Der Kli­ma­wan­del vor der Haus­tür


Buchdrucker-Befall im Bayrischen Wald
Buchdrucker-Befall im Bayrischen Wald CC SA 3.0 Kurt Seebauer

Der Kli­ma­wan­del steht bei uns direkt vor der Tür – und klopft an: im Wald, im Watt, in den Alpen.

In Euro­pa wird es bis zum Ende des Jahr­hun­derts zwi­schen 1 bis 5,5 Grad wär­mer. Die Win­ter in Euro­pa wer­den wär­mer, die Som­mer hei­ßer. Auch für ech­te Som­mer-Fans wie mich sind das kei­ne schö­nen Aus­sich­ten. Dafür gibt es zu vie­le schlech­te Nach­rich­ten aus der Natur.

Armer deut­scher Wald

Wir Deut­sche lie­ben Wäl­der. Und die deut­sche Eiche ist sprich­wört­lich robust.

Doch so wider­stands­fä­hig sind unse­re Wäl­der lei­der nicht. Das liegt vor allem dar­an, dass es hier so gut wie kei­ne natür­li­chen Wäl­der gibt. Bei uns wach­sen vor allem die Bäu­me, die im 19. und 20. Jahr­hun­dert als beson­ders wirt­schaft­lich ange­se­hen wur­den: im Nor­den Kie­fern gemischt mit Buchen und Eichen, und Fich­ten im Süden. Geeig­net für die Bedin­gun­gen in Deutsch­land sind sie nur bedingt.

Bäu­me ent­wi­ckeln sich sehr lang­sam und kön­nen sich auch nur gemäch­lich an ande­re Bedin­gun­gen anpas­sen. Für Bäu­me, die sowie­so nicht an ihrem natür­li­chen Öko­sys­tem  gewach­sen sind, ist das dop­pelt schwie­rig. Aktu­ell ist die Fich­te der wich­tigs­te Baum in Deutsch­land mit einem Flä­chen­an­teil von 28 Pro­zent in deut­schen Wäl­dern. Doch rich­tig hei­misch fühlt sie sich nur in Nord­eu­ro­pa und Gebir­gen.

Der Nadel­baum wird unter den war­men Tem­pe­ra­tu­ren und der abneh­men­den Feuch­tig­keit stark lei­den. Bereits im Rekord­som­mer von 2003 erlitt die Fich­te die stärks­ten Tro­cken­schä­den. Als Flach­wurz­ler wird sie zukünf­tig auch von Stür­men häu­fi­ger betrof­fen sein.

Deutsche Wälder sind vom Klimawandel bedroht
Deut­sche Wäl­der sind vom Kli­ma­wan­del bedroht © iStock/ Get­ty Images

Zu warm, zu tro­cken, zu extrem: und es pro­fi­tie­ren die Schäd­lin­ge pro­fi­tie­ren

Als mög­li­che Fol­gen für hei­mi­sche  Wäl­der dro­hen nicht nur zuneh­men­de Brän­de und ver­län­ger­te Tro­cken­zei­ten. Auch Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se wie Orka­ne wer­den die Wäl­der öfter zer­zau­sen.

Doch vor allem die star­ke Zunah­me von Schäd­lin­gen berei­tet Sor­gen. Die Fich­te hat zum Bei­spiel einen erbit­ter­ten Erz­feind: den Buch­dru­cker. Das hat nichts mit Papier­pro­duk­ti­on zu tun, son­dern es han­delt sich um eine Bor­ken­kä­fer­art. Bei tro­cken­war­men Tem­pe­ra­tu­ren bre­chen sie regel­recht in Mas­sen­ver­meh­run­gen aus – je län­ger es heiß bleibt, des­to mehr Genera­tio­nen kön­nen sie her­vor­brin­gen.

Buchdrucker fressen sich durch Fichtenholz
Buch­dru­cker fres­sen sich durch Fich­ten­holz CC SA 2.5 James K. Lind­sey commons.wikimedia.org/wiki/File:Ips.typographus.jpg

Bor­ken­kä­fer, Pracht­kä­fer oder Non­nen fres­sen sich ver­mehrt durch die Wäl­der. Durch das wär­me­re Wet­ter ver­meh­ren sich die­se  Insek­ten enorm. Bor­ken­kä­fer schaf­fen der­zeit zwei Repro­duk­ti­ons­zy­klen im Jahr, die­se Rate könn­te auf drei bis vier anstei­gen.

Es könn­ten zudem neue Schäd­lin­ge ein­wan­dern, für die es bis­her zu kalt war.

Nor­ma­ler­wei­se kön­nen sich Bäu­me recht gut gegen Schäd­lin­ge ver­tei­di­gen: Sie har­zen und schlie­ßen sie so ein. In nach hei­ßen  Som­mer­mo­na­ten klappt das aber nicht mehr: Sie sind ein­fach zu tro­cken dafür.

Die Alpen

Ein Hor­ror­sze­na­rio für die Natur und Win­ter­sport­ler: Die Alpen haben sich im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert dop­pelt so stark erwärmt wie der glo­ba­le Durch­schnitt. Die Alpen sind heu­te schon um knapp zwei Grad wär­mer als noch vor 120 Jah­ren. Man geht zwar davon aus, dass das Öko­sys­tem Alpen eine Erwär­mung von rund ein bis zwei Grad tole­rie­ren kann. Doch bei einer Erwär­mung von drei bis vier Grad ist mit deut­li­chen Fol­gen zu rech­nen – für Ski- und Schnee­ha­sen.

Dass die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels in den Alpen beson­ders krass sind, liegt an einem Rück­kopp­lungs­ef­fekt: je wär­mer die Win­ter, des­to kür­zer und gerin­ger die Schnee­be­de­ckung. Als Kon­se­quenz wer­den weni­ger Son­nen­strah­len vom Weiß reflek­tiert — und mehr eis­freie Land­mas­sen erwärmt.

Partnach mit Zugspitzmassiv © Georg Rast /WWF
Part­nach mit Zug­spitz­mas­siv © Georg Rast /WWF

Die Baum­gren­ze ver­schiebt sich

Der Rück­gang der Glet­scher ist eine unüber­seh­ba­re Fol­ge des Kli­ma­wan­dels. Doch bei­lei­be nicht die ein­zi­ge: Durch höhe­re Tem­pe­ra­tu­ren kommt es zu inten­si­ve­ren Nie­der­schlä­gen. Tre­ten sie zusam­men mit der Schnee­schmel­ze ein, kommt es ver­mehrt zu Über­schwem­mun­gen. Auch die Bedin­gun­gen für Per­ma­frost, also dem per­ma­nent gefro­re­nen Boden ändern sich. Das hat kata­stro­pha­le Fol­gen: insta­bi­le Gelän­de wie Hang­rut­sche und Fels­stür­ze, die in den letz­ten Jah­ren stark zuge­nom­men haben. Das hat nicht nur Fol­gen für den Abfluss der Flüs­se, son­dern auch für die Bewohn­bar­keit der Regi­on.

Das kennt jeder aus dem Geo­gra­phie-Unter­richt: Die Vege­ta­ti­ons­gren­ze ver­schiebt sich. Das ist auf den ers­ten Blick nicht dra­ma­tisch. Anfangs nimmt die Arten­viel­falt sogar zu. Doch irgend­wann haben die an Käl­te ange­pass­ten Arten kei­ne Mög­lich­keit mehr, in höher gele­ge­ne Gefil­de zu zie­hen. Dann wird es für die­se Tie­re und Pflan­zen ein­fach zu warm. Man­che Pro­gno­sen spre­chen davon, dass bis zum Ende des 21. Jahr­hun­derts 60 Pro­zent der alpi­nen Blü­ten­pflan­zen aus­ster­ben könn­ten.

Auch die gemäch­lich wach­sen­den Bäu­me kön­nen nur lang­sam den kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen fol­gen. Um 100 bis 200 Meter könn­te sich die Baum­gren­ze bei einem Anstieg von ein bis zwei Grad ver­schie­ben. Wird es noch wär­mer errech­nen For­scher eine Ver­schie­bung von 350 bis 700 Meter. Aller­dings bräuch­te das Zeit: Rund 100 Jah­re und damit hängt die Baum­gren­ze erheb­lich hin­ter den Kli­ma­ver­än­de­run­gen her.

Mehr Meer, weni­ger Watt

Gro­ße Tei­le des Watts dro­hen dau­er­haft im Meer zu ver­sin­ken. Denn Fakt ist: Die Nord­see wird durch den Kli­ma­wan­del schnell anstei­gen. Tei­le des Natio­nal­parks Wat­ten­meer, die heu­te noch zwei Mal am Tag bei Ebbe tro­cken fal­len, könn­ten in Zukunft stän­dig unter Was­ser ste­hen. Und wir Men­schen sind durch unse­ren Treib­haus­gas-Aus­stoß dafür mit­ver­ant­wort­lich. Wel­che Fol­gen sind zu erwar­ten und was kön­nen wir tun, damit das Watt nicht im Meer ver­sinkt? Das hat unser Kol­le­ge Jan­nes hier beschrie­ben.

Wattenmeer von oben
Gefähr­de­te Schön­heit Wat­ten­meer © WWF / Klaus Guen­ther

Sind wir noch zu ret­ten?

Schaf­fen wir es, wie von der Staa­ten­ge­mein­schaft 2015 in Paris beschlos­sen, die glo­ba­le Erd­er­wär­mung auf unter 2 Grad begren­zen, kön­nen wir die­se düs­te­ren Sze­na­ri­en noch abwen­den. Gemein­sam kön­nen wir ver­hin­dern, dass es so weit kommt.

Ein Schritt: Enga­giert Euch bei der Earth Hour am 25. März!
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Julia Thiemann

Über mich
Julia Thiemann

Durch und durch Naturliebhaberin und stets draußen unterwegs, ob beim Beachvolleyball oder Wassersport, beim Fotografieren oder Geocachen. Studierte Journalistin und VJ, nun im Dienste des Pandas und somit auch offiziell Umweltschützerin.

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