Gold-Rausch: Wie die Kri­se den Ama­zo­nas gefähr­det


Die Bedingungen, unter denen Gold gewonnen wird, sind hart. © Zig Koch/ WWF
Die Bedingungen, unter denen Gold gewonnen wird, sind hart. © Zig Koch/ WWF

Gold gilt als die Wäh­rung der Angst. Fal­len die Akti­en­kur­se, inves­tie­ren vie­le in Gold. Es steht für Sta­bi­li­tät, Rein­heit und Schön­heit. Dabei ent­spricht die Gold­ge­win­nung genau dem Gegen­teil: Ver­nich­tung, Aus­beu­tung und Schmutz. Auch in der aktu­el­len Covid-19-Pan­de­mie  steigt die Nach­fra­ge wie­der an. Mit erheb­li­chen Fol­gen für Men­schen, Tie­re und Pflan­zen. 

Über 300 Jah­re nach sei­nem ers­ten Gold­rausch erlebt Bra­si­li­en aktu­ell einen erneu­ten Ansturm auf Gold. Es wird berich­tet, dass der­zeit etwa 20.000 soge­nann­te Garim­pei­ros (Gold­su­cher) die Pan­de­mie aus­nut­zen und tief in den Ama­zo­nas vor­drin­gen. Sie hin­ter­las­sen zer­stör­te Land­schaf­ten, ver­gif­te­te Flüs­se und tra­gen zudem das Coro­na-Virus und ande­re Krank­hei­ten in zuvor abge­schie­de­ne Kul­tu­ren.

Queck­sil­ber zum Gold­wa­schen

Gera­de im Klein­berg­bau ist die Nut­zung von hoch­gif­ti­gem Queck­sil­ber üblich, um Gold aus dem Gestein zu waschen. Aber auch der Groß­berg­bau­sek­tor hat enor­me Fol­gen für die Umwelt. Da das Schwer­me­tall nicht abge­baut wird, sorgt die­se Pra­xis für ein star­kes Anstei­gen der Queck­sil­ber­be­las­tung in Was­ser, Boden, Pflan­zen und Tie­ren. Über Fische kann es auch in den mensch­li­chen Kör­per gelan­gen. Dort ver­ur­sacht es Nie­ren­er­kran­kun­gen, Lun­gen­ent­zün­dung und Öde­me, Läh­mun­gen, kogni­ti­ve und moto­ri­sche Ver­zö­ge­run­gen oder Psy­cho­sen.

Gold wird noch immer oftmals mit hochgiftigem Quecksilber aus dem Gestein gewaschen. © Zig Koch / WWF
Gold wird noch immer oft­mals mit hoch­gif­ti­gem Queck­sil­ber aus dem Gestein gewa­schen. © Zig Koch / WWF

Welt­weit wer­den jähr­lich rund 3.330 Ton­nen Gold gewon­nen, wovon ein rund Vier­tel aus dem Klein­berg­bau stam­men. Fast über­all auf der Welt, wo Gold gefun­den wird, sind die Fol­gen gra­vie­rend. Wäl­der ver­schwin­den, um Minen zu errich­ten. Stra­ßen ent­ste­hen, um Infra­struk­tu­ren zu schaf­fen. Und neben Queck­sil­ber gefähr­den auch ein­ge­setz­te Cyna­ni­de Gewäs­ser und Böden.

Gold: Aus­beu­tung in ille­ga­len Minen

Schät­zungs­wei­se 20 bis 30 Mil­lio­nen Men­schen arbei­ten welt­weit im Klein­gold­berg­bau­sek­tor. Die Arbeits­be­din­gun­gen sind häu­fig aus­beu­te­risch und gesund­heits­ge­fähr­dend, vie­le Men­schen arbei­ten in ille­ga­len Minen. Allein in Süd­afri­ka sol­len rund 30.000 ille­ga­le Minen­ar­bei­ter im Ein­satz sein.

Der Abbau von Gold hat oftmals gravierende Folge für Tiere, Pflanzen und damit auch für Menschen. © Juan Pratginestos / WWF
Der Abbau von Gold hat oft­mals gra­vie­ren­de Fol­ge für Tie­re, Pflan­zen und damit auch für Men­schen. © Juan Prat­gi­nestos / WWF

Aller­dings gibt es auch Recy­cling­gold, also wie­der­ver­wer­te­tes Alt­gold. Es hat den glei­chen Wert wie neu abge­bau­tes Gold, aber es belas­tet die Umwelt weni­ger. Wer in Gold inves­tie­ren möch­te, dem emp­feh­len wir gezielt nach Recy­cling­gold zu fra­gen. Es gibt dar­über hin­aus auch Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­te­me, wie Fair­mi­ned für Klein­berg­bau­ern oder IRMA (Initia­ti­ve for Respon­si­ble Mining Assuran­ce) für Groß­berg­bau­un­ter­neh­men. 

Sau­be­re Lie­fer­ket­ten für Gold

Aller­dings wer­den frei­wil­li­ge Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­te­me allein den Gold­berg­bau nicht kom­plett umkrem­peln. Eine erhöh­te Nach­fra­ge der Inves­to­ren erzeugt bei Ban­ken, Händ­lern und Juwe­lie­ren Druck, ihre Lie­fer­ket­ten sau­ber zu hal­ten. Dafür brau­chen wir ver­bind­li­che Rege­lun­gen für Waren und Roh­stof­fe impor­tie­ren­de Unter­neh­men, die sie dazu zwin­gen, Ver­ant­wor­tung für die gesam­te Lie­fer­ket­te zu über­neh­men. Die Gold­pro­duk­ti­on lässt sich zum Bei­spiel der­zeit oft nur bis zu den wei­ter­ver­ar­bei­ten­den Schmel­ze­rei­en nach­voll­zie­hen. Danach ist Schluss. Das geht so nicht.

Recycltes Gold hat übrigens den gleichen Wert wie "frisches" Gold. © iStock / Gettyimages
Recy­cel­tes Gold hat übri­gens den glei­chen Wert wie “fri­sches” Gold. © iStock / Get­ty­images

Wir brau­chen ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz!

Nach mei­ner Ansicht kön­nen nur Geset­ze und der Druck des Kon­su­men­ten und ver­ant­wor­tungs­vol­len Unter­neh­men hier Ein­halt gebie­ten. Aktu­ell erle­ben wir aber das Gegen­teil: Einer­seits steigt die Nach­fra­ge, Pro­duk­ti­on und Gewin­nung wie­der an. Gleich­zei­tig ver­su­chen auch deut­sche und euro­päi­sche Wirt­schafts-und Indus­trie­ver­bän­de ein neu­es Lie­fer­ket­ten­ge­setz aus­zu­brem­sen. 

Man kann gut auf Gold ver­zich­ten. Und wenn es doch unbe­dingt Gold sein muss, ach­tet auf ver­ant­wor­tungs­vol­les Pro­du­zier­tes. Kri­se hin oder hier.

Unter­zeich­net unse­re Peti­ti­on an Frau Mer­kel: Wir brau­chen end­lich ein Lie­fer­ket­ten­ge­setz!

 

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