Mis­si­on Oran­gen in Anda­lu­si­en


Prüfung der Bewässerung auf der orangen und Zitronen Finca in Andalusien, wo Früchte für das Edeka wwf Projekt wachsen
Jesús Martínez prüft den Druck der Tropfenbewässerung und kann so frühzeitig erkennen, ob das Schlauchsystem irgendwo verstopft oder leck sein könnte © EDEKA / Schmid

In den letz­ten Wochen und Mona­ten war ich häu­fig in Anda­lu­si­en. Der Grund: Wir wol­len bes­se­re Zitrus­früch­te, die uns im Win­ter etwas Son­ne ins Herz zau­bern.

Anda­lu­si­en ist toll. Gra­na­da, Sevil­la oder Cor­do­ba locken vie­le Tou­ris­ten. Anda­lu­si­en hat aber auch fas­zi­nie­ren­de Natur zu bie­ten. Der Spa­ni­sche Kai­ser­ad­ler ist hier zuhau­se, eben­so der Ibe­ri­sche Luchs. Bei­de zäh­len zu den bedroh­ten Arten. Im Win­ter legen vie­le Zug­vö­gel in den Feucht­ge­bie­ten des Coto Doña­na, UNESCO-Welt­na­tur­er­be und ältes­ter Natio­nal­park Spa­ni­ens, einen Zwi­schen­stopp ein.

Ich war aber nicht wegen der Rei­ze Anda­lu­si­ens dort. Süd­spa­ni­en ist einer der Obst- und Gemü­se­gär­ten Euro­pas. Vie­le der Oran­gen und Man­da­ri­nen, die wir in die­sen Wochen kau­fen, stam­men aus Anda­lu­si­en. Der Anbau geht oft zu Las­ten der Natur: In zu trau­ri­ger Berühmt­heit gelang­ten Regio­nen wie Huel­va und Alme­ria hin­ter­lässt die inten­si­ve Bewirt­schaf­tung in der Umwelt ihre Spu­ren. Wir wol­len hel­fen, dies zu ändern.

Ran an die süßen Oran­gen!

Zusam­men mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen vom WWF Spa­ni­en war ich unter­wegs, um EDEKA bei der Umset­zung eines Pro­jekts für kon­ven­tio­nell ange­bau­te Zitrus­früch­te zu bera­ten: Auf der Fin­ca Ibe­respar­ra­gal, unweit von Sevil­la, von der EDEKA einen Teil der Oran­gen und Man­da­ri­nen für ihre Eigen­mar­ke bekommt.

Denn trotz stei­gen­der Beliebt­heit von Bio-Pro­duk­ten ist die Nach­fra­ge nach kon­ven­tio­nell ange­bau­ten Zitrus­früch­ten wei­ter groß. Des­we­gen fin­den wir es wich­tig, hier Ver­bes­se­run­gen anzu­sto­ßen. Kon­kret bera­ten wir fach­lich zu drei zen­tra­len The­men:

Edeka / WWF Zitronen und Orangen Projekt in Andalusien: Enrique Rosario geht systematisch durch jede einzelne Parzelle, schüttelt Zweige der Orangenbäume und notiert die Zahl der Nützlinge und Schädlinge
Enri­que Rosa­rio geht sys­te­ma­tisch durch jede ein­zel­ne Par­zel­le, schüt­telt Zwei­ge der Oran­gen­bäu­me und notiert die Zahl der Nütz­lin­ge und Schäd­lin­ge © EDEKA / Schmid

1.) Weni­ger Insek­ti­zi­de und Co.

Im kon­ven­tio­nel­len Anbau von Zitrus­früch­ten kom­men eine gan­ze Rei­he syn­the­ti­scher Pflan­zen­schutz- und Dün­ge­mit­tel zum Ein­satz. Wir möch­ten, dass die Fin­ca das durch alter­na­ti­ve Anbau­me­tho­den grund­sätz­lich redu­ziert. Zum Bei­spiel, indem Nütz­lin­gen auf der Plan­ta­ge mög­lichst natur­na­he Lebens­räu­me bekom­men. Füh­len sich Mari­en­kä­fer zwi­schen den Zitrus­bäu­men wohl, legen sie Eier. Aus den Eiern wer­den Lar­ven und die fres­sen Schäd­lin­ge wie Blatt­läu­se. Gegen­über 2015 konn­te die Che­mie­be­las­tung pro Hekt­ar bereits um etwa zwei Drit­tel redu­ziert wer­den (Ver­gleichs­zeit­raum Janu­ar-Novem­ber).

Außer­dem wol­len wir, dass beson­ders kri­ti­sche Stof­fe durch weni­ger kri­ti­sche ersetzt wer­den. Dabei ori­en­tie­ren wir uns an der „PAN Inter­na­tio­nal List of High­ly Hazar­dous Pesti­ci­des“ des Pesti­ci­de Action Net­work (PAN). Bei­spiels­wei­se wur­den alle Insek­ti­zi­de, die auf der PAN-Lis­te ste­hen, durch nicht gelis­te­te Mit­tel oder agrar­öko­lo­gi­sche Alter­na­ti­ven ersetzt. Eini­ge Insek­ten kön­nen zum Bei­spiel klei­ne Spu­ren auf der Scha­le hin­ter­las­sen, fügen aber sonst kei­ne Schä­den zu. Wir fin­den es gut, dass die Oran­gen des­we­gen nicht aus­sor­tiert wer­den, son­dern dann den­noch ihren Weg in den Laden fin­den. War­um auch? Die Früch­te sind ja trotz­dem qua­li­ta­tiv ein­wand­frei!

Statt ent­spre­chen­de Insek­ti­zi­de gegen sie ein­zu­set­zen, wer­den jetzt sanf­te Metho­den ange­wandt: Statt mit Che­mie wer­den die Früch­te bei­spiels­wei­se mit Ton­er­de (Kao­lin), behan­delt. Die wirkt als phy­si­sche Bar­rie­re und schützt so die Frucht. Dar­über hin­aus wirkt die Frucht ver­mut­lich auch weni­ger attrak­tiv für die „Mos­qui­to Ver­de“, eine grü­ne Flie­ge, der Oran­gen lei­der auch gut schme­cken.

2.) Ver­än­de­run­gen im Was­ser­ma­nage­ment

Das zwei­te zen­tra­le The­ma, bei dem wir fach­lich hel­fen, ist die Ver­bes­se­rung der Was­ser­nut­zung. Die Fin­ca liegt im Was­ser­ein­zugs­ge­biet des Gua­dal­qui­vir, der Was­ser­le­bens­ader Anda­lu­si­ens und des Natio­nal­parks Coto Doña­na. Der Gua­dal­qui­vir wird als Res­sour­ce über­stra­pa­ziert, rund 87 Pro­zent des ver­füg­ba­ren Was­sers wer­den für die Land­wirt­schaft ent­nom­men. Der Grund­was­ser­spie­gel in der Regi­on sinkt. Viel­leicht habt Ihr auch schon ein­mal gehört, dass der Natio­nal­park regel­recht aus­zu­trock­nen droht .

Das Was­ser für die Bewäs­se­rung von Ibe­respar­ra­gal wird aus­schließ­lich aus einem eige­nen Stau­see ent­nom­men, der durch Regen­was­ser gespeist ist. Auf der gesam­ten Fin­ca exis­tie­ren kei­ne Brun­nen. Das ist schon mal gut. Wir schau­en uns den aktu­el­len Ver­brauch genau an und ermit­teln das Was­ser­ein­spar­po­ten­zi­al der Fin­ca. Wo kann noch effi­zi­en­ter bewäs­sert wer­den, zum Bei­spiel durch den Ein­satz von Tech­no­lo­gi­en wie Boden­son­den? Wie kann die Fin­ca ihren Was­ser­ver­brauch noch bes­ser über­wa­chen und steu­ern? Das so gespar­te Was­ser soll jedoch nicht für mehr Anbau genutzt wer­den, son­dern ins Öko­sys­tem zurück­flie­ßen.

An der Was­ser­si­tua­ti­on haben aber vie­le Nut­zer ihren Anteil. Daher wei­ten wir den Blick in die gan­ze Regi­on. Wir möch­ten dabei hel­fen, dass der Erfolg auf der Fin­ca auch ande­re Far­men und Akteu­re inspi­riert. Nur gemein­sam kön­nen wir am Gua­dal­qui­vir den Was­ser­ver­brauch nach­hal­ti­ger gestal­ten.

3.) Bio­lo­gi­sche Viel­falt statt Mono­kul­tur

Last but not least soll sich die Fin­ca Ibe­respar­ra­gal mehr um die bio­lo­gi­sche Viel­falt küm­mern. Die Redu­zie­rung von Pflan­zen­schutz­mit­teln ist da ganz zen­tral, aber nicht das Ende der Fah­nen­stan­ge. Auf der Fin­ca nis­ten zahl­rei­che Weiß­stör­che. Was dort sonst noch kreucht und fleucht, das bestim­men wir gera­de genau­er. Dann wis­sen wir, ob bei­spiels­wei­se neue Bio­to­pe ange­legt wer­den müs­sen, wo Hecken gepflanzt und Nist­plät­ze ange­legt wer­den soll­ten.

Die Arbeit des WWF auf den Zitronen und Orangen Fincas kommt in Spanien auch dem Storch zu Gute
Weiß­storch dreht sei­ne Run­den ©Ralf Frank / WWF

EDEKA ist mit der Fin­ca Ibe­respar­ra­gal ver­ant­wort­lich für die Umset­zung der ver­ein­bar­ten Maß­nah­men. Wir vom WWF bera­ten und über­prü­fen regel­mä­ßig die Pro­jekt­fort­schrit­te. Das klingt alles nach ziem­lich viel Arbeit. Das ist es auch. Des­we­gen bin ich auch froh, dass wir vor Ort mit dem WWF Spa­ni­en so gut zusam­men­ar­bei­ten! Wir den­ken, dass es sich lohnt — auch über Ibe­respar­ra­gal hin­aus.

P.S.: Die Oran­gen von der Fin­ca Ibe­respar­ra­gal sind ab Dezem­ber zunächst in EDE­KA-Märk­ten in Ost­west­fa­len-Lip­pe, Nie­der­sach­sen, Bre­men, Sach­sen-Anhalt, Ber­lin und Bran­den­burg erhält­lich. Auf den Beu­teln der Oran­gen gibt’s einen extra Hin­weis auf das Pro­jekt.

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Über mich
Silja Marschke

arbeitet im WWF-EDEKA-Projekt daran den Obstanbau nachhaltiger zu machen.

1 Kommentar

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    Erwin Muth
    10. Februar 2018
    Antworten

    Hal­lo, lie­bes WWF-Team,
    wir haben ihren Bei­trag über anda­lu­si­sche, bio­lo­gi­sche Oran­gen mit gro­ßem Inter­es­se gele­sen.
    Wir woh­nen seit 10 Jah­ren in der Nähe von Sevil­la und bewirt­schaf­ten eine klei­ne ( 1,2 ha ) umfas­sen­de Fin­ca mit Oran­gen­bäu­men, die auf bio­lo­gi­scher Basis bei uns wach­sen. Der Ertrag liegt im Durch­schnitt bei ca. 4 — 4 1/2 t je nach Wit­te­rungs­be­din­gun­gen.
    Falls die Mög­lich­keit einer Zusam­men­ar­beit mit der von Ihnen bezeich­ne­ten Fin­ca in der Nähe von Sevil­la besteht, freu­en wir uns über eine kur­ze Info von Ihnen.

    Mit freund­li­chem Gruß
    Han­ne­lo­re und Erwin Muth

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