Müll–Meditationen: Hun­de­kot Weit­wurf


Lustiges Schild das symbolisch sagt, dass Hunde hier nicht hinmachen dürfen.
Hundekot in Plastikbeuteln: Das düstere Geheimnis unserer aufgeräumten Vorgartenwelt. © iStock, Getty Images

Trotz Hun­de­kot: Deutsch­land ist schön. Jeder Ein­woh­ner sor­tiert sei­ne Abfäl­le in far­big mar­kier­te Ton­nen. Gepfleg­te öffent­li­che Grün­an­la­gen strot­zen her­um­flie­gen­dem Plas­tik oder Papier. Lee­re, her­um­lie­gen­de Fla­schen fin­den ihre — wenn auch manch­mal ver­schlun­ge­nen — Pfa­de zum Leer­gut­au­to­ma­ten. Stin­ken­de, von Möwen umschwärm­te Depo­ni­en, Flüs­se mit trei­ben­den Fla­den aus Plas­tik­müll gibt es nur in weit, weit ent­fern­ten Län­dern.

So dach­te ich bis­her. Bis kürz­lich ein Anruf von Arne Krä­mer aus Ham­burg kam und ich erfuhr, dass es in Deutsch­land ein düs­te­res Geheim­nis gibt. Die dunk­le Sei­te unse­rer so auf­ge­räum­ten, mit 25 far­big getön­ten Recy­cling­ton­nen aus­ge­stat­te­ten Vor­gar­ten­welt.

GPS und Hun­de­kot

Das Geheim­nis fin­det ihr her­aus, wenn ihr auf die­se Kar­te klickt und euch die an den Mar­kie­run­gen hin­ter­leg­ten Bil­der anschaut: www.poopmap.de/deutsch/die-interaktive-karte/

Baum hängt von oben bis unten voll mit schwarzen Hundekot-Plastiktüten
“Geschmück­ter” Baum © Poop Bag Map

Rich­tig. Hun­de­be­sit­zer ent­neh­men Hun­de­kot­beu­tel, fül­len die „Hard­ware“ ihrer Vier­bei­ner dar­in ab und…? Neh­men offen­sicht­lich an einer Spaß­ak­ti­on #Hun­de­kot­beu­tel­weit­wurf teil? Oder wol­len sie die Nach­läs­se ihrer Vier­bei­ner nicht ein­fach dem Lauf der bio­lo­gi­schen Zer­set­zung über­las­sen und daher lie­ber der Nach­welt erhal­ten?

Hun­de­kot und die etwas ande­re Art von Plas­tik­müll

Fakt ist jeden­falls, dass offen­sicht­lich im Gebüsch von Parks und im Stra­ßen­be­gleit­grün tau­sen­de sorg­sam für unse­re Nach­welt in Plas­tik ein­ge­tü­te­te Hun­de­häuf­chen hin­ter­las­sen wur­den. Eine selt­sam aus­ge­klü­gel­te Vor­ge­hens­wei­se, Plas­tik­müll in der Umwelt direkt vor unse­rer Haus­tür zu ver­brei­ten. 97 Pro­zent die­ser Beu­tel sind nicht bio­lo­gisch abbau­bar.

Sieht es bei Euch auch so aus? Dann Han­dy zücken und hier mit­ma­chen! Zudem sind auf der Web­sei­te Lösungs­vor­schlä­ge ent­wi­ckelt, die fin­det ihr hier.

Hun­de­kot und DNA

Ich habe noch einen ande­ren Vor­schlag. Über eine DNA-Ana­ly­se ist es mög­lich, zurück­zu­ver­fol­gen von wel­chem Hund die sorg­sam im Beu­tel ver­stau­te Hin­ter­las­sen­schaft stammt. Die­ses Ver­fah­ren wird ernst­haft dis­ku­tiert, wie wir in der „Zeit“ lesen dür­fen. So dass bald ein Schrei­ben ins Haus flat­tern könn­te: „Vie­len Dank für die sorg­sa­me Ver­pa­ckung Ihrer Tat­ort­spur. Wir mel­den uns!“

In der Hoff­nung, dass der eine oder ande­re, nun auf die­se Wei­se ban­ge gemacht, heu­te Nacht auf­bricht und etwas tut, was ich vor­her für die Regel hielt: Den Beu­tel neh­men und in die Rest­müll­ton­ne wer­fen.

In Vogelnest verbaute Hundekotbeutel
Vogel­nest mit ungewöhnlichen Zuta­ten © Arne Krämer
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Über mich
Bernhard Bauske

Ich arbeite seit über 20 Jahren beim WWF und versuche, in der Arbeit mit Unternehmen den ökologischen Fußabdruck so zu reduzieren, dass am Ende tatsächlich etwas Messbares herauskommt. Der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie begleitet mich dabei täglich. Ein thematischer Schwerpunkt meiner Arbeit ist das Thema Verpackungen und Recycling. Ich beobachte gerade mit Entsetzen, wie die Weltmeere in eine Plastiksuppe verwandelt werden und hoffe, dass wir es schaffen, weltweit vorhandenen Sachverstand zusammenzubringen, um das Problem zu lösen.

3 Kommentare

  1. Avatar
    8. September 2015
    Antworten

    Oh ja, das ken­ne ich.
    Angeb­lich lie­gen die Beu­tel nur des­halb auf den Wegen her­um, weil die Hun­de­hal­ter sie auf dem Rück­weg mit­neh­men und ent­sor­gen wol­len und dann plötz­lich ganz unver­hofft unter­wegs jeman­den tref­fen und einen ande­ren Rück­weg wäh­len. So ver­such­te jeden­falls eine mir bekann­te Hun­de­hal­te­rin sich her­aus zu reden! 🙁
    GLG Big­gi

  2. Avatar
    Chris
    8. September 2015
    Antworten

    Das Hun­de­kot­pro­blem wird mei­nes Erach­tens ange­sichts der Gesamt­ver­mül­lung unse­res Pla­ne­ten in apo­ka­lyp­ti­schem Aus­maß mas­siv über­be­wer­tet. Die Hun­de­hau­fen sind zu 100% Bio­ab­fall von dem sich Klein- und Kleinst­le­be­we­sen noch die ein oder ande­re sprich­wört­li­che Schei­be abschnei­den kön­nen bevor sie (die Kack­hau­fen) rück­stands­los von der Umwelt absor­biert wer­den. Viel Lärm um nichts. Ich samm­le nicht. Ich las­se sie lie­gen und der Natur ihren Lauf. Kacke statt Plas­tik. 😉

  3. Avatar
    26. Januar 2016
    Antworten

    Mei­ner Mei­nung nach soll­te es noch viel mehr Signa­li­sa­ti­on geben bezüg­lich des “Kack­ver­bots”. Auch wenn das gan­ze “Bio ist” wie hier bereits erwähnt wur­de, mache ich mein Geschäft ja auch nicht in frem­den Woh­nun­gen. Gene­rell bin ich auch für höhe­re Stra­fen, was das gan­ze angeht.

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