Nepal: Die Frau, ohne die alles anders wäre


Frauen in Nepal: Maya Yogi
Maya Yogi an einem Grenzpfosten zwischen Indien und Nepal im Khata -Korridor © Narendra Shrestha / WWF Nepal

Frau­en for future

Natur­schutz ist kei­ne Män­ner­sa­che, im Gegen­teil. Nicht nur die Kli­ma­pro­tes­te sind vor allem weib­lich. Über­all auf der Welt sind uns gran­dio­se Frau­en begeg­net, die unse­re Arbeit ent­schei­dend prä­gen. In den Com­mu­ni­ties, als Forscher:innen, bei den Eco Guards und und und. Wir möch­ten hier eini­ge vor­stel­len, die wir ein­fach nur bewun­dern kön­nen. #frau­en­for­fu­ture

Maya Yogi wur­de mit dem Tod bedroht, als sie anfing für den Natur­schutz zu arbei­ten. Schließ­lich war sogar ein Preis auf ihren Kopf aus­ge­setzt. 50.000 Rupi­en, eine Men­ge Geld hier im Grenz­ge­biet von Indi­en und Nepal. Vie­les hat sich im soge­nann­ten Khata-Kor­ri­dor ver­än­dert. Und das hat ganz viel mit Maya Yogi zu tun.

Tiger lie­ben die­se Wäl­der. Ele­fan­ten brau­chen sie zum Wan­dern, zum Über­le­ben: Im Khata-Kor­ri­dor ste­hen präch­ti­ge Wäl­der aus Sal­bäu­men. „Vor zwan­zig Jah­ren war hier nur ein ein­zi­ges Fleck­chen von 115 Hekt­ar“, erin­nert sich Maya Yogi. Der Bedarf nach Brenn­holz, Acker­flä­chen und das unkon­trol­lier­tes Wei­den von Rin­dern hat­ten nicht mehr Wald übrig gelassen.

Starke Frauen: Mädchen im Gemeindewald, Khata Korridor, Nepal
Mäd­chen im Gemein­de­wald, Khata Kor­ri­dor © Emma­nu­el Ron­deau / WWF US

Heu­te sind aus die­sem Fleck­chen 3.800 Hekt­ar intak­ter Wald gewor­den. Der Khata-Kor­ri­dor ist wie­der die Hei­mat von einem Dut­zend Tigern, die frei zwi­schen den Wäl­dern Nepals und Indi­ens umher­strei­fen. Und Maya ist eine Legen­de. Jeder hier in den Dör­fern kennt sie. Jeder kennt die Geschich­te, wie sie Khata veränderte.

Die Men­schen hat­ten Angst

Vor zwan­zig Jah­ren war in Nepal alles anders. Als Maya Yogi 2001 zum ers­ten Mal nach Khata kam, wuss­ten Umweltschützer:innen um das enor­me Poten­zi­al als Wald­kor­ri­dor im sub­tro­pisch hei­ßen Tief­land am Fuße des mäch­ti­gen Hima­la­yas. Irgend­wann soll­te es den Bar­dia-Natio­nal­park mit dem indi­schen Kater­niag­hat-Wild­schutz­ge­biet ver­bin­den. Die Men­schen in den Dör­fern hat­ten aber schlicht Angst. Dass ihr Land zu Natio­nal­park wer­den könn­te, in dem wil­de Tie­re in ihre Dör­fer wan­dern, Eigen­tum zer­stö­ren, Vieh rei­ßen und sogar Men­schen töten.

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Frauen in Nepal: Maya Yogi vor der Saftfrabrik im Khata Korridor
Alter­na­ti­ve Ein­kom­men: Maya Yogi vor der Saft­pres­se im Khata Kor­ri­dor © James Mor­gan / WWF US

Maya soll­te ermor­det werden

Für Maya waren die ers­te Schrit­te die Schwie­rigs­ten. Ihre Ideen waren extrem unbe­liebt. Maya wuss­te, dass die Situa­ti­on aus dem Ruder lief, als ihr Name in den Zei­tun­gen stand. Dort wur­de sie als Per­son gebrand­markt, die die Har­mo­nie der Gemein­schaft stö­ren wür­de. Maya erfuhr von Men­schen, die ihre Ermor­dung planten.

Wie man Men­schen über­zeugt, dass sie Wäl­der schützen

Doch Mayas Ziel war unver­rück­bar: Khata braucht sei­ne Wäl­der. Die Tie­re brau­chen sie und die Men­schen. Schritt für Schritt, Gespräch für Gespräch gelang es ihr zu über­zeu­gen. Natur­schutz muss sich auf die Men­schen kon­zen­trie­ren, dar­an glaubt sie mehr denn je. „Hät­te ich ihnen gesagt, dass die Wäl­der für Tiger und Ele­fan­ten gebraucht wer­den, wäre das nie akzep­tiert wor­den“, sagt sie heu­te. „Aber als ich ihnen klar mach­te, dass die Wäl­der von den Gemein­den selbst nach­hal­tig bewirt­schaf­tet wer­den müs­sen, damit sie den Men­schen zugu­te kom­men – da began­nen sie zu sehen, wie wert­voll unse­re Bemü­hun­gen sind.“

Starkew Frau: Maya Yogi mit Dorfbewohnern in Khata
Es geht nur mit den Men­schen, weiß Maya Yogi © Akash Babu Shrestha/WWF Nepal

Ein Hoch­zeits­fest für den Tiger

Die Jah­re ver­gin­gen. Die Auf­fors­tun­gen in Khata kamen lang­sam in Schwung. Neue Flä­chen wur­den zuge­teilt. Es bil­de­ten sich Plä­ne, um die­se als Gemein­schafts­wald zu ver­wal­ten. Das Land erwach­te mit den ers­ten Sich­tun­gen von Wild­tie­ren zum Leben. Als ein Tiger mit Jun­gen von den Kame­ra­fal­len fest­ge­hal­ten wur­de, ver­an­stal­te­te Maya ein Fest, groß wie eine nepa­le­si­sche Hoch­zeit. Mit Tanz und Zie­gen­fleisch. Eine gro­ße Sache. Davon erzählt man hier noch immer.

Tiger im Khata Korridor, Nepal
Tiger im Khata Kor­ri­dor © Emma­nu­el Ron­deau / WWF US

Das Kopf­geld der Wilderer

Doch dann stell­te sich eine neue Her­aus­for­de­rung: die Wil­de­rei. Das war zum Höhe­punkt des nepa­le­si­schen Bür­ger­krie­ges. Die Armee war mehr als genug mit den mao­is­ti­schen Gue­ril­las beschäf­tigt. Zum Schutz der Wild­tie­re gab es kei­ne Ein­satz­kräf­te mehr. Die Wil­de­rei blüh­te. Tiger, Ele­fan­ten, Nas­hör­ner, alles wur­de aus dem Wald geschossen.

Kugeln für den Tiger — oder sie

Khata war da kei­ne Aus­nah­me. Für die loka­len Wil­de­rer wur­de Maya zum Feind. Sie zeig­ten ihr Kugeln. Die Bot­schaft: Ent­we­der sie wür­den damit Tie­re erle­gen oder eben Maya töten. Sie setz­ten sogar ein Kopf­geld auf sie aus. Fünf­zig­tau­send Rupi­en, ein klei­nes Vermögen.

Maya flüch­te­te in die Wäl­der. Sie fürch­te­te um ihr Leben, wenn sie es wag­te, im Dorf zu schla­fen. Eines Tages hat­te sie schließ­lich genug. Mit der Unter­stüt­zung von Leu­ten aus der Gemein­de wehr­te sie sich tat­säch­lich gegen die Wil­de­rer. Es gelang ihr sie ver­haf­ten zu las­sen. Sie kamen dort­hin, wo sie hin­ge­hör­ten – ins Gefängnis.

Khata lebt

2006 war der Bür­ger­krieg end­lich Geschich­te. Seit­dem geht es mit Nepal und dem Natur­schutz lang­sam, aber ste­tig berg­auf. Im Khata-Kor­ri­dor gibt es jetzt über 70 Gemein­de­wäl­der, die von Dorf­ge­mein­schaf­ten ver­wal­tet wer­den. Mehr als 9.000 Haus­hal­te sind betei­ligt. Pro­gram­me mit Bio­gas, einen sau­be­ren Brenn­stoff aus Dung, senk­ten den Bedarf nach Brenn­holz. Das ver­rin­ger­te den Druck auf die Wälder.

Frauen in Nepal: Maya Yogi mit Rettichen im khata Korridor
Auch das noch: Maya Yogi in ihrer Gärt­ne­rei, wo nach­hal­ti­ger Gemü­se­an­bau gelehrt wird © Kath­rin Sam­son / WWF

Die Tie­re kom­men zurück, der Tou­ris­mus erlebt einen sanf­ten Auf­schwung. Alter­na­ti­ve Ein­kom­mens­quel­len wie Homestay-Tou­ris­mus oder die Her­stel­lung von Mar­me­los-Saft wur­den für die Men­schen geschaf­fen.  Kom­mu­na­le Anti-Wil­de­rer-Ein­hei­ten, Wald­kom­mi­tees und Bil­dungs­pro­gram­me ver­an­kern den Natur­schutz tief in den Gemein­den. Und Maya ist in ihren Dör­fern, in ihrem Khata-Kor­ri­dor eine hoch­ge­ach­te­te Persönlichkeit.

Die täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen neh­men damit aber kein Ende. Erst heu­te Nacht half sie ein Reh aus dem Kanal zu zie­hen. Sie küm­mert sich um die Sor­gen der Bau­ern, etwa wenn die Ele­fan­ten die Ern­te zer­tram­peln, wenn mal wie­der einen Zie­ge geris­sen wur­de. Da ist immer noch die stän­dig gegen­wär­ti­ge Bedro­hung durch Wil­de­rei. Maya, die Men­schen, die Tie­re, der Wald und der Khata-Kor­ri­dor, die­se Geschich­te ist noch längst nicht zu Ende.

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