Kobras, Koral­len und Kavi­ar – Tou­ris­ten und die Sou­ve­nir­fal­le


Tigerfell mit Kopf als Teppich auf dem Fußboden: Es stammt aus der Aservatenkammer des Zolls: Dieser Tiger ist für ein Souvenir gestorben. Aber es gibt auch Souvenirs, von denen man gar nicht unbedingt weiß, dass sie Arten gefährden und illegal sind. Der WWF Souvenir-Ratgeber klärt auf.
Tigerfell: Gestorben für ein Souvenir. © Robert Günther / WWF

Schon wäh­rend unse­res Foto­shoo­tings für den neu­en Sou­ve­nir-Rat­ge­ber „Der letz­te Schrei“ frag­te ich mich, wer sich wohl solch ein Tiger­fell kauft und in die Woh­nung legt.
Ich weiß schon: Über Geschmack lässt sich bekannt­lich strei­ten. Aber bei unse­rer heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz das Sam­mel­su­ri­um an exo­ti­schen Mit­bring­seln zu sehen und von den aben­teu­er­li­chen Geschich­ten über Beschlag­nah­mun­gen zu hören, über­rasch­te mich dann doch.

Aus­ge­stopf­te Gür­tel­tie­re und ein­ge­leg­te Kobras

Jetzt, wo die Tage kür­zer und käl­ter wer­den, zieht es vie­le in den Süden. Das kann ich gut nach­voll­zie­hen. Wenn die Urlau­ber aber neben Erin­ne­run­gen auch noch skur­ri­le oder mög­lichst exo­ti­sche Sou­ve­nirs mit nach Hau­se brin­gen, hört mein Ver­ständ­nis doch recht schnell auf: Uku­le­len, deren Klang­kör­per aus aus­ge­stopf­ten Gür­tel­tie­ren bestehen, Braun­bär­kral­len als Schlüs­sel­an­hän­ger, Rie­sen­mu­scheln oder in Alko­hol ein­ge­leg­te Kobras.

Das Mords­ge­schäft mit den Sou­ve­nirs

Belieb­te Win­ter­rei­se­zie­le wie Süd­ost­asi­en oder Latein­ame­ri­ka sind oft zugleich Hot­spots der Bio­di­ver­si­tät, also beson­ders arten­reich. Neben den ohne­hin schon gra­vie­ren­den Lebens­raum­ver­lus­ten sind die Arten aber auch durch den ille­ga­len inter­na­tio­na­len Han­del bedroht. Die­ser ist im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ein Mords­ge­schäft. Dass für die schi­cke Kro­ko­dil­le­der­ta­sche oder die wert­vol­le Elfen­bein­schnit­ze­rei Tie­re ster­ben muss­ten, wird all­zu leicht ver­ges­sen.
Wenn es sich bei die­sen Arten dann auch noch um bedroh­te Spe­zi­es han­delt, ist es umso schlim­mer. Dann gefähr­det Ihr die Bestän­de direkt!

Taschen und Schuhe aus Reptilienhaut: Die falschen Souvenirs befeuern ein Mordgeschäft, sind illegal und gefährden Arten! Aufklärung bietet der WWF Souvenir-Ratgeber.
Exo­ti­sche Sou­ve­nirs wie die­se befeu­ern ein Mord­ge­schäft, sind ille­gal und gefähr­den Arten! Auf­klä­rung bie­tet unser Sou­ve­nir-Rat­ge­ber. © David Law­son / WWF UK

Geschütz­te Arten im Gepäck

Auch leben­de Tie­re oder Pflan­zen wer­den von auf­merk­sa­men Zoll­be­am­ten und ihren tie­ri­schen Hel­fern, den Arten­schutz-Spür­hun­den, immer wie­der im Rei­se­ge­päck ent­deckt. Allein am Frank­fur­ter Flug­ha­fen — einem der Dreh­kreu­ze in Euro­pa — mehr als 3700 Pflan­zen und über 4600 leben­de Tie­re im Jahr 2015. Könnt Ihr euch das vor­stel­len? Am häu­figs­ten fan­den sich Schild­krö­ten, Legua­ne, Wara­ne, Spin­nen und Frö­sche im Gepäck, aber auch Papa­gei­en oder deren Eier.

Die Fol­gen — beim Zoll und vor Ort

Wenn Ihr ver­sucht, geschütz­te Tie­re oder Pflan­zen (oder auch nur Pro­duk­te aus ihnen) ille­gal ein­zu­füh­ren – ob nun wis­sent­lich oder unwis­sent­lich – und vom Zoll erwischt wer­det, dro­hen hohe Buß­gel­der oder im schlimms­ten Fall sogar Haft­stra­fen.
Abge­se­hen davon schafft Ihr durch den Kauf sol­cher Sou­ve­nirs aber auch einen Markt und ani­miert die Händ­ler dazu, die frag­wür­di­gen Mit­bring­sel wei­ter­hin anzu­bie­ten. Selbst wenn Euch auf irgend­ei­nem Markt leben­de Tie­re, etwa put­zi­ge Affen oder ver­rück­te Cha­mä­le­ons, ange­bo­ten wer­den und Euch die Tie­re ein­fach nur leid tun: Lasst die Fin­ger davon. Ihr befeu­ert dadurch nur den Arten­han­del, da das ver­kauf­te Exem­plar sogleich durch ein neu­es ersetzt wird!

Kei­ne Sel­fies mit der Tier-Mafia

Und wo wir schon ein­mal dabei sind: Bit­te, bit­te über­legt Euch drei­mal, ob Ihr wirk­lich ein Sel­fie mit einem ver­meint­lich gezähm­ten Wild­tier braucht. In Tiger­tem­peln in Thai­land zum Bei­spiel kön­nen Tou­ris­ten mit den gro­ßen Raub­kat­zen posie­ren und sie strei­cheln. Mög­li­cher­wei­se unter­stützt Ihr aber mit eurem Ein­tritts­geld die Wild­tier-Mafia. Wie mei­ne Kol­le­gin Kath­rin bereits berich­te­te, legen die Auf­grif­fe im berühm­ten Tiger­tem­pel im thai­län­di­schen Kan­chana­b­u­ri nahe, dass die bud­dhis­ti­schen Mön­che in den ille­ga­len Tiger­han­del ver­strickt sind.

Verschiedene geschnitzte Figuren und Armreifen und ein ausgestoptes Gürteltier: Vorsicht auch bei Schnitzereien - zum Beispiel aus Elfenbein! Diese hier sind alle vom Zoll beschlagnahmt worden. Was darf man aus dem Urlaub mitbringen? Der WWF Souvenir-Ratgeber klärt auf.
Vom Zoll beschlag­nahmt: Vor­sicht auch bei Schnit­ze­rei­en — zum Bei­spiel aus Elfen­bein. © Mat­thi­as Adler / WWF

Ein Blick in den WWF-Sou­ve­nir-Rat­ge­ber

Damit Ihr vor Ort nicht aus Unwis­sen­heit zum fal­schen Mit­bring­sel greift und zu Schmugg­lern wer­det, gibt es jetzt einen Sou­ve­nir-Rat­ge­ber im Hosen­ta­schen-For­mat. Eine Fla­sche Schlan­gen­wein mit ein­ge­leg­ter Kobra für den coo­len Kum­pel? Eine Tasche aus Kro­ko­le­der für Mama? Eine Koral­len­ket­te für die bes­te Freun­din? Im Rat­ge­ber könnt Ihr Euch einen schnel­len und unkom­pli­zier­ten Über­blick ver­schaf­fen, wel­che Sou­ve­nirs Ihr doch bes­ser auf dem Markt oder in der Natur lasst. Denn ver­gesst bit­te nicht, auch Koral­len oder Muscheln, die Ihr am Strand fin­det, kön­nen geschütz­te Arten sein. Nehmt lie­ber schö­ne Erin­ne­run­gen mit nach Hau­se statt zwei­fel­haf­ter Sou­ve­nirs.

Hier könnt Ihr den Sou­ve­nir-Rat­ge­ber bestel­len:

WWF Deutsch­land
Info­ser­vice
Stich­wort Sou­ve­n­ir­rat­ge­ber
Rein­hardt­stra­ße 18
10117 Ber­lin

Für tele­fo­ni­sche Bestel­lun­gen: Tel.: 030 / 311 777–700

Ein­fach als PDF her­un­ter­la­den:

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Mehr über die gefähr­li­chen Sou­ve­nirs und unse­ren Sou­ve­nir-Rat­ge­ber könnt Ihr auch hier nach­le­sen.

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Über mich
Anne Hanschke

Biologin im Artenschutzteam. Großstadtpflanze mit Wurzeln auf den großelterlichen Bauernhöfen. Sonnenanbeterin. Kann keiner Katze widerstehen und ist beim WWF zuständig für „alle anderen Arten“.

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