Honey­land”: Ein Oscar für die Bie­ne?


Der Kinofilm "Honeyland" könnte sogar einen Oscar gewinnen. © 2020 Cinejoy Movies GmbH
Der Kinofilm "Honeyland" könnte sogar einen Oscar gewinnen. © 2020 Cinejoy Movies GmbH

Die Hälf­te vom Honig für mich, die ande­re Hälf­te für euch!“, sagt Hatiz­de zu den Bie­nen, wäh­rend sie mit blo­ßen Fin­gern auf einem stei­len Abhang – ganz ohne Hand- und Gesichts­schutz – tief in einen Bie­nen­stock in der Fels­wand greift. Die maze­do­ni­sche Imke­rin spricht mit den Bie­nen, singt und beru­higt die Tie­re. Eine Sze­ne, die berührt. Erst recht, wenn man bedenkt, dass Bie­nen welt­weit bedroht sind.

Honey­land im Kino erle­ben

Am 9. Febru­ar zeigt das Ber­li­ner Sput­nik-Kino am Süd­stern den Film Honey­land. Im Anschluss wird unser Albert Wot­ke Fra­gen des Publi­kums beant­wor­ten.

Nicht nur die Honig­bie­nen haben es schwer. Auch die Bestän­de der Wild­bie­nen und aller ande­rer Insek­ten befin­den sich im Sturz­flug. Von den ca. 560 Wild­bie­nen­ar­ten wer­den 41 Pro­zent mitt­ler­wei­le als bedroht ein­ge­stuft. In Deutsch­land haben wir seit der Jahr­tau­send­wen­de fast 80 Pro­zent der Insek­ten­bio­mas­se ver­lo­ren. Das gro­ße Insek­ten­ster­ben ist also kei­ne Fik­ti­on, son­dern bit­te­rer Ernst. Und das mit fata­len Kon­se­quen­zen für uns Men­schen. Albert Ein­stein hat wohl ein­mal gesagt, ster­ben die Bie­nen stirbt vier Jah­re spä­ter auch der Mensch. Und das ist gar nicht so abwe­gig. Ohne Bie­nen und Wild­bie­nen blie­ben die Rega­le in unse­ren Super­märk­ten leer. 

Honey­land: Im Land des Honigs

Nun könn­te es sein, dass die Bie­ne bei der Oscar-Ver­lei­hung am 10. Febru­ar end­lich für all ihre Mühe belohnt wird und den begehr­tes­ten Film­preis der Welt erhält. Na gut, nicht die Bie­ne selbst, aber dafür der wun­der­schö­ne und unge­wöhn­lich, berüh­ren­de Doku­men­tar­film „Land des Honigs“ aus Maze­do­ni­en. Ein Film über das Imkern. Über Nach­hal­tig­keit. Über Mensch­lich­keit. Ein Por­trait über eine Frau, die uns zeigt, wie respekt­voll und lie­be­voll der Umgang mit der Natur sein kann. Ein zar­tes und zugleich ein­dring­li­ches Film­erleb­nis, wie es sel­ten zu sehen ist. 

In spek­ta­ku­lä­ren Bil­dern zeigt der Film die Prot­ago­nis­tin Hatid­ze, die sich in einem klei­nen maze­do­ni­schen Dorf zum einen um die Bie­nen, aber sich auch um ihre kran­ke Mut­ter küm­mert. Zudem muss sie sich gegen ihre hab­gie­ri­gen Nach­barn zur Wehr set­zen. Der Nach­bar, eben­falls ein Imker, beu­tet sei­ne Bie­nen gna­den­los aus. Hatid­ze jedoch gewinnt ihren Honig im Ein­klang mit der Natur, mit Respekt und Ver­ant­wor­tung. Wirt­schaft­lich ist der Nach­bar ihr damit jedoch über­le­gen. Das bringt die Hel­din von Honey­land aber nicht von ihrem Weg ab.  Statt­des­sen kämpft sie um ihr Leben als Imke­rin und den nach­hal­ti­gen Umgang mit den Waben aus ihrem Bie­nen­stock. Dabei muss sie viel Kraft auf­brin­gen, der Gier ihres Nach­barn stand­zu­hal­ten.

Wie geht nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft?

Damit ist Honey­land ein Film über hoch­ak­tu­el­le The­men wie Aus­beu­tung und Zer­stö­rung. Und über die Fra­gen: Wie geht nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft? Was zeich­net unse­re Mensch­lich­keit im Umgang mit der Natur aus? Was macht jeden ein­zel­nen von uns eigent­lich zu einem guten Men­schen?

Honey­land ist ein Film, der fest­hält.

Und das ist von unmess­ba­rem Wert. Denn bald schon könn­te uns eine ganz ande­re Rea­li­tät erei­len. Die stän­dig inten­si­vier­te Land­wirt­schaft mit der Über­las­tung durch Pes­ti­zi­de trei­ben das Insek­ten­ster­ben wei­ter vor­an. In Tei­len Japans oder Chi­nas, wo Bie­nen bereits aus­ge­stor­ben sind, müs­sen Obst­bäu­me von Men­schen­hand bestäubt wer­den – mit einem Pin­sel, Blü­te für Blü­te. Es wur­den sogar schon Bie­nen-Robo­ter ent­wi­ckelt. In ver­schie­de­nen Län­dern haben Wis­sen­schaft­ler Mini-Droh­nen her­ge­stellt, die mit­ein­an­der ver­netzt die Arbeit von Honig­bie­nen erle­di­gen kön­nen. 

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Und wenn wir irgend­wann mal nicht mehr vom lei­sen Sum­men der Bie­nen im Som­mer geweckt wer­den, son­dern von dem Sur­ren der Droh­nen­mo­to­ren, wer­den wir uns viel­leicht an Hatid­ze und ihre Bie­nen erin­nern. 

WWF for­dert euro­päi­sche Lösung für Insek­ten­schutz

Dar­um for­dert der WWF ein weit­ge­hen­des Ver­bot vom Ein­satz von Pes­ti­zi­den in FFH-Gebie­ten, Vogel­schutz­ge­bie­ten und arten­rei­chem Grün­land. Insek­ten­schutz kann aber nicht allein auf natio­na­ler Ebe­ne statt­fin­den. Dar­um braucht es eine gemein­sa­me, euro­päi­sche Lösung. 

Um zu errei­chen, dass das  The­ma wei­ter in das Bewusst­sein der Gesell­schaft rückt, und weil uns der Film bezau­bert hat, wün­schen wir Hatid­ze und ihren Bie­nen, dass sie bei der berühm­ten Preis­ver­lei­hung beju­belt und gefei­ert wer­den. Ob mit oder ohne Oscar!

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Anne Thoma

Über mich
Anne Thoma

Filmemacherin aus Leidenschaft. Dafür schon die Welt bereist - von der Revolution in Lybien, über Rebellen auf den Philippinen bis hin zu einem Taxifahrer im Sudan. Beim WWF im Einsatz für mein Herzensthema: Unsere Welt und wie wir sie gestalten. Dabei durfte ich schon Blauwale in Chile filmen und Gorillababys in Afrika. Zur Zeit ist mein Fokus Plastik.

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