Schnee­leo­pard: Schwar­ze Schat­ten für die Wil­de­rer


Markus in der Steppe © Oliver-Samson-WWF
Markus in der Stepe © Oliver-Samson-WWF

Fast eine Woche im Camp und Thors­ten war­tet noch auf sei­ne Fotos vom Schnee­leo­par­den in frei­er Wild­bahn. Uner­müd­lich schleppt er sei­ne Aus­rüs­tung durch die Gegend, mal laut zeternd, mal schick­sals­er­ge­ben. Er sieht sei­ne gro­ße Chan­ce in dem geris­se­nen Schaf wei­ter süd­lich. Schnee­leo­par­den keh­ren immer wie­der zurück, so lan­ge von ihrem Opfer noch etwas übrig ist. Die Bio­lo­gen haben um den Riss her­um vier Fal­len auf­ge­stellt. Viel­leicht…

Mar­kus und ich besu­chen eine gan­ze Rei­he von WWF unter­stütz­ten Pro­jek­ten, die hel­fen, dass Mensch und Schnee­leo­pard zusam­men leben kön­nen, mög­lichst ohne sich gegen­sei­tig zu scha­den. Das Haupt­pro­blem, kurz gefasst: Die Her­den wer­den immer grö­ßer, die Wei­den wer­den aber durch per­ma­nen­tes „Over­gra­zing“ immer schlech­ter. Dazu kommt der Kli­ma­wan­del: Kein Land hat sich in den letz­ten 70 Jah­ren so stark auf­ge­heizt wie die Mon­go­lei, das zwei Grad Ziel ist hier schon über­schrit­ten. Zusam­men führt dies zu fort­schrei­ten­der Wüs­ten­bil­dung. Die Hir­ten suchen ihren Scha­fen daher neue Wei­den und ver­schie­ben die­se immer wei­ter in die Ber­ge – dort wo der Schnee­leo­pard lebt. Schnee­leo­par­den fin­den in den Her­den leich­te Beu­te – und haben in den Hir­ten neue Tod­fein­de.

Mädchen auf dem Eis des Chaar Us Nuur ©-Oliver-samson-WWF
Mäd­chen auf dem Eis des Chaar Us Nuur ©-Oli­ver-Sam­son-WWF

Das Töten bringt Unglück

Das Töten eines Schnee­leo­par­den ist im Volks­glau­ben der Mon­go­len zum Glück ein Tabu. Es gibt eine gan­ze Rei­he von Redens­ar­ten. Wer den Geist der Ber­ge jagt, auf den wird ein schwar­zer Schat­ten fal­len. Die­se alte Weis­heit muss der WWF wie­der mit Leben fül­len.

Der WWF stößt eine Fül­le von Initia­ti­ven an und unter­stützt die­se in der Anfangs­pha­se mit Know How und Geld. Idea­ler­wei­se funk­tio­nie­ren sie in einer spä­te­ren Pha­se ohne unse­re Unter­stüt­zung. Chim­de berich­tet von 144 Com­mu­ni­ty Based Orga­ni­sa­ti­ons (CBOs) allein in der West­mon­go­lei. Wir fah­ren zu einer von ihnen, an den Chaar Us Nuur — der See, der dem Natio­nal­park sei­nen Namen gibt.

Das klei­ne Wun­der

Wir ken­nen es inzwi­schen, es bleibt aber doch ein klei­nes Wun­der: Wir rat­tern über Stun­den schein­bar plan­los durch weg­lo­se Natur und kom­men punkt­ge­nau an einem Ger im schein­ba­ren Nichts an. Die Kin­der der Hir­ten­fa­mi­lie spie­len auf dem halb­zu­ge­fro­re­nen, rie­si­gen See. Das Eis quietscht und singt, vom Wind zusam­men­ge­scho­ben kol­li­die­ren die ein­zel­nen Schol­len immer wie­der mit­ein­an­der. Wir wer­den ins Ger hin­ein­ge­be­ten. Wie immer gibt es But­ter­tee, gesal­zen. Dazu getrock­ne­ten Quark, dann kommt eine Schüs­sel gekoch­tes Schafs­fleisch am Kno­chen, knüp­pel­har­tes Gebäck, gefolgt von Ham­mel­sup­pe.

Eine Schüssel Hammelfleisch © Oliver-Samson-WWF
Es gibt immer etwas zu essen — und immer Fleisch © Oli­ver-Sam­son-WWF

Die Com­mu­ni­ty Based Orga­ni­sa­ti­on, die wir hier besu­chen, heißt “Gip­fel des Jar­ga­lant” und besteht aus zehn Fami­li­en. Die Hir­ten­frau­en stel­len tra­di­tio­nell Filz­klei­dung her. Der WWF ent­wirft mit ihnen neue Filz­pro­duk­te, garan­tiert über eine Stif­tung den Absatz und hilft bei der Ver­wal­tung der Finan­zen. Dafür stel­len die Hir­ten zwei Ran­ger, die im Ter­ri­to­ri­um der CBO Wild­tie­re doku­men­tie­ren, im Win­ter Salz in die Ber­ge brin­gen und gegen Wil­de­rei vor­ge­hen. In Jah­ren ohne Wil­de­rei gibt es einen Bonus von 20 Pro­zent. 2009 wur­de ein ein­zi­ger Stein­bock geschos­sen. Sonst nichts.

Mit Ein­kom­men gegen die Wil­de­rei

Bei einer Hirtenfamilie im Ger zu Gast Gipfel des Jarkalant: Bujinlkham leitet die CBO © Oliver-Samson-WWF
Gip­fel des Jarkalant: Buji­n­lk­ham lei­tet die CBO © Oli­ver-Sam­son-WWF

Die hier ver­sam­mel­ten Frau­en brin­gen mit ihrer Arbeit neu­es Ein­kom­men in die Fami­li­en und leben ein neu­es Gemein­schafts­ge­fühl — nicht selbst­ver­ständ­lich, wenn der nächs­te Nach­bar Dut­zen­de Kilo­me­ter ent­fernt ist und um Wei­de­grün­de kon­kur­riert. Zwei­mal pro Jahr trifft sich die CBO im Bak-Zen­trum, einem ein­zel­nen Haus mit­ten in der Step­pe. „Das ist dann auch ein gro­ßes Fest“, sagt Buji­n­lk­han lächelnd.

Neu­es vom Schnee­leo­par­den

Abends neue Infor­ma­tio­nen über den Schnee­leo­par­den: Die Kame­ra­fal­len am geris­se­nen Schaf haben den Leo­par­den geblitzt. Ein­deu­tig zu sehen: Das Satel­li­ten­hals­band. Es ist Tin­ger. Die Hoff­nung nun auch noch sie zu fan­gen elek­tri­siert uns alle. Ihr Hals­band wür­de uns zusätz­lich noch Infor­ma­tio­nen aus zwei Jah­ren geben. Doch uns läuft die Zeit davon. Schon mor­gen wird das Camp abge­baut – und es war ein Erfolg. Wir haben den Schnee­leo­par­den gefan­gen.

Wir packen.

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Über mich
Oliver Samson

Journalist und jetzt Redakteur beim Panda - weil unverändert überzeugt, dass wir Menschen es besser hinkriegen können. Noch immer optimistisch mit guten Vorsätzen.

1 Kommentar

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    GIRAULT, Elfi1Patrick
    20. November 2015
    Antworten

    auster­ben bedroh­ten Tie­ren hhel­fen könn­tet!
    Von gan­zem Her­zen vie­len Dank,
    mfg. ELfi Girault

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