Auf zu neu­en Ufern — Feld­ein­satz im Natio­nal­park Unte­res Oder­tal


Blick auf den Sommerdeich entlang der Oder © Arite Hildebrandt
Blick auf den Sommerdeich entlang der Oder © Arite Hildebrandt

Folgt uns durchs Trai­nee­jahr!

Wer­det Natur­schutz­pro­fi“, kün­dig­ten der WWF Deutsch­land und die Alli­anz Umwelt­stif­tung in einer Stel­len­aus­schrei­bung für eine neue Aus­bil­dung im Natur­schutz an. Ein ein­jäh­ri­ges Pro­gramm soll Trai­nees deutsch­land­weit an Manage­ment­auf­ga­ben in Natur- und Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen her­an­füh­ren. Im Okto­ber 2017 sind wir gestar­tet. Wir, das sind Ari­te, Anne, Flo­ri­an, Nata­lie und Nina – ver­teilt auf fünf Ein­satz­stel­len von Rügen bis Weil­heim.

Damit Ihr über die Höhen und Tie­fen unse­rer Erfah­run­gen auf dem Lau­fen­den bleibt, mel­den wir uns jeden Monat bei Euch und berich­ten von unse­ren Pro­jek­ten. Wir hof­fen, Euch mit unse­rer Begeis­te­rung anste­cken zu kön­nen!

Nach­dem ihr die Ein­satz­stel­len aller aktu­el­len Natur­schutz-Trai­nees ken­nen­ge­lernt habt, geht es nun in die nächs­te Run­de mit unse­rer Bericht­erstat­tung. Neben der regu­lä­ren Arbeit in unse­ren jewei­li­gen Ein­satz­stel­len und den Wei­ter­bil­dun­gen beim WWF in Ber­lin ist auch ein vier­wö­chi­ger Feld­ein­satz im Trai­nee-Pro­gramm vor­ge­se­hen. Jeder Trai­nee hat hier die Mög­lich­keit – ange­passt an die eige­nen Inter­es­sen – einen Monat außer­halb der eige­nen Ein­satz­stel­le zu ver­brin­gen. Für mich heißt es weg vom Schreib­tisch, rein in die Natur.

Deutsch­lands ein­zi­ger Auen-Natio­nal­park

Mich hat es dafür ins Unte­re Oder­tal ver­schla­gen. Auf einer Stre­cke von etwa 50 km ent­lang der Oder befin­det sich Deutsch­lands ein­zi­ger Auen-Natio­nal­park. Die­ser bil­det gemein­sam mit zwei Land­schafts­schutz­par­ken in Polen ein grenz­über­schrei­ten­des Groß­schutz­ge­biet.

Das Unte­re Oder­tal wird auf deut­scher Sei­te seit 1995 als Natio­nal­park geschützt. Er befin­det sich seit­dem in stän­di­ger Ent­wick­lung zurück zu natür­li­chen Pro­zes­sen und Dyna­mik. Die ehe­mals inten­si­ve Bewirt­schaf­tung des Auen­grün­lands wur­de in vie­len Berei­chen redu­ziert oder ganz ein­ge­stellt. So konn­ten wie­der Röh­rich­te, Seg­gen­rie­de und Auwäl­der ent­ste­hen und es ent­wi­ckel­te sich ein bedeu­ten­des Brut‑, Rast- und Über­win­te­rungs­ge­biet für Vögel. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den im Unte­ren Oder­tal 284 Vogel­ar­ten beob­ach­tet, von denen 145 Arten hier brü­ten. Ihr könnt euch vor­stel­len, da gibt es ganz schön was zu gucken!

Ein Arbeits­platz im Grü­nen

© Arite Hildebrandt
Besuch der Kor­mo­ran-Nes­ter in luf­ti­ger Höhe © Ari­te Hil­de­brandt

Mein der­zei­ti­ger Arbeits­ort liegt in Crie­wen, wo auch das Natio­nal­park­zen­trum sei­nen Sitz hat. Unter der Lei­tung der Hoch­schu­le für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung Ebers­wal­de (HNEE) unter­stüt­ze ich in den nächs­ten Wochen das wis­sen­schaft­li­che Umwelt­mo­ni­to­ring im Natio­nal­park. Eine regel­mä­ßi­ge Daten­auf­nah­me ist wich­tig, um Ver­än­de­run­gen in der Land­schaft, bei Flo­ra und Fau­na zu doku­men­tie­ren. Auf die­se Wei­se wird regel­mä­ßig über­prüft, ob die Schutz- und Ent­wick­lungs­zie­le unter Beach­tung inter­na­tio­na­ler Vor­ga­ben (Natio­na­le Bio­di­ver­si­täts­stra­te­gie, Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz, IUCN, Natu­ra 2000, EU-Was­ser­rah­men­richt­li­nie) erreicht wer­den.

Nach mei­ner Ankunft habe ich mich vor Begeis­te­rung für den Arten­reich­tum die­ser Auen­land­schaft bei­na­he über­schla­gen. Nicht oft hat man einen der­ar­tig spek­ta­ku­lä­ren Lebens­raum direkt vor der Haus­tür. Und dann auch noch zu die­ser Jah­res­zeit, wo alles blüht und die Son­ne lacht.

Auf Vogel­stim­men­fang

In den ers­ten Tagen ging es für mich früh mor­gens direkt ins Feld, um einen Orni­tho­lo­gen bei der Brut­vo­gel­k­ar­tie­rung im Natio­nal­park zu beglei­ten. Bei Son­nen­auf­gang lie­fen wir in Gum­mi­stie­feln über die Pol­der­flä­chen und ent­lang der Som­mer­dei­che durch hüft­ho­hes Gras, vor­bei an Moo­ren und Tüm­peln, beglei­tet von Mücken­schwär­men. Auf­ge­schreck­te Rehe und Wild­schwei­ne nah­men Reiß­aus vor uns und Biber schwam­men gemüt­lich vor­bei. Ein wah­res Vogel­kon­zert mach­te das selek­ti­ve Hören und Sehen zur Bestim­mung und Kar­tie­rung der Arten zu einer unge­ahn­ten Her­aus­for­de­rung, die vol­le Kon­zen­tra­ti­on ver­langt. Von Buch­fink, Bunt­specht, Feld­sch­wirl, Gold­am­mer, Nach­ti­gall, Pirol, Star und Wachol­der­dros­sel war wirk­lich alles dabei. Und im Auen­grün­land beob­ach­te­ten wir majes­tä­ti­sche Kra­ni­che, Weiß­stör­che, Grau- und Sil­ber­rei­her bei ihrer Nah­rungs­su­che.

Ich bin nun seit zwei Wochen hier vor Ort und habe bereits unglaub­lich viel mit­neh­men kön­nen. In der ver­gan­ge­nen Woche nahm ich zum Bei­spiel an der ers­ten deutsch-pol­ni­schen Aus­schuss­sit­zung zu Umwelt- und Agrar­the­men im Natio­nal­park­zen­trum in Crie­wen teil. Die­se wur­de vom bran­den­bur­gi­schen Umwelt­mi­nis­ter Jörg Vogel­sän­ger gelei­tet. Die Teil­neh­men­den aus Natur­schutz, Poli­tik und Zivil­ge­sell­schaft tausch­ten sich dabei über das „Leben mit Wild­tie­ren“ und die gemein­sa­me EU-Agrar­po­li­tik aus.

Beringung eines Kormoran-Jungvogels © Arite Hildebrandt
Beringung eines Kor­mo­ran-Jung­vo­gels © Ari­te Hil­de­brandt

Flä­chen­ma­nage­ment im Natio­nal­park Unte­res Oder­tal

Wei­ter­hin nahm ich an einer mehr­tä­gi­gen Exkur­si­on der HNEE zum The­ma grenz­über­grei­fen­den Schutz­ge­biets­ma­nage­ments teil, bei der wir ver­schie­de­ne Stand­or­te des Natio­nal­parks und die Schutz­ge­bie­te um das Stet­ti­ner Haff auf pol­ni­scher Sei­te besuch­ten. Dabei lern­ten wir mehr über das Flä­chen­ma­nage­ment im Natio­nal­park, die Boden­be­schaf­fen­heit und die hei­mi­schen Tier- und Pflan­zen­ar­ten auf bei­den Sei­ten der Oder. Auch über die Unter­schie­de beim Schutz­ge­biets­ma­nage­ment der bei­den Nach­bar­län­der wur­den inter­es­san­te Dis­kus­sio­nen geführt.

Jähr­li­che Kor­mo­ran-Zäh­lung

Ein wei­te­res High­light war für mich die jähr­li­che Zäh­lung der im Natio­nal­park behei­ma­te­ten Kor­mo­ran-Kolo­nie. Gemein­sam mit Mit­ar­bei­tern der Natio­nal­park­ver­wal­tung und der Vogel­schutz­war­te beob­ach­te­te ich das Brut­ver­hal­ten der Fisch lie­ben­den Vögel und such­te nach bereits bering­ten Indi­vi­du­en der letz­ten Jah­re. Außer­dem zähl­ten wir die Nes­ter und die Anzahl der Jung­vö­gel und bering­ten eini­ge für Moni­to­ring-Zwe­cke. Lei­der muss­ten wir fest­stel­len, dass die Popu­la­ti­on der Kor­mo­ra­ne im Ver­gleich zu den letz­ten Jah­ren stark abge­nom­men hat. Grün­de dafür könn­ten unter ande­rem Wasch­bä­ren sein, die auf die Bäu­me klet­tern und sich die Eier aus den Nes­tern holen.

Reich­lich Abwechs­lung

Es wird also nie lang­wei­lig. Der Feld­ein­satz ist in mei­nen Augen ein wich­ti­ger Pro­gramm­punkt in unse­rem Trai­nee­jahr. Dabei haben wir die Mög­lich­keit, Natur wäh­rend unse­rer Arbeit haut­nah zu erle­ben und auch mal wie­der selbst mit anzu­pa­cken. Eine wert­vol­le Erfah­rung, die ich wirk­lich genie­ße!

Das Natur­schutz-Trai­nee-Pro­gramm – ein Pro­jekt der Alli­anz Umwelt­stif­tung und des WWF Deutsch­land“

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