Kann man noch Fisch aus der Ost­see essen?


Ostsee Fisch essen oder nicht? Paar am Strand
Ostsee Fisch essen oder nicht? CC0 Mareks Steins https://unsplash.com/photos/GCKgyzhO6h0

Sie ist ruhi­ger als ihre gro­ße Schwes­ter die Nord­see, an ihren Küs­ten wur­de der Strand­korb erfun­den und sie lockt mit kilo­me­ter­lan­gen wei­ßen Sand­strän­den und See­brü­cken: die Ost­see. Für vie­le Tou­ris­ten gehört zum Ost­see-Urlaub fri­scher Fisch genau­so wie das Eis. Doch kann man hei­mi­sche Fische noch guten Gewis­sens essen?

Vor Kur­zem hat­ten wir einen Blog­bei­trag zum The­ma Fische aus der Nord­see. Das ernüch­tern­de Fazit: Bis auf den Hering fast alle über­fischt. Für die Ost­see stellt sich die Fra­ge also genau­so: Wie steht’s um die Fisch­be­stän­de in der Bal­ti­schen See?

Dorsch und Hering aus der Ost­see: Bit­te nicht essen

Um es kurz zu machen: Auch die meis­ten Ost­see-Fische sind über­fischt oder bis an ihre Gren­zen befischt. Das zei­gen die kürz­lich ver­öf­fent­lich­ten wis­sen­schaft­li­chen Fang­emp­feh­lun­gen des ICES (Wis­sen­schaft­li­cher Rat zur Erfor­schung der Mee­re).

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Die Fang­men­gen lie­gen noch immer über den wis­sen­schaft­li­chen Emp­feh­lun­gen für eine nach­hal­ti­ge Fische­rei. Mitt­ler­wei­le wer­den 88 Pro­zent der quo­tier­ten Fisch­be­stän­de in der Ost­see über­fischt. Regie­run­gen bedie­nen eben noch immer kurz­sich­ti­ge Indus­trie­in­ter­es­sen. Dazu kommt, dass es in der Pra­xis immer noch viel zu oft ille­ga­le Rück­wür­fe gibt. Damit wer­den die Fang­quo­ten ver­zerrt — und die Bestän­de sin­ken wei­ter.

Fisch essen an der Ostsee? Bitte nicht Dorsch
Über­fischt: Dorsch in der Ost­see © Shut­ter­stock / Kra­so­wi / WWF

 

Die For­scher emp­feh­len den ver­ant­wort­li­chen Poli­tik­gre­mi­en und Minis­tern einen sofor­ti­gen Fang-Stopp für den west­li­chen Herings­be­stand sowie den öst­li­chen Dorsch­be­stand. Im Klar­text: Wenn wir auch in ein paar Jah­ren noch hei­mi­schen Fisch aus der Ost­see auf dem Tel­ler haben wol­len, müs­sen wir jetzt ein paar Jah­re Ver­zicht üben.

Aber zurück zur ursprüng­li­chen Fra­ge: Gibt es über­haupt Ost­see-Fische, die man noch guten Gewis­sens essen kann? Die gute Nach­richt: Ja, die gibt es, auch wenn es immer weni­ger wer­den.

Kann man Ostsee Fische noch essen? Diese Sprotten schon.
Kann man Fische aus der Ost­see noch essen? Die­se Sprot­ten schon. © iStock / Get­ty Images

Aal auf kei­nen Fall, Sprot­ten kann man essen

Aal ist welt­weit vom Aus­ster­ben bedroht (und soll­te des­halb auf kei­nen Fall geges­sen wer­den!). Dorsch‑, Lachs- und Herings­be­stän­de in der Ost­see haben deut­lich abge­nom­men haben. Aber es gibt eini­ge weni­ge Fische, die man noch emp­feh­len kann. Dazu gehö­ren Sprot­ten. In Deutsch­land wer­den Sprot­ten in geräu­cher­ter Form (Kie­ler Sprot­ten) beson­ders geschätzt. Außer­dem kom­men sie in Kon­ser­ven in den Han­del und wer­den oft als (unech­te) „Ancho­vis“ ver­mark­tet.

Auch die Schol­len-Bestän­de sind halb­wegs sta­bil. Hier ist eher das Pro­blem, dass die­se mit Grund­schlepp­net­zen und Baum­kur­ren gefan­gen wer­den, die den Mee­res­bo­den zer­stö­ren. Das­sel­be gilt für die Flun­der und Stein­butt. Für die­se bei­den Fisch­ar­ten lie­gen aller­dings kei­ne zuver­läs­si­gen Bestands­grö­ßen vor. Im Zwei­fel also lie­ber die Fin­ger davon las­sen, fin­de ich.

Fisch soll­ten wir als Deli­ka­tes­se betrach­ten. Auch an der Ost­see muss man ja nicht stän­dig Fisch essen. Und wenn man doch mal Appe­tit auf Fisch hat: Am bes­ten Zucht-Karp­fen bestel­len (mit Bio-Label!).

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2 Kommentare

  1. Avatar
    4. Juli 2019
    Antworten

    Jun­ge Fische wer­den, ohne Rück­sicht auf die Bestän­de, schon gefan­gen, bevor sie sich über­haupt ver­meh­ren kön­nen. Durch die Ver­schmut­zung der Mee­re rei­chern sich im Fleisch der Fische Gif­te und Schwer­me­tal­le an. Beson­ders Queck­sil­ber kommt häu­fig in hohen Kon­zen­tra­tio­nen vor. Mitt­ler­wei­le gibt es auch vie­le Fisch­fa­bri­ken, in denen die Fische dicht gedrängt in Zucht­be­cken leben müs­sen und mit Medi­ka­men­ten und Che­mi­ka­li­en behan­delt wer­den, um diver­se Krank­hei­ten ein­zu­däm­men, die die­se Hal­tung mit sich bringt. Wem sich jetzt das roman­ti­sche Bild des Sport­fi­schers auf­drängt, der soll­te viel­leicht ver­su­chen sich vor­zu­stel­len, wie sich wohl ein Angel­ha­ken anfühlt, der sich durch die eige­ne Unter­lip­pe bohrt.

  2. Avatar
    Siegbert
    13. Juli 2019
    Antworten

    10 Jah­re lang auf jeg­li­chen kom­mer­zi­el­len Fisch­fang ver­zich­ten, mit Aus­nah­me derer, die nichts ande­res haben!
    Dann nur die Men­gen, die den Bestand erhal­ten!

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