Ama­zo­nas Regen­wäl­der als Opfer­ga­be für die Berg­bau-Lob­by


Amazonas regenwald gespiegelt mit bergbau
Was zu befürchten ist © Mark Edwards / Greg Armfield / WWF

Die kon­ser­va­ti­ve bra­si­lia­ni­sche Regie­rung will rie­si­ge Schutz­ge­bie­te am Ama­zo­nas der Berg­bau-Indus­trie opfern.

Es macht mich nicht weni­ger wütend, weil es zu befürch­ten war: Die kon­ser­va­ti­ve bra­si­lia­ni­sche Regie­rung von Prä­si­dent Michel Temer steht der Agrar- und Berg­bau­in­dus­trie nahe.  Jetzt will sie den Schutz gro­ßer Flä­chen des Ama­zo­nas-Regen­wal­des auf­he­ben. Ins­ge­samt geht es um fünf Gebie­te von rund einer Mil­li­on Hekt­ar Flä­che. Das ist vier­mal so groß wie das Saar­land. Mit die­sem Geset­zes­vor­ha­ben zeigt die Regie­rung Temer, dass sie vor allem die kurz­fris­ti­gen Pro­fi­te der Indus­trie im Sinn hat.

Die Regie­rung will Schutz­ge­bie­te ver­klei­nern und auf­lö­sen

Die Schutz­ge­bie­te Mani­co­ré, Uru­pa­di, Ari­pu­anã sowie den Natio­nal­park Aca­ri sol­len ver­klei­nert wer­den. Zudem soll das Schutz­ge­biet Cam­pos de Mani­co­ré voll­stän­dig ver­schwin­den. Die Plä­ne sind ein Gene­ral­an­griff auf den Ama­zo­nas. Die fünf Schutz­ge­bie­te lie­gen im Süden des Ama­zo­nas im gleich­na­mi­gen Bun­des­staat. Sie wur­den im August 2016 von der dama­li­gen Prä­si­den­tin Dil­ma Rouss­eff kurz vor ihrer Amts­ent­he­bung unter Schutz gestellt. Sie soll­ten als Schutz­wall gegen die fort­schrei­ten­de Ent­wal­dung ent­lang der Stra­ße Tran­s­ama­zo­ni­ca  die­nen, wel­che den Ama­zo­nas durch­zieht.

regenwälder am Amzonas: Hier in diesen Schutzgebieten soll abgeholzt werden dürfen
Um die­se Gebie­te geht es © WWF Bra­si­li­en

Dort, wo die Roh­stof­fe sind

Natür­lich soll genau dort abge­holzt wer­den, wo Roh­stof­fe lie­gen: Die Flä­chen decken sich fast kom­plett mit den För­der-Anträ­gen der Berg­bau­in­dus­trie. Die Berg­bau­in­dus­trie ent­wi­ckelt sich mehr und mehr zu einer der größ­ten Bedro­hun­gen für den süd­ame­ri­ka­ni­schen Regen­wald und deren Bewoh­ner. Auch für den Berg­bau schwin­den Bra­si­li­ens Wäl­der. In die­sen Fäl­len geht es um Gold, Edel­stei­ne und Niob.

Die Fol­gen des Gold­rauschs am Ama­zo­nas

Beim Berg­bau dro­hen nicht nur wert­vol­ler Wäl­der für die Minen direkt ver­lo­ren zu gehen. Es geht auch nicht nur um die dro­hen­de Ver­seu­chung von Boden und Gewäs­sern. Zur Gewin­nung von Boden­schät­zen braucht Bra­si­li­en sehr viel Ener­gie. Die soll beson­ders durch den Bau mons­trö­ser neu­er Was­ser­kraft­wer­ke erzeugt wer­den. Bis 2022 will Bra­si­li­en mehr als 400 Mil­li­ar­den Euro in die Ener­gie­ge­win­nung ste­cken. Allei­ne der Was­ser­kraft­an­teil aus dem Ama­zo­nas­be­cken soll um rund 150 Pro­zent gestei­gert wer­den.

Die Fol­gen des dro­hen­den Gold­rau­sches sind noch gar nicht abzu­schät­zen. Auch des­halb, weil vie­les im Gehei­men abläuft und noch schwer zu durch­schau­en ist.Wir kämp­fen seit vie­len Jah­ren gegen die Auf­lö­sung oder Ver­klei­ne­rung von Schutz­ge­bie­ten. Für den Wald, sei­ne Bewoh­ner, für uns. Unter­stüt­ze uns dabei!

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Über mich
Roberto Maldonado

Ich bin Diplom-Forstwirt und Südamerika-Referent beim WWF Deutschland - mit 15 Jahren Berufserfahrung in Lateinamerika und Afrika. Mindestens genauso lange arbeite ich auch schon für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes. Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Ausweisung, der Schutz und die Finanzierung von Schutzgebieten, die Anpassung an den Klimawandel, die Bekämpfung der Entwaldung durch Vieh- Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte - und die Planung und Durchführung von umweltpolitischen Kampagnen.

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