Pin­gui­ne: Was Du schon immer wis­sen woll­test


Pinguine sind beliebt - und ganz anders, als wir glauben
Pinguine sind beliebt - und ganz anders, als wir glauben © Chris Johnson / WWF-Aus
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Der WWF koope­riert mit der Deut­schen Eis­ho­ckey­li­ga (DEL) und macht sich gemein­sam mit den Sport­lern für den Arten­schutz stark. Im Rah­men des Pro­jekts prä­sen­tie­ren wir Bekann­tes und weni­ger Bekann­tes über die Wap­pen­tie­re der Clubs. Aus die­sem Grund prä­sen­tie­ren wir: den Pin­gu­in!

Man­che mögens heiß — auch bei Pin­gui­nen

Pin­gui­ne leben am Süd­pol, das wis­sen wir schon aus unse­ren ers­ten Kin­der­bü­chern. Das ist prak­tisch, denn so kön­nen sie nicht von Eis­bä­ren gefres­sen wer­den, die bekannt­lich am ande­ren Ende der Welt zuhau­se sind. Das mit den Eis­bä­ren stimmt, aber Pin­gui­ne leben eben längst nicht nur im ewi­gen Eis. Von den 18 heu­te noch leben­den Arten bewoh­nen mehr als die Hälf­te zumin­dest etwas wär­me­re Gefil­de. Zwerg­pin­gui­ne und Gel­bau­gen­pin­gu­in kom­men an der Süd­küs­ten Aus­tra­li­ens und Neu­see­lands vor. Bril­len­pin­gui­ne besie­deln den Süden Afri­kas und Hum­boldt Pin­gui­ne (das Wap­pen­tier der Kre­feld Pin­gui­ne) brü­ten an der West­küs­te Süd­ame­ri­kas. Ihr Ver­brei­tungs­ge­biet reicht fast bis an den Äqua­tor. Eini­ge Exem­pla­re ihrer Ver­wand­ten, die sehr sel­te­nen Gala­pa­gos Pin­gui­ne, haben es sogar noch einen Tick wei­ter gebracht.

Wer frisst Pin­gui­ne?

Eis­bä­ren gibt es dort aller­dings auch kei­ne, wes­halb sich die Pin­gui­ne eher vor See­lö­wen, Schwert­wa­len und Hai­en in Acht neh­men soll­ten. Eini­ge fal­len auch hung­ri­gen Pott­wa­len zum Opfer, die Pin­gui­ne ger­ne mal als klei­ne zwi­schen Mahl­zeit ver­put­zen.

Was Pin­gui­ne fres­sen (und war­um sie häu­fig nichts mehr fin­den)

Ihr größ­ter Feind lau­ert aller­dings nicht in den Tie­fen des Mee­res. Es ist wie so oft der Mensch. Leer gefisch­te Mee­re sind der Grund, war­um vie­le Pin­gui­ne schlicht ver­hun­gern. Die Indus­trie­traw­ler drin­gen selbst in Ant­ark­ti­sche Gewäs­ser vor, um dort Ton­nen­wei­se Krill zu fan­gen, ein Krebs der auch zur Lieb­lings­spei­se der Kai­ser­pin­gui­ne gehört. Der Krill wird spä­ter zu Fisch­öl ver­ar­bei­tet und lan­det unter ande­rem in Ome­ga 3 hal­ti­gen Mit­tel­chen. Der gesund­heit­li­che Nut­zen die­ser Prä­pa­ra­te ist umstrit­ten, aber die explo­die­ren­de Nach­fra­ge nach Krill ist für den Krebs und die Pin­gui­ne extrem unge­sund.

Kai­ser­pin­gui­ne bei der Jagd © Natio­nal Geo­gra­phic Crea­ti­ve / Paul Nick­len / WWF

Not­falls mit Pul­li: Pin­gui­ne sind Über­le­bens­künst­ler

Unge­sund ist auch die zuneh­men­de Mee­res­ver­schmut­zung, nicht nur für Pin­gui­ne. Beson­ders extrem wird es für die Mee­res­be­woh­ner bei einer Ölpest. Meis­tens ist es ein Todes­ur­teil für Vögel, wenn sie nach einer Hava­rie in einem Öltep­pich lan­den. Das ver­schmutz­te Gefie­der ver­liert sei­ne iso­lie­ren­de Wir­kung und die Tie­re ster­ben an Unter­küh­lung. Eine Rei­ni­gung ist meist zweck­los. Bei Pin­gui­nen ist das anders. Ihr kur­zes sehr dich­tes Feder­kleid taugt zwar nicht zum Flie­gen hat aber eine beson­ders gute Iso­lier­wir­kung. Nur so kön­nen sie in den eisi­gen Tem­pe­ra­tu­ren der Ant­ark­tis über­le­ben. Auch den nur 30 Zen­ti­me­ter gro­ßen Exem­pla­ren neu­see­län­di­schen Zwerg­pin­gui­nen half die­ser Effekt, als 2011 nach dem Unter­gang eines Frach­ters ton­nen­wei­se Schwer­öl aus­trat. Die Tie­re wur­den  von Natur­schüt­zern gesäu­bert und über­gangs­wei­se in selbst­ge­strick­te Pull­over gesteckt. Frei­wil­li­ge aus aller Welt strick­ten rund 40.000 Pull­over, um die drol­li­gen Kerl­chen zu ret­ten. Mit Erfolg: Nach­dem man sie gesäu­bert und wie­der auf­ge­päp­pelt hat­te, konn­ten 300 von ihnen wie­der in die Frei­heit ent­las­sen wer­den.

Spreng­stoff und Dün­ger: Gua­no

Irgend­wann im 19. Jahr­hun­derts ent­deck­te man, dass Gua­no, eine Mischung aus Vogel­ka­cke und kalk­hal­ti­gem Gestein, ein extrem guter Dün­ger ist. Ein Stoff, der sich noch dazu zur Spreng­stoff­her­stel­lung eig­ne­te. Ins­be­son­de­re für die Hum­boldt Pin­gui­ne war das kei­ne beson­ders erfreu­li­che Ent­de­ckung. Denn sie gra­ben ihre Brut­höh­len in die Gua­no Abla­ge­run­gen an der süd­ame­ri­ka­ni­schen Küs­te.  Gua­no war zeit­wei­se neben Zucker, Rum und Baum­wol­le eines der wich­tigs­ten Export­gü­ter Süd­ame­ri­kas. Durch den exzes­si­ven Raub­bau ver­lo­ren die Vögel gro­ße Tei­le ihrer Brut­plät­ze, was zwangs­läu­fig zu einem star­ken Rück­gang der Popu­la­ti­on führ­te.

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Rup­pi­ger Sex

Men­schen lie­ben Pin­gui­ne. Die tap­si­gen Vögeln erfreu­en sich unge­wöhn­lich gro­ßer Beliebt­heit als Wer­be­trä­ger, Ver­eins­mas­kott­chen und Lein­wand­stars mit Human-Touch-Fak­tor. Wenn in einem Zoo ein schwu­les Pin­guin­pär­chen ein Ei adop­tiert, fie­bern Zoo­fans mit und bewun­dern die für­sorg­li­chen Vogel­el­tern.  Nicht ganz jugend­frei ist aller­dings das manch­mal ein wenig exzes­si­ve Sexu­al­le­ben der Ade­lie­pin­gui­ne. Weil die Fort­pflan­zungs­zeit wegen der extre­men Wet­ter­be­din­gun­gen extrem kurz ist, sind die Vögel bei der Part­ner­wahl nicht zim­per­lich. Erst­mals beob­ach­tet wur­den das von Charles Levick auf einer Ant­ark­tis­ex­pe­di­ti­on 1911. Nekro­phi­lie und Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen unter den Ade­lies waren dort offen­bar kei­ne Sel­ten­heit. Der eng­li­sche Bio­lo­ge war von sei­nen Beob­ach­tun­gen so geschockt, dass er sei­nen Auf­zeich­nun­gen in Grie­chisch ver­fass­te, damit sie nur für Wis­sen­schaft­ler ver­ständ­lich waren.

Esel Pinguine Rücken an Rücken
Die Schei­dungs­ra­te unter Pin­gui­nen ist hoch — auch bei die­sem Paar Esel­s­pin­gui­ne scheint es Ärger zu geben © Chris John­son / WWF-Aus

Mono­ga­mie ist rela­tiv

All­zu weit her ist es wohl auch nicht mit der oft beschrie­be­nen Treue der Pin­gui­ne. Was im Zoo man­gels Alter­na­ti­ven rela­tiv gut funk­tio­niert, gestal­tet sich in rie­si­gen Kolo­ni­en mit manch­mal meh­re­ren Hun­dert­tau­sen­den Tie­ren doch oft eher schwie­rig. Die Part­ner fin­den sich nach den kur­zen Som­mern zwar wie­der in den Brut­ge­bie­ten ein, ob sich die Part­ner des Vor­jah­res recht­zei­tig wie­der­fin­den ist kei­nes­falls gesi­chert. Die Schei­dungs­ra­te bei Kai­ser­pin­gui­nen schätzt Pin­gu­in Exper­ten Kle­mens Pütz von Jahr zu Jahr auf rund 80 Pro­zent (und damit mehrt als bei uns Men­schen.) Sprich: Lebens­lan­ge Treue ist bei ihnen wohl eher die Aus­nah­me.

Pin­gui­ne am Nord­pol?

Pin­gui­ne am Nord­pol? Obwohl Pin­gui­ne natür­lich zum größ­ten Teil auf der Süd­halb­ku­gel zuhau­se sind, gab es im hohen Nor­den schon mal eine Art Ver­wand­ten: Der Rie­sen­alk, ein 80 Zen­ti­me­ter gro­ßer flug­un­fä­hi­ger Vogel. Er wur­de aller­dings von Wil­de­rern aus­ge­rot­tet, bevor die Bio­lo­gen  sei­ne Vet­tern im Süden über­haupt ent­deckt und beschrie­ben hat­ten. Aber immer­hin als Tauf­pa­te stand er noch zur Ver­fü­gung. Auf Latei­nisch heißt der Rie­sen­alk (Pin­gui­nus impen­nis).

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Joern Ehlers

Gibt seit 17 Jahren dem Panda eine Stimme und erzählt gerne mal was vom Pferd. z.B. @JoernEhlers

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