Unse­re Gro­ße Klei­ne Farm: Kino-Hel­den der Land­wirt­schaft


Unsere große kleine Farm fing mit ihm an: Hund Todd
Mit Todd fing alles an ©John Chester

Eine Trau­be von Schü­lern tum­melt sich um einen Mann in Karo­hemd, Car­go-Hose, Trek­king-Schu­hen und Base­cap. Alle war­ten gedul­dig dar­auf, ein Sel­fie oder gar ein Auto­gramm zu bekom­men. Der Mit­te-40-Jäh­ri­ge genießt die Auf­merk­sam­keit sicht­lich und lächelt.

Unsere große kline Farm: John Chester
Bau­er und Star © John Ches­ter

Der gefrag­te Mann ist John Ches­ter. Von Beruf Bau­er. Und die  Jugend­li­chen haben soeben beim Scree­ning im Del­phi-Film­pa­last “Unse­re Gro­ße Klei­ne Farm” gese­hen. Es ist ein Film von John Ches­ter. Und eine Film über ihn. Über sein Lebens­pro­jekt mit sei­ner Frau Mol­ly. Und über Todd, den Hund und natür­lich Emma, die Sau. “Unse­re Gro­ße Klei­ne Farm” ist der bis­lang erfolg­reichs­te Doku­men­tar­film des Jah­res in den USA

Vom Hund zur Nach­hal­tig­keit: Wie die gro­ße Farm klein begann

Mit Todd, dem Hund, fing alles an. Die Ches­ters nah­men ihn aus einem Tier­heim. Er war schnell nicht mehr aus ihrem Leben weg­zu­den­ken. Der Haken: Todd konn­te nicht allein gelas­sen wer­den, bell­te dann die Nach­bar­schaft zusam­men und brach­te schließ­lich den Ver­mie­ter dazu, den Ches­ters zu kün­di­gen.

Eh ver­lo­ren in ihrem urba­nen All­tags­trott, ent­schlos­sen sich John und Mol­ly ihren lang geheg­ten Traum zu ver­wirk­li­chen. Sie kauf­ten mit Hil­fe eines Inves­tors 81 Hekt­ar Land. Eine Stun­de außer­halb von Los Ange­les. Der Plan: mehr Sinn im Leben und von nun an im Ein­klang mit der Natur zu leben.

Die Visi­on: ihre klei­ne Farm. Mit vie­len, vie­len ver­schie­de­nen Pflan­zen, Obst­sor­ten und natür­lich glück­li­chen Tie­ren.

Die Rea­li­tät, die sie vor­fan­den: Ein stark aus­ge­trock­ne­tes, ver­nach­läs­sig­tes Land, umge­ben von Mono­kul­tu­ren oder still­ge­leg­ten Lege­bat­te­ri­en in der kali­for­ni­schen Step­pe.

Getrie­ben von Idea­lis­mus, pack­ten die Ches­ters ihren Traum an. Gemein­sam mit Alan, einem Exper­ten für bio­dy­na­mi­sche Land­wirt­schaft, des­sen Enthu­si­as­mus über das Pro­jekt schnell anste­ckend wird, folgt eine umkrem­peln­de Maß­nah­me nach der nächs­ten. Weg mit den Mono­kul­tu­ren. Bewäs­se­rungs- und Kom­post­sys­tems auf­bau­en. Die ers­ten Nutz­tie­re. Und so wei­ter. Die Ches­ter bekom­men Unter­stüt­zung von Frei­wil­li­gen aus der gan­zen Welt, die sie übers Inter­net rekru­tie­ren und die genau­so über­zeugt sind von der Visi­on der nach­hal­ti­gen Land­wirt­schaft wie sie.

Unsere große kleine Farm, Huhn und Sau
Die pure Idyl­le: Emma und Gre­a­sy © John Ches­ter

Ein Jahr ver­geht, zwei Jah­re. Der Obst­gar­ten wächst und wächst, inzwi­schen sind es 75 Sor­ten. Hüh­ner, Bul­len, Kühe, Scha­fe und ihre Wach­hun­de, und natür­lich die für die Böden wich­ti­gen Wür­mer und ande­re Kleinst­le­be­we­sen leben alle­samt glück­lich bei­sam­men.

Idyl­le vs länd­li­che Rea­li­tät der gro­ßen, klei­nen Farm

Auf den zwei­ten Blick jedoch trügt das länd­li­che Glück: Ande­re Orga­nis­men bekom­men schnell Wind von der Idyl­le und brin­gen den beab­sich­tig­ten Kreis­lauf immer wie­der durch­ein­an­der. Schne­cken­pla­gen und Kojo­ten, die die Hüh­ner nachts rei­ßen, schlim­me Stür­me oder auch ein gro­ßer Wald­brand. Je mehr die Farm gedeiht, des­to mehr Pla­gen schei­nen auf­zu­tau­chen.

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Doch auch wenn anfangs sehr viel Geduld, Opti­mis­mus und Kom­pro­mis­se von­nö­ten sind, der Glau­be an ihren Plan eines sich selbst rege­ne­rie­ren­den Kreis­lau­fes geht auf. Alans Cre­do von maxi­ma­ler Arten­viel­falt und dem Nach­emp­fin­den eines natür­li­chen Öko­sys­tems trägt — wenn auch lang­sam — Früch­te. Nach cir­ca fünf Jah­ren lässt sich ein pro­duk­ti­ver Zyklus auf den 81 Hekt­ar Land erah­nen.

Wenn Jugend­li­che sich für Land­wirt­schaft begeis­tern

Zurück in Ber­lin, im Del­phi Kino, beim Scree­ning von “Unse­re Gro­ße Klei­ne Farm”. Die Schü­ler ver­fol­gen die Geschich­te der Ches­ters auf der Lein­wand gespannt. 91 Minu­ten lang fie­bern sie mit; bei der Geburt von unzäh­li­gen Fer­keln von Emma, der Sau. Sie lei­den mit, wenn John und sei­ne Hel­fer wie­der ein­mal dut­zen­de von den Kojo­ten geris­se­ne Hüh­ner auf­sam­meln. Und sie ler­nen — gemein­sam mit den Ches­ters — über die Kom­ple­xi­tät von tra­di­tio­nel­ler, nach­hal­ti­ger Land­wirt­schaft und was es bedeu­tet, öko­lo­gisch Lebens­mit­tel zu pro­du­zie­ren.

Und als sei­en die­se Bil­der jen­seits der eigent­li­chen Welt nicht schon ein­drucks­voll genug, stellt im Anschluss an die Film­vor­stel­lung sogar John Ches­ter den vie­len Fra­gen. Ob das alles wirk­lich so pas­siert sei oder nur eine aus­ge­dach­te Geschich­te? John Ches­ter lacht, gesteht, dass die acht Jah­re eine wirk­lich ver­rück­te Zeit gewe­sen sind. Aber ja, dass sie wirk­lich so pas­siert sind.

Wir haben es also tat­säch­lich mit einem Hel­den unter den Bau­ern zu tun. Das ist ein Sel­fie wert.

 Ab 11. Juli ist “Unse­re Gro­ße Klei­ne Farm” auch hier­zu­lan­de im Kino zu sehen.

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Lea Budde

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