War­um Frau­en­för­de­rung in der Fische­rei zu mehr Nach­hal­tig­keit führt


Eine Frau verkauft Fisch auf dem Langgur Markt in Indonesien © James Morgan / WWF-US

Frau­en in der Fische­rei? Wenn man an Fischer denkt, dann hat man Bil­der von har­ten Ker­len im Kopf, die schwe­re Net­ze aus dem Meer zie­hen. Was aber kaum jemand weiß: Jeder zwei­te Arbeits­platz in der Fische­rei wird von einer Frau besetzt.

Frau­en in der Fische­rei sind sel­te­ner im Pri­mär­sek­tor tätig (nur 14 Pro­zent). Sie fin­den sich häu­fig in den schlech­ter bezahl­ten Jobs. Dazu zäh­len die Pro­duk­ti­on und Aqua­kul­tur, Ver­kauf und Ver­wal­tung. Es sind Jobs wie Krab­ben­puh­len, Muscheln und Krus­ten­tie­re sam­meln. Aber auch das Orga­ni­sie­ren von Boots­aus­flü­gen, das Fli­cken der Net­ze, die Bereit­stel­lung des Equip­ments und die Ver­pa­ckung und Ver­ar­bei­tung gehö­ren zu den typi­schen weib­li­chen Arbei­ten.

Frauen in der Fischerei: Knüpfen von Bambus-Fischfallen in Vietnam
Frau­en knüp­fen Bam­bus-Fisch­fal­len © Tzido / iStock / Get­ty Images

Frau­en in der Fische­rei sind unter­be­zahlt und wer­den dis­kri­mi­niert

Fakt ist: Die Ver­tei­lung von Rol­len, Macht und Gewinn zwi­schen den bei­den Geschlech­tern ist dra­ma­tisch ungleich­mä­ßig. Frau­en reprä­sen­tie­ren 90 Pro­zent der nied­rig­be­zahl­ten Jobs im Fische­rei­sek­tor und nur 1 Pro­zent der Füh­rungs­po­si­tio­nen. Von den 100 größ­ten Fische­rei-Unter­neh­men wird nur eines von einem weib­li­chen Chef geführt. Frau­en bil­den somit das Ende der Wert­schöp­fungs­ket­te. Die Fische­rei hat ein mas­si­ves Geschlech­ter- und Gleich­be­rech­ti­gungs­pro­blem!

Frau­en in der Fische­rei füh­len sich oft dis­kri­mi­niert. Sie sind sel­ten an Ent­schei­dun­gen betei­ligt, obwohl die­se Aus­wir­kun­gen auf ihr Leben haben. Es fehlt an weib­li­chen Vor­bil­dern und Gleich­ge­sinn­ten. Ein Teu­fels­kreis!

Frauen in der Fischerei: Fischverkäuferin auf dem Markt
Fisch­ver­kauf auf dem Bueng Khong Long Markt in Thai­land © Kel­sey Hart­man / WWF-Grea­ter Mekong

Das Gen­der-Pro­blem hat zwar in den letz­ten Jah­ren all­mäh­lich an Sicht­bar­keit gewon­nen. Bis sich wirk­lich etwas tut, ist es noch ein wei­ter Weg. Dabei wäre eine bes­se­re Durch­mi­schung gera­de auch im Fische­rei-Manage­ment in geho­be­nen Posi­tio­nen wün­schens­wert.

Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit kann zu mehr Nach­hal­tig­keit füh­ren

Stu­di­en zei­gen, dass mehr Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit im Fische­rei­sek­tor zu einer nach­hal­ti­ge­ren Nut­zung der Mee­res­res­sour­cen füh­ren kann. Frau­en han­deln nicht unbe­dingt häu­fi­ger als Män­ner nach ethi­schen Grund­sät­zen. Aber ande­re Fak­to­ren wie die Sor­ge um die Fami­lie und die loka­le Gemein­schaft kön­nen zu einer Ver­bes­se­rung der Nach­hal­tig­keit füh­ren. Frau­en sehen sich in der Rol­le, eine lang­fris­ti­ge Ver­sor­gung sicher­zu­stel­len.

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Um die Geschlech­ter­ge­rech­tig­keit im Fische­rei­sek­tor zu stär­ken, for­dert der WWF poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger auf:

  • Die Rol­le von Frau­en auf poli­ti­scher Ebe­ne zu stär­ken. Frau­en spie­geln ein brei­te­res Spek­trum an Erfah­run­gen wider, die für die Nut­zung natür­li­cher Res­sour­cen rele­vant sind.
  • Mehr Aner­ken­nung und För­de­rung des Wis­sens von Fische­rin­nen und Fisch­ar­bei­te­rin­nen. Män­ner wis­sen, in wel­chen Gebie­ten am bes­ten gean­gelt wer­den kann. Frau­en ken­nen den Preis der Fische auf dem Markt und den Nähr­wert. Nur wenn die Erfah­run­gen und Kennt­nis­se bei­der Geschlech­ter aner­kannt wer­den, kön­nen wir die Fische­rei ver­ste­hen und sei­ne Ent­wick­lung ange­mes­sen steu­ern.
  • Bes­se­rer Zugang von Frau­en zu höhe­rer Bil­dung. Die Leis­tun­gen von Frau­en in allen wirt­schaft­li­chen, sozia­len oder poli­ti­schen Berei­chen müs­sen zu glei­cher Betei­li­gung füh­ren!

Am “World Mari­ne Day”  über­gab der WWF ein Stra­te­gie­pa­pier an EU-Ent­schei­dungs­trä­ger, das die Bedeu­tung der Gleich­stel­lung der Geschlech­ter und die Rol­le der Frau­en in Natur­schutz- und Ent­wick­lungs­po­li­tik betont.

Es ist höchs­te Zeit, alle Hin­der­nis­se für den Zugang von Frau­en in geho­be­ne Posi­tio­nen des Fische­rei­sek­tors besei­ti­gen. Die Ernäh­rungs­si­cher­heit, die Nach­hal­tig­keit der Ozea­ne sowie sozia­le Gerech­tig­keit wür­den dadurch vor­an­kom­men!

Und für den Ver­brau­cher gilt: Wer nach­hal­ti­gen Fisch kauft, stärkt auch die Frau­en in der Fisch­in­dus­trie!

Hier geht’s zu unse­rem Fischrat­ge­ber!

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Katja Graf

Über mich
Katja Graf

„Ich liebe die Schiffe, das Meer und den Hafen…“ Auch als Berlinerin habe ich einen Hang zum Wasser, wenngleich der nächste Strand sehr weit ist. Beim Tauchen am Great Barrier Reef vor 10 Jahren habe ich meine Leidenschaft für die Unterwasserwelt entdeckt: Die bunten Fischschwärme, schillernden Korallen, Schildkröten und anderen Meeresbewohner haben mich sofort fasziniert. Damit das Leben in den Ozeanen erhalten bleibt, dafür kämpfe ich jetzt beim WWF. Ich unterstütze das Projekt „Fish Forward“ als Projektmanagerin im Bereich Kommunikation.

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