Lost im Label-Dschun­gel


Viele Menschen verlieren vor lauter Labeln auf Produkten beim Einkauf den Überblick.
Im Supermarkt Label-Dschungel © istock / gettyimages

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Ich ver­lie­re vor lau­ter Labeln auf Pro­duk­ten beim Ein­kauf den Über­blick. Es sind zu vie­le. Was sie genau umfas­sen und wie sie im Ein­zel­nen funk­tio­nie­ren, ist mir nicht immer ganz klar. Ich habe mir des­we­gen Label Online ein­mal genau­er ange­se­hen. Das Ange­bot gibt’s auch als App fürs Smart­pho­ne. Erstellt hat es die Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V., die über Jah­re eine Daten­bank auf­ge­baut haben. Natür­lich ent­hält auch die­se Daten­bank nicht jede Kenn­zeich­nung, die im All­tag begeg­nen kann. Aber es sieht nach einer soli­den Daten­ba­sis aus.

Gut fin­de ich, dass die Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V. gleich auf der Start­sei­te mehr über ihr Bewer­tungs­sys­tem ver­ra­ten und wer es mit ent­wi­ckelt hat. Das ist trans­pa­rent und Jede/Jeder kann sich dann auf­grund die­ser Infor­ma­tio­nen und Kri­te­ri­en über­le­gen, ob die Daten­bank ver­läss­lich und aus­sa­ge­kräf­tig genug erscheint.

Wie wird bewer­tet?

Label-online hat über die Jahre eine solide Datenbank aufgebaut.
Label-online hat eine Daten­bank auf­ge­baut © Mela­nie Göm­mel / WWF

Die Ober­ka­te­go­rien der Bewer­tungs­ma­trix lau­ten „Anspruch“, „Unab­hän­gig­keit“, „Kon­trol­le“ und „Trans­pa­renz“. Unter „Anspruch“ schaut die Ver­brau­cher-Initia­ti­ve .V. zum Bei­spiel, ob die Ver­ga­be­kri­te­ri­en deut­lich über das gesetz­lich Vor­ge­schrie­be­ne im Bereich hin­aus gehen, ob sie anhand neue­rer Erkennt­nis­se und Stan­dards über­ar­bei­tet wer­den und ob sie geeig­net sind, rele­van­te Ver­bes­se­run­gen im Bereich des Labels zu ermög­li­chen (öko­lo­gi­sche, gesund­heit­li­che, sozia­le, tech­ni­sche, kul­tu­rel­le Ansprü­che etc.). In der Kate­go­rie „Prü­fung“ legt sie Wert dar­auf, dass ein­deu­ti­ge, nach­prüf­ba­re Ver­ga­be­kri­te­ri­en mit kla­rem Bezug vor­han­den sind, die Ein­hal­tung der Ver­ga­be­kri­te­ri­en umfas­send kon­trol­liert wird, bei befris­te­ter Ver­ga­be des Labels Frist­ver­län­ge­run­gen nur nach einer erneu­ten Kon­trol­le der Ein­hal­tung der Ver­ga­be­kri­te­ri­en erteilt wer­den und Ver­stö­ße gegen die Ver­ga­be­kri­te­ri­en eine Nach­bes­se­rung inner­halb einer ange­mes­se­nen, über­schau­ba­ren Frist nach sich zie­hen, auch bis zum Ent­zug des Labels. Bei „Unab­hän­gig­keit“ inter­es­siert die Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V., ob die Ent­wick­lung der Kri­te­ri­en erfolgt ist unter Hin­zu­zie­hung vom Zei­chen­neh­mer weit­ge­hend unab­hän­gi­ger und kom­pe­ten­ter Stel­len und ob der Zei­chen­ge­ber, der Zei­chen­neh­mer und der Prü­fer jeweils recht­lich und wirt­schaft­lich weit­ge­hend von­ein­an­der unab­hän­gig sind. Außer­dem muss die Ein­hal­tung der Ver­ga­be­kri­te­ri­en von unab­hän­gi­ger und ein­deu­tig iden­ti­fi­zier­ba­rer Stel­le kon­trol­liert sein. Und schließ­lich ist es der Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V. in der Kate­go­rie „Trans­pa­renz“ wich­tig, dass Ziel­set­zung und Trä­ger­schaft des Labels in öffent­lich zugäng­li­chem Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al erläu­tert sind, die Ver­ga­be­kri­te­ri­en, Ver­ga­be­ver­fah­ren und Kon­troll­ver­fah­ren für Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar doku­men­tiert, ver­öf­fent­licht und kos­ten­los zugäng­lich sind und das Bild­zei­chen des Labels so gestal­tet ist, dass es nicht mit einem ande­ren Zei­chen ver­wech­selt wer­den kann.

Öko­lo­gi­sche und sozia­le Kri­te­ri­en

Mit einem zusätz­li­chen „n“ kenn­zeich­net die Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V. alle Label, die öko­lo­gi­sche und sozia­le Aspek­te berück­sich­ti­gen. Denn die Daten­bank ent­hält auch Kenn­zeich­nun­gen, die sich mit ande­ren Aspek­ten beschäf­ti­gen. In der Daten­bank selbst sind alle mög­li­chen Labels geführt, die einem im Laden begeg­nen kön­nen. Auch Pro­dukt­la­bel, Fir­men­la­bel und Eigen­mar­ken­la­bel sind ent­hal­ten. Ich erfah­re so zum Bei­spiel, dass der „Bio-Smi­ley“ eine Eigen­mar­ke ist, mit der Aldi-Süd auf Pro­duk­te hin­weist, die bereits das EU-Bio-Logo oder das deut­sche Bio-Sie­gel tra­gen. Es gel­ten daher für sie die glei­chen Ein­schät­zun­gen wie für die genann­ten Label. Also kli­cke ich wei­ter zu EU-BIO und lese mir die Infos dort in den Kate­go­rien „Anspruch“, „Unab­hän­gig­keit“, „Trans­pa­renz“ und „Kon­trol­le“ durch. Ins­ge­samt bekommt das EU-Bio­sie­gel ein „beson­ders emp­feh­lens­wert“.

Gut gelöst ist auch, dass ich für jedes Label gleich ein­gangs die Basis­in­fos bekom­me. Das Sie­gel des MSC-Label, wird zum Bei­spiel welt­weit ver­ge­ben – und zwar vom Mari­ne Ste­wardship Coun­cil. Es fin­det sich auf Fisch und Mee­res­früch­ten und das laut Daten­bank bei über 8.000 Pro­duk­ten.

Ein wenig unüber­sicht­lich gestal­tet sich die Daten­bank, als ich „Blau­er Engel“ als Such­be­griff ein­ge­be. Ich lan­de 119 Tref­fer – vom „Blau­en Engel Abfall­ar­me Wech­sel­kopf-Bürs­ten“ bis zu „Der Blaue Engel Wäsche­trock­ner für den Haus­ge­brauch“ reicht die Lis­te und mir wird nicht ganz klar, wann ein „n“ für „nach­hal­tig“ mit dran gepackt wird und wann nicht. Das könn­te sicher bes­ser gelöst sein.

Fazit: Für einen ers­ten Über­blick eig­net sich die Daten­bank der Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V. gut. Wer in die Details der ein­zel­nen Labels Kri­te­ri­um für Kri­te­ri­um ein­stei­gen will, muss sich sicher ander­wei­tig wei­te­re Infor­ma­tio­nen holen.

MEHR WISSEN:

Wer einen noch schnel­le­ren Über­blick über Labels mit dezi­dier­tem Nach­hal­tig­keits­be­zug sucht, kann übri­gens auch über die Über­sicht von Utopia.de gehen, die dort eine ent­spre­chen­de Aus­wahl aus der Daten­bank der Ver­brau­cher-Initia­ti­ve e.V. vor­stel­len.

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