Flops und Tops: Der Palm­öl-Check


oher das Palmöl kommt ist vielen Firmen noch egal (c) iStock / getty images
Woher das Palmöl kommt ist vielen Firmen noch egal (c) iStock / getty images

Gefühlt habe ich mich gera­de eben erst mit Unter­neh­men gestrit­ten, weil sie in der Palm­öl Score­card 2013 schlecht abge­schnit­ten haben. Und jetzt habe ich schon wie­der auf­ge­reg­te Unter­neh­mens­ver­tre­ter am Tele­fon, die nicht ver­ste­hen, war­um sie bei der Palm­öl Score­card 2015 des WWF kei­ne Punk­te bekom­men. Das sind meist gera­de die, die Palm­öl ein­set­zen, ohne zu wis­sen, wo es her­kommt — geschwei­ge denn, ob es Min­dest­stan­dards ein­hält. Dabei machen wir und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen seit Jah­ren auf die Pro­ble­me auf­merk­sam. Die desas­trö­sen Aus­wir­kun­gen, die der Palm­öl­an­bau meist hat, soll­ten kei­nem Unter­neh­men mehr unbe­kannt sein! Und spä­tes­tens beim „Nutel­la-Gate“ soll­te auch der letz­te auf­ge­wacht sein.

Ver­schla­fe­ne gibt es ja immer – aber eben auch Wecker. In die­sem Jahr wur­de mir das ers­te Mal von einem Unter­neh­men mit einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung gedroht. Grund: Sie wür­den doch gar kein Palm­öl nut­zen und hät­ten angeb­lich gar kei­nen Fra­ge­bo­gen von uns bekom­men. Frech­heit, was der WWF da macht! Komisch nur, dass auf ihrer eige­nen Web­site Palm­öl als Zutat auf­taucht – und sie uns eine Lese­be­stä­ti­gung auf unse­re ers­te (von vier) Emails geschickt haben. So schnell wie die einst­wei­li­ge Ver­fü­gung im Raum stand, war sie auch schon wie­der vom Tisch.

Sauber oder nicht sauber? (c) iStock / getty images
Sau­ber oder nicht sau­ber? © iStock / get­ty images

Es geht doch!

Aber ich will gar nicht jam­mern. Es gibt auch posi­ti­ve Bei­spie­le. Unter­neh­men, die sich von nur einem Punkt im Jahr 2013 auf 11 von 20 Punk­ten hoch­ge­ar­bei­tet haben, wie zum Bei­spiel die Dro­ge­rie­markt­ket­te dm. Oder nach­fra­gen, was sie denn noch bes­ser machen könn­ten. Im Ver­gleich zum Vor­jahr hat sich der Anteil von Unter­neh­men, die zu 100 Pro­zent zer­ti­fi­zier­tes Palm­öl nut­zen ver­dop­pelt – von 29 auf immer­hin 62. Und immer­hin 46 Unter­neh­men fra­gen min­des­tens eins unse­rer Zusatz­kri­te­ri­en bei ihren Lie­fe­ran­ten ab, wie zum Bei­spiel ein Ver­bot der Umwand­lung von Torf­bö­den oder ein Ver­zicht auf hoch­ge­fähr­li­che Pes­ti­zi­de. Seit unse­rer ers­ten Palm­öl-Score­card 2009 lässt sich also ein posi­ti­ver Trend fest­stel­len. Mehr als die Hälf­te der von uns befrag­ten 200 deut­schen Unter­neh­men nut­zen bereits zumin­dest teil­wei­se zer­ti­fi­zier­tes Palm­öl. Das liegt sicher auch dar­an, dass mit der Kenn­zeich­nungs­pflicht seit 2015 auf Pro­duk­ten drauf steht, wenn Palm­öl drin ist. Trans­pa­renz hilft!

Phar­ma und Fut­ter glän­zen mit intrans­pa­ren­ter Palm­öl-Poli­tik

Das kann man auch bei den Score­card-Ergeb­nis­sen able­sen. Der Lebens­mit­tel­be­reich, bei dem die Ver­brau­cher hin­schau­en, steht ziem­lich gut da. Dafür schnei­den die Phar­ma­un­tern­meh­men und die Fut­ter­mit­tel­in­dus­trie sehr schlecht ab: Alle­samt 0 Punk­te – kei­ne Rück­mel­dun­gen. In einer neu­en Stu­die kam raus, dass etwa 20 Pro­zent des in Deutsch­land genutz­ten Palm­öls in die­se zwei Bran­chen gehen. Des­we­gen haben wir sie das ers­te Mal auch befragt. Aber Trans­pa­renz scheint nicht so ihr Ding zu sein. In der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung haben sie ges­tern dazu gesagt, dass sie „nur“ wei­ter­ver­ar­bei­te­tes Palm­öl nut­zen wür­den und über Her­kunft und Anbau sei ihnen nichts bekannt. Na, das nen­ne ich mal Igno­ranz!

Der Weg ist also noch lang und wir bewe­gen uns lei­der nur lang­sam vor­an – aber immer­hin bewe­gen wir uns. Es gibt mitt­ler­wei­le Initia­ti­ven wie das Forum nach­hal­ti­ges Palm­öl (FONAP) oder die Palm Oil Inno­va­tors Group (POIG), in denen sich Unter­neh­men enga­gie­ren kön­nen. Denn – bei aller Kri­tik am Run­den Tisch für Palm­öl (RSPO): Nichts tun ist auch kei­ne Lösung! Wer Palm­öl nutzt, muss auch Ver­ant­wor­tung über­neh­men.

Was tun? Selbst schau­en!

Also, schaut Euch mal an, wie Euer Super­markt um die Ecke abschnei­det und ob Eure Lieb­lings­mar­ke sich mit sei­nen Lie­fer­ket­ten aus­ein­an­der setzt. Ich habe schon das ein oder ande­re Pro­dukt wie­der zurück­ge­stellt, weil ich weiß, wie wenig der Her­stel­ler im Bereich Palm­öl macht.

Und ansons­ten ist mein Tipp: Mög­lichst mit fri­schen Lebens­mit­tel kochen, weni­ger Süßes und Fet­ti­ges — auch wenn es weh tut. Weni­ger weg­wer­fen und wenn mög­lich Bio kau­fen, denn Bio­palm­öl kommt auch noch ohne Pes­ti­zi­de aus.

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3 Kommentare

  1. Avatar
    Livia
    5. Oktober 2015
    Antworten

    Guten Abend,
    lei­der ist der Link zur Palm­öl-Score­card 2015 anschei­nend nicht kor­rekt. Zumin­dest bekom­me ich einen 404-er, wenn ich ihn drü­cke. Kön­nen Sie sich das viel­leicht anse­hen? Vie­len Dank im Vor­aus. 🙂
    Bes­te Grü­ße und einen schö­nen Abend

    • Avatar
      6. Oktober 2015
      Antworten

      Hal­lo Livia, jetzt soll­te der Link wie­der in Ord­nung sein. Vie­len Dank für die Mit­tei­lung und einen schö­nen Tag!

  2. Avatar
    Anna R.
    17. Oktober 2016
    Antworten

    Sehr geehr­te Frau Peter­sen

    Ich schrei­be zur­zeit an mei­ner Ver­tie­fungs­ar­beit über Palm­öl und woll­te Sie fra­gen ob sie mir Unter­la­gen zu die­sem The­ma schi­cken könn­ten?

    Freund­li­che Grüs­se und einen schö­nen Abend

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