Neue Luchse für den Pfälzerwald


Luchsauswilderung im Pfälzerwald, Screenshot

Das gehört wirklich zu den schönen Momenten meiner Arbeit! Am Samstag konnten im Pfälzerwald drei Luchse freigelassen werden. Kaja, Luna und Lucky sind Luchswaisen aus der Slowakei. Im Video seht ihr, wie die Luchse nach einer zehnstündigen Autofahrt in der Nähe von Waldleiningen in die Freiheit entlassen werden.

Die Luchswaisen Kaja, Luna und Lucky

Neugierig und zielstrebig haben die drei Luchse die Boxen verlassen, in denen sie transportiert wurden und sind dann gleich im Wald verschwunden. Die weiblichen Tiere Kaja und Luna sind drei und fünf Jahre alt, Kuder Lucky ein Jahr.

Neugierig auf die neue Heimat: Luchs wird im Pfälzerwald ausgewildert. Noch ist er in seiner Transportbox und guckt neugierig hinaus.
Neugierig auf die neue Heimat © Stiftung Natur und Umwelt RLP / Martin Greve

Alle drei wurden in der Slowakei als Luchswaisen ohne Mutter aufgegriffen und im Zoo Bojnice wieder aufgepäppelt. Ihre Namen haben sie übrigens von Grundschulkindern bekommen, die ein Bildungsprojekt zum Thema Luchse gemacht haben.

Jedes der ausgesetzten Tiere trägt ein GPS-Halsband, um ihre Aufenthaltsorte verfolgen zu können und genaueres über die Lebensweise der scheuen Waldbewohner herauszufinden.

Luchs-Babys im nächsten Jahr?

Jetzt heißt es geduldig abwarten und beobachten. In den nächsten Wochen und Monaten sollten sich die drei im Pfälzerwald einleben, eigene Beute machen und – das ist die große Hoffnung – mit Beginn der nächsten Fortpflanzungszeit Anfang nächsten Jahres für Nachwuchs sorgen.
Die Reviergrößen von Luchsen liegen in etwa zwischen 100 und 400 Quadratkilometern. Im Pfälzerwald könnten im Verbund mit den gesamten Vogesen (5232 km²) bis zu 100 Luchse leben.

Die schwierige Rückkehr der Luchse nach Deutschland

Ich wünsche mir, dass irgendwann in allen großen Wäldern bei uns wieder Luchse leben. Da gehören sie hin, es ist auch ihre Heimat und sie fördern einen gesunden Wildtierbestand.
Doch im Gegensatz zu Wölfen, die auch weit entfernte Lebensräume erschließen, wird das Ausbreitungs-verhalten von Luchsen als konservativ bezeichnet. Luchse gründen in der Regel nur dort ein eigenes Revier, wo auch andere Artgenossen vorkommen. Deshalb stammen alle Luchse, die heute wieder bei uns in Deutschland leben – und das sind nur etwa 60 bis 80 Tiere – aus Wiederansiedelungsprojekten.
Doch nicht überall ist der heimliche Waldbewohner gerne gesehen. Im Bayerischen Wald zum Beispiel gefährden illegale Tötungen das dauerhafte Überleben der Luchse.

Drei Transportkisten mit Luchsen darin stehen nebeneinander auf dem Boden, dahinter warten die Experten schon darauf, sie zu öffnen. Begleitet von Fotografen, denn es ist ein großer Moment: Sie Luchsauswilderung im Pfälzerwald.
Großer Moment: Luchsauswilderung im Pfälzerwald. © Stiftung Natur und Umwelt RLP / Martin Greve

Neue Heimat Pfälzerwald

Der Pfälzerwald ist ideal für Luchse! Es ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Deutschland. Hier gibt es Felsen und viel Unterholz, genau wie Luchse es lieben – und verhältnismäßig wenig Straßen, die ihnen gefährlich werden können.
In den nächsten fünf Jahren sollen im Pfälzerwald insgesamt 20 Luchse aus der Slowakei und der Schweiz freigelassen werden! Der WWF beteiligt sich an diesem von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz geleiteten Projekt. Denn ein ganzes Bündel an Maßnahmen soll sicherstellen, dass die Luchse dauerhaft im Pfälzerwald eine Heimat finden und eines Tages hoffentlich Teil einer zusammenhängenden und vernetzten mitteleuropäischen Luchspopulation von Tschechien bis in die Vogesen und in die Alpen werden.

Endlich in Freiheit: GPS-besenderter Luchs rennt los, nachdem er aus der Transportbox gelassen wurde: Luchs-Auswilderung im Pfälzerwald.
Endlich in Freiheit! Sind Luchse nicht wunderschön?! © Stiftung Natur und Umwelt RLP / Martin Greve
Von Luchsen geht übrigens keine Gefahr für uns Menschen aus: Es sind keine Fälle bekannt, in denen Luchse Menschen angegriffen oder sogar verletzt hätten.

Zu den Maßnahmen gehören Bildungsprojekte, wissenschaftliche Untersuchungen und ein Luchs-Parlament. Auch ein Luchs-Managementplan wurde bereits verabschiedet: Sollte ein Luchs beispielsweise einmal ein Schaf reißen, bekommt der Tierhalter den Schaden ersetzt. Die Klärung solcher Fragen ist absolut notwendig, damit das neue Nebeneinander von Luchs und Mensch gelingt!
Das Projekt LIFE Luchs Pfälzer Wald wird durch Mittel des europäischen Förderprogramms LIFE Natur unterstützt.

Und nun drücke ich Kaja, Luna und Lucky alle meine Daumen, dass sie sich gut einleben und – das wäre das Größte! – nächstes Jahr sogar Kinder in den Wald setzen.

Mehr tun? Werdet Luchs-Pate!
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Über den Autor
Moritz Klose

Ich bin Wildtierreferent beim WWF und beschäftige ich mich vor allem mit den großen heimischen Säugetieren, die bei uns einstmals ausgerottet waren, jetzt aber wieder zurückkehren! Der WWF möchte dazu beitragen, dass Wolf, Luchs & Co. hier wieder eine Heimat finden. Auch persönlich bin ich oft im Wald unterwegs, mache mich auf Spurensuche und erfreue mich an naturnahen Wäldern, wo der Mensch die Natur Natur sein lässt.

8 Kommentare

  1. Christian
    2. August 2016
    Antworten

    Hallo,
    Super Aktion….wunderschöne anmütige katzen! Da ich oft wandern gehe im Pfälzerwald , hoffe ich mal so einer Katze zu begegnen, auch wenn die Chance wohl eher gering ist! Ich würde gerne mal an so einem Projekt mitmachen , besteht denn da eine Möglichkeit.
    Gruß
    Christian

  2. 2. August 2016
    Antworten

    Hallo Christian,

    danke für dein Interesse. Bei einem Wiederansiedelungsprojekt einfach so mitmachen geht leider nicht. Allerdings gibt es in Rheinland-Pfalz Luchsberater, die Hinweise auf Luchse in ihrer Region sammeln. Vielleicht kannst Du ja bei einem Luchsberater mal mitgehen, oder dein Interesse für die Ausbildung bekunden: http://www.wald-rlp.de/fileadmin/website/fawfseiten/fawf/downloads/Abteilungen/E/Faltblatt_2013.pdf

    Viele Grüße,
    Moritz

  3. Frank Topp
    3. August 2016
    Antworten

    Glückwunsch zu der gelungenen Aktion. Ist der Kuder nicht ein bisschen zu jung um schon im nächsten Frühjahr für Nachwuchs zu sorgen?

  4. 4. August 2016
    Antworten

    Hallo Frank, in der Tat pflanzen sich Kuder meistens erst in ihrem dritten Winter fort, Luchsweibchen dagegen schon mit zwei Jahren. Wir warten geduldig und gespannt!

  5. Kiefer Mathilde
    5. August 2016
    Antworten

    Ich habe im März 2014 im Pfälzerwald nahe Ludwigswinkel einen ausgewachsenen Luchs gesehen, der im Dunklen die Straße überquerte. Ich habe es direkt gemeldet und später auch mit dem Luchsberater gesprochen. Mich würde jetzt interessieren, ob dieser Luchs danach nochmal gesichtet wurde. Denn dann waren zumindest ja 2014 erwachsene Tiere da.

    • 8. August 2016
      Antworten

      Hallo Mathilde! Der letzte gesicherte Nachweis eines Luchses in Rheinland-Pfalz stammt aus dem Jahr 2009. Dabei handelte es sich entweder um einen Luchs aus den Vogesen oder um ein entwichenes Zootier. Auf der Website der Landesforsten Rheinland-Pfalz kannst Du Dir alle Luchshinweise ansehen: http://komma.aspdienste.de/index.php/geotool/beobachtungen-ansehen
      Als sicherer Nachweis eines Luchses gelten nur „harte Fakten“ wie Foto, Genetik oder Totfund. Deine Sichtungsmeldung sollte aber auf der Karte verzeichnet sein. Viele Grüße, Moritz

  6. Natalie
    22. August 2016
    Antworten

    Hallo 🙂 freut mich sehr!

    Aber..stört den Luchs dieser große GPS-Sender nicht? Ist es heutzutage vllt möglich ein etwas kleineres Gerät anzubringen oder wie einen chip (zb wie bei Katzen) unter die Haut zu spritzen?

    • 23. August 2016
      Antworten

      Hallo Natalie,
      der Sender wiegt ca. 300 Gramm und somit nur rund 2% des Körpergewichts des Luchses. Natürlich versucht man, die Sender möglichst klein und leicht zu gestalten, aber insbesondere die Batterie wiegt doch einiges. Man möchte gern etwas über den Aufenthaltsort der Tiere erfahren, das ist über einen einfachen Chip nicht möglich.

      Nach zwei Jahren fallen die Sender allerdings automatisch ab!
      Lieben Gruß

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