wir als Konsumenten dieser Produkte sind daher für die Situation der Rhinos mitverantwortlich.

Rhino-Day droht zum Gedenktag zu werden

Es liegt somit auch an uns: Wir können unseren Beitrag leisten. Achtet auf faire und biologisch einwandfreie Produkte. Sonst droht der Aktionstag „Rhino Day“ schon in ein paar Jahren ein Gedenktag für das Sumatra-Nashorn zu werden.

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Über mich
Michael Zika

Ich bin ein Wiener Ökologe, der nun in Berlin lebt um sich dem Naturschutz in Asien zu widmen. Unverbesserlicher Optimist. Ich glaube, dass Vernunft und Naturverständnis über Konsumzwang und Erschließungsdrang des Menschen siegt, bevor die letzte Wildnis verschwunden ist. Wir müssen den Schwund der Arten, Wälder und frei fließenden Flüsse jetzt stoppen und endlich einen echten nachhaltigen Weg bei der Land- und Ressourcennutzung einschlagen.

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