Wel­che Sofort­maß­nah­men im Kli­ma­schutz wir brau­chen


Klimaschutz: Leuchtschrift Change
Wir brauchen für den Klimaschutz eine industrielle Revolution CC0 Ross Findon https://unsplash.com/photos/mG28olYFgHI

Wir Umwelt­ver­bän­de for­dern die mas­si­ve Beschleu­ni­gung im Kli­ma­schutz. Der Bun­des­tag hat das Pari­ser Abkom­men zwar ein­stim­mig rati­fi­ziert. Wir haben aber den Ein­druck, dass vie­le Abge­ord­ne­te und Regie­rungs­mit­glie­der noch immer mei­nen, es gehe dar­um, mit ein paar Anreiz­pro­gram­men Indus­trie­pro­zes­se effi­zi­en­ter zu machen, um CO2 ein­zu­spa­ren. Aber es geht nicht dar­um, dass die Indus­trie weni­ger CO2 aus­stößt. Es geht dar­um, dass sie gar kein CO2 mehr aus­stößt. Wir brau­chen eine neue indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on, um das Pari­ser Kli­ma­ab­kom­men umzu­set­zen.

Kli­ma­schutz ist Wirt­schaft­po­li­tik!

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner hat gera­de am Sonn­tag zum Kli­ma­schutz gesagt: „Wir müs­sen da Fort­schrit­te erzie­len, damit ande­re Her­aus­for­de­run­gen nicht län­ger lie­gen blei­ben“. Die Poli­tik müs­se sich end­lich wie­der um die Wirt­schaft küm­mern. Da kann ich nur sagen: Wer so redet, ist in den 1980er Jah­ren ste­cken­ge­blie­ben. Kli­ma­schutz ist Wirt­schafts­po­li­tik und Wirt­schafts­po­li­tik muss auf die Kli­ma­neu­tra­li­tät zie­len. Kli­ma­schutz ist auch Finanz­po­li­tik. Finanz­po­li­tik muss eben­falls auf Kli­ma­neu­tra­li­tät zie­len – ange­fan­gen beim Abbau kli­ma­schäd­li­cher Sub­ven­tio­nen bis hin zu einem umfas­sen­den Kli­ma­schutz-Inves­ti­ti­ons­pro­gramm.

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Wir müs­sen gan­ze Indus­tri­en wie die Stahl­in­dus­trie unab­hän­gig machen von fos­si­len Ener­gi­en. Da geht es um neue Indus­trie­pro­zes­se auf Basis erneu­er­ba­rer Ener­gi­en. Und wir müs­sen die Kreis­lauf­wirt­schaft auf ein ganz neu­es Level heben. Wir kön­nen nicht län­ger Abfäl­le sam­meln und schau­en, was wir davon recy­clen kön­nen. Wir müs­sen schon bei der Pro­duk­ti­on der Pro­duk­te anset­zen, sie lang­le­bi­ger, Repa­ra­tur­fä­hi­ger und von Anfang an recy­cling­fä­hig pro­du­zie­ren. Die Inves­ti­ti­ons­zy­klen sind hier oft sehr lang. Anla­gen, die jetzt gebaut wer­den, lau­fen 30, 40 teil­wei­se 50 Jah­re. Des­halb müs­sen wir schon jetzt die Wei­chen stel­len.

Klimaschutz: Industrieanalge
Indus­trie­po­li­tik muss als Kli­ma­schutz neu gedacht wer­den CC0 https://unsplash.com/photos/a_PDPUPuNZ8

Kli­ma­schutz: Was jetzt zu tun ist!

Wir haben ein gan­zes Jahr­zehnt ver­lo­ren beim Kli­ma­schutz. Die Bun­des­kanz­le­rin hat mit dem Kli­ma­ka­bi­nett, dem sie selbst vor­sitzt, end­lich den rich­ti­gen Rah­men dafür geschaf­fen, dass Maß­nah­men beschlos­sen wer­den kön­nen. Aber es reicht nicht, den Still­stand zu been­den. Es reicht nicht ein paar Maß­nah­men zu beschlie­ßen. Die indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on, die wir brau­chen, ist nicht mit ein paar Anreiz­pro­gram­men zu machen. Sie erfor­dert eine kom­plett neue Indus­trie­po­li­tik. Sie erfor­dert es, die staat­li­chen Inves­ti­tio­nen auf den Kli­ma­schutz aus­zu­rich­ten. Und auch für pri­va­te Inves­ti­tio­nen müs­sen ent­spre­chen­de Anrei­ze geschaf­fen wer­den.

Kli­ma­schutz und der Erhalt unse­rer bio­lo­gi­schen Viel­falt sind kei­ne Rand­the­men mehr, son­dern müs­sen die zen­tra­len Auf­ga­ben staat­li­chen Han­delns wer­den. Wir brau­chen einen grund­le­gen­den Wan­del vie­ler Berei­che von Wirt­schaft und Gesell­schaft. Ein wirk­sa­mes Kli­ma­schutz­ge­setz muss her und der Ein­stieg in die Koh­len­di­oxid-Beprei­sung noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode. Wir müs­sen den Kli­ma­schutz-Fonds wei­ter­ent­wi­ckeln und umge­hend mit der Abschal­tung der dre­ckigs­ten Braun­koh­le­kraft­wer­ke in den Koh­le­aus­stieg ein­stei­gen. Die Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en müs­sen natur­ver­träg­lich aus­ge­baut wer­den. Der Umbau des Ver­kehrs­sys­tems muss mit kla­ren Rah­men­set­zun­gen vor­an­ge­bracht und die Euro­päi­sche Agrar­po­li­tik refor­miert, die Land­nut­zung kli­ma- und natur­ver­träg­lich gestal­tet wer­den.

Unser Sofort­pro­gramm macht deut­lich: Das ist die Mess­lat­te, an der sich das Kli­ma­ka­bi­nett, die gan­ze Bun­des­re­gie­rung und alle Par­tei­en mes­sen las­sen müs­sen.

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Über mich
Michael Schäfer

Ich leite das Klima-Team des WWF Deutschland. Um die Erderhitzung zu stoppen und ihre schlimmsten Auswirkungen auf Menschen und Tiere zu verhindern, setzten wir uns dafür ein, dass Deutschland der Weg in eine treibhausgasneutrale Wirtschaftsweise gelingt - und wir dabei so erfolgreich sind, dass andere Länder mitziehen. Zudem engagieren wir uns in Brüssel und auf globaler Ebene für den Klimaschutz und arbeiten dabei mit dem starken internationalen WWF-Netzwerk zusammen, dessen Klimachef bei uns im Berliner WWF-Büro arbeitet. Wir freuen uns, wenn Ihr uns unterstützt, also beispielsweise unsere Beiträge teilt oder uns Eure Anregungen schreibt.

1 Kommentar

  1. Avatar
    save_ecosystems
    18. August 2019
    Antworten

    Der sich anbah­nen­de Kol­laps der Öko­sys­te­me läßt sich nur
    durch Wirt­schafts­schrump­fung, Ver­zicht auf alle unnö­ti­gen Pro­duk­te und Reduk­ti­on der Gesamt­pro­duk­ti­on auf das Wesent­lichs­te ver­hin­dern. Die Degrowth-Bewe­gung, dar­ge­legt von Blogs wie https://www.postwachstum.de/ und https://www.degrowth.info,
    ver­dient viel mehr Auf­merk­sam­keit und Reich­wei­te.

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