Kuh der Woche: Die Kuh. Das Fleisch. Der Regen. Und ein Ex-Minis­ter.


Der Kuh der Woche 17
Der Kuh der Woche | Bild links: Foto AG Gymnasium Melle - CC-BY-SA 3.0 - bit.ly/1z1aN1T | Bilder rechts: Roland Gramling / WWF

Son­ne pur und mil­de Tem­pe­ra­tu­ren haben die ver­gan­ge­nen Tage bestimmt. Wir soll­ten es genie­ßen, so lan­ge wir noch kön­nen. Die blu­mig-früh­lings­haf­te Pres­se­schau star­tet näm­lich mit einer Mel­dung apo­ka­lyp­ti­schen Aus­ma­ßes: Der Yel­low­stone-Super­vul­kan hat, wie Axel Boja­now­ski auf SPON berich­tet, laut neus­ten Unter­su­chun­gen Welt­un­ter­gangs-Poten­ti­al — soll­te er aus­bre­chen und vor­aus­ge­setzt, die Mensch­heit treibt die Erde nicht vor­her in den Ruin.

Was summt denn da?

Zum The­ma Welt­un­ter­gang kommt mir ein Ein­stein-Zitat in den Sinn: „Wenn die Bie­ne ein­mal von der Erde ver­schwin­det, hat der Mensch nur noch vier Jah­re zu leben.“ Kein Wun­der also, dass das Bie­nenster­ben The­ma in zahl­rei­chen Arti­keln ist. (Bienen-)Alarm schlug etwa der TAGESSPIEGEL. Ohne Hys­te­rie aber mit vie­len Fak­ten berich­ten Moha­med Amt­ahid und Lea Freh­se in der Don­ners­tag­aus­ga­be über Bedro­hun­gen für die Insek­ten und geeig­ne­te Gegen­maß­nah­men. Und die NATUR berich­tet in der aktu­el­len Aus­ga­be über Bie­nen als Wald­be­woh­ner und einen WWF-Work­shop im Stei­ger­wald, mit dem die Imke­rei als altes Tra­di­ti­ons­hand­werk wie­der zum Leben erweckt wer­den soll.

EXPO mit Pas­ta und Piz­za

Mit Zukunfts­fra­gen beschäf­tigt sich auch die EXPO in Mai­land, die ab kom­men­der Woche ihre Tore öff­net. Schwer­punkt bil­det das The­ma Ernäh­rung – im Land von Pas­ta, Piz­za und Par­ma­schin­ken passt das ja ziem­lich gut. Ich durf­te selbst wäh­rend mei­nes Oster­ur­laubs bei einem Bolo­gna-Auf­ent­halt fest­stel­len: Tor­tel­li­ni  schme­cken dort am bes­ten, wo sie erfun­den wur­den. Mit der Fra­ge, wie wir neun Mil­li­ar­den Men­schen satt bekom­men sol­len, haben sich zum EXPO-Auf­takt Jonas Schöll und Ange­li­ka Hill­mer im HAMBURGER ABENDBALTT beschäf­tigt.

Kuh der Woche: Fleisch, Regen­was­ser und Hans-Hein­rich Ehlen

In dem Arti­kel durf­te mei­ne geschätz­te WWF-Kol­le­gin und Stu­di­en­au­torin Tanaj Drä­ger de Teran noch ein­mal auf die Pro­ble­me des hohen Fleisch­kon­sums zu spre­chen kom­men. Womit wir beim Kuh der Woche wären. Den lan­de­te (noch in der Oster­pau­se) der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Hans-Hein­rich Ehlen aus Nie­der­sach­sen. In der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN erklär­te Ehlen, es sei eine „irre Idee“ des WWFs, dass zur Pro­duk­ti­on von einem Kilo Rind­fleisch 15.500 Liter Was­ser benö­ti­ge. Das kom­me „nur hin, wenn man das Regen­was­ser, das auf die Wei­de fällt, mit­rech­net“. Herrn Ehlen, immer­hin Ex-Land­wirt­schafts­mi­nis­ter in Nie­der­sach­sen, scheint lei­der nicht bekannt zu sein, dass die wenigs­ten Rin­der in Deutsch­land auf der Wei­de ste­hen. Tat­säch­lich braucht Fleisch – egal ob Rind oder Schwein – den Groß­teil an Was­ser für die Pro­duk­ti­on von Fut­ter­mit­teln wie etwa Soja oder Mais. Nur am Ran­de sei erwähnt: In der kon­ven­tio­nel­len Tier­mast wird vor allem gen­tech­nisch ver­än­der­tes Soja aus Süd­ame­ri­ka ver­füt­tert. Die Wun­der­boh­ne wird dort in rie­si­gen Mono­kul­tu­ren ange­baut und ver­drängt Wäl­der und Savan­nen. Auch dar­auf weist der Flei­sch­at­las der Hein­rich-Böll-Stif­tung hin. Der wird in dem Arti­kel von der nie­der­säch­si­schen CDU jedoch als „zu ideo­lo­gisch“ gebrand­markt.

Men­schen essen bei Maisch­ber­ger

Über Fleisch und Essen all­ge­mein woll­te auch ARD-Tal­ke­rin Maisch­ber­ger mit ihren Gäs­ten am Mitt­woch spre­chen. Lei­der ging es vor allem um Glu­ten-Unver­träg­lich­keit, Darm­sa­nie­run­gen und Stein­zeit-Trends. Die Aus­wir­kun­gen unse­rer Ernäh­rungs­sti­le auf Umwelt und die Ernäh­rungs­kri­se welt­weit wur­den hin­ge­gen nur am Ran­de gestreift. Life­style-Talk statt har­ter Fak­ten, so mein Fazit.

O’zapft is!

Dann doch lie­ber zum poli­ti­sche Mai­bock­an­stich von Slow­Food in die Ber­li­ner Markt­hal­le Neun. Dort wird am 2. Mai bei Bier und Brot­zeit über die Aus­wir­kun­gen von Frei­han­dels­ab­kom­men auf die Lebens­mit­tel­wirt­schaft dis­ku­tiert. Na dann: O’zapft is!

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Über mich
Roland Gramling

Roland Gramling ist Exil-Franke, Frankfurt-Fan und Berlin(West)-Bewohner. Nach dem Online-Journalismus-Studium in Darmstadt wechselte er auf die dunkle Seite der Macht und verkaufte seine Seele an die PR und Pressearbeit. Seit 2008 ist er Pressesprecher beim WWF Deutschland und seitdem auf der Suche nach dem Kuh des Lebens (oder zumindest der Woche). Er findet Pandas süß und Wölfe cool und hält Lady Gaga für die größte Poetin seit Oscar Wilde. Sonntags ist er stets am Tatort und damit grundsätzlich verdächtig. Kurzweilige Desorientierung ist mitunter beabsichtigt aber nie gewollt. Er kann nicht über sich selbst lachen und hält das auch noch für witzig. Fleisch kommt ihm nicht auf den Teller aber gerne mal unters Messer. Für ihn ist das Internet noch total Neuland-mäßig, aber die gedruckte Zeitung schon längst tot. In diesem Sinne: Muuuh!

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