Elek­tro­au­tos: Zu groß, zu wenig, zu teuer

Wir brauchen weniger Autos und bessere Alternativen für diejenigen, die darauf verzichten © Mykola Pokhodzhay / iStock / Getty Images

Sie kön­nen die Ver­kehrs­wen­de in die Spur brin­gen, Elek­tro­au­tos allein aber sind nicht die Mobi­li­tät der Zukunft. Wir brau­chen weni­ger Pkw, die weni­ger fah­ren – und bes­se­re Alter­na­ti­ven für die­je­ni­gen, die aufs Auto verzichten.

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Vor sie­ben Jah­ren bin ich auf einem Elek­tro­mo­tor­rad für den WWF zum Kli­ma­gip­fel nach Marok­ko gedüst. Ich saß auf einer Zero DSR, Höchst­ge­schwin­dig­keit knapp 200 km/h, das hat Spaß gemacht. So rich­tig durch­set­zen konn­te sich die Elek­tro­mo­bi­li­tät bei Motor­rä­dern aber nie.

Mit dem E‑Motorrad durch die Wüs­te Marok­kos © Micha­el Schehl / WWF

Das ist viel­leicht auch nicht über­ra­schend. Motor­rä­der sind halt eher was für älte­re wei­ße Män­ner und letz­te­re zum Umstieg von ihrer Har­ley zu über­zeu­gen, scheint beson­ders schwer. Obwohl es Har­leys inzwi­schen auch als Stro­mer gibt…

Immer­hin ist seit 2016 bei den klei­ne­ren Gefähr­ten tat­säch­lich etwas in Bewe­gung gera­ten: An strom­be­trie­be­ne Ves­pas und Miet­rol­ler von TIER, LIME, Bolt und Co. haben wir uns inzwi­schen gewöhnt. Und Fahr­rä­der mit Akkus, so genann­te Pedelecs, erwei­tern vor allem auf dem Land die Reich­wei­te von Men­schen, die sonst auf das Taxi oder den eige­nen PKW ange­wie­sen wären.

Zu weni­ge Elek­tro­au­tos auf deut­schen Straßen

Der Elek­tro­an­trieb bei den Autos kommt dage­gen hier­zu­lan­de noch ziem­lich lang­sam aus der Kur­ve. Zwar war zuletzt ein Drit­tel der neu ange­mel­de­ten Fahr­zeu­ge elek­trisch unter­wegs. Doch der ver­meint­li­che Boom war eher ein Stroh­feu­er: Vie­le Käufer:innen woll­ten wohl noch die aus­lau­fen­den staat­li­chen Prä­mi­en einsammeln.

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15 Mil­lio­nen Elek­tro­au­tos sol­len 2030 über deut­sche Stra­ßen rol­len – also in sie­ben Jah­ren! Das ist zumin­dest das erklär­te Ziel der Bun­des­re­gie­rung. Es dürf­te kaum zu errei­chen sein. Aktu­ell wird gera­de mal eine reich­li­che Mil­li­on der rund 50 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge in Deutsch­land elek­trisch ange­trie­ben. So genann­te Plug-in-Hybri­de, also Autos, die sowohl einen Elek­tro- als auch Ver­bren­nungs­mo­tor besit­zen, sind dabei schon eingerechnet.

Kaum zu errei­chen: 15 Mil­lio­nen E‑Autos in Deutsch­land bis 2030 © Ryhor Bruy­eu / iStock / Get­ty Images

Stro­mer immer noch (zu) teuer

War­um läuft der Elek­tro­mo­tor, obwohl er schon 120 Jah­re alt ist, hier­zu­lan­de noch immer nicht rund? Neben Reich­wei­ten­angst und man­gel­haft aus­ge­bau­tem Lade­netz spielt der Preis eine wich­ti­ge Rol­le. Unter 25.000 Euro sind in Deutsch­land nicht ein­mal eine Hand­voll Model­le erhält­lich. Zuschüs­se von 6.000 oder 9.000 Euro hel­fen da nur bedingt und freu­en vor allem Fahrer:innnen mit einem ohne­hin schon dicken Geldbeutel.

Ob es sinn­voll ist, Leu­ten finan­zi­ell unter die Arme zu grei­fen, die sich einen Elek­tro-SUV von BMW, Vol­vo oder Mer­ce­des leis­ten kön­nen, sei dahin­ge­stellt. Wem die Zuschüs­se neben den Her­stel­lern nut­zen, zeigt ein Blick auf die Neu­an­mel­dun­gen: Zwei Drit­tel davon sind gewerb­li­che Fahr­zeu­ge, also Dienstwagen.

Zu groß: Ein Elek­tro-SUV hat eine ähn­lich schlech­te Öko­bi­lanz wie ein effi­zi­en­ter Die­sel © Marin Tomas / iStock / Get­ty Images

Scha­de eigent­lich, denn Elek­tro­fahr­zeu­ge könn­ten tat­säch­lich einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz leis­ten. Der Mobi­li­täts­for­scher Andre­as Knie vom Wis­sen­schafts­zen­trum Ber­lin für Sozi­al­for­schung (WZB) hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren diver­se Öko­bi­lan­zen rauf und run­ter­ge­rech­net und kommt zu dem Schluss: „Unter dem Strich ist das Elek­tro­au­to das deut­lich bes­se­re Auto.“ Aller­dings ver­rin­gert sich die­ser Vor­teil je grö­ßer und schwe­rer die Fahr­zeu­ge sind. „Es macht dann kaum noch einen Unter­schied, ob ich einen hoch­ef­fi­zi­en­ten Die­sel oder einen bat­te­rie­elek­tri­schen Wagen fah­re, weil bei­de hoch­gra­dig inef­fi­zi­ent sind.“

Nach wie vor wer­den die Autos aber immer grö­ßer und schwe­rer – einer der Haupt­grün­de, war­um wir beim Kli­ma­schutz im Ver­kehrs­stau stecken.

Deut­sche Auto­in­dus­trie setzt wei­ter auf Verbrenner

An die­ser Stel­le kom­men die deut­schen Auto­bau­er ins Spiel. Ihr Kern­ge­schäft ist und bleibt der Ver­bren­ner­mo­tor. Sie set­zen auf Luxus­ka­ros­sen und haben die Märk­te in Chi­na und der ara­bi­schen Welt im Blick. Das Inter­es­se an einer Antriebs­wen­de ist gering. Kein Wun­der, denn die Gewinn­span­nen bei Klein­wa­gen sind gerin­ger und bei den Elek­tro­an­trie­ben haben Her­stel­ler aus ande­ren Län­dern längst einen Rie­sen­vor­sprung. Die Auto­mo­bil­mes­se in Mün­chen hat es wie­der ein­mal deut­lich gezeigt: Auf das mas­sen­taug­li­che E‑Fahrzeug „Made in Ger­ma­ny“ müs­sen wir wei­ter warten.

Ben­zi­ner und Die­sel sind immer noch Kern­ge­schäft der deut­schen Auto­bau­er © Ima­go / pho­to­thek / Micha­el Gottschalk

Ohne­hin ist klar, dass der Wech­sel der Moto­ren nur ein Bau­teil für eine umwelt­ver­träg­li­che Mobi­li­tät sein kann. „Wir brau­chen weni­ger Autos, die weni­ger fah­ren,“ meint Ver­kehrs­for­scher Andre­as Knie. Die Zah­len des Kraft­fahr­zeug­bun­des­amts geben aller­dings wenig Grund zur Hoff­nung: Die Fahr­zeug­flot­te wächst wei­ter. Zur Zeit kom­men auf 1.000 Ein­woh­ner 583 Pkw. Das heißt: In Deutsch­land dür­fen alle vor­ne sit­zen. Immer­hin: Die Fahr­leis­tung, also die mit dem Auto zurück­ge­leg­ten Kilo­me­ter, sinkt.

Aller­dings löst das das Pro­blem der her­um­ste­hen­den Fahr­zeu­ge in den Städ­ten nicht. Die meis­ten Autos wer­den gera­de mal 45 Minu­ten am Tag genutzt, weni­ger als mei­ne Kaf­fee­ma­schi­ne. Die belegt aber kei­ne 12 Qua­drat­me­ter. Die rest­li­chen 23 Stun­den und 15 Minu­ten blo­ckie­ren Autos den öffent­li­chen Raum, der sich pri­ma für ande­re Zwe­cke nut­zen lie­ße. Das gilt natür­lich nicht nur für Ver­bren­ner. Pro­ble­me wie Staus, Unfäl­le, zuge­park­te Innen­städ­te und mehr Mikro­plas­tik durch Rei­fen­ab­rieb wer­den auch bat­te­rie­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge nicht lösen.

Fah­rend oder die meis­te Zeit geparkt: Autos neh­men zu viel Raum in Städ­ten ein © Canet­ti / iStock / Get­ty Images

Nut­zen statt besitzen

Aller Skep­sis zum Trotz sieht es so aus, also wür­de das Elek­tro­au­to für die Mobi­li­tät der Zukunft eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Das heißt aber nicht, dass wei­ter­hin jeder Haus­halt ein eige­nes Hei­li­ges Blech­le – nur eben mit Lade­ka­bel – benö­tigt. Für eine Ver­kehrs­wen­de müs­sen wir ande­re Sek­to­ren in den Blick neh­men. Die Fahr­zeug­flot­te muss ins­ge­samt schrump­fen. Sha­ring-Ange­bo­te könn­ten ein Ansatz sein. Wo sich das Prin­zip nut­zen statt besit­zen durch­setzt, hat der Bat­te­rie­flit­zer eine gute Chan­ce. Gleich­zei­tig brau­chen wir ins­be­son­de­re auf dem Land bes­se­re Ange­bo­te für den öffent­li­chen Nah­ver­kehr und natür­lich eine För­de­rung des Fahr­rads und des Laufens.

Kurz­um: Es bleibt viel zu tun für Ver­kehrs­mi­nis­ter Vol­ker Wissing.

Mehr zum The­ma gibt es in unse­rer Pod­cast-Fol­ge “Auf der Über­hol­spur – Kommt die Elek­tro­mo­bi­li­tät aus der Kur­ve?”.

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Kommentare (2)

  • Interessanter Artikel und nicht einfach schwarz-weiß wie viele andere zum Thema!
    E-Autos sind wohl besser als andere Autos aber ich wundere mich, ob E-Autos überhaupt so "gut" sind: die Batterien selbst sind alles außer nachhaltig/grün und der Strom, der die E-Autos betreibt, ist immer noch großteils mit fossile Energien produziert. Es sieht eher so aus, als ob das Problem einfach verschoben wird und nicht gelöst.

  • E Autos verschärfen das Klimaproblem

    Für die Erreichung von Klimazielen in Deutschland sind offensichtlich viele Menschen bereit anderswo die Umwelt zu zerstören.
    Der Regenwald wird zerstört, auch durch den Abbau metallische Rohstoffe, Kupfer, Nickel, seltener Erden..., was ua für die Batterien der E-Autos benötigt wird.
    Der Abbau ist mit massiven Menschenrechtsverletzungen und gravierender Umweltzerstörung verbunden und Menschen die dort leben verlieren ihr zu Hause und oft auch ihr Leben.
    Der angestrebte Boom bei E-Autos verschärft die Probleme.
    Auf nur einem Hektar tief entwässerten Torfboden In den Topen entweicht jährlich die gleiche Menge CO2, wie bei einer Autofahrt 7x um die Erde.
    Tausende Hektar Amazonas Regenwald werden für eine Kupfermine in Ecuador gerodet, die Abwässer des Tagebaus vergiften die Flüsse und die indigenen Shuar verlieren ihre Lebensgrundlage. Das Kupfer wird u. a. zu Kupferfolien verarbeitet die inAkkus für E-Autos zum Einsatz kommen.
    Die Regenwälder spielen eine entscheidende Rolle für das Weltklima und die Artenvielfallt, sie speichern 6xmehr CO2 als heimische Wälder. Wird der Regenwald abgeholzt, steigen große Mengen an CO2 in die Atmosphäre auf, die vorher in den Wäldern gebunden waren. Das beschleunigt den Klimawandel.
    Die E-Autos schützen weder das Klima noch lösen sie die anderen Probleme des Autoverkehrs .
    Es gibt auch Forschungen zu anderen Antriebsarten, warum wird das nicht gefördert?
    Es gilt eine soziale, ökologische und kilmafreundliche Rohstoff-und Mobilitätswende einzuleiten.

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