Zecken auf dem Vormarsch

Zeckenmännchen sitzt auf einer vollgesogenen weiblichen Zecke © IMAGO / Frank Sorge

True Sto­ry: Es war ein grau­dunk­ler Win­ter­tag und ich glaub­te mei­nen Augen nicht. Tat­säch­lich: Unser Hund Fri­da hat­te beim Spie­len im Hof tat­säch­lich eine Zecke ein­ge­sam­melt. Im Janu­ar, mit­ten im Win­ter! Das ist neu.

Es ist offen­sicht­lich vor­bei, dass man sich nur im Som­mer vor Zecken hüten muss. Durch die ver­gleichs­wei­se mil­den Win­ter sind Zecken mitt­ler­wei­le ganz­jäh­rig aktiv. Eigent­lich hal­ten sie zwi­schen Novem­ber und Febru­ar Win­ter­ru­he. Stei­gen die Tem­pe­ra­tu­ren jedoch auf über sie­ben Grad sind die Zecken wie­der aktiv. Auch bei uns im Hof, mit­ten in Berlin.

Das ist läs­tig und an immer mehr Orten auch rich­tig gefähr­lich. Zecken­bis­se kön­nen Krank­hei­ten über­tra­gen, wie zum Bei­spiel die Früh­som­mer­me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (FSME). Das Virus kann die Hirn­haut und das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem des Men­schen angrei­fen.

Dop­pelt so vie­le FSME-Fälle

Und die­se Gefahr wird rea­ler. Mit 704 FSME-Erkran­kun­gen wur­de 2020 die bis­lang höchs­te Anzahl Erkran­kun­gen seit Beginn der Daten­er­fas­sung im Jahr 2001 gemel­det. Das ist mehr als das Dop­pel­te des jähr­li­chen Medi­an­wer­tes von 301 Erkrankungen.

In Deutsch­land besteht ein Risi­ko für eine FSME-Infek­ti­on vor allem in Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg, in Süd­hes­sen, im süd­öst­li­chen Thü­rin­gen und in Sach­sen. Laut des aktu­el­len Epi­de­mio­lo­gi­schen Bul­le­tins 9/2021 des Robert Koch Insti­tuts kom­men nun fünf neue Risi­ko­ge­bie­te dazu — jeweils ein Kreis in Bay­ern, Hes­sen, Sach­sen und Thü­rin­gen. Als ers­ter Kreis in Sach­sen-Anhalt ist jetzt auch Des­sau-Roß­lau Risi­ko­ge­biet. Die­ser Stadt­kreis grenzt nicht an bestehen­de Risi­ko­ge­bie­te und ist somit nach dem Land­kreis Ems­land in Nie­der­sach­sen ein wei­te­res nörd­lich gele­ge­nes FSME-Risi­ko­ge­biet. Jetzt sind 169 Krei­se offi­zi­el­le FSME-Risikogebiete.

In den FSME-Risi­ko­ge­bie­ten tra­gen 0,1 bis 5 Pro­zent der Zecken das Virus in sich. Von den Men­schen, die von einer FSME-infi­zier­ten Zecke gebis­sen wer­den, erkrankt etwa jeder Dritte.

Gute Idee: FSME-Impfung

Wenn die Krank­heit erst ein­mal aus­ge­bro­chen ist, kann sie nicht mehr durch Medi­ka­men­te gestoppt wer­den. Es gibt zum Glück eine FSME-Imp­fung, die von den zustän­di­gen Behör­den Men­schen, die in FSME-Risi­ko­ge­bie­ten leben oder dort­hin rei­sen drin­gend emp­foh­len wird.

Über­all in Deutsch­land über­tra­gen Zecken aber auch Bor­re­lio­se. Zwei bis sechs Pro­zent der Men­schen infi­zie­ren sich durch einen Biss mit Bor­re­li­en — und die­se Bak­te­ri­en kön­nen bedroh­li­che Infek­ti­ons­krank­hei­ten aus­lö­sen. Die Lyme-Bor­re­lio­se kommt am häu­figs­ten vor. Typi­sches Zei­chen: Rötung an der Biss­stel­le, die sich lang­sam aus­brei­tet (Wan­der­rö­te). Dann heißt es flugs zum Arzt. Die Bor­re­lio­se lässt sich als bak­te­ri­el­le Erkran­kung vor allem im Früh­sta­di­um gut anti­bio­tisch behandeln.

900 Arten Blutsauger

Welt­weit gibt es mehr als 900 Zecken­ar­ten. Etwa zwan­zig davon kom­men aktu­ell in Deutsch­land vor, zum Bei­spiel die Igel­ze­cke, die Schaf­ze­cke oder die (ursprüng­lich in Süd­eu­ro­pa behei­ma­te­te) Auwald­ze­cke. Wegen den ver­än­der­ten Kli­ma­be­din­gun­gen dro­hen neue Arten nach Deutsch­land ein­zu­wan­dern. Einer die­ser Blut­sauger tauch­te in den letz­ten Jah­ren bereits ver­mehrt auf und könn­te sich bei zuneh­mend tro­cken­hei­ßen Som­mern in unse­ren Brei­ten noch woh­ler füh­len: die Hyalomma-Zecke.

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Die Super­ze­cken in Deutschland

Die­se Super­ze­cken sind deut­lich grö­ßer als die nor­ma­len hei­mi­schen Blut­sauger — näm­lich mit bis zu zwei Zen­ti­me­ter drei­mal so groß. Beson­ders unan­ge­nehm: Hya­lo­ma sind Jagd­ze­cken. Anders als hei­mi­sche Zecken war­tet die Hya­lom­ma nicht auf den Wirt, son­dern jagt gezielt. Sie kön­nen dabei hun­der­te Meter zurück­le­gen und schei­nen es beson­ders auf Pfer­de abge­se­hen zu haben.

Am Nie­der­rhein, in Bran­den­burg, Schles­wig-Hol­stein und Nie­der­sach­sen wur­den schon die Zecken mit den auf­fäl­lig gestreif­ten Bei­nen ent­deckt. Eini­ge haben in Deutsch­land auch schon nach­weis­lich über­win­tert. Was aller­dings noch nicht heißt, dass sie auch in unse­ren Brei­ten hei­misch wer­den. Hof­fen wir es mal nicht: Die­se Zecken sind nicht nur eklig, son­dern kön­nen auch Krank­hei­ten wie das Krim-Kon­go-Fie­ber (CCHF) über­tra­gen. Von den 2019 gefun­de­nen Exem­pla­ren der Hya­lom­ma trägt fast jede zwei­te den Fleck­fie­ber-Erre­ger in sich. Das Krim-Kon­go-Fie­ber wur­de bis­her zum Glück nicht gefunden.

Bes­ser schützen!

Trotz­dem ist man natür­lich gut bera­ten sich zu schüt­zen. Die Deut­sche Gesell­schaft für Neu­ro­lo­gie emp­fiehlt, in der Natur geschlos­se­ne Klei­dung zu tra­gen. Und man soll ver­mei­den im Unter­holz her­um­zu­krie­chen — dort lau­ern Zecken am liebs­ten. Kurz­fris­tig kön­nen Zecken-Abwehr­mit­tel die läs­ti­gen Blut­sauger vom Lei­be hal­ten. Wie man eine Zecke ent­fernt (und was man dann mit der Zecke macht) könnt ihr hier nachlesen. 

Zecken bit­te einschicken!

Was wir aber auf jeden Fall tun kön­nen ist der Wis­sen­schaft zu hel­fen: Die Uni Hohen­heim und das Robert-Koch-Insti­tut bit­ten dar­um gefun­de­ne Hya­lom­ma-Zecken ein­zu­sen­den – tot oder leben­dig. Die Wissenschaftler:innen kön­nen so deren Aus­brei­tung bes­ser ein­schät­zen und auch Gegen­maß­nah­men entwickeln.

Oder eben per Post an: Prof. Dr. Ute Macken­s­tedt, Fach­ge­biet Para­si­to­lo­gie 220B, Emil-Wolff-Stra­ße 34, 70599 Stuttgart-Hohenheim.

Wich­tig: Zet­tel bei­le­gen mit Fund­ort und Funddatum.

Auch wer eine die­ser Rie­sen­ze­cken gese­hen, aber nicht gefan­gen hat, kann der Wis­sen­schaft­ler hel­fen: Ein­fach eine Mail mit der Beob­ach­tung an tropenzecken@uni-hohenheim.de schicken.

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Journalist und jetzt Redakteur beim Panda - weil unverändert überzeugt, dass wir Menschen es besser hinkriegen können. Noch immer optimistisch mit guten Vorsätzen.
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