Schlan­gen: 15 Fak­ten über Kreuz­ot­ter, Kobra & Co.

Schlangen: faszinierende Wesen © Ikhsan Yohanda/iStock/Getty Images

Gift­schlan­gen, flie­gen­de Schlan­gen, eine Schlan­gen-Insel und Schlan­gen in Deutsch­land: Die Rep­ti­li­en sind lan­ge nicht so gefähr­lich wie ihr Ruf und äußerst fas­zi­nie­rend. War­um ist zum Bei­spiel die Schlan­gen­zun­ge gespal­ten? Erstaun­li­ches und Wich­ti­ges aus der Welt der Schup­pen­kriech­tie­re.

Die gif­tigs­te Schlan­ge der Welt

Als gif­tigs­te Schlan­ge der Erde gilt der Inland­tai­pan (Oxy­ura­nus microl­epi­do­tus) aus Aus­tra­li­en. Mit dem Gift eines Bis­ses könn­te er theo­re­tisch bis zu 250 Men­schen töten. Der Inland­tai­pan lebt jedoch in sehr tro­cke­nen, unbe­wohn­ten Regio­nen des aus­tra­li­schen Out­back und Biss­un­fäl­le sind mehr als selten.

Die längs­te Gift­schlan­ge der Welt ist die Königs­ko­bra. Die zweit­längs­te die Schwar­ze Mam­ba, benannt nach der dunk­len Innen­sei­te ihres Mauls. Auch die­se bei­den gehö­ren zu den gif­tigs­ten Schlan­gen der Welt.

Inland­tai­pan in Aus­tra­li­en © Ken Griffiths/iStock/Getty Images

Gift­schlan­gen in Deutschland

In Deutsch­land sind zwei gif­ti­ge Schlan­gen hei­misch: Die Kreuz­ot­ter und die Aspis­vi­per. Die Aspis­vi­per kommt in Deutsch­land nur noch im Süd­schwarz­wald vor und ist vom Aus­ster­ben bedroht. Die Kreuz­ot­ter lebt in Moo­ren und Hei­den Nord­deutsch­lands, in den öst­li­chen Mit­tel­ge­bir­gen und ver­ein­zelt in Süd­deutsch­land. Sie ist eben­falls sel­ten gewor­den und stark gefährdet.

Von den Schlan­gen gebis­sen zu wer­den, ist unwahr­schein­lich. Auch weil Schlan­gen flüch­ten, wenn sie Boden­vi­bra­tio­nen durch Schrit­te spü­ren. Das Gift bei­der Arten ist höchs­tens für Kin­der und alte Men­schen gefähr­lich. Bedroh­li­cher ist eine all­er­gi­sche Reak­ti­on wie nach Wespenstichen.

Gift­schlan­ge in Deutsch­land: Kreuz­ot­ter mit dunk­lem Zick­zack­mus­ter © Imago/blickwinkel/R.Sturm

Schlan­gen fur­zen – zur Verteidigung!

Vie­le Schlan­gen geben bei Gefahr Warn­lau­te von sich. Wie ihr typi­sches Zischen oder das Ras­seln der Klap­per­schlan­ge. Man­che Schlan­gen­ar­ten knal­len, indem sie Luft aus ihrer Kloa­ke pres­sen, ihrem einen Kör­per­aus­gang für Aus­schei­dun­gen und Geschlechts­or­ga­ne. Cloa­cal Pop­ping -  Kloa­ken­plop­pen nen­nen Wis­sen­schaft­ler das Phä­no­men, das tat­säch­lich ähn­lich klingt wie Für­ze und etwa zwei Meter weit zu hören ist.

Flie­gen­de Schlange

Bis zu 30 Meter kön­nen Schmuck­baum­nat­tern durch die Luft glei­ten, um von einem Baum zum nächs­ten zu gelan­gen. Sie leben in den Regen­wäl­dern Süd­ost­asi­ens. Für ihren Gleit­flug sto­ßen sie sich ab, sprei­zen Rip­pen und Kör­per flach auf und schlän­geln sich in Wel­len­be­we­gun­gen durch die Luft.

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War­um die Schlan­gen­zun­ge gespal­ten ist

Schlan­gen kön­nen sehr gut rie­chen: Mit ihrer Zun­ge, an deren Enden Riech­knos­pen sit­zen. Beim Zün­geln ertas­ten und erschnüf­feln die Kriech­tie­re ihre Umge­bung. Die Schlan­gen­zun­ge schnellt her­aus, nimmt feins­te Geruchs­mo­le­kü­le auf und zieht sich zurück an den Gau­men. Hier sit­zen Ein­buch­tun­gen mit Riech­zel­len, das soge­nann­te Jacob­son­sche Organ, von wel­chem die Gerü­che ver­ar­bei­tet wer­den. Durch die bei­den Spit­zen ihrer gespal­te­nen Zun­ge kön­nen Schlan­gen bestim­men, aus wel­cher Rich­tung ein Geruch kam.

Zün­geln mit gespal­te­ner Zun­ge © Imago/imageBROKER/Clément Carbillet

Ein­ge­bau­te Wärmebildkamera

Eini­ge Schlan­gen haben einen sechs­ten Sinn. Sie kön­nen ihre Umge­bung als Wär­me­bild wahr­neh­men und so zum Bei­spiel Beu­te­tie­re im Dun­keln orten. Beson­ders Vipern, Boas und Pythons ver­fü­gen über den Infra­rot­blick. Je nach Art neh­men zwei ver­schie­de­ne Sin­nes­or­ga­ne die Wär­me­strah­len wahr. Das Gru­ben­or­gan, nach wel­chem die Gru­ben­ot­ter benannt ist, sitzt in win­zi­gen Ver­tie­fun­gen auf bei­den Sei­ten ober­halb der Nase. Boas und Pythons haben Labi­al­gru­ben in einer Schup­pen­rei­he ent­lang ihrer Lippen.

Die größ­te und die kleins­te Schlan­ge der Welt

Die kleins­te bekann­te Schlan­gen­art ist eine Schlank­blind­schlan­ge (Lep­to­ty­phlops car­lae) von der Kari­bik­in­sel Bar­ba­dos. Sie wird nur zehn Zen­ti­me­ter lang und ist „dünn wie Spa­ghet­ti“, wie ihr Ent­de­cker beschreibt.

Als größ­te und schwers­te Schlan­gen der Welt gel­ten Ana­kon­das mit bis zu 250 Kilo­gramm Gewicht und neun Metern Län­ge. Ana­kon­das gehö­ren zur Fami­lie der Boas und leben in den Gewäs­sern der Ama­zo­nas­re­gen­wäl­der. Aber auch die Netz­py­thons und Tiger­py­thons Süd­ost­asi­ens kön­nen sechs bis acht Meter lang wer­den. Eini­ges klei­ner bleibt die Königs­boa (Boa con­s­tric­tor), auch Abgott­schlan­ge genannt.

Fet­te Beu­te ohne zu kauen

Kreuz­ot­ter frisst eine Maus © Imago/blickwinkel/R. Sturm

Schlan­gen sind Raub­tie­re und Fleisch­fres­ser. Je nach Art und Grö­ße fres­sen sie Insek­ten, Kaul­quap­pen, Frö­sche, Eier, Fische, Nage­tie­re, Vögel, ande­re Schlan­gen oder gro­ße Säu­ge­tie­re wie Gazel­len und Jagua­re. Im Ver­hält­nis zu ihrem Kör­per kön­nen Schlan­gen enor­me Men­gen fres­sen und Tie­re ver­schlin­gen, die grö­ßer sind als sie selbst.

Das Schlan­gen­maul lässt sich so weit öff­nen, weil die Schä­del­kno­chen durch dehn­ba­re Bän­der ver­bun­den sind. Die extrem star­ke Magen­säu­re der Schlan­gen löst selbst Kno­chen und Zäh­ne der Beu­te auf. Nur Haa­re, Federn und Kral­len wer­den wie­der ausgeschieden.

Über ein Jahr ohne Nahrung

Nach einem gro­ßen Fang kön­nen Schlan­gen mona­te­lang aus­kom­men, ohne zu fres­sen. Rie­sen­schlan­gen sogar über ein Jahr. Denn als Rep­ti­li­en sind Schlan­gen Kalt­blü­ter. Anders als Säu­ge­tie­re müs­sen sie sich nicht unter hohem Ener­gie­auf­wand wär­men. Sie pas­sen sich der Außen­tem­pe­ra­tur an und sind immer nur so warm wie ihre Umge­bung. Wech­sel­warm nennt man das auch.

Wie Schlan­gen hören

Schlan­gen haben kei­ne Ohr­öff­nun­gen. Trotz­dem sitzt in ihrem Kopf ein Innen­ohr mit Hör­schne­cke. Schlan­gen neh­men zwar kei­ne Schall­wel­len aus der Luft wahr, aber hören über Boden­schwin­gun­gen, die über ihren beweg­li­chen Unter­kie­fer in das Innen­ohr über­tra­gen wer­den.

Im Video beant­wor­te ich noch mehr Fra­gen zu den fas­zi­nie­ren­den Tie­ren. Auch was man nach einem Schlan­gen­biss tun sollte:

Ich habe eine neue Schlan­ge entdeckt!

Und sie trägt heu­te mei­nen Namen: Oxy­r­ho­pus ember­ti. Sie gehört zu den soge­nann­ten fal­schen Koral­len­schlan­gen, die die Fär­bung der gif­ti­gen Koral­len­schlan­ge imi­tie­ren, um sich Fress­fein­de vom Leib zu hal­ten. Mei­ne Ent­de­ckung wech­selt ihre Far­be, wenn sie grö­ßer wird (über einen Meter, da wür­de kein Tier mehr auf die Täu­schung her­ein­fal­len). Ich habe sie nicht in frei­er Wild­bahn gefun­den, son­dern kon­ser­viert in einem Muse­um in Boli­vi­en. Sie war vor­her falsch bestimmt worden.

Wel­che Schlan­gen­ar­ten gibt es?

Welt­weit gibt es etwa 3000 Schlan­gen­ar­ten — davon rund 600 gif­ti­ge – und es wer­den stän­dig neue entdeckt.

Grob unter­schei­det man Schlan­gen in Nat­tern, Boiden, Vipern und Ela­pi­den. Zusätz­lich gibt es noch eini­ge klei­ne­re Schlan­gen­fa­mi­li­en. Vipern und Ela­pi­den sind Gift­schlan­gen. Zu den Ela­pi­den gehö­ren zum Bei­spiel See­schlan­gen, Kobras und Mambas.
Zu den ungif­ti­gen Arten gehö­ren die Rie­sen­schlan­gen wie Ana­kon­das oder Pythons. Alle Rie­sen­schlan­gen und eini­ge Nat­tern sind Wür­ge­schlan­gen und töten ihre Beu­te durch Umschlingen.

Rin­gel­nat­ter & Co.: Kaum noch Schlan­gen in Deutschland

In Deutsch­land sind Schlan­gen sel­ten gewor­den. Vor allem durch ihren schwin­den­den Lebens­raum. Abge­se­hen von der gif­ti­gen Kreuz­ot­ter und Aspis­vi­per leben bei uns noch die ungif­ti­gen Rin­gel­nat­tern, Schling­nat­tern, Wür­fel­nat­tern und die Äsku­lap­nat­ter. Alle Schlan­gen in Deutsch­land ste­hen unter Naturschutz!

Übri­gens: Blind­schlei­chen sind kei­ne Schlan­gen, auch wenn sie so ähn­lich aus­se­hen. Blind­schlei­chen sind Echsen.

Rin­gel­nat­ter mit gefan­ge­nem Teich­molch © Ima­go/­Kess­ler-Sport­fo­to­gra­fie

Schlan­gen­hal­tung ver­schärft ihre Bedrohung

Vor­sicht vor exo­ti­schen Schlan­gen im Ter­ra­ri­um. Abge­se­hen davon, dass das vor allem für grö­ße­re Exem­pla­re meist kein geeig­ne­ter Lebens­raum ist, tragt Ihr mit dem Kauf einer exo­ti­schen Schlan­ge womög­lich zur Gefähr­dung der Art bei: Der oft ziem­lich grau­sa­me Fang wil­der Schlan­gen als Heim­tie­re gehört zu ihren größ­ten Bedrohungen.

Vie­le Schlan­gen­ar­ten sind inter­na­tio­nal geschützt. Wer Schlan­gen erwirbt und hal­ten will, muss das je nach Art mel­den und dabei die Arten­schutz­ge­set­ze beachten!

Abge­se­hen vom Han­del als Haus­tie­re gefähr­det Schlan­gen welt­weit die Beja­gung (aus Angst oder für ihre Haut) und vor allem der Ver­lust von Lebens­raum und Beu­te­tie­ren. Welt­weit — auch bei uns in Deutsch­land — setzt sich der WWF für den Erhalt wich­ti­ger Öko­sys­te­me ein.

Im Ama­zo­nas­be­cken schüt­zen wir zum Bei­spiel den größ­ten Regen­wald der Erde

Die Insel der Schlangen

Noch etwas Inter­es­san­tes zum Schluss: Die Pazi­fik-Insel Guam gilt als Ort mit der größ­ten Schlan­gen­dich­te auf der Welt. Es gibt des­halb hier inzwi­schen fast kei­ne Vögel mehr. Und da Vögel Pflan­zen­sa­men ver­tei­len, ist nun auch die Vege­ta­ti­on in Gefahr.

Wäh­rend des zwei­ten Welt­krie­ges schlepp­ten Mili­tär­flug­zeu­ge die Brau­ne Nacht­baum­nat­ter aus Neu­gui­nea nach Guam ein. Die­se hat hier kei­ne natür­li­chen Fein­de und ver­brei­tet sich seit­dem explo­si­ons­ar­tig. Da sieht man, was inva­si­ve Arten anrich­ten kön­nen.

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Ich bin promovierter Biologe und Südamerika Referent beim WWF Deutschland. Mein Fokus liegt auf dem Schutz der Habitate, insbesondere des Amazonas Regenwaldes. Hierbei geht es mir vor allem um die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, zumeist Indigene Völker. Wenn wir es schaffen, dass der Wald durch die nachhaltige Nutzung für diese Menschen mehr wert ist als durch andere extraktive Möglichkeiten (Bergbau, Öl; Rinderbeweidung usw.), dann können wir nicht nur den für die Menschheit und unser Klima so wichtigen Regenwald erhalten, sondern schaffen hoffentlich auch auf lange Sicht ein sicheres und würdiges Leben für die lokale Bevölkerung in ihrer angestammten Heimat. Die Schwerpunkte meiner Arbeit liegen bei der Zusammenarbeit mit den Indigenen des Amazonas, Schaffung von lokalen Einkommen durch nachhaltige Nutzung, Artenschutz, In-Wert-Setzung der Wälder (z.B: Indigener REDD+ Vorschlag), Umweltbildung und Ausweisung und Management von neuen Schutzgebieten und Indigenen Territorien.
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