Kuh der Woche: Der (Tatort-)Kommissar und die Wurst


Tatort-Schauspieler Andreas Hoppe als WWF-Botschafter
Tatort-Schauspieler Andreas Hoppe als WWF-Botschafter © Robert Günther

Die extra-lan­ge Pres­se­schau zum extra-lan­gen Wochen­en­de sieht den Wald vor lau­ter abge­holz­ten Bäu­men nicht. Am Don­ners­tag hat der Club of Rome in Ber­lin das neue Buch von Clau­de Mar­tin, lang­jäh­ri­ger Gene­ral­di­rek­tor des WWF Inter­na­tio­nal, zum Zustand der tro­pi­schen Regen­wäl­der vor­ge­stellt. Fast die Hälf­te der Tro­pen­wäl­der ist dem­nach bereits ver­schwun­den, so Mar­tins War­nungDEUTSCHLANDRADIO KULTUR mach­te dazu ein aus­führ­li­ches Inter­view.

Wald und Gen-Soja

Über die „Axt im Wald“ und den Kahl­schlag welt­weit berich­tet auch mein WWF-Kol­le­ge Jörg-Andre­as Krü­ger in einem Gast­kom­men­tar für die BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG. Vor allem der Anbau von gen­tech­nisch ver­än­der­tem Soja in Süd­ame­ri­ka ver­ur­sacht Wald­ro­dun­gen und der enor­me Pes­ti­zid­ein­satz in den rie­si­gen Mono­kul­tu­ren gefähr­det die bio­lo­gi­sche Viel­falt. Es mutet bei­na­he sur­re­al an, dass in der BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG am sel­ben Tag, auf der sel­ben Kom­men­tar­sei­te Johan­nes Kauf­mann im Leit­ar­ti­kel vor dem „grü­nen Gen-Gespenst“ warnt. Kauf­mann kommt zu dem Schluss: „Und selbst wenn alles stimm­te, was Mon­s­an­to vor­ge­wor­fen wird, so wäre das kein Grund, gleich die gan­ze Tech­no­lo­gie zu ver­bie­ten. Die Risi­ko­de­bat­te ver­schüt­tet die enor­men Chan­cen die­ser Tech­no­lo­gie.“ Gegen­sätz­li­cher kön­nen publi­zier­te Mei­nun­gen auf so engem Raum kaum sein.

Kuh der Woche: Ein Tat­ort-Kom­mis­sar, die Wurst…

Nutz­tier­hal­tung und Fleisch­kon­sum sind auch ohne Gen­tech-Soja mög­lich. Dar­auf habe ich bereits ver­gan­ge­ne Woche hin­ge­wie­sen. Der neue WWF-Ein­kaufs­rat­ge­ber für Fleisch und Wurst war auch Anlass für eine ganz beson­de­re Land­par­tie: Gemein­sam mit Genuss­mensch und WWF-Kam­pa­gnen­bot­schaf­ter Andre­as Hop­pe (TAT­ORT-Kom­mis­sar Mario Kop­per) haben wir mal geschaut, wo eigent­lich das (Bio-)Fleisch her­kommt, das in Ber­li­ner Metz­ge­rei­en und Super­märk­ten über die Laden­the­ke geht. Gelan­det sind wir in einer Glä­ser­nen Flei­sche­rei in der Müritz-Regi­on. Dort durf­te Hop­pe selbst Hand anle­gen und Wurst her­stel­len. Lecker, lecker!

… und jede Men­ge Kühe

Doch jede Wurst hat ein­mal gelebt. Es ist daher nur kon­se­quent, zu schau­en, wo die Schwei­ne und Rin­der, die paniert, gekocht oder gebra­ten auf dem Tel­ler lan­den, eigent­lich mal gestan­den, gefres­sen und geschis­sen haben. Daher ging es nach dem Mit­tag­essen wei­ter zur Bio-Ranch Zem­pow. Dort zeigt Kuh­flüs­te­rer Dr. Schä­kel, dass es kei­ne „blö­den Kühe“ gibt und alles eine Fra­ge der rich­ti­gen Kom­mu­ni­ka­ti­on ist. Die Neu­gier war auf bei­den Sei­ten groß – und der Respekt vor­ein­an­der auch. Wei­te­re Ein­drü­cke von der Land­par­tie gibt es hier. Die mit­ge­reis­te BAMS-Redak­teu­rin hat für Sonn­tag ein aus­führ­li­ches Inter­view mit Foto­stre­cke ange­kün­digt. Wer jetzt schon nach­le­sen will, wie Andre­as Hop­pe zur Fleisch­fra­ge steht, dem emp­feh­le ich sei­nen Gast­kom­men­tar in DER WELT.

Gekrön­tes Gemü­se

Mit dem Abend­brot auf dem (Müritz-)Bauernhof — es gab (natür­lich) Wurst — habe ich mei­ne vom WWF emp­foh­le­ne Wochen­ra­ti­on an Fleisch dann auf­ge­braucht. Die nächs­ten Tage gibt es wie­der Lecke­res aus dem Gemü­se­beet. Glück­li­cher­wei­se ist gera­de Spar­gel-Sai­son. Über den all­jähr­li­chen, typisch deut­schen Spar­gel­wahn las­sen sich Vere­na May­er und Mar­ten Rolff sehr unter­halt­sam in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG aus.

Arten­schutz­re­port 2015

Ansons­ten kann ich jedem gestress­ten (oder auch ent­spann­ten) Groß­städ­ter ans Her­zen legen, die traum­haf­te Müritz-Regi­on und den Natio­nal­park zu besu­chen. Eine der schöns­ten Ecken Deutsch­lands! Hier tum­meln sich auch noch vie­le bedroh­te Arten wie See­ad­ler, Kra­nich, Fisch­ot­ter oder Wolf. Dass es ansons­ten um die Fau­na und Flo­ra in Deutsch­land nicht sehr gut bestellt ist, hat die­se Woche der Arten­schutz-Report 2015 des Bun­des­am­tes für Natur­schutz ver­deut­licht. Nach dem Bericht gel­ten ein Drit­tel aller Tier- und Pflan­zen­ar­ten hier­zu­lan­de als gefähr­det.

Bedroh­te Natur­schät­ze „ums Eck“

Ein wich­ti­ges Instru­ment zum Schutz von bedroh­ter Natur in Deutsch­land und Euro­pa sind die EU-Vogel­schutz- und Fau­na-Flo­ra-Habi­tat (FFH)-Richtlinie. Die dar­in aus­ge­wie­se­nen Area­le bil­den eines der größ­ten Schutz­ge­biets-Netz­wer­ke der Welt. Wie bereits berich­tet, befürch­tet der WWF eine mas­si­ve Locke­rung die­ser Vor­schrif­ten durch die neue EU-Kom­mis­si­on. Daher auch die Kam­pa­gne Natu­re Alert. Das Brüs­se­ler WWF-Büro hat jetzt eine inter­ak­ti­ve Kar­te ver­öf­fent­licht, in der jeder EU-Bür­ger schau­en kann, wel­che öko­lo­gi­schen Schät­ze bei ihm „ums Eck“ ent­deckt wer­den kön­nen – und zugleich auch bedroht sind.

Who­d­u­nit?

Zum Schluss ein TV-Tipp fürs Pfingst­wo­chen­en­de: Eben noch auf der Kuh­wei­de, ermit­telt Andre­as Hop­pe gemein­sam mit Ulri­ke Fol­kerts am Mon­tag­abend schon wie­der in sei­nem neus­ten TATORT: „Room­ser­vice“. Ange­regt durch die Vor­komm­nis­se und Pro­zes­se um den ehe­ma­li­gen IWF-Prä­si­den­ten Domi­ni­que Strauss-Kahn lau­tet wie immer die Fra­ge: Who­d­u­nit?

Vorheriger Beitrag Eisenten zählen an der Ostsee - mit dem Flugzeug
Nächster Beitrag Aus LPG mach Bio: Warum es bei Bauer Brix die Tiere gut haben
Avatar

Über mich
Roland Gramling

Roland Gramling ist Exil-Franke, Frankfurt-Fan und Berlin(West)-Bewohner. Nach dem Online-Journalismus-Studium in Darmstadt wechselte er auf die dunkle Seite der Macht und verkaufte seine Seele an die PR und Pressearbeit. Seit 2008 ist er Pressesprecher beim WWF Deutschland und seitdem auf der Suche nach dem Kuh des Lebens (oder zumindest der Woche). Er findet Pandas süß und Wölfe cool und hält Lady Gaga für die größte Poetin seit Oscar Wilde. Sonntags ist er stets am Tatort und damit grundsätzlich verdächtig. Kurzweilige Desorientierung ist mitunter beabsichtigt aber nie gewollt. Er kann nicht über sich selbst lachen und hält das auch noch für witzig. Fleisch kommt ihm nicht auf den Teller aber gerne mal unters Messer. Für ihn ist das Internet noch total Neuland-mäßig, aber die gedruckte Zeitung schon längst tot. In diesem Sinne: Muuuh!

Kein Kommentar

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.