Louis Sarno ist tot. Jahrzehntelang lebte der legendäre US-Amerikaner im Wald der BaAka – bis er einer von ihnen war. Sie haben einen großen Fürsprecher verloren.

Im WWF Büro in Bayanga im Nationalpark Dzanga Sangha, mitten im Regenwald des Kongobeckens, war Louis Sarno ein regelmäßiger Gast. Er kam immer mal wieder vorbei, um von dort ein paar E-Mails abzusetzen. Es war seine einzige Verbindung in sein früheres Leben in den USA.

Musik der BaAka gegen Medikamente

Ich traf ihn 2006 bei einem Besuch im WWF Projekt Dzanga Sangha. Damals lebte Louis Sarno schon 20 Jahre im Wald. Ein Kauz, vielleicht einer der extremsten Aussteiger unsere Zeit. Der weiße BaAka. Er spielte uns einige seiner Aufzeichnungen von der Musik der BaAka vor. CDs von den eigentümlichen Klängen verkaufte er auch an die wenigen Besucher der nahe gelegenen Doli Lodge. Für das Geld kaufte er für seine Nachbarn Medikamente und Werkzeuge.

Vom Amerikaner zum BaAka

Die Aufnahmen, insgesamt sind es wohl mehr als 100 Stunden sind sein Vermächtnis. 1985 war Sarno auf der Suche nach den seltsamen Gesängen der Pygmäen im zentralafrikanischen Regenwald gelandet. Er blieb. Musik und Kultur der BaAka ließen ihn nie mehr los, bis er schließlich selbst einer von ihnen geworden war. Mehr als 30 Jahre lebte er im Dschungel. „Ich bin zu einem bewussteren, weniger egozentrischen Menschen geworden. Vielleicht bin ich sogar zu einer besseren Person geworden durch die BaAka“, sagt er einmal über sich.

Jetzt verstarb er mit 63 Jahren im Haus seines Bruder in den USA an den Folgen einer schweren Leberkrankheit.

„Der Gesang des Waldes“ ist der Titel eines Buches, das Louis Sarno über seine ersten Jahre im Wald veröffentlichte. 2014 kam der hoch gelobte Film „Song from the forest“ von Michael Obert in die Kinos. Er zeigt den Musikforscher auf eine Reise mit seinem Sohn Samdi, der zum ersten Mal seine Heimat im Kongobecken verlassen hatte, nach New York begleitet.

Er hinterlässt zwei Söhne, die Teil des BaAka Volkes sind.  Die Zukunft dieser Menschen sieht alles andere als rosig aus. Die BaAka sind ein bedrohtes Volk. Sie werden von den anderen Kulturen unterdrückt, mit dem Wald wird ihre Heimat vernichtet und es ist zu befürchten, dass mit dem Wald auch ihre Kultur für immer verschwindet.

Louis Sarno, dem seltsamen Aussteiger aus New Jersey, ist es zu verdanken, dass zumindest ein Teil ihres musikalischen Erbes erhalten bleibt.