Kei­ne Koh­le für die Koh­le: So geht Dive­st­ment


Divestment © iStock / getty images
Keine Kohle für die Kohle © iStock / getty images

Geld regiert die Welt, wie es immer so schön heißt. Und oft genug wer­den öko­lo­gi­sche und ethi­sche Fak­to­ren bei Geld­ge­schäf­ten aus­ge­blen­det oder unter den Tisch fal­len gelas­sen. Jeder*r Ein­zel­ne kann dem jedoch etwas ent­ge­gen­set­zen. Unser aller Auf­ga­be ist es, Augen und Ohren offen­zu­hal­ten und zu prü­fen, was tat­säch­lich mit unse­rem Geld pas­siert. Wo wird es ange­legt? In was wird inves­tiert? Als VWL-Stu­den­tin inter­es­sie­ren mich Finanz­strö­me ganz beson­ders. Des­we­gen habe ich mich die­sem kom­ple­xen The­ma in mei­nem 2°Changemaker-Projekt gewid­met und eine Dive­st­ment-Kam­pa­gne an mei­ner Uni geplant.

Was genau ist eigent­lich Dive­st­ment?

Um das 2°C‑Limit ein­zu­hal­ten, sind eine Abkehr von fos­si­len Ener­gie­trä­gern und statt­des­sen Inves­ti­tio­nen in erneu­er­ba­re Ener­gien not­wen­dig. Eine Mög­lich­keit dazu ist es, den fos­si­len Ener­gien ihre Finan­zie­rungs­quel­len zu ent­zie­hen, also zu deinves­tie­ren. Denn vie­le Unis, Städ­te, Kom­mu­nen, Kir­chen oder ande­re Insti­tu­tio­nen inves­tie­ren direkt oder indi­rekt z.B. in RWE, Shell oder Gaz­prom. Dive­st­ment bedeu­tet, dass man sich von Akti­en, Anlei­hen oder Invest­ment­fonds trennt, die unöko­lo­gisch oder ethisch frag­wür­dig sind.

Dive­st­ment ist das Gegen­teil einer Inves­ti­ti­on

Es gibt bereits eine welt­wei­te Dive­st­ment-Bewe­gung. Die­se Fos­sil Free-Bewe­gung wird von einer brei­ten Basis tau­sen­der Graswurzelaktivist*innen ange­trie­ben, die ihre Insti­tu­tio­nen dazu auf­for­dern, aus fos­si­len Brenn­stof­fen zu deinves­tie­ren. Koor­di­niert wird dies auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne von der Orga­ni­sa­ti­on 350.org. Erfol­ge hat die Fos­sil Free-Bewe­gung z.B. in der Stadt Müns­ter oder der evan­ge­li­schen Kir­che Hes­sen-Nas­sau mit einer voll­stän­di­gen Deinves­ti­on oder bei der Alli­anz mit einer antei­li­gen Deinves­ti­ti­on erzielt.

Den fos­si­len Ener­gie­trä­gern den Geld­hahn abdre­hen – aber wie?

Wir kön­nen alle gemein­sam dafür sor­gen, dass sich Inves­ti­tio­nen in fos­si­le Brenn­stof­fe nicht mehr loh­nen. Wie? Zum Bei­spiel durch eige­ne Dive­st­ment-Kam­pa­gne. Wir alle kön­nen ver­su­chen, gro­ße Inves­to­ren wie Uni­ver­si­tä­ten, Städ­te oder Kir­chen davon zu über­zeu­gen, nicht mehr in fos­si­le Ener­gien zu inves­tie­ren.

So geht eine Dive­st­ment-Kam­pa­gne

Hier möch­te ich dir einen Leit­fa­den an die Hand geben, um dei­ne eige­ne Dive­st­ment-Kam­pa­gne an dei­ner Uni auf die Bei­ne zu stel­len. Dazu möch­te ich mei­ne Erfah­run­gen von mei­ner Kam­pa­gne an mei­ner Uni mit dir tei­len. Ganz grob habe ich mich am Leit­fa­den von Fos­sil Free ori­en­tiert, aller­dings muss­te ich deut­lich klein­schrit­ti­ger vor­ge­hen. Beto­nen möch­te ich noch, dass sich die­se Schrit­te kaum nach­ein­an­der abar­bei­ten las­sen, son­dern meist par­al­lel an ver­schie­de­nen Stell­schrau­ben gedreht wer­den soll­te.

Der Kohle den Geldhahn zudrehen © Arnold Morascher
Mei­ne Uni soll nicht in schmut­zi­ge Geschäf­te inves­tie­ren! © Arnold Mora­scher

1. Kon­takt zur Fos­sil Free Orts­grup­pe

In mei­nem Fall gab es vor eini­ger Zeit schon mal eine Fos­sil Free-Initia­ti­ve für mei­ne Stadt. Die­se Grup­pe hat­te sich zwar lei­der auf­ge­löst, ich bekam durch Tele­fo­na­te mit ehe­ma­li­gen Grup­pen­mit­glie­dern aber Zugang zu den dama­li­gen Recher­che­er­geb­nis­sen und Tipps für mei­ne Kam­pa­gne. Außer­dem erhielt ich Kon­takt­da­ten von Ansprechpartner*innen bei Fos­sil Free Deutsch­land und bei der Green­peace-Orts­grup­pe in mei­ner Stadt. Hier gibt’s eine Über­sicht über alle bestehen­den Grup­pen .

2. Recher­che zur Finanz­si­tua­ti­on der Uni

Für mei­ne Kam­pa­gne muss­te ich eini­ges über die Finanz­si­tua­ti­on mei­ner Uni her­aus­fin­den. Fra­gen nach der Rechts­form der Uni, den Zustän­di­gen für Finan­zen und den Kri­te­ri­en für Geld­an­la­gen soll­ten unbe­dingt geklärt sein. Am wich­tigs­ten ist natür­lich her­aus­zu­fin­den, wo und wie die Uni das Geld anlegt. Tipp: Bei der Recher­che kann es hilf­reich sein, wenn du dir ein klei­nes Team von Gleich­ge­sinn­ten suchst, die dich unter­stüt­zen.

3. Netz­werk auf­bau­en

Wie Dein Netz­werk kon­kret aus­sieht, ist sicher von den indi­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten abhän­gig. Mein Netz­werk hat­te ver­schie­dens­te Anknüp­fungs­punk­te und Gesich­ter. An die­ser Stel­le ein herz­li­ches Dan­ke­schön an alle, die mich unter­stützt haben: Johan­nes Ber­li­ner vom WWF Deutsch­land, Tine Lang­kamp von 350.org, ehe­ma­li­ge Mit­glie­der der Fos­sil Free-Initia­ti­ve mei­ner Stadt, die Green­peace-Orts­grup­pe mei­ner Stadt, Freund*innen, die an ande­ren Unis bei Fos­sil Free aktiv sind und mir berich­ten konn­ten, wie die Kam­pa­gnen bei ihnen abge­lau­fen sind und das Finanz­de­zer­nat mei­ner Uni. Tipp: ggf. kannst Du noch Dozent*innen und Kommiliton*innen um Unter­stüt­zung bit­ten. Auch Hoch­schul­grup­pen, Fach­schaf­ten, die Grü­ne Jugend o.ä. Jugend­ver­bän­de kön­nen Dich viel­leicht unter­stüt­zen.

4. Anfra­ge an das Finanz­de­zer­nat

Die­ser Punkt war am schwie­rigs­ten. Da die Bilanz mei­ner Uni nicht online ver­füg­bar war, muss­te ich im E‑Mailverkehr mit dem Finanz­de­zer­nat mei­ne Moti­va­ti­on erläu­tern und um die Bilanz bit­ten. Hier gibt es zwei Mög­lich­kei­ten vor­zu­ge­hen: Freund­li­ches Inter­es­se bekun­den, oder auf Kon­fron­ta­ti­on gehen und Druck machen, indem man auf die Umwelt­in­for­ma­ti­ons­pflicht ver­weist. Ich habe zunächst ers­te­ren Weg gewählt, um mir an der Uni kei­ne Türen zu ver­schlie­ßen und hin­ter­her ohne Bilanz dazu­ste­hen. Dies ist lei­der nicht auf­ge­gan­gen. Ich habe die Rück­mel­dung erhal­ten, dass mir vor­erst kei­ne Bilanz zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kann. Man sag­te mir, es wer­de noch dar­über bera­ten, ob dies grund­sätz­lich mög­lich ist. Damit war mein Pro­jekt vor­erst been­det. Denn ohne Bilanz weiß ich nicht, ob mei­ne Uni in fos­si­le Ener­gie­trä­ger inves­tiert. Und ohne das zu wis­sen, kann ich auch nicht for­dern, dass deinves­tiert wer­den soll.

5. For­de­rung nach Dive­st­ment

Wenn es Euch gelingt, die Bilanz zu erhal­ten und Ihr fest­stellt, dass Eure Uni in fos­si­le Ener­gie­trä­ger inves­tiert, steht der For­de­rung nach Dive­st­ment nichts mehr im Wege. Dann ist es nur sehr wich­tig, dass Ihr vor­her die Stu­die­ren­den­schaft und somit die Öffent­lich­keit mobi­li­siert (z.B. mit einer Peti­ti­on, Podi­ums­dis­kus­si­on oder Info­aben­den). Ori­en­tiert euch bei eurer For­de­rung nach Dive­st­ment am bes­ten an erfolg­rei­chen Bei­spie­len, z.B. aus Müns­ter oder Ber­lin.

Wie geht es an mei­ner Uni wei­ter?

Ab Sep­tem­ber wer­de ich ein Aus­lands­se­mes­ter machen und mein Dive­st­ment-Pro­jekt nicht aktiv wei­ter ver­fol­gen kön­nen. Ich wer­de aber ein Fact Sheet erstel­len, mit allen Infos und Ansprechpartner*innen, die ich für mei­ne Uni her­aus­ge­fun­den habe und die­ses Fact Sheet mit Green­peace und Fos­sil Free tei­len. Außer­dem ver­su­che ich gera­de, Kon­tak­te zum Asta zu knüp­fen. Ich hof­fe, dass sich bes­ten­falls jemand aus die­sen drei Grup­pen in mei­ner Abwe­sen­heit um die Beschaf­fung der Bilanz küm­mern wird. Dann kön­nen wir in einem hal­ben Jahr mit der kon­kre­ten Kam­pa­gne durch­star­ten.

Lasst uns der Koh­le die Koh­le ent­zie­hen!

Alles in allem lief mei­ne Dive­st­ment-Kam­pa­gne anders als erhofft, da ich die Bilanz mei­ner Uni in die­sen fünf Mona­ten nicht erhal­ten konn­te. Trotz­dem habe ich sehr viel gelernt und bin vor allem sehr glück­lich über das gro­ße Netz­werk, das ich mir in die­ser kur­zen Zeit auf­bau­en konn­te. Somit bin ich sehr moti­viert, nach mei­nem Aus­lands­se­mes­ter die Bilanz doch noch auf­zu­trei­ben oder zumin­dest Nachfolger*innen zu fin­den, die mei­ne Uni zum Dive­st­ment brin­gen. Hast du Fra­gen oder Anre­gun­gen zu dei­ner oder mei­ner Dive­st­ment-Kam­pa­gne? Dann mel­de dich jeder­zeit ger­ne über die Kom­men­tar­funk­ti­on bei mir. In die­sem Sin­ne, lasst uns der Koh­le die Koh­le ent­zie­hen und an so vie­len Unis, Schu­len und Städ­ten wie mög­lich Dive­st­ment-Pro­jek­te umset­zen!

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1 Kommentar

  1. Avatar
    13. Februar 2018
    Antworten

    Lie­be Frau Stocks,

    ein Arti­kel in unse­rer Tages­zei­tung hat mich auf Sie auf­merk­sam gemacht. Ich bin seit 1996 lei­den­schaft­lich Ener­gie­be­ra­ter, um dem Kli­ma­wan­del die Stirn zu bie­ten. Doch immer stär­ker ist mir bewusst gewor­den, dass wir in Deutsch­land an dem Ziel vor­bei­sch­lit­tern.

    Ich hat­te des­halb im letz­ten Jahr ange­fan­gen, öffent­li­che Vor­trä­ge zum The­ma “Kli­ma­wan­del” zu hal­ten. Inzwi­schen bin ich in die­ser Sache schon mit wei­te­ren Akti­vis­ten ver­netzt, so dass ich Unter­stüt­zung bei mei­nen Vor­trä­gen bekom­me.

    Ihren Blog zur Dive­st­ment-Kam­kam­pa­gne fin­de ich inter­es­sant sowie auch den Blog von Herrn Joern Ehlers zum The­ma “Die fünf Kli­ma­ver­spre­chen der Ange­la Mer­kel”. Gern neh­me ich die Infor­ma­tio­nen auf und wer­de sie auch in mei­nen Vor­trä­gen mit ver­ar­bei­ten und ver­brei­ten.

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