Was tun gegen Wil­de­rei? Es hilft nur ein Rund­um­schlag


Die Wilderei grassiert. In Selous in Tansania hat das die letzten 40 Jahre fast 100.000 Elefanten das Leben gekostet. Um sie zu retten, muss man auch ungewöhnliche Wege gehen.
Dramatisch, nicht nur für Elefanten: Die Wildereikrise. Der Kampf dagegen ist umfassend. © Greg Armfield / WWF

Sie arbei­ten zu jeder Tages- und Nacht­zeit. Sie sind oft tage­lang „im Feld“, über­nach­ten in Hän­ge­mat­ten mit­ten im Dschun­gel. Sie bah­nen sich Wege, wo kei­ne sind – und müs­sen oft genug um ihr Leben fürch­ten. Wild­hü­ter haben einen har­ten und gefähr­li­chen Job. Doch ihre Arbeit ist uner­läss­lich, um die gna­den­los gras­sie­ren­de Wil­de­rei zu bekämp­fen.

Wild­hü­ter — Pro­fes­sio­nell und gut aus­ge­rüs­tet

Rund um den Glo­bus sind die Wild­hü­ter tag­täg­lich im Dschun­gel, in der Savan­ne oder auch auf dem Was­ser unter­wegs. Ganz wich­tig ist hier­bei eine gute Aus­rüs­tung und eine fun­dier­te Aus­bil­dung.
Wir unter­stüt­zen das zum Bei­spiel in der Wild­hü­ter-Schu­le im Selous-Öko­sys­tem in Tan­sa­nia. Aber: Will man Ele­fan­ten, Tiger & Co. wirk­lich vor der Wil­de­rei ret­ten, braucht es noch mehr als Leib­wäch­ter vor Ort.

Kri­mi­nal­tech­nik und Detek­tiv­ar­beit

Die Wil­de­rer im Busch sind viel­leicht skru­pel­los, doch nur das Ende weit­ver­zweig­ter, mafiö­ser Händ­ler­struk­tu­ren! Hier müs­sen wir anset­zen: Der Han­del mit gewil­der­ten Pro­duk­ten – in und über Län­der­gren­zen hin­weg – muss gestoppt wer­den.
So arbei­ten wir oft mit ver­deck­ten Ermitt­ler-Teams oder Infor­man­ten, die der Poli­zei hel­fen, ille­ga­le Wild­tier­pro­duk­te und ihre Händ­ler und Hin­ter­män­ner auf­zu­spü­ren.

Elefantenknochen: Hinter solchen Bildern stecken internationale Netzwerke.
Ele­fan­ten­kno­chen: Hin­ter sol­chen Bil­dern ste­cken inter­na­tio­na­le Netz­wer­ke. © James Mor­gan / WWF

Bei den Ermitt­lun­gen hilft außer­dem der tech­ni­sche Fort­schritt: Mit che­mi­schen Ana­ly­sen kön­nen wir fest­stel­len, woher ein Elfen­bein-Fund kommt und mit Hil­fe von Droh­nen wol­len wir Wil­de­rer fest­set­zen.

Wil­de­rei: Das Pro­blem bei der Wur­zel packen

Wür­de es kei­ne Nach­fra­ge nach Wild­tier­pro­duk­ten wie Elfen­bein, dem Horn von Nas­hör­nern oder Tiger­pe­nis­sen geben, gäbe es die­ses immer mehr Arten bedro­hen­de Pro­blem nicht. Die Redu­zie­rung der Nach­fra­ge nach sol­chen Pro­duk­ten, die vor Ort als frag­wür­di­ge Medi­zin oder Luxus­ob­jek­te gekauft wer­den, ist daher ein ganz zen­tral im Kampf gegen die Wil­de­rei.

Wildereiprodukte: Die Nachfrage reduzieren und die Strafverfolgung verschärfen!
Wil­de­rei­pro­duk­te: Nach­fra­ge redu­zie­ren, vor allem durch Auf­klä­rung und Bil­dung © Jamie Cot­ten / WWF US

In vie­len Län­dern feh­len immer noch effek­ti­ve Geset­ze und wie­der ande­re machen es Schmugg­lern durch löch­ri­ge Kon­trol­len sehr ein­fach, Wild­tier­pro­duk­te ins Land zu brin­gen. Daher ist die Arbeit auf poli­ti­scher Ebe­ne sehr wich­tig, um die Regie­run­gen zum Han­deln zu bewe­gen.

Und noch viel mehr!

Ihr seht: Wil­de­rei ist ein viel­schich­ti­ges The­ma. Will man sie been­den, muss man auf vie­len Ebe­nen ansetz­ten und auch in Berei­chen arbei­ten, die auf den ers­ten Blick nichts mit dem The­ma zu tun haben.
Alter­na­ti­ve Ein­kom­men schaf­fen ist zum Bei­spiel eine Mög­lich­keit, damit Men­schen nicht aus rei­ner Über­le­bens­not zu Wil­de­rern wer­den.

Die Grund­la­ge und Erfolgs­kon­trol­le unse­rer gan­zen Arbeit bil­det das Moni­to­ring: Wenn wir nicht in vie­len Gegen­den die­ser Erde mit enga­gier­ten Wild­hü­tern und Wis­sen­schaflt­lern, mit koope­rie­ren­den Dorf­be­woh­nern und mit immer mehr auto­ma­ti­schen Kame­ra­fal­len die Situa­ti­on erfas­sen wür­den, wüss­ten wir oft gar nicht, wo die Pro­ble­me lie­gen und wo wel­che Tier­be­stän­de dra­ma­tisch ein­bre­chen – oder sich im Erfolgs­fall wie­der erho­len. Nur so kön­nen wir auch erken­nen, wel­che Maß­nah­men wirk­lich Erfolg haben.

Ein fas­zi­nie­ren­des Gebiet: Unse­re Arbeit im Selous

All die­se Din­ge sind auch wich­tig für Selous – ein her­aus­ra­gend schö­nes und wich­ti­ges aber gleich­zei­tig stark bedroh­tes Schutz­ge­biet im Süden Tan­sa­ni­as.

Weltnaturerbe Selous: Besonders bedroht und besonders schützenswert!
Welt­na­tur­er­be Selous: Beson­ders bedroht und beson­ders schüt­zens­wert © Greg Arm­field / WWF

Hier tobt die welt­wei­te Wil­de­rei­kri­se auf Ele­fan­ten beson­ders schlimm – in den letz­ten sechs Jah­ren ist der Ele­fan­ten­be­stand in Selous um mehr als 60 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Zur Ret­tung des UNESCO Welt­na­tur­er­bes unter­stüt­zen wir Wild­hü­ter und ihre Aus­bil­dung, set­zen uns für Schutz­ge­bie­te und Wild­tier­kor­ri­do­re ein, arbei­ten eng mit der loka­len Bevöl­ke­rung zusam­men, klä­ren auf und schaf­fen alter­na­ti­ve Ein­kom­mens­mög­lich­kei­ten.

Außer­dem haben wir eine Peti­ti­on an den Prä­si­den­ten von Tan­sa­nia ins Leben geru­fen, damit alles dafür getan wird, Selous zu schüt­zen. Unter­stützt unse­re Arbeit und unter­schreibt die Peti­ti­on auch!

Save Selous: Peti­ti­on unter­schrei­ben!

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Über mich
Katharina Trump

Als Tierökologin und Referentin für Wildereibekämpfung in Afrika beim WWF Deutschland habe ich für den Kontinent, seine Biodiversität, sowie den Kampf gegen die Wilderei und den illegalen Artenhandel eine ganz besondere Passion – aber auch für viele Schnittpunkte dazu: die Reduktion von Mensch-Wildtier-Konflikten, ländliche Entwicklung und alternative Einkommensgenerierung oder Umwelt- und Bewusstseinsbildung. Einfach alles, was Arten schützt, die Wildnis wild sein lässt und zu einer friedlichen Koexistenz beiträgt.

1 Kommentar

  1. […] lang­sam ent­schärft. Über die Anti-Wil­de­rei-Son­der­ein­heit des tan­sa­ni­schen Prä­si­den­ten und unse­re Arbeit gegen Wil­de­rei haben wir euch schon berich­tet. Jetzt gehen wir im Selous noch einen Schritt […]

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