Nutz­tie­re im Revier des Schnee­leo­par­den


Schneeleopard von der Seite, nah, in verschneitem Gebirge der Mongolei
Der Lebensraum des Schneeleoparden wird immer kleiner. © naturepl.com, Reinhard Arco, WWF

Tag 5 unse­rer Expe­di­ti­on zum Schnee­leo­par­den ganz im Wes­ten der Mon­go­lei:
Der Ofen in unse­rem Ger — dem Noma­den­zelt — wird ein­mal am Tag, meist am frü­hen Abend, kräf­tig mit getrock­ne­tem Dung gefüllt und zum Glü­hen gebracht. Dann hat es innen gut und ger­ne 40 Grad, egal wie kalt es ist. Danach wird es suk­zes­si­ve käl­ter. Wir gehen also abends nur leicht zuge­deckt schla­fen, wer­den aber nachts mehr­fach frös­telnd gezwun­gen eine Lage Kamel­haar­de­cke nach­zu­le­gen. Und noch eine. Bis mor­gens nur noch die kal­te Nase her­aus­guckt.

Weiße Rundzelte, Bilderbuch Mongolei: Unsere Gers in der mongolischen Weite. In der Heimat des Schneeleoparden.
Wei­ße Rund­zel­te: Unse­re Gers in der mon­go­li­schen Wei­te. © Oli­ver Sam­son, WWF

Mon­go­len unter­tei­len die Win­ter­käl­te in neun Kate­go­ri­en

Die ers­te: Wenn der Stu­ten­milch­schnaps gefriert. Die schlimms­te: Wenn einem Yak der Schwanz abfällt. So weit ist es noch lan­ge nicht. Es ist son­nig und kalt, wenig Schnee. Hier fal­len pro Jahr ohne­hin nur 200 Mil­li­me­ter Regen. Wir West­ler sind alle schich­ten­wei­se ein­ge­packt und völ­lig ok, solan­ge wir in Bewe­gung sind, idea­ler­wei­se in der Son­ne. Rich­tig böse ist der Wind. Den fürch­ten auch die Mon­go­len. Und so trei­ben vie­le Hir­ten im Win­ter ihre Tie­re in die Ber­ge hin­ein, in der Hoff­nung dort an einem wind­ge­schütz­ten Ort bes­ser zu über­win­tern.

Ärger im Revier

Scha­fe, Pfer­de, Zie­gen – leich­te Beu­te im Revier des Schnee­leo­par­den. Im Win­ter stei­gen dadurch die Fäl­le der geris­se­nen Nutz­tie­re. Die Hir­ten wol­len sich nur zu oft am Schnee­leo­par­den rächen, indem sie ihre (ver­bo­te­nen) Mur­mel­tier-Fal­len auf­stel­len. Die­se schla­gen dem Leo­par­den leicht ein Bein ab. Die Kol­le­gen zei­gen uns schlim­me Bil­der.

Herde mitten im Nationalpark: Konflikte sind in der Mongolei vorprogrammiert. © Oliver Samson, WWF
Her­de mit­ten im Natio­nal­park: Kon­flik­te sind vor­pro­gram­miert. © Oli­ver Sam­son, WWF

Hier im Natio­nal­park Khar Us Nuur dür­fen die Hir­ten ihre Tie­re nicht wei­den, trotz­dem sehen wir fast täg­lich Her­den. Hun­der­te Tie­re, dar­un­ter vie­le Zie­gen. Die­se gel­ten als beson­ders schäd­lich, weil sie nicht knab­bern, son­dern die gan­ze Pflan­ze mit der Wur­zel aus dem Boden zie­hen. Wo vie­le Zie­gen waren, da wächst nichts mehr.

Wüstenbildung im Nationalpark Khar Us Nuur in der Mongolei: Eine große Gefahr bei zu vielen Nutztieren auf karger Vegetation. © Oliver Samson, WWF
Wüs­ten­bil­dung im Natio­nal­park: Eine gro­ße Gefahr bei zu vie­len Nutz­tie­ren auf kar­ger Vege­ta­ti­on. © Oli­ver Sam­son, WWF

Die Hir­ten sehen es als ihr Natur­recht an prin­zi­pi­ell über­all zu wei­den. Kon­trol­lie­ren dür­fen WWF-Ran­ger nicht, das ist Sache des Staa­tes. Der WWF muss also über­zeu­gen, um vor­an zu kom­men. Ein Punkt, an dem das Schnee­leo­par­den­pro­gramm des WWF Mon­go­lei ansetzt: Die Hir­ten dazu brin­gen, ihre Her­den nicht in die Revie­re der Schnee­leo­par­den zu trei­ben. Genau dafür brau­chen wir Daten von den Satel­li­ten­hals­bän­dern — denn bis­her wis­sen wir nicht genau, was die Haupt­streif­ge­bie­te der Schnee­leo­par­den sind.

Schnee­leo­pard in der Nähe!

Abends gro­ße Auf­re­gung: Weni­ge Kilo­me­ter süd­lich hat ein Schnee­leo­pard ein Schaf geris­sen. Der Hir­te hat den WWF ange­ru­fen, was uns über­rascht und die Kol­le­gen freut. Als wir dort in der Dun­kel­heit ankom­men ist der Schnee­leo­pard natür­lich nicht zu sehen. Die Mon­go­len wis­sen aber, dass das Tier häu­fig zu sei­nem Riss zurück­kehrt. Sie bau­en eine Fal­le auf, viel­leicht klappt es ja hier. Beson­ders opti­mis­tisch sind sie nicht. Der Schnee­leo­pard ist schlau. Wir sehen ihn nicht, er sieht aber alles. Das glaubt hier jeder.

Natur­fo­to­graf Thors­ten über­nach­tet bei den Hir­ten. Er glaubt an die Chan­ce auf sein Foto am frü­hen Mor­gen.

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Über mich
Oliver Samson

Journalist und jetzt Redakteur beim Panda - weil unverändert überzeugt, dass wir Menschen es besser hinkriegen können. Noch immer optimistisch mit guten Vorsätzen.

2 Kommentare

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    renate pöhlmann
    19. November 2015
    Antworten

    Hal­lo Herr Sam­son,
    wei­ter oben im Kom­men­tar schrei­ben Sie, dass sol­che Fal­len den Tie­ren die Bei­ne abschla­gen. In einer solch grau­sa­men Fal­le wur­de dann der arme Leo­pard gefan­gen?
    Der WWF erlaubt und unter­stützt also solch schmerz­haf­te Ver­let­zun­gen beim Fang? Wider­lich! Selbst Seil­zug­fal­len fügen den Tie­ren furcht­ba­re Ver­let­zun­gen zu. Sie rei­ßen sich beim Ver­such zu flie­hen oft die Glie­der ab. Fin­den das die Bio­lo­gen vom WWF gut?
    Ich dach­te die wol­len Tie­re vor Lei­den beschüt­zen?

    • Avatar
      19. November 2015
      Antworten

      Hal­lo, ich schrei­be in dem Bei­trag von Mur­mel­tier­fal­len, die Schnee­leo­par­den tat­säch­lich schwer ver­letz­ten kön­nen. Die Mur­mel­tier­jagd war in der Mon­go­lei sehr popu­lär, ist inzwi­schen aber ver­bo­ten. Trotz­dem gibt es noch vie­le von die­sen Fal­len. Der WWF Mon­go­lei hat schon hun­der­te die­ser Fal­len ein­ge­sam­melt und ver­nich­tet, Schul­kin­der haben auch eine Initi­tai­ve gestar­tet, bei der die­se Fal­len gegen ein­fa­che Haus­halts­ge­gen­stän­de ein­ge­tauscht wer­den kön­nen.
      Die Bio­lo­gen des WWF Mon­go­lei benut­zen hin­ge­gen so genann­te Ald­rich-Fal­len. Die­se haben sich für das Fan­gen des Schnee­leo­par­den bei den extre­men Bedin­gun­gen im Gebir­ge der West­mon­go­lei als die bes­te Opti­on erwie­sen, wie mir ver­si­chert wur­de. Die Gefahr einer Ver­let­zung ist beim Fan­gen eines Wild­tie­res sicher­lich nie völ­lig aus­zu­schlie­ßen. Man kann aber Vor­sichts­maß­nah­men tref­fen. Die Besen­de­rung des Schnee­leo­par­den durch den WWF Mon­go­lei fand natür­lich unter vete­ri­när­me­di­zi­ni­scher Über­wa­chung und Ver­sor­gung statt.
      Den bis­her vom WWF Mon­go­lei gefan­ge­nen Schnee­leo­par­den scheint die Besen­de­rung jeden­falls nicht gescha­det zu haben — die Satel­li­ten­da­ten zei­gen den zu erwar­ten­den, gro­ßen Bewe­gungs­ra­di­us. Und ein besen­der­ter weib­li­cher Schnee­leo­pard hat sich seit­dem auch schon nach­weis­lich ver­mehrt.
      Lie­ben Gruß!

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