Das Meer, der Müll, die Zahn­pas­ta und dein Fleece­pul­li


Müll im Meer: Aus der Plastiktüte wird Mikroplastik
Aus der Plastiktüte wird Mikroplastik © Patrick Kelley / Worldwide Photography / Marine Photobank

Bis 2050 könn­te das Plas­tik in den Mee­ren mehr wie­gen als die dar­in schwim­men­den Fische. Um min­des­tens acht Mil­lio­nen Ton­nen pro Jahr nimmt der Müll zu, Ten­denz wei­ter stei­gend. Und er bleibt dort für Jah­re, wenn nicht Jahr­zehn­te. Plas­tik ver­rot­tet nicht – oder zumin­dest sehr, sehr lang­sam. Lang­sam wird es zer­mah­len durch die Ele­men­te. Doch je klei­ner es wird, des­to grö­ßer wird das Pro­blem mit dem Plas­tik­müll. Eine Plas­tik­tü­te, ein Flip­flop oder eine Fla­sche wird eben immer nur klei­ner und klei­ner und klei­ner und schließ­lich zu Mikro­plas­tik – das ist Kunst­stoff klei­ner als fünf Mil­li­me­ter. Damit sehen wir den Müll viel­leicht gar nicht mehr, für die Mee­re ist das aber sogar noch übler. Grö­ße­re Plas­tik­tei­le könn­ten viel­leicht irgend­wann abge­fischt wer­den. Mikro­plas­tik? Tja. Kei­ne Chan­ce.

Plastikmüll im Fluss: Flaschen, Plastikteile, Verpackungen, Autoreifen
Lan­det im Meer — und wird zu Mikro­plas­tik © Mari­ne-Pho­to-Bank

Lecker, Plas­tik im Fisch!

Mikro­plas­tik wur­de schon in allen Mee­res­tie­fen gefun­den, in Muscheln, Wür­mern und Plank­ton. Die win­zi­gen Plas­tik­res­te lan­den selbst­ver­ständ­lich auch in Spei­se­fi­schen, wie die Bio­lo­gen vom Alfred-Wege­ner-Insti­tut (AWI) in Bre­mer­ha­ven nun in einer Stu­die für Nord- und Ost­see nach­wei­sen konn­ten. Das Plas­tik lan­det dann mit allen Weich­ma­chern etc. unter Umstän­den in der Nah­rungs­ket­te der Fisch­esser –lecker!

Wie wir Mikro­plas­tik kon­su­mie­ren

Plas­tik­gra­nu­lat und flüs­si­ges Plas­tik fin­det sich nach wie vor in erschre­ckend vie­len Kos­me­tik­pro­duk­ten. Pee­ling, Dusch­gel, Lip­pen­stift, Zahn­pas­ta, Son­nen­cremes. Die win­zi­gen Plas­tik­par­ti­kel gelan­gen mit dem Abwas­ser letzt­end­lich ins Meer. Klär­an­la­gen haben kei­ne Chan­ce. Die Aus­wir­kun­gen in der Umwelt sind noch nicht abseh­bar.

Betrifft dich nicht, weil du sowas nicht benutzt? Wirk­lich? Pri­ma. Doch wie ist es damit: Der flau­schi­ge Fleece­pul­li aus dei­nem Klei­der­schrank besteht aus Poly­es­ter, häu­fig damit aus recy­cel­ten PET-Plas­tik­fla­schen. Pri­ma Recy­cling, möch­te man mei­nen. Bei jedem Wasch­gang lösen sich aber klei­ne Kunst­stoff­fa­sern, die von Klär­an­la­gen nicht erfasst wer­den kön­nen – und damit irgend­wann als Mikro­plas­tik im Meer lan­den. Bei einer Stu­die war kein ein­zi­ger unter­such­ter Strand frei von Fleece-Par­ti­keln.

Was Du gegen Mikro­plas­tik tun kannst

Das ist alles ziem­lich furcht­bar, zuge­ge­ben. Doch es gibt auch gute Nach­rich­ten: Man kann Pro­duk­te mit Mikro­plas­tik mei­den – und es gibt gute Alter­na­ti­ven.

Um einen genaue­ren Blick auf das Pro­dukt kommt man aber nicht her­um (aber das scha­det ja eh nie). Ste­hen in der Inhalts­stoff­lis­te Stof­fe wie zum Bei­spiel Poly­ethy­len (PE), Poly­pro­py­len (PP), Poly­amid (PA) oder Poly­ethy­len­te­re­ph­ta­lat (PET), ist auf jeden Fall Mikro­plas­tik ent­hal­ten. Es gibt noch eine gan­ze Rei­he von ande­ren Bezeich­nun­gen, die zum Teil ver­schlei­ern, dass Mikro­plas­tik drin ist. Wenn man es ganz genau wis­sen will: Es gibt es diver­se Pro­dukt­check-Apps, wie zum Bei­spiel die­se hier von Beat the Micro­bead. Und dann ein­fach den Mist nicht mehr kau­fen.

Wer es noch ein­fa­cher haben möch­te: Für Natur­kos­me­tik ist Mikro­plas­tik nicht zuge­las­sen. Ech­te Natur­kos­me­tik erkennt man an den Sie­geln von Natrue, BDIH, Ecocert, Natur­land oder Deme­ter.

Und der Fleece­pul­li? Ich bin über­zeugt: Du fin­dest auch ohne mei­ne Tipps etwas ande­res War­mes.

Und zur Anti­plas­tik­müll­kam­pa­gne der WWF-Jugend hier ent­lang.

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Über mich
Oliver Samson

Journalist und jetzt Redakteur beim Panda - weil unverändert überzeugt, dass wir Menschen es besser hinkriegen können. Noch immer optimistisch mit guten Vorsätzen.

3 Kommentare

  1. Avatar
    29. März 2016
    Antworten

    Echt erschre­ckend auf wel­chem Wege das wie­der zu uns zurück­kommt.

    Die Fra­ge ist, was man alles tun kann. Auf Zahn­pas­ta zu ver­zich­ten ist auch kei­ne Lösung, wenn ich nicht alle paar Wochen zum Zahn­arzt in Ungarn rei­sen möch­te.…

    Lie­be Grüs­se
    Danie­la

  2. Avatar
    16. September 2016
    Antworten

    Eine Auf­lis­tung von Orga­ni­sa­tio­nen, die sich für eine plas­tik­freie Umwelt ein­set­zen, gibt es in https://sensiblochamaeleon.blogspot.de/2015/07/mikroplastik.html

  3. Avatar
    28. August 2018
    Antworten

    Die Maus

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